
Wunstorf (as). „Zeitnah“ wie vom Pressesprecher versprochen, hat die Stadt über soziale Medien die teils schweren Schäden in der Kanalisation der Innenstadt bekannt gemacht. Wenige Tage nach dem Start ist die Informations-Kampagne aus dem Rathaus zusammen mit der Analyse des Leitungssystems auch im Bauausschuss zum Thema geworden.
Beim Tagesordnungspunkt Mitteilungen erfuhren Ausschuss und Öffentlichkeit von Mareike Hansing, der Leiterin der Bauverwaltung, erstmals Details eines groß angelegten Kameraeinsatzes in der Innenstadt-Kanalisation. Bereits im Mai sind dabei schwere Schäden ermittelt worden, nachdem am Rand des Marktplatzes im April eine Rohrleitung zusammengebrochen und nicht mehr funktionsfähig war. Die Dokumentation der Verwaltung zeigt verformte und zerborstene Rohre, Scherbenbruch und Löcher, durch die Erdreich und Grundwasser in die Leitungen eindringt. Warum die Ergebnisse seit mehr als sechs Monaten unter Verschluss gehalten worden sind, wurde im Ausschuss nicht erklärt.
Hansing teilte mit, unter der Langen Straße gebe es „auf langer Strecke große Schäden“. Sechs Stellen seien besonders kritisch. Die Verwaltung halte es für nötig, so schnell wie möglich zu handeln. Auf Nachfrage nannte sie den Zeitraum der nächsten fünf bis zehn Jahre. Für Torben Klant, den baupolitischen Sprecher der SPD-Ratsfraktion, ist der Handlungsbedarf offensichtlich. Jetzt zu warten, wäre fast eine „Pflichtvergessenheit“.
Das sogenannte ISEK-Verfahren zur Umgestaltung der Innenstadt aufzuhalten, nannte er fahrlässig. Klant: „Es geht nicht um Wollen, sondern um Müssen.“ „Ganz ausgezeichnet“ sei die Info-Kampagne der Stadtverwaltung, mit der auf hervorragende Weise über die geplanten Sanierungen berichtet werde. Die Stadt sei mit ihrer Absicht, die Innenstadt zu sanieren, „auf dem völlig richtigen Weg“.
Hansing war zuvor auf die Kampagne eingegangen und hatte ein Video vorgeführt, in dem Alexandra Perschel, die Leiterin der Stadtentwässerung, die Ergebnisse der Untersuchung erläutert. Auch ihr Tenor lautet: „Es ist wichtig, dass wir schnell die Kanäle erneuern können!“
„Was ist mit den anderen Straßen?“, fragte Christiane Schweer (CDU), die stellvertretende Vorsitzende des Bauausschusses. Schon in früheren Zeiten sei das Rohrsystem in vielen Bereichen nicht in Ordnung gewesen. Schweer: „Zum Teil schlechter als heute zu sehen.“ Auf ihre Frage, ob das sogenannte Inliner-Verfahren eine Lösung sein könnte, erfuhr der Ausschuss von Hansing und ihrem Kollegen Simon Schlüter, dieses Konzept sei für Wunstorf nicht geeignet.
Ob und wann sich die Ratsgremien mit dem Thema befassen werden, blieb offen. Da die Verwaltung den Tagesordnungspunkt „Mitteilungen“ genutzt hat, um zu informieren, gab es keinen Beschluss. Fest steht, dass die Informations-Kampagne fortgesetzt werden soll. Dazu die Stadtverwaltung auf Instagram: „Auf unserer Homepage findet ihr die Videos in voller Länge sowie eine Präsentation mit weiteren Informationen, unter anderem auch mit Karten, auf denen alle Schäden markiert sind. Bleibt dran: In den kommenden Wochen folgen weitere Einblicke in die verschiedenen Bereiche der Innenstadtsanierung.“
Das Schlauchliner- oder Inliner-Verfahren ist eine relativ neue Methode, Rohrleitungen zu sanieren, ohne Gräben öffnen zu müssen. Ein Glasfasergewebe aus wieder verwendetem Plastik-Material wird mit Kunstharz getränkt und vereist. Die Schläuche werden mit Spezialmaschinen in die alten Rohre gezogen, mit Druckluft angepresst und mit heißem Wasser und Ultraviolettstrahlung ausgehärtet. Straßen, Gehwege und Flächen müssen nicht aufgebrochen werden, Aushub und Verfüllen entfallen. Das Verfahren spart Zeit und Kosten und eignet sich für Leitungslängen bis zu 200 Meter. Es kann bei Rissen in den Rohren, Brüchen und Scherbenbildungen eingesetzt werden. Bei Absackungen oder Einstürzen bleibt für die Sanierung nur die offene Bauweise.
