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Start an diesem Samstag: „Lieferkönig“ will die Karten unter den Bringdiensten in Deutschland neu mischen

12.11.2021 • Daniel Schneider • Aufrufe: 4053

Ein Steinhuder Unternehmer schickt sich an, den Liefermarkt in Deutschland aufzumischen: Den Platzhirschen wie Lieferando soll das Fürchten gelehrt werden. Funktionieren soll das über den Preis – und eine integrierte Lotterie.

12.11.2021
Daniel Schneider
Aufrufe: 4053
Hoedt Lieferkönig
Ist der „Lieferkönig“: Peter Hoedt aus Steinhude | Foto: privat

Hagenburg (ds). Etwas Großes nimmt an diesem Sonnabend Fahrt auf: „Lieferkönig“ geht an den Start und hat wahrlich keine kleinen Ziele: Am Ende will man in Deutschland einer der führenden Anbieter im Bringdienst-Business sein.

Der Ausgangspunkt dieser Kampfansage an die großen Konkurrenten wie Lieferando liegt am Steinhuder Meer. Denn hinter Lieferkönig steht der ortsbekannte Gastronom Peter Hoedt, der zuletzt vor allem mit dem Betrieb von Lokalitäten im Dreieck Bückeburg-Nienburg-Wunstorf auffiel. Die Wunstorfer kennen ihn zum Beispiel von seinem Hauptlokal in Hagenburg, dem „Schnitzelhus“, oder vom Steinhuder Strandterrassenvorplatz mit der Burgermeisterei. In der näheren Region mischt er an vielen weiteren Stellen in der Gastronomie mit.

Doch Hoedt denkt längst nicht mehr nur an lokale Lokale. Jetzt soll vom Steinhuder Meer ausgehend nichts weniger als das deutsche Lieferbusiness revolutioniert werden. Hoedt denkt an Weitreichendes, das wird schnell klar, als wir ihn zum Gespräch an seinem Hauptsitz in Hagenburg treffen. Den Anstoß dazu gab die Unzufriedenheit aus eigener Unternehmersicht mit dem bestehenden Angebot der großen Lieferdienste.

Lieferkönig-App
Mit Krone und Löffel gegen Messer und Gabel: Lieferkönig frisch in den App-Stores | Foto: Daniel Schneider

In Deutschland beherrscht vor allem Lieferando den Markt – und kontrolliert damit oft die „letzte Meile“ zwischen Kunde und Restaurant. Lieferando bringt neue Kundschaft, aber ist auch ein nicht geringer Kostenfaktor: bei jeder Bestellung, die die angeschlossenen Restaurants über Lieferando abwickeln, verdient der Vermittler kräftig mit, auch wenn die Restaurants die Bestellung selbst ausliefern. Von jeder Bestellung, die über Lieferando etwa das Schnitzelhus erreichte, blieben 14 Prozent des Umsatzes bei Lieferando. Obendrauf kommt, dass die großen Lieferdienste mit dem Geld der Restaurants arbeiten können – abgerechnet wird in der Regel nicht unmittelbar, sondern erst nach einigen Tagen. Die Restaurants gehen damit in Vorleistung.

Lieferkönig rechnet pauschal

Lieferkönig will diesen beiden zentralen Punkten ein Ende bereiten: Die Gastronomen sollen schneller an ihr Geld kommen – und die hohe Provision pro Bestellung soll es gar nicht erst geben. Die Konkurrenz will er daher dort treffen, wo es wehtut: beim Geld, verriet Hoedt im Gespräch mit der Auepost. Denn das Konzept von Lieferkönig wählt einen anderen Ansatz. Während Lieferando eben pro Bestellung Provision von den Restaurants kassiert, wird es Lieferkönig für die Partner zum Pauschalpreis geben: Für einen mittleren dreistelligen Jahresbetrag übernimmt Lieferkönig die Vermittlung zwischen Kunde und Restaurant. Es gibt keine versteckten Kosten, und die Abrechnung soll innerhalb eines Tages erfolgen.

Es gewinnen alle

Lieferkönig-Gründer Peter Hoedt

Lieferkönig tritt dabei nur als Vermittler auf und liefert Bestellungen nicht selbst aus. Das übernehmen im Konzept die angeschlossenen Restaurants direkt. Lieferkönig stellt die technische Infrastruktur für den Weg auf die Smartphones der Kundschaft bereit. Es will den Marktplatz bilden für das Angebot der lokalen Essenslieferanten. Über die Lieferkönig-App wird bestellt, die angeschlossenen Läden wickeln die Bestellung ab.

Die gesamte Bestellung kann gratis sein

Beide Seiten sollen jedoch profitieren, neben den Gastronomen selbst auch die Kunden – die gesparte Provision soll weitergereicht werden und zu einer Win-win-Situation führen. Das ist durchaus wörtlich gemeint: Denn damit auch die Bestellenden einen guten Grund haben, Lieferkönig für ihre Bestellungen zu nutzen, wird bei jeder Bestellung ein Rabatt gewährt – in Form eines Gewinnspieles. Wer über die App bestellt, wird am Ende des Bestellvorganges mit einem Glücksrad belohnt: Auf jede Bestellung gibt es dann sofort 3, 10 oder 15 Prozent Rabatt – oder die gesamte Bestellung kann auch gratis sein.

