
Großenheidorn (red). Der Ortsrat Großenheidorn hat das Raumprogramm für den Umbau der Grundschule zur Ganztagsgrundschule mit großer Mehrheit beschlossen. Lediglich der stellvertretende Ortsbürgermeister Jelger Tosch stimmte gegen die Vorlage. Der FDP-Politiker begründete seine Gegenstimme mit grundsätzlichen Zweifeln an der inhaltlichen und konzeptionellen Grundlage des Projekts und übte dabei auch deutliche Kritik an der Schulleitung.
Tosch betonte, dass sich seine Ablehnung nicht gegen den Ausbau des Ganztags richte, sondern gegen die Reihenfolge der Planung. „Ganztag ist kein Bauprojekt, sondern ein pädagogisches Konzept. Wer zuerst Räume festlegt und danach über Inhalte sprechen will, stellt die Planung auf den Kopf. Pädagogik muss den Raum bestimmen – nicht umgekehrt. Alles andere ist fachlich falsch und am Ende teuer“, sagte Tosch.
Besonders problematisch sei aus seiner Sicht, dass in der Sitzung trotz konkreter Nachfrage kein pädagogisches Schul- oder Ganztagskonzept vorgelegt werden konnte. Schulen seien jedoch verpflichtet, ein solches Konzept zu besitzen, fortzuschreiben und zugänglich zu machen. „Wenn weder Verwaltung noch Schulleitung erklären können, welches pädagogische Leitbild dieser Ganztag eigentlich verfolgen soll, dann ist es nicht verantwortbar, ein Raumprogramm über rund 10 Millionen Euro zu beschließen. Hier wird mit Flächen geplant, ohne zu wissen, wofür sie pädagogisch gebraucht werden“, erklärte Tosch.
Deutliche Kritik übte der FDP-Politiker zudem an Aussagen der Schulleiterin während der Sitzung. Diese hatte unter anderem erklärt, die von Tosch infrage gestellte geplante Größe des Lehrerzimmers von 70 Quadratmetern sei eine Vorgabe der Landesschulbehörde.
Zum Vergleich: Die neue Mensa, in der die Grundschüler fürs Mittagessen zusammenkommen, wird mit 90 Quadratmetern geplant - gegessen werden soll deshalb im Drei-Schicht-Betrieb. Rund 100 Schüler besuchen derzeit die Grundschule Großenheidorn.
Nach Toschs Darstellung existiert eine solche Behörde jedoch in dieser Form nicht mehr, zudem gebe es keine verbindlichen landesrechtlichen Quadratmeter-Vorgaben für Lehrerzimmer. Raumprogramme seien Aufgabe des kommunalen Schulträgers und müssten sachlich begründet werden.
Auch den Umgang der Schulleitung mit kritischen Nachfragen bezeichnete Tosch als inakzeptabel. „Ich erwarte von einer Schulleitung, die für sich einen hohen pädagogischen Anspruch reklamiert, einen professionellen und respektvollen Umgang mit demokratisch gewählten Mandatsträgern. Abfällige Reaktionen und das Abtun berechtigter Fragen ersetzen weder rechtliche Grundlagen noch ein pädagogisches Konzept“, so Tosch.
Mit seiner Gegenstimme habe er bewusst ein Zeichen setzen wollen. Er unterstütze den Ausbau der Ganztagsbetreuung ausdrücklich, fordere jedoch Transparenz, fachliche Sauberkeit und wirtschaftliche Verantwortung. Dazu gehöre zwingend, dass das pädagogische Konzept der Schule offengelegt und öffentlich diskutiert werde, bevor endgültige bauliche Entscheidungen getroffen würden.
Herr Tosch war in der Ortsratssitzung!
Das ist bemerkenswert, weil er sich sonst monatelang nicht blicken lassen hat.
Achja, es ist ja Wahlkampf.
Was heißt denn „monatelang nicht blicken lassen“? Die letzte Ortsratssitzung war im Oktober vergangenen Jahres, bevor am 11.02. die erste des Jahres 2026 stattfand. Im übrigens war ich in fast jeder Sitzung in dieser Wahlperiode. Wenn ich mal gefehlt habe, dann aus gesundheitlichen Gründen. Dies kam etwa dreimal vor. Was genau soll jetzt das Argument ihres Kommentars sein?
Guten Tag Marcel (oder wer auch immer hinter diesem Pseudo steckt). Es ist schon sehr auffällig, dass auch ich genau diesen Satz „… war mal anwesend oder ist nie da“ in verschiedenen Kanälen zu lesen bekommen habe! Ganz ehrlich? Diese persönlichen Angriffe bringen uns nicht weiter!
Ich habe mir mal die Beratungsdrucksache für diese Entscheidung angeschaut.
Anders als Luisa finde ich, dass sich Herr Tosch meiner Meinung nach nicht mit dem Thema befasst hat.
Es ging aktuell nur um ein Raumprogramm, also um den Bedarf an Räumlichkeiten. Und hierbei hat die Schule entsprechend ihrer Vorstellungen mitgewirkt. Es stand also die Frage im Raum, tragen die Gremien das mit, was die Schule und die Fachleute sich organisatorisch vorstellen?
Erst im nächsten Schritt geht es um einen Bauplan, wie die Schule, bzw. ihr Anbau genau aussehen soll.
Zu Herrn Tosch’s Aussage, eine „Landesschulbehörde“ gäbe es nicht mehr, kann ich nur festhalten, dass diese nun „Regionales Landesamt für Schule und Bildung“ heißt. Aber das ist doch wohl eher eine Spitzfindigkeit, oder?
Ich würde mir wünschen, dass ein stellvertretender Ortsbürgermeister die Schulleiterin der Dorfschule unterstützt und nicht öffentlich bloßstellt. Insbesondere, wenn die Schulleiterin erst im laufenden Prozess die Schule übernommen hat. Die ersten Pflöcke wurden ja schon von ihrer Vorgängerin eingeschlagen.
Erst in der Sitzung öffentlich so angehen und dann noch mit einem Statement hinterher nachzutreten ist eine Frechheit. Das auch vor dem Hintergrund, dass der Ortsrat die Gelegenheit hatte, in der Arbeitsgruppe dieser Planung mitzuwirken.
Mag sein, dass das im Bundesvorstand der Jungen Liberalen so üblich ist, in der Kommunalpolitik ist solch ein Verhalten schäbig.
Ach sie an, Herr Trosch war mal anwesend. Sonst fällt er durch nicht Anwesenheit auf.
Lässt sich ja in den Protokollen des Ortsrates von 2021 bis heute nachlesen, wie oft ich da war. Gern mal reinschauen :)
Leider konnte ich an der letzten Ortsratssitzung nicht teilnehmen. Wenn es denn echt so war, wie hier dargestellt, ist das Verhalten wirklich beschämend.
Respekt!
Starke Argumente, klare Linie, deutliche aber respektvolle Aussagen. Scheint sich „im Ehrenamt“ besser informiert zu haben, als Personen, die dafür bezahlt werden… Könnte ich ihn wählen – meine Stimme hätte er.