Interessanz.
1) „Warum die Ergebnisse seit mehr als sechs Monaten unter Verschluss gehalten worden sind, wurde im Ausschuss nicht erklärt.“
Dachte man vielleicht, dass man es vertuschen kann?
2) „Hansing teilte mit, unter der Langen Straße gebe es „auf langer Strecke große Schäden“.
Man kann davon ausgehen, dass die gesamte Wunstorfer Kanalisation so aussieht, denn aus welchem Grund sollten nur die Rohre unter der Langen Straße defekt sein und alle anderen Wunstorfer Kanalisationsrohre dagegen intakt?
3) „Für Torben Klant, den baupolitischen Sprecher der SPD-Ratsfraktion, ist der Handlungsbedarf offensichtlich. Jetzt zu warten, wäre fast eine „Pflichtvergessenheit“.“
Genau mein Humor. Wenn ein SPD-Bürgermeister sich jahrelang nicht um die Kanalisation seiner Stadt kümmert, dann ist das fast schon eine „Pflichtvergessenheit“.
4) „Auf ihre Frage, ob das sogenannte Inliner-Verfahren eine Lösung sein könnte, erfuhr der Ausschuss von Hansing und ihrem Kollegen Simon Schlüter, dieses Konzept sei für Wunstorf nicht geeignet.“
Warum nicht?
5) „Ob und wann sich die Ratsgremien mit dem Thema befassen werden, blieb offen.“
Warum nicht, wenn es doch so dringend ist?
Die Stadt Wunstorf baut lieber monatelang einen vollkommen unnötigen Kreisel, unnötige Fahrradtürme und absolut unnötige Fahrradparkplätze, währenddessen unter uns die Kanalistion verrottet.
Wunstorf ist wiedermal ganz vorne dabei.
„Sechs Stellen seien besonders kritisch. Die Verwaltung halte es für nötig, so schnell wie möglich zu handeln.“ und „Es ist wichtig, dass wir schnell die Kanäle erneuern können!“ Wie passen diese Aussage zu dem Zeitraum von fünf bis zehn Jahren? Bei gravierenden Schäden an der Kanalisation muss ich umgehend handeln und kann mir nicht 5 – 10 Jahre Zeit lassen und nebenbei noch die komplette Innenstadt umgestalten. Dass passt vorne und hinten nicht zusammen. Es entsteht der Eindruck, dass die Pläne für die Umgestaltung der Innenstadt unter der Verwendung von vorgeschobenen Tatsachen durchgebracht werden sollen. In dem Artikel wird von einer Sanierung der Innenstadt gesprochen – die sicherlich an der ein oder anderen Stelle auch absolut sinnvoll ist – was aber nicht zu den früheren Artikeln in dieser Zeitung über den Umbau der Innenstadt (Schwammstadt) passt. Da liegen Welten zwischen. Vielleicht sollte der Stadtbürgermeister erst einmal detailliert darlegen, was er da genau plant.
Rohre erneuern und gut ist das
In den letzten Tagen sind gleich drei Auepost-Artikel erschienen, die angeblich die „dringende“ Notwendigkeit belegen sollen, die Fußgängerzone komplett aufzureißen. Interessant ist dabei weniger das Bildmaterial, sondern die Art der Formulierungen.
In allen drei Beiträgen wird ausschließlich von „der Langen Straße“ gesprochen – ohne die entscheidende Information, um welchen Abschnitt es sich überhaupt handelt. Die Lange Straße besteht bekanntlich aus zwei völlig verschiedenen Bereichen: einem befahrenen Teil mit Schwerlastverkehr und dem westlichen, verkehrsfreien Teil der Fußgängerzone. Diese Unterscheidung wird in keinem der drei Artikel auch nur ein einziges Mal erwähnt.
1) In „Stadt teilt mit: Kanalrohre im Zentrum sind beschädigt“ wird von „zahlreichen Schäden“ und einem „bedenklichen Zustand“ berichtet – aber ohne klare Ortsangabe.
2) In „Wunstorfer Innenstadt: Umbau-Kritiker machen Front …“ wird die Kanalisation erneut als Umbauargument genannt, ohne dass klar wird, welche Leitungsabschnitte überhaupt betroffen sind.
3) Im neuesten Artikel „Kritische Infrastruktur: Defekte Kanalrohre rücken in den Blickpunkt“ heißt es dann, „an sechs Stellen unter der Langen Straße“ seien Rohre gebrochen. Auch hier wieder: kein Wort darüber, ob diese Schadstellen unter dem Fahrbahnbereich liegen oder im Pflaster der Fuzo.
