
Wunstorf (as/ds). Anders als zunächst geplant, lässt die Sparkassenführung das jetzige Gebäude vollständig abtragen. Allein das Kellergeschoss soll erhalten bleiben. Es wird allerdings umgestaltet, weil die Statik des Neubaus Änderungen verlangt. Mit dem „geordneten Rückbau“ soll im nächsten Jahr begonnen werden. Die Abrissbirne werde nicht eingesetzt, kündigt Sparkassen-Architekt Jörg Kairies an.
Mit der Hauptstelle der ehemaligen Stadtsparkasse – eröffnet 1980 – verschwindet eines der stadtbildprägenden Gebäude im Herzen der Stadt. Wer das als Verlust einschätzt, kann getröstet werden: Das neue Gebäude ist keine stil- oder seelenlose Zweckarchitektur, weder Brutalismus noch Minimalismus. Kairies lobt den Entwurf des Bremer Büros Westphal wegen der „sehr gut aufgelösten optischen Masse“. Der Neubau sei keine „Kiste mit Löchern“. Vielmehr sei es eine „architektonische Entsprechung“ des Bekenntnisses der Bank zu Wunstorf.
Das viergeschossige Haus kann ein neuer Blickfang am Marktplatz werden. Mit der klar gegliederten Fassade, den großen Fensterflächen, den gleichartigen Giebeln im Obergeschoss und vor allem den rot-braunen Mauerziegeln als Verblender passt es sich der Umgebung an.

Der Haupteingang liegt weiterhin direkt an der Fußgängerzone im Bereich der Langen Straße. Das Gebäude wird jedoch zu Abteihügel und Abtei hin um einige Meter kürzer als der Altbau. Damit wird der Blickwinkel auf die Abtei vom Marktplatz aus erheblich vergrößert. Für die im Rahmen des Fußgängerzonenumbaus geplante Neugestaltung des Bereichs zwischen Abtei, Stadtkirche und Neubau, also den Ville-de-Flers-Platz mit der Arnswalder Schnitterin, eröffnet dieser Plan der Architekten zusätzliche Möglichkeiten.
Auch der Blick auf die Rückseite der Sparkasse vom Abteihof aus wird sich wesentlich verändern: Der Baukörper ist gegenüber dem Altbau reduziert und bietet zum Wendehammer hin eine große Dachterrasse im ersten Obergeschoss, die bepflanzt werden soll, eventuell auch einen Baum tragen könnte. Typisch auch für diesen Gebäudeteil: die Giebel mit großen Fenstern.

Die Eröffnung des neuen Beratungszentrums ist für die zweite Hälfte des Jahres 2028 geplant. Bis dahin wird der Betrieb an drei Stellen in der Innenstadt aufrechterhalten: Im Altbau Lange Straße 2 bleiben die bekannten Räume bis November 2025 geöffnet.
Danach beginnen Räumung und Abriss. Der bekannte Standort der Sparkasse im Haus Lange Straße 9 wird noch im Juli für Umbauten geschlossen. Ab September sollen sich dort Kundinnen und Kunden nach Vereinbarung beraten lassen können. Neu als Standort kommen vorübergehend von November 2025 an Räume im Haus Südstraße 9 hinzu. Das Beratungszentrum bietet dort eine Bargeldkasse, Serviceleistungen, Schließfächer, Geldautomaten und Überweisungsterminals an. Ebenfalls als Ausweichquartier nutzt das Institut das Gebäude der früheren Volksbank an der Langen Straße. Dort entstehen interne Arbeitsbereiche ohne Kundenverkehr. Das Haus gehört jetzt einem Wunstorfer Anwalt. Das Erdgeschoss wird zurzeit noch nicht genutzt.

Um die Übergangsquartiere auszustatten, investiert die Sparkasse zwei Millionen Euro. Die Kosten für den Neubau werden von den Bremer Architekten auf 18 Millionen Euro geschätzt. Damit ist das hannoversche Bankhaus – Nummer 6 unter den großen Sparkassen in Deutschland – bereit, viel mehr Geld auszugeben als vom Vorstand der früheren Stadtsparkasse vor der Fusion vorgesehen. Die ursprünglichen Pläne sahen ein Bauvolumen von 15 Millionen Euro vor.
Im Erdgeschoss des Neubaus soll ein Selbstbedieungsfoyer mit Geldautomaten und Überweisungsterminals entstehen, außerdem Bereiche für Bargeldkasse und Service. Die Schließfachanlage wird auf etwa 1.000 Einheiten vergrößert. Barrierefrei sollen dort Beratungsräume eingerichtet werden. Bereiche für vertrauliche Gespräche soll es außerdem im 1. und im 2. Obergeschoss geben. Mietflächen in 2. und 3. Etage vervollständigen das Raumprogramm.

