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Mit Blaulicht und Trompeten: Die Verabschiedung von Bürgermeister Eberhardt

30.10.2021 • Daniel Schneider • Aufrufe: 1441

Am Freitagabend wurde Bürgermeister Rolf-Axel Eberhardt feierlich aus dem Amt verabschiedet. Eberhardt führte die Stadt 22 Jahre.

30.10.2021
Daniel Schneider
Aufrufe: 1441
Verabschiedung Eberhardt
Abschiedsgeschenke für Rolf-Axel Eberhardt | Foto: Daniel Schneider

Wunstorf (ds). Die Anwohner vermuteten bereits einen Brand in der Otto-Hahn-Schule, als am Freitagabend um 17.45 Uhr die Feuerwehr mit Blaulicht und Martinshorn am Barneschulzentrum anrückte. Doch es war kein Notfall, keine Übung und auch kein Fehlalarm: Es war die Ehreneskorte für den scheidenden Wunstorfer Bürgermeister – die Feuerwehr fuhr ihn zur Verabschiedungsfeier. Rolf-Axel Eberhardt ist mit Ablauf des kommenden Sonntages nicht mehr Bürgermeister der Stadt – um 0 Uhr übernimmt Carsten Piellusch die Amtsgeschäfte.

Nicht nur die Feuerwehr erwies die Ehre. 140 Gäste waren zur Verabschiedungsfeier geladen worden und füllten die Aula der Schule. Nach 22 Jahren stand Eberhardt damit wieder in demselben Raum, in dem er auch ins Amt eingeführt worden war. Die Veranstaltung fand unter 2G-Bedingungen statt, so dass auf Maskentragen und Abstandhalten verzichtet werden durfte. Erster stellvertretender Bürgermeister Ulrich Troschke moderierte. Zu den Gästen in der ersten Reihe zählten auch der stellvertretende niedersächsische Ministerpräsident Bernd Althusmann, Niedersachsens Europaministerin Birgit Honé, Bundestagsabgeordnete Caren Marks und Regionspräsident Hauke Jagau.

Eine besondere Ehrung

Um nicht der Rührung zu verfallen beim Rückblick auf die eigene Amtszeit, hatte Eberhardt zu einem Trick gegriffen: Den Abschluss des Abends stellte er in die Tradition der starken Frauen in Wunstorf, die bis zum Äbtissinnenstift zurückreicht. Daher bat Eberhardt neben seiner Ehefrau Heide Marita Baciulis und Andrea Henning aus der Verwaltung sowie aus der Politik Kirsten Riedel und Christiane Schweer auf die Bühne, um ihnen besonders für die Zusammenarbeit in den zurückliegenden Jahren zu danken. Der Abschlussapplaus sollte nicht ihm gebühren, sondern ihnen. Statt direkt Blumen zu überreichen, gab es die Ankündigung eines besonderen floralen Präsents: Gärtnermeister Karl-Heinz Saak von der Deutschen Fuchsiengesellschaft hatte einst die Züchtung „Axel“ nach Eberhardt benannt, um für die Ausrichtung einer Ausstellung in Wunstorf zu werben. Im Mai nun soll dann jede der Geehrten eine solche echte „Axel“ erhalten.

Verabschiedung Eberhardt
Kirsten Riedel, Marita Baciulis, Christiane Schweer, Heide Eberhardt und Andrea Henning auf der Bühne | Foto: Daniel Schneider

Dass die Gefahr, zu sehr ins Sentimentale abzugleiten, gering gehalten wurde, dafür sorgten ebenfalls die Laudatoren, die sich mit amüsanten Anekdoten aus Eberhardts Amtszeit überboten. Carsten Piellusch brachte Eberhardts Geburtsdatum mit jenem von Wladimir Putin in Verbindung und hatte damit den ersten Lacher des Abends. Piellusch würdigte den vertrauensvollen, offenen Führungsstil („Zugemauerte Türen gab es bei dir nicht“) und zählte die Verdienste Eberhardts für die Weiterentwicklung der Stadt auf, an die man sich erinnern wird: Ganz zuvorderst genannt waren der Erhalt des Fliegerhorstes, wodurch Wunstorf mit der Ansiedlung von A400M-Standort samt Airbuswartung ein Alleinstellungsmerkmal in Deutschland habe. „Der Fliegerhorst war schon fast verloren“, so Piellusch rückblickend. Auch die Erinnerung an die Besonderheit, dass Eberhardt bei seiner letzten Wiederwahl ohne Gegenkandidaten angetreten war, durfte nicht fehlen: „Niemand wollte mit ihm in den Ring steigen – auch das ist eine Botschaft.“ Genannt wurden die Lieblingszitate, die Eberhardts Arbeitsstil charakterisieren, etwa „Es geht um die Stadt“ und „Lieber falsch entscheiden als nicht entscheiden.“

