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Dröhnende Züge in Wartestellung bringen Anwohner auf

11.11.2021 • Achim Süß • Aufrufe: 3842

Bis zu 40 Minuten stehen Dieselloks mit laufender Maschine mitten in Wunstorf – weil die Strecke nicht freigegeben ist. Die Salzlaugentransporte werden auf unerwartete Weise zum Lärmproblem.

11.11.2021
Achim Süß
Aufrufe: 3842
Zug auf der OHE-Strecke
Wartender Zug auf der OHE-Strecke zwischen Wohnhäusern | Foto: Achim Süß

Wunstorf (as). Die Transporte von Salzlauge zum Kalischacht werden zum Problem: Anlieger der Kleinbahntrasse mitten durch die Stadt beschweren sich immer heftiger über Lärmbelästigungen.

Ein besonders neuralgischer Punkt ist der Kreuzungsbereich von Gleis und Fuß-/Radweg auf der Dammkrone des Auedeichs nahe der IGS. Dort müssen die langen Kesselwagenzüge auf der Rückfahrt bis zu 40 Minuten warten, bis sie grünes Licht aus dem Stellwerk erhalten. Die Dieselloks stehen dort wenige Meter von den Wohnhäusern entfernt mit laufendem Motor – auch spätabends.

„Gestern war es 22 Uhr“, berichtet eine Anliegerin der Auepost am Donnerstag. Der lange Zug mit den speziellen Kesselwagen für die Salzlauge steht auf der Strecke, und der Lokführer wartet auf das Signal zur Freigabe. Die Maschine läuft und erzeugt ein Geräusch von 60 bis 70 Dezibel (zum Vergleich: das entspricht der Lautstärke eines Haarföhnes direkt am Ohr)

Stets ging es nur um Lärm fahrender Waggons – nicht wartender Loks

So spielt sich das bereits seit Monaten ab, und die direkt betroffenen Anlieger – ihre Häuser stehen sieben, acht oder zehn Meter neben der Kleinbahnstrecke im Baugebiet Wendfeld – wollen das nicht mehr weiter hinnehmen. Sie sind von niemandem informiert worden, dass die Laugentransportzüge an dieser Stelle immer wieder halten müssen. Und auch die Stadt ist überrascht worden. Ortsbürgermeister Thomas Silbermann: „Wir haben das nicht gewusst.“

Wir haben das nicht gewusst

Ortsbürgermeister Thomas Silbermann

Der Verwaltungsausschuss hat am Montag über die Situation beraten. „Proaktiv“ soll jetzt „auf die Anlieger zugegangen werden“. Das Problem dabei ist: Die Stadt ist nicht zuständig. Betreiber der Kleinbahnstrecke ist die OHE (Osthannoversche Eisenbahnen) im Auftrag der Kali und Salz AG. Zurzeit fahren nach einer etwa zweiwöchigen Pause nur wenige Züge. Geplant sind aber für die nächsten zwei Jahrzehnte bis zu 12 Fahrten zum Kali-Schacht täglich – sechs Züge mit Lauge nach Bokeloh, ebenso viele zurück.

Alternative fehlt

Die Anlieger wohnen dort fast alle seit vielen Jahren und sind mit den Zugfahrten vertraut: Jahrzehntelang hat K+S auf der Strecke Salz aus dem Schacht zum Bahnhof transportieren lassen. „Das war auch kein Labsal“, sagt ein Anwohner aus der nahen Georg-Büchner-Straße. An das schrille Signal der Loks habe man sich irgendwie gewöhnt. Nun wird Lauge transportiert – in besonderen Kesselwagen, die eigens konstruiert worden sind. Die Züge sind sehr lang, und es ist nach wie vor ein Problem, sie im Bahnhof Wunstorf mit den dort haltenden oder durchfahrenden Zügen zu koordinieren. Die Wartezeiten können bis zu 40 Minuten betragen, und es gibt nach Auskunft von Experten nur einen Bereich, in dem die Kesselwagen mit der Lauge auf grünes Licht warten können: vor dem Auedamm am Ende der Fritz-Reuter-Straße.

