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Weber kann jetzt auch Lego und startet mit Thalia als Partner in eine neue Ära

15.04.2026 • Achim Süß • 3 Min.Kommentare: 25

Ende einer Ära: Weber schließt. Aber nur für einen Neustart in Kooperation mit dem Branchenriesen Thalia. Der Verkauf wird für einige Tage unterbrochen, weil neue Technik und Organisation nötig sind. Firmenchef Jan Weber betont die Augenhöhe der Partnerschaft, er bleibt der bestimmende Faktor. Auch Lego ist jetzt im Angebot.

15.04.2026
Achim Süß
3 Min.
Alte Balken, neue Partner: Jan Weber (li.) und Frank Wehrmann | Foto: Süß

Wunstorf (as). Weber in Wunstorf: seit Jahrzehnten ein Begriff. Die Buchhandlung mit Papeterie gehört zu den prägenden Einzelhandelsgeschäften der Innenstadt, „die Webers“ sind Urgesteine der Fußgängerzone und der Werbegemeinschaft. Seit knapp 20 Jahren führt Jan Weber das von seinen Eltern Jochen und Elke gegründete Geschäft an der Langen Straße.

Die Anfänge lagen am Marktplatz, wo die Buch- und Schreibwarenhandlung von Anni Kiel ihren Sitz hatte. Im Januar 1970 wurde das Unternehmen von den Webers übernommen, ausgebaut und wurde über die Jahre an unterschiedlichen Plätzen in der Innenstadt zu einer tragenden Säule des lokalen Einzelhandels – neben Pötter Jahns, Kaufhaus Kastendieck, Lichthaus Rehkopf, Raumausstatter Voss, Juwelier Rüther oder Möbelhaus Kruse.

Verwurzeltes Geschäft

Wie tief verwurzelt das Unternehmen in der Stadt ist, zeigt sich am „Weber-Brunnen“. Die wassersprudelnde Metallstele am Marktplatz – nach einem Wettbewerb des Heimatvereins 1981 aufgestellt – heißt eigentlich Wasserbaum. Wegen der unmittelbaren Nähe zum damaligen Standort der Buchhandlung gaben ihr die Wunstorfer bald einen eigenen Namen.

Bei 56 Jahren Firmengeschichte in völliger Selbstständigkeit fällt es schwer, die richtigen Weichen zu stellen. Weber lässt im Gespräch mit der Auepost keinen Zweifel daran, dass er sich nicht im Vorübergehen für das Partnerschaftsmodell von Thalia entschieden hat. Die Gespräche, räumt er freimütig ein, haben viele Jahre gedauert. Mal sei die Perspektive finanziell nicht attraktiv gewesen, mal habe er Sorge gehabt, als Teil des riesigen Unternehmens werde ihm „irgendwann die Jacke zu eng“.

Vor etwa vier Jahren habe Thalia das Partnerschaftsmodell aufgelegt, das inzwischen hundertmal verwirklicht worden sei. Der 54-Jährige hat jetzt zugegriffen, weil er den Zeitpunkt für richtig hält und die große Chance sieht, sein Geschäft langfristig zu halten. Mehr noch: Die Kooperation biete ihm weitgehende Selbstständigkeit und Entscheidungsfreiheit in Sortiment und Konzept, wenn er das wolle. Gleichzeitig profitiere er von der Perfektion des Großunternehmens, die für ihn als Einzelhändler nicht erreichbar sei.

Am Onlinehandel führt kein Weg mehr vorbei

Die technischen Anforderungen bei 38 Lieferanten und unterschiedliche Steuerklassen für die angebotenen Waren im Computer- und Kassensystem aktuell zu halten, sei für kleine Betriebe kaum noch zu bewältigen. Künftig nutze er die Infrastruktur eines Konzerns, wähle aus, was er anbieten wolle, und bewahre sich trotzdem den Charakter seines Geschäfts.