Terriermentalität

Verabschiedung Eberhardt
Erste Reihe | Foto: Daniel Schneider

Althusmann versprach sich kurz und würdigte Eberhardt als ersten Oberbürgermeister, bevor er sich zu hauptamtlichem Bürgermeister korrigierte. Von Wunstorf seien durch Eberhardt immer Signale ausgegangen, beschrieb Althusmann dessen Beharrlichkeit und brachte dabei die freundschaftliche Spitze mit der „Terriermentalität“ noch einmal unter: „Wenn Sie einmal zubeißen, dann lassen Sie so schnell nicht wieder los.“ Damit spielte der Wirtschaftsminister nicht nur auf die Nordumgehung an. Eberhardt habe beispielsweise einst sehr auf den niedersächsischen Kultusminister geschimpft, weil es mit der Einrichtung der IGS nicht voranging – „das war ich“, sagte Althusmann und hatte den zweiten großen Lacher des Abends.

Jagau stellte zunächst fest, dass das Wunstorf-Fähnchen am Rednerpult die Sprecher verdeckte – und behob das Problem. Er bestätigte noch einmal. was auch das den Abend begleitende A-cappella-Quintett „Die AkkordArbeiter“ angesprochen hatte – dass Wunstorf den nettesten Rat in der Region habe, ein gemeinschaftlicher, auf Einigkeit bedachter Umgang gepflegt werde. Eberhardt hätte aber gegenüber der Region auch klare Worte gefunden, habe einen juristisch fundierten, aber dabei bodenständigen Verwaltungsstil gehabt. „Was soll denn der Quatsch?“, habe es da schon einmal geheißen. Einen Bürgermeister, der nachts um 2 Uhr aufstehe, um eine Auseinandersetzung im Jugendzentrum zu schlichten, den müsse man auch erstmal suchen, stellte Jagau zudem Eberhardts Arbeitsethos heraus.

Verabschiedung Eberhardt
Verabschiedungsfeier | Foto: Daniel Schneider

Martin Pavel als Vertreter für den Stadtrat lüftete das Geheimnis um die richtige Ansprache des Bürgermeisters – und weshalb er sich selbst bemüht habe, stets nur einen Teil des Vornamens Eberhardts zu verwenden. In einer seiner ersten parteiinternen Begegnungen mit Eberhardt hätte dieser gesagt: „Ich bin Axel. Meine Feinde nennen mich Rolf-Axel. Also pass gut auf, was du sagst!“

Eberhardts Familie hatte ebenfalls aktiven Anteil an der Feier: Während auf der Bühne die Redner sprachen, „zerlegten“ die Zwillings-Enkel – gerade zwei Jahre alt geworden –, zur Verzückung der Gäste mit Eifer im Hintergrund die Wunstorf-Aufsteller. Vater Kai-Ole Eberhardt stellte klar, dass es nicht zum Plan gehört hatte, die übrigen Redner aus dem Konzept zu bringen, um seinen eigenen Redebeitrag besser dastehen zulassen. Der Sohn des Bürgermeisters berichtete vom persönlichen Erleben des Vaters als Verwaltungschef: „Wunstorf saß mit am Abendbrottisch – wie ein Familienmitglied.“ An den Kuhbrunnen, für den am Abend statt Geschenken Geld zugunsten einer künftigen Beleuchtung erbeten wurde, hatte Kai-Ole Eberhardt jedoch nicht nur gute Erinnerungen: Als kleiner Junge habe er sich dort beim Spielen verletzt und erstmals einen Rettungswagen von innen gesehen.

One Moment in Time

Die Pläne von Eberhardt doch noch zu durchkreuzen, das versuchte der Musikzug der Ortsfeuerwehr Kolenfeld, der als Überraschungsgast den formellen Teil des Abends beendete. Mit Fackelträgern und unter Marschmusik vor der Aula aufmarschiert, wurde die Formation mit „My Way“ und „One Moment in Time“ zum kleinen großen Zapfenstreich.

Verabschiedung Eberhardt
Lichtermeer zur Verabschiedung | Foto: Daniel Schneider
Verabschiedung Eberhardt
Eberhardt winkt zum Abschied | Foto: Daniel Schneider

Bei der am Schluss sehr getragen gespielten Ballade leuchteten die Feuerzeuge und Wunderkerzen auf, die an die Gäste verteilt worden waren. Ob die Rührung bei Eberhardt in diesem Moment dann doch noch durchkam, blieb in der Dunkelheit verborgen.

„Auf Wiedersehen – es war mir eine Ehre, für die Stadt Wunstorf arbeiten zu dürfen“, waren die abschließenden Worte des Bürgermeisters.

Impressionen

von Daniel Schneider
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