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„Schönste Innenstadt“ soll mit 18 Millionen saniert werden

22.06.2022 • Achim Süß • Aufrufe: 726

Einstimmig hat der Ortsrat Wunstorf am Donnerstag Vorentscheidungen für die tiefgreifende Umgestaltung der Innenstadt getroffen. In den nächsten 15 Jahren sollen aus Städtebauförderungsprogrammen insgesamt fast 18 Millionen Euro investiert werden. Hintergrund: Die Hälfte der Gebäude in der „schönsten Innenstadt der Region“ – so die Werbung – muss laut Gutachten saniert werden. Und: Der sogenannte öffentliche Raum, vor allem die Fußgängerzone, zeige „erhebliche Mängel“.

22.06.2022
Achim Süß
Aufrufe: 726
Wasserlauf an der Fußgängerzone | Foto: Daniel Schneider

Wunstorf (as). Der Ortsrat der Kernstadt ist das erste städtische Gremium, das nach einer langen Vorbereitungsphase und diversen Untersuchungen ein Votum zum Thema Innenstadtsanierung abgibt. Das „Herz von Wunstorf“, wie Bürgermeister Carsten Piellusch (SPD) die City nennt, steht bis Anfang Juli auch im Bauausschuss, im Verwaltungsausschuss und im Rat auf der Tagesordnung.

In der Mensa der IGS hörte der Ortsrat jetzt zunächst einen zusammenfassenden Vortrag von Frank Schlegelmilch von der Bremer BPW Stadtplanung. Schlegelmilch schilderte die Details der detaillierten Bestandsaufnahmen, Befragungen und Vorschläge. Er sparte wie auch die Stadtverwaltung in den vielen dicken Beschluss- und Informationsdrucksachen die Schwachstellen des Zentrums nicht aus.

Verbaute Innenstadt

Seine Aufzählung war lang. Einige Beispiele: Wunstorf habe eine „wunderbare Altstadtsituation“ zu bieten. Die werde aber nicht empfunden und gefühlt, weil sie zum Teil verbaut sei. Der Platz an der Abtei zum Beispiel biete ein „viel größeres Potenzial“ und sei derzeit unter Wert verkauft. Wasser in der Stadt sei immer „sehr reizvoll“, wirke im Fall der Südaue an der Südstraße aber eher negativ, weil Beton den Blick verstelle. Das Pflaster in der Fußgängerzone sei „unruhig“ und lenke vom Reiz der „tollen Gebäude“ ab. Aber gerade der Gebäudebestand sei ein Problem. Sehr viele Häuser seien renovierungsbedürftig, und dabei „brauchen die Hauseigentümer Hilfe“. Zu viele „Hinterhofsituationen“ störten den Gesamteindruck. Schlegelmilch: „Sie sehen das vielleicht nicht mehr.“

Vor der Sitzung besichtigte der Ortsrat die Stadtschule, hier die Treppe über der Mensa. Einhelliges Urteil: ein gelungenes Ensemble aus Altem und Neuem. Thomas Silbermann: „Ein toller Lernort“ | Foto: privat

Der Bremer Experte („wir machen das seit 30 Jahren“) zählte nicht nur Kritikpunkte auf. Er machte dem Ortsrat auch Hoffnung: Wunstorf habe mit den Städtebauförderungszuschüssen viel Geld zur Verfügung. Das erlaube einerseits viele Veränderungen, und die öffentlichen Investitionen lösten erfahrungsgemäß private Ausgaben in etwa der gleichen Größenordnung aus. Das sei oft nicht sofort der Fall, aber es sei eine Beobachtung bei vielen Projekten in Deutschland. Schlegelmilch: „Das springt über …“

Ohne Diskussion und nach wenigen Nachfragen stimmte der Ortsrat geschlossen zu, das Projekt weiter voranzutreiben.

von Achim Süß
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Kommentare


  • Wunstorfer sagt:

    Die Eigentümer der „sanierungsbedürftigen“ Häuser sollen die Renovierung doch bitte selber zahlen, aber nicht der Steuerzahler! Bei der Lage dürften ja auch entsprechende Mieteinnahmen vorhanden sein…

    Eigentum verpflichtet!- Art. 14 Abs. 2 Grundgesetz.

    Wenn Eigentümer es trotzdem nicht stämmen können, wäre ja ggf. ein geförderter oder sogar ganz zinsloser Kredit eine Möglichkeit, aber warum muss denn der Steuerzahler private Häuser sanieren und damit auch noch deren Wert steigern???