Die Partnerschaft entlaste ihn langfristig und ermögliche es ihm, sich um den Rahmen und die Ausrichtung zu kümmern. Am Handel über das Internet führe kein Weg mehr vorbei, ist Weber überzeugt. Kaufverhalten und Zahlungsmentalität wandelten sich, telefonische Nachfragen und Bestellungen seien rapide zurückgegangen – ohne das online-Angebot sei der Bestand kaum zu sichern. Weber beobachtet auch die wachsende Bedeutung künstlicher Intelligenz für den Buchhandel. Wer noch vor kurzem über Google gesucht habe, verlasse sich nun auf die blitzschnellen Antworten der virtuellen persönlichen Assistenten: „Wer wissen will, wo er schnellstens ein bestimmtes Buch bekommt, erhält zwei Antworten: Amazon und Thalia“, sagt der Buchhändler.

Neuer Partner in Wunstorf

Den ständigen Wandel des Marktes bestätigt auch Frank Wehrmann, Betriebsberater bei Thalia und seit etwa einem Jahr in direkten Verhandlungen mit Weber: Die Strukturen seien ständig in Bewegung und erforderten Anpassung. Wehrmann erwartet weitere „Transformationen“ im Handel, zum Beispiel bei den Apotheken. Seinem neuen Partner in Wunstorf verspricht er enge Zusammenarbeit und Übereinstimmung. Das sei die Grundlage der Kooperation. Wenn das gelinge, sei das Partnerschaftsmodell von Thalia beinahe alternativlos gut.

Es gebe dem Konzern-Partner größtmögliche Entscheidungsfreiheit: Er könne mit Thalia im Rücken so unabhängig entscheiden, wie er wolle. Wenn er sich Geschäftsbereiche abnehmen lassen wolle, sei das ebenso möglich.

Wehrmann, für sein Unternehmen in ganz Norddeutschland unterwegs, verschweigt im Gespräch mit der Redaktion nicht, dass Thalia schon seit Jahren ein Auge auf Wunstorf geworfen habe: Eine attraktive, solvente Stadt im Speckgürtel von Hannover, mit lebendigem Zentrum und dem Steinhuder Meer als Anziehungspunkt sei bei den Hagenern „immer schon auf dem Radar“ gewesen. „Wo gibt’s das noch?“, fragt er.

Umstellung und Chancen

Die neue Partnerschaft werde das Weber-Team in den nächsten Monaten stark fordern. Die Umstellung der Abläufe und der Technik sei anspruchsvoll. Die Chancen, die sich Weber mit seinem 340 Quadratmeter großen Laden mitten in der Innenstadt bieten würden, seien aber riesengroß.

Weber selbst – in Stadtgesellschaft und Werbegemeinschaft fest etabliert – freut sich auf den Start in die neue Ära und über die positive Resonanz seiner Kundschaft. „Wer schon ein Thalia-Konto hat, kann jetzt direkt bei mir abholen.“ Und das Sortiment wächst: „Ja. Lego hab‘ ich auch. Und Spielwaren!“ Auch die Geschenkkarten von Thalia lassen sich bei Jan Weber und seinem Team einlösen.

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Kommentare


  • Jerry M. sagt:

    Ich drücke die Daumen, dass das Geschäftsmodell auch so aufgeht, wie Herr Weber es sich vorstellt.
    Hoffentlich wird sich der Sprachgebrauch nicht so bald ändern, so dass man weiter zu Weber’s geht und nicht zu Thalia.

  • Pia sagt:

    Der Artikel klingt, als würde sich im Kern kaum etwas ändern – tatsächlich beschreibt er aber ziemlich deutlich den nächsten Schritt weg von der klassischen Buchhandlung hin zu einem allgemeinen Einzelhandelskonzept unter Konzernanbindung.

    Dass ausgerechnet „Lego“ und „Spielwaren“ als Signal für die neue Ära hervorgehoben werden, sagt mehr als alle Beschwichtigungen über „Augenhöhe“ und „Selbstständigkeit“. Eine Buchhandlung, die ihre Zukunft nicht mit Büchern, Zeitschriften, Auswahl oder Beratung erklärt, sondern mit Zusatzware, zeigt damit vor allem, wohin die Reise geht.

