
Wunstorf (ds/nd/dd). Das angesagte regnerische Wetter hatte manchen auf die falsche Fährte geführt. Es würde bestimmt weniger los sein dieses Jahr im Hohen Holz, wenn sich traditionell zu Christi Himmelfahrt die Feiernden auf den Weg von Wunstorf nach Steinhude machen, so die Einschätzung. Pustekuchen. Es war 2025 noch viel mehr los als in den vergangenen Jahren.
Bereits an der ersten „Zwischenstation“, auf dem McDonald’s-Parkplatz, wirkte es gegen 11 Uhr, als würde gerade die halbe Stadt evakuiert werden. Dort sammelten sich die Bollerwagen, um weiter zur Waldgaststätte und dann durch das Hohe Holz nach Steinhude zu wandern. Im Gepäck: Viele Getränke, laute Musik und kreative Ideen.
Auf dem Weg zur Waldgaststätte musste in diesem Jahr zwar keine Bahnübergangsbaustelle provisorisch überquert werden – aber ein gerade neu eingerichteter Weg, der um die aktuelle Nordumgehungsbaustelle herumführt, musste bewältigt werden. Dort waren die aufgestellten Baustellen-Sicherungsbaken offenbar im Vorbeigehen zu verlockend – jemand schmiss sie reihenweise um.

Ein Ausflügler auf dem Fahrrad machte die Polizei darauf aufmerksam und führte die Beamten zu dem jungen Mann, der sich weiter in der Kolonne der Feiernden bewegte. „Das geht nicht, der braucht einen auf die Finger“, so der Mann gegenüber der Auepost. Die Polizei sprach den auf diese Weise Angezeigten dann tatsächlich an, kümmerte sich um das Wiederaufstellen der Baustellenabsperrungen – und gab sich darüber hinaus recht gelassen. „Mal schauen, wie lange das hält“, so ein Beamter lächelnd. Es hielt den restlichen Nachmittag.


Für die Absicherung der Feiernden auf dem Weg durch Wunstorf und auf der Wiese bei den Strandterrassen in Steinhude waren Bereitschaftspolizeikräfte aus Hannover hinzugezogen worden. Mehr zu tun als auf Baustellenbaken zu achten, hatte die Polizei am Wunstorfer Waldrand an diesem Tag kaum – alles lief fröhlich und sicher ab.
Nur einen Entführungsfall gab es noch zu lösen: Eine Bollerwagencrew ohne Bollerwagen hatte sich bei Obi einen Einkaufswagen „geliehen“ für den Getränketransport. Als die Truppe jedoch einen Mannschaftswagen der Polizei entdeckte, wurde der Einkaufswagen schnell am Wegesrand zurückgelassen. Die Beamten kümmerten sich später darum, doch der Verlust war dramatisch: Nun musste der Getränkevorrat händisch balanciert werden.
Erfahrene Ausflügler nutzen deshalb einen eigenen fahrbaren Getränketransport – und ermöglichen damit überhaupt erst den inzwischen ebenfalls traditionellen Wettbewerb. Bei der „Bollerwagenparade“, die die Auepost nun mittlerweile für das 3. Jahr in Folge ausgerufen hatte, gab es ein Wiedersehen mit vielen alten Bekannten und zahlreichen großartigen neuen Ideen.



Ein dreiköpfiges Foto-Team der Redaktion hatte sich wieder auf Höhe nahe der Waldgaststätte postiert und die vorbeiziehenden Bollerwagencrews abgelichtet – um auch 2025 unter anderem einen Sieger für den besten Bollerwagen zu ermitteln.

Wer wollte, konnte sein Team auf diese Weise für ein Erinnerungsfoto vereweigen lassen und nimmt automatisch an der Prämierung teil. Wieder in der Jury sitzt wie im Vorjahr Wunstorfs Ortsbürgermeister Thomas Silbermann, der mitentscheiden wird über das Gewinnerteam 2025.
Dicht an dicht zogen die Wandernden grüppchenweise durch den Wald Richtung Steinhude. Eine Radfahrerin in Gegenrichtung schüttelte ungläubig den Kopf: „Das ist ja eine Völkerwanderung!“ Mit leisem Klingeln kam man als Radfahrer jedenfalls nicht weiter, die Bässe der Musikanlagen auf den Bollerwagen übertönten alles.

Am Wasserwerk auf ganz grob halber Strecke am Waldende stand zuverlässig wie seit bald einem halben Jahrhundert die SPD-Ortsabteilung und grillte für die Ausflügler. Auch dort hatte man mit weniger Andrang gerechnet – aber Nachschub war genug vorhanden. Erstmals war auch ein Glücksrad im Einsatz – erdreht werden konnten kleine Geschenke wie zum Beispiel Flaschenöffner-Schlüsselanhänger.

Erstmals hatte die SPD jedoch bereits zuvor kulinarische Konkurrenz: Vor die Waldgaststätte hatte sich ein Pizzamobil gestellt und direkt an der Wanderstrecke verkauft. Über Kontakte mit dem Gaststättenbesitzer war die Idee aufgekommen, sich einmal zum Vatertag in Wunstorf zu postieren.


Das junge Unternehmen aus Burgdorf hat vor gut einem Jahr ein neues Franchise „In Love With Pizza“ begründet und will bundesweit im mobilen Pizzamarkt Fuß fassen – mit dem neuen Konzept, bestellte Pizza direkt am Bestellort zu backen, statt nur dorthin zu liefern. Die Unternehmensgründerin persönlich stand am Donnerstag mit in Wunstorf und servierte Pizzastücke.
Der Höhepunkt der Wanderungsbewegung war zwischen Mittag und 13 Uhr erreicht, doch auch danach zogen noch weiter viele Bollerwagen durch den Wald. Erst ab 14 Uhr ebbte der Strom deutlicher ab – da mussten sich die Crews schon beeilen, um noch fürs Feiern nach Steinhude zu kommen. Um 18 Uhr hatte dort laut städtischer Allgemeinverfügung bereits die Musik wieder abgedreht zu werden.
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