
Wunstorf (red). Die Osterfeuer gehören dazu in der Stadt: Die traditionellen Feuer brennen am Osterwochenende auch 2026 wieder in den Dörfern. Am Samstag, den 4. April, werden insgesamt acht große Scheiterhaufen entzündet.
Vor allem für Kolenfeld ist das diesjährige Osterfeuer etwas Besonderes, denn es wird wie üblich von der Landjugend Nord-Calenberg organisiert. Diese feiert am 13. Juni das Jubiläum ihres 65-jährigen Bestehens – das Osterfeuer ist damit schon jetzt das Jubiläumsosterfeuer.
Das Kolenfelder Osterfeuer, zu dem alle Bürgerinnen und Bürger herzlich eingeladen sind, findet am Osterfeuerplatz an der Verlängerung der Bültenstraße statt. Die Feier beginnt ab 19 Uhr, das Feuer selbst wird gegen 19.30 Uhr bei Beginn der Dunkelheit entzündet.
Holzspenden in Kolenfeld können noch am Ostersamstag zwischen 9 und 15 Uhr abgegeben werden. Wer sein Holz nicht selbst bringen kann, hat die Möglichkeit, dieses am Samstag ab 9 Uhr bei sich abholen zu lassen. Die Anmeldung für die Holzabholung läuft über Marlon Friese, Telefon 0151 27710678.
In den übrigen Ortsteilen wird das Osterfeuer rund um die Feuerwehren organisiert. So auch in Bokeloh, wo das Osterfeuer am Samstag ab 18.30 Uhr brennen wird. Start der Veranstaltung ist um 18 Uhr. Entzündet wird das Feuer auf der Weide neben dem ehemaligen Gelände des Klärwerks, dem jetzigen Osterfeuerplatz Bokeloh. Man erreicht ihn über die Straße Am Eichenkamp.
Für die kleinen Gäste gibt es Stockbrot, während sich alle Besucher auf Gegrilltes sowie kühle Getränke freuen können. Die Feuerwehr Bokeloh lädt alle Bürgerinnen und Bürger ebenso herzlich ein und freut sich über zahlreiche Gäste.
Ab 18 Uhr auf dem Schützenplatz
Ab 18 Uhr, Osterfeuerplatz Kükersweg
18 Uhr, Brennplatz Verlängerung Osterfeuerweg
Ab 18 Uhr, Weg hinterm Feuerwehrhaus
Ab 17.30 Uhr auf dem Schützenplatz
Ab 18 Uhr auf der Wiese vor der Grillanlage des Minigolfplatzes, Lütje Deile 1a
In der Kernstadt und in Mesmerode findet kein Osterfeuer statt.
Das eigentliche Brauchtum scheint inzwischen nicht mehr das Osterfeuer zu sein, sondern die dazugehörige Empörungsroutine. Sie ist derart vorhersehbar, dass manche sie schon benennen können, bevor der passende Moralkommentar überhaupt sichtbar freigegeben ist.
Bemerkenswert ruhig bisher. Normalerweise dauert es bei Osterfeuern nicht lange, bis die bekannten Pflichtpunkte abgearbeitet werden: Feinstaub, ‚nicht mehr zeitgemäß‘, Tiere im Holzhaufen und die routinemäßige Empörung. Vielleicht kommt das ja noch.
Das Osterfeuer selbst ist fast schon Nebensache. Interessanter ist der offenbar unvermeidliche Wettkampf darum, wer sich zuerst und am sichtbarsten moralisch darüber erhebt. Fehlt eigentlich nur noch ein Wal im Mittellandkanal, damit Wunstorf sein Rettungspathos endlich auf internationalem Niveau ausleben kann.
Das eigentliche Brauchtum ist längst nicht mehr das Osterfeuer, sondern die moralische Begleitliturgie dazu. Vielleicht künftig mit Rettungsgasse zum Holzhaufen, symbolischer Walrettung und einer Lichterkette als offizieller Gegenleuchte. Die wird ein Osterfeuer zwar kaum ausstrahlen, aber für den Wettkampf um die empathischere Beleuchtung müsste es genügen.
An Kommentarin Pia
Es sind sicherlich keine Pflichtpunkte.
Es sind nachweislich Punkte, die der nachweislich wissenschaftlichen Bestand erfüllen.
Da, wo aufgrund menschlichen Bedürfnissen nach Amusement ond Zeitvertreib Tier und Umwelt geschädigt wird, hört ja wohl der Spaß auf, oder?
Wer mit maximalem moralischem Anspruch auftritt, sollte vielleicht zuerst zeigen, dass der eigene Lebensstil diesem Maßstab ebenfalls standhält. Internet nutzen, Geräte betreiben, konsumieren und dann anderen jeden „Zeitvertreib“ als Umweltschädigung vorhalten, wirkt sonst vor allem wie die übliche Einbahnstraßenmoral.
An Kommentarin Sabine
Moralische Erhebung versus vernunftbezogenerArgumentation? Wohl kaum. Ernstzunehmende Mahnung ersichtlich machen ist keiner banal fundierter Sichtweise würdig.