    Natürlich kann man wirtschaftlich verstehen, warum so ein Schritt erfolgt. Aber dann sollte man es auch ehrlich benennen: Es ist kein bloßer Neustart bei gleichbleibender Identität, sondern ein Strukturwandel. Für Kunden, die dort früher gerade wegen des eigenständigen Sortiments und der Alltagsversorgung hingegangen sind, ist das keine Nebensache.

    Wenn man am Ende zwar Thalia-Konten einlösen und Lego kaufen kann, aber nicht mehr einmal selbstverständlich eine normale Fernsehzeitung bekommt, dann ist eben doch nicht „alles wie bisher“.

    • Robbi sagt:

      Liebe Frau Pia,

      „Handel ist nun mal Wandel – und Stillstand wäre in diesem Fall das eigentliche Risiko. Es ist doch eine riesige Chance, dass Weber durch die Partnerschaft mit Thalia das Beste aus zwei Welten vereint: Die regionale Verwurzelung bleibt, während die moderne Logistik und ein breiteres Sortiment das Überleben am Standort sichern.

      Natürlich verändert sich die Identität ein Stück weit, aber sie wächst eben auch mit der Zeit. Dass Spielwaren und Lego dazukommen, ist kein Abschied vom Buch (das dort ja weiterhin selbst verantwortet wird), sondern ein klares Ja zur Attraktivität des Ladens für neue Generationen.

      Am Ende ist ein lebendiger, vielseitiger Laden mit Thalia-Anbindung für die Stadt weitaus wertvoller als eine Buchhandlung, die starr am Alten festhält und irgendwann ganz verschwindet. Ein bisschen frischer Wind hat schließlich noch keinem Regal geschadet!“

      • Pia sagt:

        „Wandel“ ist nicht automatisch etwas Gutes. Gerade im Einzelhandel kann Wandel auch heißen: weniger Eigenständigkeit, mehr Kettenlogik, mehr Leerstand und immer austauschbarere Innenstädte.

        Wenn eine Buchhandlung Journale und Zeitungen verliert, dafür aber Lego als Signal der „neuen Ära“ präsentiert, dann ist die Behauptung größerer Attraktivität mindestens erklärungsbedürftig. Mehr fachfremde Zusatzware ist nicht automatisch ein Gewinn, sondern oft eher ein Zeichen schwindenden Profils.

        Und der eigentliche Witz ist ja: Der Schritt in die Konzernanbindung wird rhetorisch so verpackt, als bleibe die alte inhabergeführte Identität im Wesentlichen erhalten. Genau dieses So-tun-als-ob ist der Etikettenschwindel.

        • Robbi sagt:

          Wer Wandel im Einzelhandel per se verteufelt, nimmt leere Innenstädte billigend in Kauf. Dass Zeitungen (im übrigen kaum ertragreich) für Lego weichen, ist kein ‚schwindendes Profil‘, sondern eine Anpassung an die Realität: Printmedien sterben, während Familienangebote den stationären Handel beleben.

          Und zur Konzernanbindung: Professionelle Logistik und IT im Hintergrund sichern das Überleben des Ladens im Vordergrund. Die echte Seele der Buchhandlung sind ohnehin die Buchhändler:innen vor Ort – und genau deren Arbeitsplätze werden durch moderne, wirtschaftlich tragfähige Konzepte gesichert, nicht durch romantische Nostalgie.

        • Pia sagt:

          @Roobi

          Der Einwand arbeitet mit Unterstellungen statt mit Argumenten. Niemand hat „Wandel per se verteufelt“. Es wurde lediglich bezweifelt, dass jede Veränderung automatisch eine Verbesserung ist. Das ist etwas völlig anderes.

          Auch die Behauptung, kritische Stimmen nähmen deshalb „leere Innenstädte billigend in Kauf“, ist nur ein billiger Schuldumkehr-Trick. Nicht derjenige, der Profilverlust erkennt, verursacht ihn.

