
Wunstorf (red). Seit dem gestrigen 1. April gilt an bundesdeutschen Tankstellen nun auch das „österreichische Modell“: Preise für Benzin und Diesel dürfen nur noch einmal am Tag erhöht werden.
Die aktuell vorherrschenden Preise sind eine Reaktion auf die in Folge des Kriegs im Nahen Osten gestiegenen Handelspreise für Raffinerieprodukte – infolge des steigenden Rohölpreises.
Unmittelbar nach Kriegsausbruch im Iran hatten sich damit auch die Preise an den hiesigen Tankstellen kräftig erhöht – obwohl Benzin und Diesel in den Tankstellenlagern natürlich noch dasselbe war wie am Tag zuvor.
Die Bundesregierung, die wegen der enthaltenden Steuern, die auf verkauftes Benzin aufgeschlagen werden, nicht ganz unschuldig ist an den hohen Kraftstoffpreisen im Land, hatte daraufhin Maßnahmen beraten. Herausgekommen ist eine Preiserhöhungsvorschrift: Gesenkt werden dürfen Preise an den Tankstellen jederzeit, erhöht werden aber nur noch einmal pro Tag – um 12 Uhr. Sonst droht ein Bußgeld bis zu 100.000 Euro. Die Regel gilt sofort für alle rund 14.500 Tankstellen in Deutschland.
Eine bisher bekannte alte Weisheit gilt damit nun nicht mehr: Tanken ist nicht mehr morgens am teuersten und abends am billigsten – für den Tagesanbruch bewahrheitet sich nun beinahe das Gegenteil. Der Effekt ließ sich gestern und heute auch in Wunstorf gut beobachten.


Am Mittag des 1. April erreichten die Benzin- und Dieselpreise in der Stadt bis dahin nicht gekannte neue Höchststände: Diesel kostete bis zu fast 2,50 Euro den Liter, Superbenzin E10 war für rund 25 Cent weniger den Liter zu bekommen.
Hinweis: Die üblichen 0,9-Cent-Preise der Tankstellen werden hier zur besseren Übersichtlichkeit aufgerundet dargestellt.
Billiger scheint Tanken im Schnitt damit nicht geworden zu sein – nur die Transparenz erhöht sich: Statt über den Tag hinweg permanent mit Preisanpassungen in verschiedene Richtungen rechnen zu müssen, steigt der Preis pro Tag nur noch einmal – dafür aber schlagartig. Damit lässt sich eine neue Grundregel aufstellen: Tanken ist nun prinzipiell am Vormittag bis kurz vor mittags am günstigsten.
Bereits zum Abend hin hatten sich am ersten Tag der neuen Regelung die Preise an den Tankstelle wieder deutlich gesenkt. Stattdessen waren nun die Preisunterschiede zwischen den einzelnen Stationen deutlicher wahrnehmbar: Am späten Abend war Diesel bei Aral an der Hagenburger Straße für 2,39 Euro im Angebot, bei Shell nahe der Hochstraße konnte für 2,28 Euro Diesel getankt werden und bei TAS an der Kolenfelder Straße für 2,29 Euro.
Am heutigen 2. April wiederholte sich das Muster. Am Donnerstagvormittag war der Preis beispielsweise für Diesel auf z. B. auf 2,27 Euro (gesehen bei TAS) gesunken.
Am Mittag schossen die Preise dann wieder nach oben: Diesel verteuerte sich bei Shell von 2,28 auf 2,45 Euro (17 Cent Unterschied), bei Aral von 2,25 auf 2,52 Euro (27 Cent Unterschied) und bei TAS von 2,27 auf 2,36 Euro (15 Cent Unterschied).

Bei Super-E10-Benzin sahen die Preiserhöhungen bei den besuchten Tankstellen ähnlich aus: zwischen 12 und 19 Cent lagen die Mittagspreise über den Vormittagspreisen, um die 2,20 Euro kostete nun wieder der Liter.
Sehr wohl. Die Bundesregierung kassiert kräftig mit. Dafür finden sich immer ein Grund.
Aber es wird weiter gefahren. Die Reichen interessiert es ohnehin nicht.
Wenn man sich hier in Steinhude so umschaut…, volle Parkplätze ungeachtet der Benzinpreisanschläge.
Großenheidorner Straße voll. Fühlen wie auf der Stolzestraße in Hannover.
Egal ob Preis rauf oder runter, getankt wird munter.