  • Lydia Bertani sagt:

    Welchen Zweck ha/hatte eigentlich die komplexe Beton-Konstruktion an der Südaue/Südstraße?
    Das sieht fast aus wie eine „Anlegestelle für Gondoliere“ die man sogar halb, deshalb sinnfrei barrierefrei ausgeführt hat.
    Ging wohl nur darum, eine Auftrag zu vergeben?

    „Sehr viele Häuser seien renovierungsbedürftig, und dabei „brauchen die Hauseigentümer Hilfe“. “
    Wie soll die dazu nötige Hilfe aussehen? So ähnlich wie der rote Aufkleber (Bitte entsorgen Sie ihren Abfall) an Autos, die ohne Kennzeichen im öffentlichen Verkehrsraum aufgefunden werden?
    Sofern die Annahme von „Wunstorfer“ zuträfe, dass Leuten, die ihr Geld lieber in andere Dinge stecken, hier finanziell oder mit Renovierungen geholfen wird: Bei mir darf auch mal jemand vorbei kommen und mein Auto waschen, die Fenster putzen und das Unkraut zupfen.

  • Hans Werner sagt:

    In dieser Betonkonstruktion haben wir in den 90er Jahren herrlich das gebumst, was Stadtfest oder die Affendisko hinter dem Stadttheater hergegeben haben. Dieser Spass sollte auch folgenden Generationen erhalten bleiben. Außerdem kann man sich da unten prima erleichtern, wenn man am Freitag auf dem Wochenmarkt schon das dritte Pils im Pullover hat und es langsam drückt….

  • Gilbert sagt:

    Hans Werner ist der Brüller ! Geile Sch…

  • Birgit sagt:

    Der Ortsrat hat beschlossen[…], nachdem er sich den Vortrag des Herrn Schlegelmilch angehört hat – erst danach, wohlbemerkt, und natürlich muss die „schönste Innenstadt der Region“ davon profitieren. Es verwundert, dass bei der Titulierung der schönsten Innenstadt andere Städte mit schönem Innenraumflair nicht endlich mal ausrufen: „Was beansprucht ihr da eigentlich?“

    Gehen wir nicht allzu weit. Neustadt am Rübenberge, wohl jedem bekannt, hat gezeigt, dass eine nette Innenstadt durchaus gewürdigt werden kann, ebenso wie das Engagement der Stadt, sozialen Wohnungsbau aufzustellen, man betrachte die Neuerrichtungen, die Listen der Bewerber sind lang.

    Apropos – wird hier Planungssicherheit von Außen benötigt, weil man es intern nicht zu erreichen scheint?

    Die soziale Netzwerkdichte sollte in einer Stadt erhalten bleiben. Die Stadt, für Jedermann offen, erhöht die Komplexität. Eine ungenügend verteilte Wohnungsmöglichkeit für Alle zerstört dieses. Nur auf das Äußere zu bauen und dieses zu favorisieren, gleicht einem Schattenspiel.

    Man redet von Investitionen, Sanierungsmaßnahmen, unschönen Innenhöfen, einem Weg, der so schlecht ist, dass er von den schönen alten Bauten ablenkt … . Ist das wie bei „Hans-guck-in-die Luft“ aus dem Struwwelpeter? Nur dass Hans in die Luft schaut und nicht auf die Altbauten und so ins Wasser fällt. Pardon, nur ein Bild. -Aber ein Schuss Wasser hat noch keinem geschadet -!

    Die Beziehung auf die ausschließliche Befriedigung des Allgemeinwohls darf nicht die Individualdistanz Derjenigen bedrohen, die sich in ihren alten Häusern und ihren Innenhöfen wohlfühlen. Das Allgemeinwohl hört da auf (und damit auch die Interessen eines Stadtplaners) wo die Bedürfnisse der dort Wohnenden beschnitten werden. Das gleicht einer Enteignung.

    Sanierung – ein Wort großer Bedeutung. Oder soll es die drohende Abrissbirne ankündigen, um danach stadtwirksame Betonklötze aufzustellen mit Mieteinnahmen, wo jede Monatsmiete das Einkommen eines Normaloverdieners um das Zwei- oder gar Dreifache übersteigt? Oder wird tatsächlich mal das Alte bewahrt, ohne dass die Häuserabrisssucht von Steinhude und Großenheidorn sich auch auf „Die schönste Stadt der Region“ ausweitet?

    Apropos Palmenweg, natürlich überdacht. Versorgt doch bitte erstmal die schönen alten Bepflanzungen, ohne im mediterranen Flair umherzuschwirren. Altes bewahren kann man nun mal nicht mit ausufernden Neuerungen, die letztendlich eine hässliche Tabantenstadt ausmachen.