          Wenn eine Buchhandlung Journale und Zeitungen verliert, während fachfremde Zusatzware dazukommt, dann ist der Hinweis auf ein schwindendes Profil schlicht naheliegend. Und dass heute sogar die Eingliederung unabhängiger Geschäfte in Konzernstrukturen noch als Fortschritt gefeiert wird, ist vielleicht der aufschlussreichste Teil der ganzen Debatte.

    • Anonym sagt:

      Okay liebe Pia – nichts für ungut, aber wer in eine Buchhandlung geht, um eine „normale“ Fernsehzeitung zu kaufen, hat eh die Kontrolle über sein Leben verloren, wie es unser lieber Karl Lagerfeld sinngemäß auszudrücken pflegte.

      • Pia sagt:

        Interessant, dass hier ausgerechnet der Kauf einer Fernsehzeitung in einer Buchhandlung als Zeichen von „Kontrollverlust“ verspottet wird, während es offenbar völlig unauffällig sein soll, wenn dort inzwischen Lego-Spielwaren als Zukunftsmodell verkauft werden.

        Bücher, Journale, Presse und Schreibwaren gehören sachlich erkennbar in denselben Bereich. Spielwaren tun das gerade nicht. Das ist kein hochphilosophisches Problem, sondern eine Unterscheidung, die im Grunde jedes Kind versteht.

        Das Lagerfeld-Zitat wirkt deshalb hier weniger geistreich als schlicht deplatziert. Wer solche offensichtlichen Unterschiede übersieht, sollte vielleicht mit Kommentaren über angeblichen Kontrollverlust anderer vorsichtiger sein.

  • Frank sagt:

    In Rodenberg konnte man bereits sehen, wohin so etwas führen kann: Wenn plötzlich fachfremde Ketten anfangen, nebenbei auch noch Spielwaren zu verkaufen, verdrängen sie am Ende mit ihrem Nebensortiment das eigentliche Fachgeschäft. In Wunstorf kann das beim Spielzeug immerhin kaum noch passieren, weil es ein echtes Spielwarenfachgeschäft in diesem Sinne gar nicht mehr gibt.

    Bleibt also nur, das Prinzip konsequent weiterzudenken: Vielleicht verkaufen demnächst Metzgereien noch Bücher, um den Buchhandel vollends als Nebensparte mit abzuräumen. Oder Tankstellen bieten gleich noch Haarschnitte an, damit man den Friseurbesuch zusammen mit dem Tanken erledigen kann.

    Genau so absurd wirkt dieses ständige Aufweichen von Fachgeschäften zu irgendwelchen Mischläden, bei denen am Ende alles ein bisschen angeboten wird, aber das eigentliche Profil immer weiter verlorengeht.

  • Anonym sagt:

    Okay Leute,

    erstmal Hut ab vor dem Durchhaltevermögen dieser beiden Händler – ohne Frage – bemerkenswert.

    Aber wenn ein Buchhändler beginnt, Spielwaren zu verkaufen, dann ist dies ein Zeichen klarer Verzweiflung. Das zweite Zeichen der Verzweiflung ist die Tatsache, dass er seine Selbstständigkeit aufgibt und sich plötzlich der Marktmacht von Thalia unterwirft. Und da gibt es keine Augenhöhe der Partnerschaft. Das ist meiner Meinung nach reines Franchising mit ein paar schönen Nebenkonditionen vielleicht. Nichts anderes. Thalia diktiert die Preise und das Angebot.

    Warum bitte soll ich bei Weber kaufen, wenn ich dies Online direkt bei Thalia machen kann und das auch noch mit einem komfortablen Rückgaberecht? Warum sollte ich mir einen verteuernden Zwischenhändler antun, wenn ich mir bei Thalia sogar noch die Rezensionen anschauen kann?
    Und warum sollte ich überhaupt bei Thalia kaufen, wenn die Auswahl bei amazon doch wesentlich größer ist. Fragen über Fragen.