Wie von Rat und Verwaltung der Stadt erhofft, sieht der Neubau im Erdgeschoss einen „Konferenzbereich“ vor. Der Raum soll einen direkten Zugang zum Vorplatz erhalten und auch für Veranstaltungen genutzt werden können. Der Stadtrat Wunstorfs wird, wie bislang vermutet wurde, dort nach derzeitigem Entwurf jedoch kaum zusammenkommen können. Für die Ratsmitglieder würden in diesem Fall wohl nur Stehplätze vorhanden sein: Die Dimensionen des Raumes entsprechen eher der Personenanzahl eines Ausschusses – und zusätzlicher Platz für Zuhörer wird in der Regel auch noch benötigt.
Für Volker Alt ist das Projekt ein „Commitment“: Der Vorstandsvorsitzende der hannoverschen Sparkasse legt bei der Vorstellung der Entwürfe vor Journalisten ein klares Bekenntnis ab: „Wir stehen zu diesem Standort – heute und in Zukunft!“ Ganz bewusst und voller Überzeugung investiere die Sparkasse mehr Geld als vom Vorstand der Stadtsparkasse Wunstorf geplant, erklärt Alt im Gespräch mit der Auepost: „Dies soll ein guter Standort sein.“

Die Planungen für den Neubau waren noch vom Vorstand der ehemaligen Stadtsparkasse auf den Weg gebracht worden – vor der Übernahme. Zunächst war geplant, das Stahlbetonskelett des Gebäudes zu erhalten. Der Verlust der Selbstständigkeit hatte aber auch Konsequenzen für das Raumprogramm: Der gesamte Vorstandsbereich mit Empfangstresen, Büros und Besprechungsräumen war nicht mehr notwendig. Kairies, der für die Sparkasse die Umsetzung der Entwürfe in Wunstorf koordiniert, nennt den Altbau ein „Kind der Achtziger“. Das Haus heutigen Anforderungen anzupassen und umzubauen, wäre wirtschaftlich nicht vernünftig gewesen.
Die Neuplanung hat länger gedauert, als es sich Bürgermeister Carsten Piellusch (SPD) eigentlich gewünscht hatte. Er hatte mehrfach verlangt, den Bauantrag im ersten Quartal dieses Jahres vorzulegen. Das war allerdings bei der Präsentation der Entwürfe kein Thema mehr. Vielmehr lobte Piellusch die Sparkasse als einen sehr zuverlässigen Partner – von den ersten Verhandlungen über die Fusion bis hin zum Neubau. Es sei gut, dass die Sparkasse im Herzen der Stadt bleibe. Das neue Gebäude stelle einen „Mehrwert für alle“ dar, auch die Bürger profitierten davon: Der Mehrzweckraum im Erdgeschoss betone „das Miteinander von Sparkasse und Stadtgesellschaft“.
Letzteres…
Ich kann dem nur zustimmen. Aber vielleicht entsteht ja in den oberen Etagen Wohnraum, den sich der Normalbürger nicht leisten kann?
Das ist eine sehr gute Idee. Da würde ich dort sofort ein, zwei Zimmer anmieten und dann in aller Ruhe von oben Probebohrungen in den Tresor- und Schließfach-Raum der Sparkasse durchführen. Dazu hätte ich keine Anfahrtskosten, es wäre nicht auffällig und auch keiner Überwachungskamera würde etwas auffallen. Also sagt bitte umgehend Bescheid, wenn oberhalb der neuen Sparkasse Wohnräume angeboten werden sollten.
Späßle g’macht…
Gut, dass die Sparkasse im unmittelbaren Innenstadtbereich verbleibt.Ein Pluspunkt dort gegen drohende Verödung. Nun muß man noch die Parkmöglichkeiten ohne ideologische Scheuklappen ausweiten. Das steigert die Attraktivität des Umfeldes. Die Werbegemeinschaft sollte nicht untätig bleiben.
Zusatz: Die Parkfläche Nordwall kann sicherlich um zwei Parkflächen mit optischen Reizen aufgestockt werden. Man muss nur wollen.
Sind ja nur 20 Millionen ! Raus mit der Kohle
Höher, weiter, grosse Gestaltung wirft ihre Schatten voraus, jahrelangen Lärm für die Anwohner inklusive. Aber, ganz egal, neuer „Besitzer“, schon fällt der Hämmer.
Es wäre sicherlich ganz gut, würde man in die oberen Etagen bezahlbaren Wohnraum inkludieren, denn im Zuge der immensen Neuerungen in Wunstorfs City und drumherum fragt man bedenklich, warum sich um diesen Punkt außer immer wiederkehrender Anzeigen horrendster Preisvorstellungen keiner stört, Hausabrisse gibt es ja fast jeden Tag, leider.
Wie wäre es mit Stehenlassen und Denjenigen ein Heim zu bieten, die anscheinend immer hinten an stehen?
Aber immer schön die Fassade wahren, das Wirkliche verdeckend.
Neubau unnötig, dennoch praktiziert. Und das Nötige vergessend.
Da kann man sich schon fragen, warum man ein großes Gebäude, das gerade mal 45 Jahre alt ist und viel Geld gekostet hat, nun komplett abreißen und durch ein neues, noch größeres ersetzten muss – und das in Zeiten, in denen Bankdienstleistungen und -Vorgänge immer automatisierter und über’s Internet stattfinden. Sind da alle Beteiligten noch auf dem Weg von Maß und Mitte? Oder geht es vielleicht auch darum zu meinen, nach dem Volksbank-Neubau irgendwie möglichst protzig nachziehen zu müssen?