  • Birgit sagt:

    Hoffentlich bedeuten Sanierungsmaßnahmen nicht die Abrissbirne. Pardon, aber es soll Menschen geben, die sich in alten Häusern mit den dazugehörenden Innenhöfen wohlfühlen.

  • Diether sagt:

    Unsere Innenstadt wird als historisch gesehen. Warum schreiben wir es dann nicht dran – hier geht es zur Altstadt?!
    Es sind dringend Vorgaben der Politik /Bauverwaltung erforderlich, damit nicht jeder Investor machen kann was er will. Wenn wir die schönste Innenstadt der Region in Zukunft haben wollen, sind Vorgabe zur Höhe der Gebäude und Materialien dringend festzulegen und durchzusetzen. Solche Dinge wie Balzer/Südstraße oder Pelz/Langestraße sind nicht akzeptabel. Langestraße 102 oder Sundermannstraße sind eine Schande.
    Weiterhin sollte das Freibadgelände nicht bebaut werden – lieber Bolzplatz, Kinderspielplatz, Park, Brunnen etc. Eine Stadt sollte nicht nur aus Häuser bestehen um attraktiv für die Einwohner zu bleiben. Lass wir Natur zu in der Innenstadt und reduzieren wir Beton.

  • Georg Braunroth C D U Butteramt sagt:

    Eine Sanierung ist kein Abriss und eine Sanierung muß immer und nach bestimmten Zeitabständen und Gebäudezuständen in Angriff genommen werden. Wenn der Rat Sanierungsmaßnahmen für 18 Mio. in 15 Jahren vorgesehen hat ,ist das bestimmt angebracht. Die Sanierung des Hallenbades – vor 5 Jahren zu einer Summe von 20 Mio. beschlossen ,ist noch nicht begonnen , die voraussichtlichen Kosten sind aber bis heute schon auf 38 Mio. gestiegen. Zu einer vernünftigen Sanierung der ALTSTADT sollte diese bis zu Haster-Straße nach Westen und mitb der Einbeziehung des Alten-Marktes nach Süden ,durchgeführt werden. Die Parkplätze am Alten-Markt müssen verschwinden – der Markt als Marktplatz wieder hergerichtet werden- Darum gehören Kleine Geschäfte ,Lokale ,Bistros , usw.usw. Neustadt hatte eine Sanierung der Altstadt zu spät in Angriff genommen. Als man begonnen hat waren fast alle interessanten Geschäfte abgewandert. So blieb Neustadts Altstadt recht trostlos . In Wunstorf sollte man erst Mal einen RUNDEN TISCH aus Eigentümern – Interessenten – und alten und jungen Bürgern zusammensetzten um festzustellen: Was haben wir – was wollen wir – ist es finanzierbar. Eine Fremdfirma zu beauftragen ,wie geschehen , und danach eine Rundfrage zu machen ,wie geschehen, ist unsinnig – zuerst sollten die Bürger ,die die Altstadt nutzen feststellen — Was haben wir — und was hätten wir gerne.

  • Birgit sagt:

    Beim Lesen von „muß“, „sollte“, „müssen“ spiegelt sich das Vokabular der Berichterstatter von Zeitung und Fernsehen, wenn sie eine politische Debatte wiedergeben. Apropos, wenn bereits vor einigen Jahren die Restauration, pardon, Sanierung, des Wunstorfer Hallenbades anlag, wieso erfolgt ein Warten, bis die Kosten ins Uferlose gestiegen sind? Wenn Parkplatz weg, wohin dann? Wieder ein Stück grüne Umwelt weichen lassen? Oder ab nach Steinhude, passt ja, Hallenbad wird ersetzt durch Badeinsel, kostet ohnehin nix, und Touristen sind ja immer willkommen, verstopfte Straßen inklusive. Und nicht zuletzt: Es mag schön klingen, alle am „Runden Tisch“, aber den gab es sicherlich schon vor vielen Jahren er wurde nur nicht einberufen.

    Und ja – die kleinen, löblich literarisch besungenen kleinen Geschäfte. Man darf daran erinnern, dass gerade diese in letzter Zeit so häufig verschwanden, leider. Und das wahrscheinlich nicht ohne Grund. Den Ersatz für die kleinen Geschäfte in Form von Immobilienbüros oder anderen Schreibtischgespensterbüros zu suchen und – leider – auch zu finden, passt wohl nicht in das obig gezeichnete Bild.

    Welche kleinen Geschäfte sollen denn öffnen (und bleiben)? Vielleicht ein Spielzeugladen? Ein schöner Traum. Komme gerne zur Einweihung.

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