    Hier verstehe ich Herrn Weber nicht, wenn er sagt:
    „Wer schon ein Thalia-Konto hat, kann jetzt direkt bei mir abholen.“

    Warum bitte sollte ich bei Herrn Weber abholen, wenn ich ihn als Zwischenhändler komplett ausschalten kann, weil ich ein direktes Thalia-Konto habe, was mir die Bücher direkt nach Hause liefert. Was macht das bitte für einen Sinn?

    Von einem richtigen Buchhändler erwarte ich, dass er mich auf Geheimtipps und nicht alltägliche Dinge auf dem Buchmarkt aufmerksam macht, die man im Mainstream-Buchladen nicht bekommt.

    Ich denke nicht, dass ich dies bei Herrn Weber erwarten kann.
    Okay – er wird mir zu Weihnachten wahrscheinlich die besten Lego-Tipps geben können…

    Und auch bei Lego wird es nicht funktionieren, denn Lego bekomme ich sowohl beim Marktkauf als auch bei amazon. Was soll dieses neue Standbein also stabilisieren? Es verwässert den Buchfokus und bringt, wenn überhaupt, „laute“ Kinder in den Laden, die leise Leser abschrecken werden.

    Die Klientel passt überhaupt nicht zusammen. Lego-suchende kleinere Kinder und Erwachsene, welche sich für gute Bücher beraten lassen. Das wird meiner Meinung nach nicht funktionieren. So sympathisch auch die Herren Weber und Wehrmann finde – ich fürchte, das geht nach hinten los.

    • Anonym sagt:

      Der Kommentar übersieht leider ein paar grundlegende Fakten des heutigen Einzelhandels. Es lohnt sich, die aufgeworfenen Kritikpunkte einmal sachlich einzuordnen:

      Kein „verteuernder Zwischenhändler“: Wer das behauptet, vergisst die deutsche Buchpreisbindung. Ein Buch kostet überall auf den Cent exakt dasselbe – egal ob bei Amazon, Thalia oder beim lokalen Händler um die Ecke.

      Der Sinn von Click & Collect: Warum man ein Buch in den Laden bestellt, statt es liefern zu lassen? Weil viele Menschen keine Lust auf Paketmüll, Retouren-Stress und Abholscheine haben. Sie schätzen den Komfort und unterstützen ganz nebenbei eine lebendige Innenstadt.
      Mehr Zeit für echte Beratung: Dass durch eine Partnerschaft die „Geheimtipps“ verschwinden sollen, ist unlogisch. Im Laden stehen schließlich immer noch dieselben Buchhändler. Wenn ein starkes Netzwerk im Hintergrund die lästige IT und Logistik übernimmt, bleibt dem Personal vor Ort endlich wieder mehr Zeit für seine Kernaufgabe: das Kuratieren und Beraten.

      Buchhandlungen sind keine stummen Lesesäle: Wer Spielwaren als „Verzweiflung“ abtut und „laute“ Kinder am liebsten aus dem Laden verbannen möchte, hat nicht verstanden, wie Leseförderung funktioniert. Familien sind die wichtigste Zielgruppe für die Zukunft des Buches.

      Das Amazon-Paradoxon: Wer als Alternative die große Auswahl bei Amazon lobt, übersieht einen entscheidenden Punkt: Wer diesen Online-Giganten fast exklusiv unterstützt, nimmt langfristig in Kauf, dass genau die gewünschte Sortimentsvielfalt verschwindet. Algorithmen pushen Bestseller und Mainstream – die liebevoll kuratierte Nische, die ein lokaler Händler auf Tischen sichtbar macht, geht dort völlig unter.

      Dass sich unabhängige Händler ein starkes Netzwerk für den Hintergrund suchen, ist also keine Unterwerfung. Es ist schlichtweg der einzig kluge und zeitgemäße Weg, um sich gegen die Marktmacht der reinen Online-Riesen zu behaupten und den Buchhandel vor Ort lebendig zu halten.