Ein Glücksrad-Gewinnspiel ist in jeden Bestellprozess integriert

Vor einigen Jahren wäre das noch gar nicht möglich gewesen, das frühere deutsche Wettbewerbsrecht verbot die Kopplung von Gewinnspielen und Einkäufen: Eine Bestellung durfte nicht Voraussetzung für die Teilnahme an einem Gewinnspiel sein. Doch diese Vorschrift ist mittlerweile Geschichte, und so besteht für Lieferkönig die Möglichkeit, das Gewinnspiel in seinen regulären Bestellprozess zu integrieren. „Der Kunde spart, das Lokal oder der Laden spart, es gewinnen alle“, bringt Hoedt das Konzept auf einen Nenner. Mit dieser Strategie will er den Lieferdienstmarkt aus dem Lokalen heraus aufrollen.

Es dämmert was im Lieferbusinessmarkt | Foto: privat

Die Frage, ob es auch ein Bewertungsporal der angeschlossenen Restaurants geben wird, wo Kunden die Leistung des Anbieters bewerten können, beantwortet Hoedt mit einem klaren „Nein“, um sofort den Hintergrund zu erläutern: Es sei eine ganz bewusste Entscheidung gewesen, keine Bewertungsfunktion zu integrieren. Nicht deshalb, weil manche unzufriedene Kunden den Gesamteindruck der zufriedenen Kundschaft verzerren könnten. Sondern weil Wettbewerber Bewertungsfunktionen missbrauchen können, um ihren Mitanbietern das Leben schwer zu machen: „Ein Konkurrent braucht bloß ein paar Leute beim Mitbewerber Essen bestellen und anschließend negativ bewerten lassen“, beschreibt Hoedt das Szenario. Mit diesem Problem hätten dann vor allem Neueinsteiger zu kämpfen, wenn bereits ansässige Unternehmen mit solchen Methoden ihr Gebiet verteidigten. Das ärgere viele Gastronomen, und das soll es beim Lieferkönig daher gar nicht erst geben.

Premiere am Sonnabend

Seit Monaten laufen die Vorbereitungen, die App ist fertig programmiert, die Marke geschützt und in die Register eingetragen. Der Startschuss war eigentlich schon für den Oktober vorgesehen gewesen, doch die App, die von einem Programmiererteam international entwickelt wurde, hatte sich verspätet und damit den Gesamtprozess aufgehalten. An den Start geht das Angebot nun schrittweise.

Die Steinhuder-Meer-Region dient dabei als Testumgebung: In den kommenden 14 Tagen werden die Bestellungen für das Hagenburger Lokal „Dat Schnitzelhus“ über Lieferkönig abgewickelt. Die Lieferdienst-Flyer des Schnitzelhus, die auch viele Wunstorfer in den vergangenen Tagen in den Briefkästen hatten, waren daher auch unter dem Logo des Lieferkönigs gelabelt. Dat Schnitzelhus soll jedoch eigenständig bleiben und nicht mit dem Lieferkönig verschmelzen. Hoedts Gastronomieangebote treten weiterhin unter ihren bekannten Namen auf.

Die ersten Mitstreiter stehen bereit, sich dem System anzuschließen und nach Ablauf der Testphase einzusteigen – zunächst regional überschaubar. Das Team der Außendienstler ist noch klein – und soll ebenfalls noch deutlich anwachsen. Mit Intensivierung des Vertriebs und dem Aufbau eines entsprechenden Netzwerkes geht es dann kontinuierlich an die Eroberung des Deutschlandgeschäftes. „Hagenburg – Hamburg – München, in jeder verdammten Großstadt“ soll Lieferkönig bald zu finden sein, beschreibt Hoedt die Expansionspläne.

Lieferkönig
Teammitglied Pascal Gebauer vor dem Hagenburger Lokal | Foto: privat

Zunächst liegt der Fokus deutlich auf Restaurantangeboten. Langfristig soll sich Lieferkönig jedoch nicht nur in der Gastronomie positionieren. Gedacht wird an Lieferungen aller Art, die sich über das Lieferkönig-Modell abwickeln ließen: Apotheken, Einzelhändler – der gesamte stationäre Handel soll in Zukunft über Lieferkönig den Weg zu den Kunden finden. Bei Erfolg ist eine weitere geographische Expansion nicht ausgeschlossen.

Noch zeigt die Webseite der Unternehmung jedoch nur eine leere Seite. Das soll sich an diesem Samstag ändern: Gegen Mittag ist der Launch von Lieferkönig für die Öffentlichkeit geplant – zunächst mit Schnitzel & Co. In den kommenden Wochen werden dann sukzessive weitere Partner hinzukommen. Die Absichten sind erklärt – nun muss Hoedt „liefern“.

von Daniel Schneider
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Kommentare


  • Basti g. sagt:

    Herr hoedt ein macher ,ein Erfinder der seine Ideen durchsetzt ! Ordentliche Autos, ordentliches erscheinungsbild ist das Markenzeichen seiner lokale davon können sich andere Lokalitäten eine Scheibe abschneiden ! Einzigstes Manko sind die restaurantpreise im imbiss aber sonst alles top

  • Heike Bartels sagt:

    Darauf hat die Welt gewartet …. sowas von….

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