Warum plattitudenhaft das nachsprechen, was zukunftsweisenden Bedeutung entbehrt?
Und möge es einem armen Wal erspart bleiben, in den Mittellandkanal schwimmen zu müssen.
Wer die eigene Haltung als Vernunft verkauft und andere zugleich als platt oder defizitär abwertet, argumentiert nicht nüchtern, sondern poliert nur seine Selbstüberhöhung. Wie löchrig dieser moralische Schutzschirm ist, zeigt sich schon daran, dass ein Wal erst zum gefühlstauglichen „Timmie“ verniedlicht werden muss.
An Kommentarin Britta J.
Schön wäre es, wenn die von Ihnen erwähnte „Begleitliturgie“ersatzweise für das Feuer Gestalt annimmt. Dann wären Osterfeuer sicherlich ersetzbar durch nützlichere Gepflogenheiten der Natur zugewandt.
Apropos Walrettung erscheint Ihre Aussage traurig. Es gibt sehr viele Menschen, die am Schicksal Timmies in der Wismarer Bucht Anteil nehmen.
Das Problem an solchen moralischen Totalmaßstäben ist nicht ihre Strenge, sondern ihre Unhaltbarkeit. Wer ernsthaft so tut, als dürfe kein menschlicher Zeitvertreib, kein Brauchtum und überhaupt keine Lebenspraxis mehr irgendeinen Schaden an Tier und Umwelt berühren, müsste konsequenterweise fast das ganze eigene Leben gleich mit einstellen. Selbst beim Anbau von Gemüse bleiben Regenwürmer, Käfer oder Ameisen nicht automatisch verschont. Genau deshalb wirkt dieses Pathos um „Timmie“ und ähnliche Empathiesignale so künstlich: Nicht konsequente Naturverbundenheit spricht daraus, sondern selektiv inszenierte Betroffenheit vom bequemen Sofa aus, trocken, sauber und weit entfernt von jeder nassen Sandbank.
An Kommentarin Sabine
Selbst an eigenen moralischen Ansprüchen festhalten, bedeutet das noch lange keine Selbstgerechtigkeit gegenüber anderen Menschen. Ansprüche an sich selbst zu haben gegenüber ethisch moralischen und der Umwelt zugeneigtem Bewusstsein soll helfen, diese unsere Erde ein klein wenig besser zu machen.
Traurig nur, dass vielerlei Arten der Spezies Mensch noch immer auf dem Stand früherer Zeiten stehen geblieben scheinen in Sachen Tierwohl und Umweltbewusstsein.
Mein ursprünglicher Kommentar war keine moralische Abwertung anderer, sondern eine Beobachtung zu diesem demonstrativen Wettkampf moralischer Sichtbarkeit. Wenn daraus nun ausgerechnet Selbstgerechtigkeit konstruiert wird, bestätigt das den Einwand eher, als ihn zu entkräften. Denn genau darin zeigt sich ja wieder die Umdeutung weg vom eigentlichen Punkt.
An Kommentarin Pia
Ihre angesprochene Einbahnstraßenmoral erscheint nicht im Einklang mit ethisch und moralisch denkenden Menschen, denn diese sehen den Weg nicht gleich einem Fahrzeugführer, der sich falschseitig in einer Einbahnstraße zu verirren scheint.
Mein Punkt war einfach: gleicher Maßstab für andere und für sich selbst. Darauf kommt von Ihnen kein Gegenargument, sondern nur eine moralisch verkleidete Ausweichbewegung. Gerade dadurch bestätigt sich der Eindruck der Einbahnstraßenmoral eher, als dass er entkräftet würde.
An Kommentarin Britta J.
Ihrem Kommentar gleichgestellt ist nachweislich das Denken Derer, die einseitig wertende Tendenz zeigend zu Menschen, die ehrliches Mitgefühl zeigen Geschöpfen der Art, die vielfach durch des Menschen Schuld in Gefahr gerieten oder erbarmungslos geschunden werden.
Nicht jeder ist ein Coachpotato, der traurig das Geschehen visuell verfolgt, ohne vor Ort helfend einzutreten.
Und vor der eigenen Haustür ist am besten zu kehren. Oder auch nicht, wenn der Verhaltensmaßstab dieses verbietet.
Diese Kommentare wirken inzwischen wie moralischer Dauerbeschuss ohne klare Argumentation. Ständig wird suggeriert, auf der eigenen Seite stünden Ethik, Mitgefühl und Bewusstsein, während die anderen bloß defizitär erscheinen sollen. Wer so argumentiert, beantwortet Kritik nicht, sondern versucht sie durch moralische Überhöhung zu ersticken.
Kognitive Dissonanz gepaart mit Speziesismus haben genau so wenig mit Achtung vor Lebewesen und Natur zu tun, wie die Verunglimpfung Derer, die helfend dort eintreten, wenn sie dort gebraucht werden.
Nachweislich sind diese Feuer höchst umweltschädlich. Vor allem für Kleinstlebewesen und Tiere, die leider diesen Raum nutzten.
Aber Brauchtum hat anscheinend mehr Priorität.
Entgegen allen Klimaregeln.
Traurig und unverständlich.