Mit den jahrzehntelangen Transporten der Salzlauge haben sich einige Anlieger fast schon arrangiert, weil sie verfolgt haben, wie es der Stadt nicht gelungen ist, andere Lösungen zu finden. „Aber Züge sollen fahren“, sagt eine direkt Betroffene. „Fahren, nicht stehen!“

von Achim Süß
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Kommentare


  • Rudolf sagt:

    Bisher waren bei mit Diesel betriebene Fahrzeuge die Abgase das relevante Problem und nicht der Lärm. HIER ich etwas verpasst?

  • Basti g. sagt:

    Gibt es nicht erstmal die Möglichkeit die Lokomotiven auszuschalten ? Oder an der wartezone eine lärmschutzwand hochziehen !

  • McPitten sagt:

    Klasse, Millionen Liter Diesel werden verbraucht und in die Luft gelassen, ein riesen Loch in der Erde wird zur Müllhalde und die Menschen stört der Lärm vor der Haustür.

  • McPitten sagt:

    In die Luft geblasen

  • J. B. sagt:

    Immer wieder dieselbe Geschichte… Meckern, wo man nur kann. Meine Güte. Ja, Loks sind laut. Dennoch würden sich die Anwohner freuen, wenn dafür Lkw’s vor deren Tür stattdessen führen??? Na, dann beantragt den Bau einer Oberleitung. Die Loks sind leiser und, das auch im Stand. Und den Bau der Leitung lassen wir von den Anwohnern bezahlen. Dann haben sie Ruhe, sowohl in den Ohren, als auch im Geldbeutel. Trotz Lärmschutzwand würden sie den Krach der Loks hören. Man, warum meckern, statt froh zu sein, dass diese Wagen per Lok gezogen werden. Die verbraucht im Verhältnis dennoch um Längen weniger Diesel, als wenn man das per LKW transportierte…

    • Basti g. sagt:

      Man merkt das sie schlau sind ! Aber die Loks könnten doch den Motor abstellen und wenn sie nicht anspringen sind sie zu alt

  • Georg Braunroth , C D U Butteramt sagt:

    Das Kaliwerk Sigmundshall (Bokeloh) hat die salzhaltigen Abwässer über eine Spezialrohrleitung in die Leine geleitet (verklappt) . Die Kaliwerke im Kasseler Raum leiten Ihre salzhaltigen Abwässer in die Eder . Fulda , Werra ein. Da diese Einleitungen in der Oberweser zusammentreffen ,ist der Salzgehalt dort zu hoch. Eine Einleitung in die Flüsse wurde K & S untersagt. Diese Abwässer werden nun ,solange die Kaliwerke noch fördern , nach Bokeloh gebracht und in das stillgelegte Bergwerk eingeleitet.Das ist OK –wo Salz herausgeholt wurde kann auch Salzwasser eingeleitet werden. Bisher wurde das Salz mit Zügen aus Bokeloh versandt. Ein Zug ( 3 bis 6 Anhänger ) pro Tag oft weniger. Jetzt 12 und mehr ??? Züge am Tag mit bis zu 26 Spezialkesselwagen. Und das über 20 bis 30 Jahre. Da damit eine enorme Belastung der Anlieger verbunden ist ,habe ich schon damals vorgeschlagen ,die Bahnstrecke ,die ja auch teilweise erneuert ,verstärkt und schallgedämmt werden mußte und noch muß. aus dem Wunstorfer Ortskern (Sölterkreuzung ) zu entfernen und die Strecke – parallel zur Nordumgehung neu zu verlegen. Die Belästigungen der Anlieger werden zum Dauerzustand und das über 30 Jahre . Ich glaube das ist unzumutbar

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