Ist doch dann egal, wann sich die Rädchen der neuen Anzeige drehen.
Als „Spritpreisbremse“ kann man diese Regel beim besten Willen nicht verkaufen. Wer nur noch einmal am Tag, um 12 Uhr, den Preis erhöhen darf, wird natürlich nicht großzügig knapp kalkulieren, sondern vorsichtshalber einen Puffer einbauen. Genau das war doch von Anfang an absehbar.
Für den Verbraucher bedeutet das nicht „billiger“, sondern nur anders teuer: Früher konnte man mit etwas Beobachtung noch gezielt dann tanken, wenn der Preis gerade unten war. Jetzt gibt es im Zweifel keinen echten Spielraum mehr, sondern nur noch einen planbaren Mittags-Sprung nach oben.
Und wenn man es genau nimmt, ist das eher ein Geschenk an die Tankstellenbetreiber als an die Kunden. Das ständige Nachziehen der Preise im Tagesverlauf war für die Betreiber bislang vor allem ein eigener Steuerungs- und Anpassungsaufwand. Ob früher einer mit der Leiter rausmusste oder heute alles elektronisch läuft, ist dabei nebensächlich. Weniger Preisänderungen am Tag bedeuten vor allem mehr Ruhe und einfachere Abläufe für die Betreiber – aber nicht automatisch günstigere Preise für die Kunden.
Besonders fragwürdig ist aber etwas anderes: So zu tun, als sei diese Wirkung erst im Nachhinein erkennbar geworden. Dass eine starre Regel für Preiserhöhungen nicht zu sinkenden Preisen führt, sondern eher zu Sicherheitsaufschlägen und höherem Ausgangsniveau, war doch von Anfang an offensichtlich. Niemand muss einem erzählen, das habe man vorher nicht sehen können. Dafür ist der Zusammenhang viel zu banal.
Gerade deshalb wirkt die ganze Begründung wenig glaubwürdig. Entweder hat man eine offenkundig untaugliche Regel als Entlastung verkauft – oder man wusste sehr genau, dass am Ende vor allem die Anbieter profitieren und der Kunde die Zeche zahlt. In beiden Fällen bleibt von der angeblichen „Spritpreisbremse“ nicht viel übrig.
Die Regel vereinfacht also vor allem das Geschäft auf der Anbieterseite. Als Entlastung für Verbraucher taugt sie nicht. Wer so etwas als Hilfe verkauft, erklärt den Leuten im Grunde, dass teurer jetzt irgendwie besser sein soll. Nein: Es ist nicht besser. Es ist nur einfacher organisiert.
Bezüglich der exorbitant gestiegenen Spritkosten bin ich nicht traurig drüber, selbst nicht motorisiert zu sein.
Doch wenn ich daran denke, dass ich in der kommenden Woche mit einem Taxi/Mietwagen nach Hannover zu einem Termin im Annastift fahren muss ÖPNV mir aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich), wird’s richtig teuer!
Ist doch klar, dass die gestiegenen Spritkosten auch die Kunden zu tragen haben.
Mir zwar nachzuvollziehen, doch besser wird das dadurch nicht.
Hat schon seine Richtigkeit, dass mir bei kriegerischen Auseinandersetzungen Hörner wachsen (müssen)…
Wer schon einleitend betont, nicht traurig darüber zu sein, selbst nicht motorisiert zu sein, sollte sich über die teuren Folgen dieser Abhängigkeit im nächsten Satz nicht beklagen. Sonst ist der erste Satz nur moralische Dekoration.
Interessant: Zuerst wird das Nicht-Motorisiertsein noch als kleine moralische Erhöhung präsentiert, und eine Satz später folgt dann die eigene Opfergeschichte wegen der Taxikosten. Genau dieser Spagat passt eben nicht. Wer sich demonstrativ über die anderen stellt, sollte nicht im selben Atemzug wieder persönliche Sonderbetroffenheit reklamieren.
An Kommentarin Pia und Sabine
Es erscheint arrogant und selbstgerecht, wie Sie über jemanden urteilen, der
1. über kein Fahrzeug verfügt und
2. die öffentlichen Verkehrsmittel nicht nutzen kann.
Wahrscheinlich haben Sie beide diese Probleme nicht oder setzen sich in Ihr gepflegtes (Garagen-)E-Car.
