
Wunstorf (red). Ganz still wurde es am Mittwochabend im Stadtrat, als sich die Anwesenden für eine Schweigeminute erhoben und des getöteten Wunstorfer Jungen gedachten. Ratsvorsitzendem Rolf Herrmann (SPD) versagte kurz die Stimme, als er an das Geschehen erinnerte. Er dankte auch den Helfern, die sich an der Suche nach dem zunächst noch vermissten Jugendlichen beteiligt hatten – das ginge an niemandem spurlos vorbei. „Wir bleiben alle fassungslos und sprachlos zurück“, schloss Herrmann seine Worte.
Fast gleichzeitig sind nun die Beileidsbekundungen rund um den Ort der Tat entfernt worden. Verwelkte Blumen und heruntergebrannte Kerzen, aber auch persönlich bemalte Gegenstände und Botschaften wurden zum Wochenende beseitigt.
Das „De-facto-Mahnmal“ auf der Wiese nahe dem Bärenspielplatz habe „seine Würde verloren“, begründete Stadtsprecher Alexander Stockum am Mittwoch den Einsatz des Baubetriebshofs im Gespräch mit der Auepost. Die Blumen, Kerzen, Bilder, Karten und Briefe hätten ihre „optische Wirkung verloren“. Ortsbürgermeister Frank Zülich (SPD) sei von Anliegern darauf hingewiesen worden, dass der Anblick „nicht mehr vertretbar“ sei. Andere sorgten sich um die Umwelt, fürchteten, dass Kunststoffe in der Natur blieben.

Um zu verhindern, dass „Privatleute die Gegenstände wegräumen“, habe sich die Stadtverwaltung mit Zülich, der Gesamtschule und den beiden Seelsorgern abgestimmt, die Kontakt zu den Familien von Opfer und mutmaßlichem Täter haben. Im Ergebnis kamen die Objekte nun in den Müll.
In sozialen Medien war die Aktion als pietät- und respektlos kritisiert worden. Niemand habe sich daran gestört, dass die abgelegten Gegenstände inzwischen verwittert gewesen seien. Andere halten zumindest den Zeitpunkt für deutlich zu früh.
Stockum hält dem entgegen: Pietätlosigkeit könne „auch in eine andere Richtung gehen“. Wenn die improvisierte Gedenkstätte für den Toten nicht mehr als würdevoll bezeichnet werden könne, sei es keine angemessene Erinnerung. Alle Beteiligten, so Stockum, hätten lange und intensiv abgewogen.
Vor allem die Stelle am Knickfeldweg hatte viele Menschen angezogen, die selbst etwas ablegten oder den Ort nutzten, um zu trauern.
Zur wenn ich etwas ablege, das der Witterungen ausgesetzt ist, und ich mich nicht hinterher darum kümmere, fehlt da Verantwortungsbewusstsein. Das muss nichtmal vorsätzlich sein. Aber in einer Zeit, wo alle nach Eigenverantwortung schreien, finde ich ein Aufruf zur Beseitigung albern und sicher genauso erfolgreich wie ein Ruf ins Kinderzimmer zum aufräumen.
Die ausgebrannten Grablichter flogen bei dem Sturm aufs Feld und im Wald umher. Und das man sich ausgiebig Gedanken gemacht hat, ob und wie, geht eindeutig aus dem Artikel hervor. Danke dafür
Dass ein solcher Aufruf nicht umbedingt viel Erfolg gebracht hätte streite ich ja gar nicht ab – die Stadt hätte sich damit aber auch „keinen abgebrochen“ & es wäre in der Öffentlichkeit sicher besser angekommen, wenn man vorm Wegschmeißen einfach mal öffentlich darauf aufmerksam gemacht und drum gebeten hätte es selber wieder zu entfernen – besser jedenfalls als es ohne jegwelche Ankündigung zu räumen. Denn die Reaktionen hätte man beim „ausgiebig Gedanken machen“ wohl vorhersehen können!?
Es hätte ja nicht ne ganze Seite in der Zeitung sein müssen. Schließlich gibt es ja Onlinemedien wie u.a. hier die Auepost, die Hompage der Stadt und darüber hinaus hat die Stadtverwaltung auch Social-Media-Kanäle – darüber hätte man einen entsprechenden Aufruf problemlos verbreiten können. Es wäre also mit wenig Aufwand möglich gewesen, wenn man gewollt hätte.
Zeitaufand vielleicht 15 Minuten. Zeitaufwand für das „ausgiebig Gedanken machen“? Sicher (oder ehr hoffentlich) deutlich länger…
Ja bestimmte Leute wollen, dass nichts Negatives zurückbleibt – ach ja, Mobbing hat es ja auch keins gegeben, da war man sich ja ganz schnell einig. Alles sauber in Wunstorf, überall.
An dieser Stelle hat ein junger Mensch sein Leben verloren. Viele brachten ihre Anteilnahme durch liebevolle Andenken an ihn zum Ausdruck.
Diese Gedenkstätte rückhaltslos und unbarmherzig zu zerstören, ist pietätlos und jegliches Gefühl vermissend.
Gedenkstätten werde aufrechterhalten durch Kranzniederlegungen und Blumenschmuck, liebgewordener Gegenstände und Andenken. Durch eine Reaktion der Vermichtung ist die Würdigung solcher würde- und anstandslos.
Es ist das Beispiel vieler Dinge heutiger Zeit. Gestern geschehen, schon morgen vergessen und sich anderen „Aktionen“ hingebend.
Warum konnte man nicht zunächst leere Grablichter sowie verwelkte und verwitterte Blumen entfernen?
So wurde das Gedenken entfernt – nicht mal einen Monat nachdem Jan auf unfassbare Weise aus dem Leben gerissen wurde.
Erst veröffentlicht die Stadt einen Nachruf und dann nimmt sie ihm seine Gedenkstätte nach nicht einmal 30 Tagen.
Wenig sensibel, Schade und traurig.
„Um zu verhindern, dass Privatleute die Gegenstände wegräumen“ „kamen die Objekte nun in den Müll“.
OK, die Logik erschließt sich mir nicht…
Man hätte ja auch vorher öffentlich informieren können, um den Personen welche die Gegenstände dort abgelegt haben, die Gelegenheit zu geben es wegzuräumen und noch nicht Verwittertes ggf. auf die mittlerweile vorhandene Grabstelle zu bringen.
Aber nö, in den Müll ist einfachen – der entsprechende „Shitstorm“ war für die Stadt nicht vorhersehbar!?