      • Dwayne sagt:

        Das Argument, dass Nischen im lokalen Buchhandel besser aufgehoben sind als online, ist aus meiner Sicht zu einfach gedacht. Plattformen wie Amazon leben genau von dieser Long-Tail-Logik: enorme Auswahl, gezielte Auffindbarkeit und die Möglichkeit, auch sehr spezielle Themen sichtbar zu machen und zu skalieren. Ein einzelner Händler kann das strukturell gar nicht leisten, sondern immer nur eine Auswahl treffen. Das ist auch völlig okay – nur sollte man das nicht romantisieren. Der eigentliche Unterschied liegt woanders: Online suche ich gezielt, im Laden lasse ich mich inspirieren. Beides hat seinen Wert. Aber so zu tun, als würde die Nische im lokalen Handel „gerettet“, während sie online untergeht, dreht die Realität ein Stück weit um.

    • Tanja sagt:

      Wir haben schon immer auch Malbücher, Spiele, Stifte und Schulbedarf in unserem Laden verkauft. Was sich im übrigen ganz wunderbar mit den Bücherfreunden und den wie sie es nennen so lauten Kindern vertragen hat . In unserem Laden sind alle willkommen wir freuen uns über jung und alt. Und eines kann ein Onlineshop nicht abdecken. Und das ist die Persönliche Beratung, sei es bei einer Buchberatung , einer Füllerberatung oder oder oder. Aber da darf jeder seine eigene Meinung vertreten.
      Uns liegt jeder Kunde am Herzen ob groß oder klein.

  • Dörte sagt:

    Ich kann die zuvor genannten Unkenrufe nicht teilen.
    Klar, es ist eine große Veränderung.
    Aber der Markt im Einzelhandel hat sich in den letzten 30 Jahren ebenfalls stark verändert.
    Jetzt kann man sich als Inhaber der Situation stellen und anpassen, oder es lassen.
    Ich werte es als positives Zeichen, ein geschicktes Manöver diese herausfordernden Zeiten zu überleben.
    Hier wird die Zukunft gesichert.
    Glückwunsch

  • Tanja sagt:

    Ihr Lieben
    Danke für eure Kommentare.
    Aber wir sind und bleiben eine Buchhandlung.
    Bücher und Schreibwaren bleiben unser Steckenpferd denn das ist das was uns am Herzen liegt. Was uns weiter ausmachen wird. Wir haben mit Thalia einen kompetenten Partner an unserer Seite. Was uns und ihnen in Zukunft vieles leichter
    machen wird.Ja wir haben an manchen Stellen unser Sortiment etwas gekürzt und verändert.
    Aber das ist der Zahn der Zeit. Das man nicht ewig an Dingen festhalten kann die da vielleicht nicht mehr so laufen, sollte allen klar sein.

    Wir vom Team Weber sind weiterhin für euch da .
    Und freuen uns ab Samstag auf euren Besuch.

  • Dwayne sagt:

    Ehrlich gesagt irritiert mich hier nicht nur die Berichterstattung, sondern auch das, was da eigentlich gefeiert wird. Natürlich kann man sagen: wirtschaftlich nachvollziehbar – ein einzelner Buchhändler hat es heute schwer gegen Onlinehandel und große Ketten, das ist unbestritten .
    Aber nennen wir es doch beim Namen: Das ist kein „Neustart“, das ist ein Anschluss an einen Konzern. Und wenn dann von „weitgehender Selbstständigkeit“ gesprochen wird, wie im Artikel selbst , dann drängt sich zumindest die Frage auf, wie belastbar diese Aussage langfristig ist. Denn die Mechanik solcher Partnerschaften ist bekannt: Technik, Logistik, Onlinegeschäft – all das kommt vom großen Partner, und genau dort entsteht Abhängigkeit.