Diese sprachliche Unschärfe führt zwangsläufig zu einer bestimmten Assoziation: Wenn man schon von „kaputten Rohren unter der Langen Straße“ liest und gleichzeitig über eine Sanierung der Fußgängerzone spricht, wird der Leser automatisch die beiden Dinge verknüpfen – obwohl das gar nicht eindeutig belegt ist. Eine direkte Falschaussage wird vermieden, aber durch die Art der Darstellung entsteht dennoch ein sehr konkreter Eindruck: „Die Fußgängerzone ist marode.“
Deshalb eine völlig sachliche und einfache Nachfrage:
**Wo genau befinden sich diese sechs kritischen Schadstellen?**
Im befahrenen östlichen Bereich – oder tatsächlich unter dem Fußgängerzonen-Abschnitt, der von keinem LKW belastet wird?
Solange diese Frage unbeantwortet bleibt, steht der Verdacht im Raum, dass hier mit einer Art politischer Suggestion gearbeitet wird: Man sagt nicht ausdrücklich, dass die Fußgängerzone betroffen ist, lässt aber zu, dass viele Bürger genau das annehmen.
Eine veröffentlichte Karte mit den markierten Schadstellen würde sofort Klarheit schaffen. Warum legt man sie nicht offen?
Interessant wäre, welches Rohr ist abgebildet. Aus der Kameraperspektive kann es meines Erachtens kein großes Sammelohr sein, sondern eher ein Hausanschluss oder eine kleine Sammelzuleitung.Damit wäre auch erklärlich, dass man noch einige Jahre warten kann. Ein kleines Rohr bricht bei dem Schadenbild nicht so schnell zusammen. Wie lang ist der Schaden tatsächlich? Das geht auch nicht aus dem Bericht hervor. Das Bild zeigt offensichtlich einen kleinen Rohrabschnitt wo ein bis zwei Rohrstücke angegriffen aussehen. Das dürfte eine Strecke von ca. 2 Metern sein.
Hinter der Schadstelle sieht das Rohr wieder rund aus.
Sechs Stellen können eine Katastrophe sein oder eben sechs Kleinigkeiten, die jeweils in kürzester Zeit geflickt werden könnten, ohne gleich die Fußgängezone neu gestalten zu müssen. Dann hätte man auch noch jede Menge Zeit für vernünftige Planungen.
Trotz aller Beweisführung für Mängel der Kanalisation fragt man sich, ob das alles nicht gerade in den Kram zur Stadtsanierung so treffend passt. Quasi Alibi schnell noch zur Rechtfertigung zeitnah angewendet?
Wenn Politiker, welche seit Jahren dazu verpflichtet gewesen wären, sich permanent um die Infrastruktur der Stadt Wunstorf zu kümmern, plötzlich damit um die Ecke kommen, dass sich die Kanalisation in einem „bedenklichen Zustand“ befindet, dann ist das ganz einfach genau DAS, was Politiker sehr gerne machen, wenn sie die Bevölkerung in eine gewisse Richtung nudgen wollen: sie machen der Bevölkerung Angst.
Anstatt, dass nunmehr ganz konkret Transparenz geschaffen wird, in dem jeder einzelne zu sanierende Abschnitt mit Schadensbild veröffentlich wird, werden obskure Fotos veröffentlicht, welche jedermann mit irgendeiner Bild-KI in 5 Minuten selber herstellen kann. Genau mein Humor.
Das genau ist NICHT die Transparenz, welche man sich als Wunstorfer Bürger von seinen angestellten Politikern als Leistung für die üppigen Gehälter vorstellt.
so sehen sehr vile Rohre in Deutschland aus, nur die meisten werden nicht mit Kameras befahren. Jetzt ist klar die Erneuerung der Fußgängerzone stößt auf Widerstand und ist nicht so einfach umsetzbar. Dann wird überlegt was ist zu tun, also „Angst“ schüren und Rohrfotos veröffentlichen um Mängel aufzuzeigen. Vielleicht erhöht sich ja die Akzeptanz dadurch in der Bevölkerung…denkt der pfiffige Politiker.
Ich Wunstorf gibt es genug jeden Tag zu sehende Mängel an den Radwegen und Gehwegen Unzählige Stolperstellen durch Gullideckel und hochgedrückte Platten, kümmert euch darum, die Aktzeptanz ist da, jeder Nutzer kennt die Dinge. Dann habt ihr vor der nächsten Wahl auch was gutes getan :-)