Auffällig ist hier vor allem, wie beliebig der Maßstab immer weiter hochgezogen wird. Erst ist das Auto das Problem, dann wird sogar das E-Car noch spöttisch mit erledigt, sodass am Ende praktisch jede fremde Mobilität moralisch markiert werden kann. Nur Taxi und Mietwagen verschwinden plötzlich aus der Kritik, sobald sie der eigenen Schutzbehauptung dienen. Das wirkt nicht wie ein Prinzip, sondern wie reine Gelegenheitsmoral.
„Moralische Dekoration“und „moralische Erhöhung“, gleicher Stil.
Glaube kaum, dass die Kommentaristin Grit D. das nötig hat.
Wenn man das hier unbeteiligt mitliest, fällt vor allem auf, wie auffällig der offensichtliche Selbstwiderspruch verteidigt und umgedeutet wird. Statt auf den benannten Punkt einzugehen, wird plötzlich so getan, als sei schon der Hinweis auf den Widerspruch ein sozialer Angriff. Genau diese Verschiebung ist interessant.
Hallo, Pia, wenden Sie einmal die von Ihnen benannte Gelegenheitsmoral dann an, wenn Sie in der Lage eines Menschen sind, der keine Mobilität besitzt und auch keine tausend Fahrzeug bereitstellender Freunde besitzt, auf sich selbst an, anstatt über Andere den Stab zu brechen.
Bemerkenswert ist, wie aus jedem Hinweis auf Inkonsistenz sofort ein angeblich moralisches Urteil über die Person gemacht wird. Dabei wurde hier gar nicht die Lebenslage kritisiert, sondern die Art, wie mit wechselnden Maßstäben argumentiert wird. Wer das fortlaufend verdreht, beantwortet den Einwand nicht, sondern bestätigt ihn.
Mögen die Einwände der Gelegenheitsmoral und ihrer dargebrachten kommentaristischen Doppelauslegung die Befriedigung Derer an sich ziehen, die schmunzelnd weiter blicken.
Eine schöne Woche noch.
Vielleicht mit Öffis?
Leute, was bitte haben Sie für ein Problem damit, dass ich meine Meinung, Ansicht zum Ausdruck bringen wollte?
Muss ich nicht verstehen und möchte das auch nicht.
Sich mit den Problemen meiner „lieben“ Mitmenschen auseinanderzusetzen, musste sich oft genug als Vergeudung meiner Energie erweisen.
Daskann/darf ich mir nicht mehr erlauben.
Die Gründe zu schildern, erspare ich mir.
Auch, weil die die hier erwähnten „lieben“ Mitmenschen so gar nicht interessieren.
Hier schließt sich der Kreis zur Energievergeudung.
Wer meikte, es für die eigene Seligkeit unbedingt braucht, um sich schießen zu müssen, von mir aus.
Doch da bin ich raus. Tschüss ihr lieben Mitmenschen. *winke, winke*
Auffällig ist, dass Sie auf den benannten Widerspruch gar nicht eingehen, sondern so tun, als sei schon Ihre bloße Meinungsäußerung das Problem gewesen. Das war sie nicht. Problematisch war die Kombination aus moralischer Selbstmarkierung im ersten Satz und persönlicher Sonderbetroffenheit im zweiten. Genau das wurde kritisiert – und genau davor weichen Sie jetzt aus.
Die Regierung hat aus zwei Gründen gar keinen Anlass, die Spritpreise zu verringern:
1) rot-grüner Ansatz: der Verbrenner muss sterben und je höher der Spritpreis, um so besser
2) rot-schwarzer Ansatz: je höher die Mineralölkonzerne mit dem Preis gehen, desto mehr Einnahmen gibt es mit der vollkommen geisteskranken CO2-Steuer obendrauf und DARAUF gibt es nochmal die Mehrwertsteuer – sehr schön.
Warum also sollten die Politdarsteller gegen eine Preiserhöhung der Mineralölkonzerne sein?
Genau wie der BlackRock-Vertreter Friedrich Merz so trefflich formulierte:
„Rechnen Sie nicht mit kurzfristigen Entscheidungen“.
Und wenn sich der deutsche Michel erstmal an die 2 vor dem Komma gewöhnt hat, wird das natürlich auch beibehalten. So wie mit der Schaumweinsteuer von Kaiser Wilhelm für die kaiserliche Kriegsflotte. Nur gibt es die bis heute nicht, aber die Steuer haben wir heute noch.
USA, USA, USA