    Was mich aber fast mehr stört: Der Artikel stellt das als „neue Ära“ dar. Dabei erzählt er eigentlich eine ganz andere Geschichte – dass es alleine offenbar nicht mehr geht. Das wäre eine ehrliche, relevante und auch unbequeme Einordnung gewesen. Stattdessen liest sich der Text über weite Strecken wie eine sauber verpackte Unternehmenskommunikation. Und genau da liegt das Problem… Wenn solche Entwicklungen nur noch als Erfolgsgeschichten erzählt werden, verliert man den Blick dafür, was gleichzeitig verschwindet. Nämlich echte Unabhängigkeit. Und genau darüber hätte man sprechen müssen.

    • Wunstorfer sagt:

      Was hier irritiert, ist weniger der wirtschaftliche Schritt selbst als die Geschichte, die dazu erzählt wird. Natürlich kann man nachvollziehen, dass ein unabhängiger Buchhändler es heute schwerer hat als früher. Aber dann sollte man auch ehrlich benennen, was passiert: Es ist nicht einfach nur eine „neue Ära“, sondern die Anbindung an einen Konzern mit allen daraus folgenden Abhängigkeiten im Hintergrund.

      Genau diese Verpackung wirkt so verdächtig. Man bekommt den Eindruck, hier werde eine freundlichere Geschichte erzählt als die, die tatsächlich stattfindet. Das erinnert an die Sparkasse Wunstorf, die unter das Dach der Stadtsparkasse Hannover gekommen ist: Auch dort wurde der Verlust lokaler Eigenständigkeit zunächst als Stärkung und Erfolgsgeschichte verkauft. Später wurde bei einzelnen Punkten wieder zurückgerudert, obwohl sie vorher groß dargestellt worden waren.

      Dazu kommt noch ein praktischer Punkt: Wenn nach außen fast nur vermittelt wird, alles sei großartig, riesige Chance, beste Partnerschaft, frischer Wind und volle Zukunft, warum sollte dann überhaupt noch jemand das Gefühl haben, dieses Geschäft bewusst unterstützen zu müssen? Wer das liest, kann sich doch genauso sagen: Dann läuft es ja offenbar bestens, also kann ich meine Bücher auch gleich direkt bei Thalia im Internet bestellen.

      Gerade deshalb wäre eine etwas ehrlichere Erzählung vermutlich überzeugender als dieses dauernde Hochglanz-Framing. Sonst verliert man am Ende nicht nur ein Stück Unabhängigkeit, sondern auch noch den lokalen Rückhalt, von dem ein solcher Laden eigentlich lebt.

    • Anonym sagt:

      RICHTIG!

  • Jens sagt:

    Herzlichen Glückwunsch zu dieser mutigen und aus meiner Sicht sehr klugen Entscheidung.
    Der Einzelhandel dünnt seit Jahren immer mehr aus und steht unter enormen Druck.
    Es findet ein regelrechtes Sterben der Geschäfte statt. Der Anschluss an einen großen Partner
    bedeutet ein Stück weniger Unabhängigkeit aber er sichert das Überleben.
    Die Buchhandlung Weber ist in Wunstorf eine Institution und wird es bleiben.
    Dieses Geschäft mit seinem engagiertem Team hat Seele.
    Die Entscheidung von Jan Weber ist ein langfristiger Gewinn für uns Wunstorfer.
    Danke Jan

  • Dwayne sagt:

    Ich verstehe den Gedanken, dass man froh ist, wenn so ein Geschäft erhalten bleibt. Aber „mutig“ ist diese Entscheidung aus meiner Sicht nicht. Mutig wäre gewesen, einen eigenen Weg zu gehen und sich bewusst gegen die großen Strukturen zu stellen. Das hier ist eher das Gegenteil: der Anschluss an ein funktionierendes System, um wirtschaftliche Sicherheit zu gewinnen. Das ist absolut nachvollziehbar – aber eben kein mutiger Schritt, sondern ein sehr rationaler. Und genau deshalb sollte man vielleicht auch vorsichtig sein, das Ganze als reine Erfolgsgeschichte zu erzählen. Denn es zeigt ja vor allem, wie schwierig es geworden ist, als unabhängiger Händler überhaupt noch alleine zu bestehen.

  • Bernd-Michael Rosenbusch sagt:

    Liebe Leute! Hört auf Euch aufzuregen! Wer hat denn Schuld, dass es so weit gekommen ist? Natürlich: W I R!!
    Wer immer nur billig im Internet kauft, muss sich nicht wundern, wenn der örtliche Handel nach Wegen des Überlebens sucht. Lasst doch mal die ganze Daddelei auf den Handys und den PC`s, sondern lest endlich mal wieder ein gutes Buch, denn das bekommt ihr bei Weber. Schaut Euch doch den Laden an, und ihr werdet feststellen, dass dort kompetentes Personal Euch berät, und nicht eine Hirnlose KI. Wir sind doch Schuld, wenn die Innenstädte veröden, weil wir nicht einsehen wollen oder können, dass Fachhandel mehr ist als bloßes „Shoppen“. Auf jeden Fall kann man den Buchladen Weber nur empfehlen.

    • Carsten W. sagt:

      Hier wird an der Sache vorbeigeredet. Niemand bestreitet, dass der stationäre Handel unter Druck steht. Der eigentliche Punkt ist doch ein anderer: Dass ein Schritt in Richtung Konzernanbindung im Artikel als freundliche Erfolgsgeschichte verkauft wird, statt ihn ehrlich als Verlust an Eigenständigkeit zu benennen.

      Das pauschale „Wir sind schuld“ ist dafür nur moralischer Nebel. Es beantwortet nämlich nicht die Frage, warum man den Leuten hier eine Hochglanz-Erzählung vorsetzt, obwohl im Kern sehr wohl ein Wandel weg vom unabhängigen Geschäft stattfindet.

      Und wenn schon über Ursachen gesprochen werden soll, dann bitte nicht einseitig. Gerade Weber gehörte nach dem Ende der allgemeinen Maskenpflicht zu den wenigen Geschäften, die ihre Kundschaft per Hausrecht weiterhin zum Maskentragen zwingen wollten. Auch so etwas hat Kunden gekostet. Hinterher einfach pauschal den Bürgern die Schuld zuzuschieben, ist deshalb reichlich bequem.

      Genau darum geht es hier: nicht um die Leugnung wirtschaftlicher Probleme, sondern um den Versuch, einen realen Verlust an Selbstständigkeit als schöne neue Ära zu verkaufen.

    • Dwayne sagt:

      Diese „Wir sind schuld“-Erzählung greift einfach zu kurz. Das klingt moralisch schlüssig, hat aber mit der tatsächlichen Entwicklung des Marktes wenig zu tun. Gerade bei Büchern entscheidet der Preis gar nicht, weil er überall gleich ist. Menschen kaufen nicht „billig im Internet“, sondern bequem, schnell und verfügbar. Das ist kein moralisches Versagen, sondern ein verändertes Nutzungsverhalten. Und auch das Bild vom „guten Buchhändler vs. hirnloser KI“ wirkt eher wie Nostalgie als wie Realität. Viele Menschen wollen heute gar keine Beratung, sondern Effizienz. Das kann man bedauern, aber nicht wegargumentieren.

      Das eigentliche Problem ist doch ein anderes: Der Handel hat sich strukturell verändert. Große Plattformen haben Logistik, Sortiment und Verfügbarkeit auf ein Niveau gebracht, das ein einzelnes Geschäft gar nicht leisten kann. Das lässt sich nicht durch Appelle an „mehr Verantwortung“ lösen. Wenn man ernsthaft über Innenstädte sprechen will, dann muss man genau diese Veränderungen ehrlich benennen – und nicht so tun, als ließe sich das Ganze durch ein bisschen mehr „guten Willen“ beim Einkaufen wieder zurückdrehen. Diese „Kauf-lokal“-Appelle verhallen doch bereits seit über einem Jahrzehnt – ohne wirklich etwas bewirkt zu haben…

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