
Wunstorf (ds). Ein bestimmter Familienname taucht immer wieder auf, wenn es um die Wunstorfer Feuerwehr geht: Heidorn. Nicht nur ein Mitglied der Familie ist der Feuerwehr verbunden – doch eines wurde am gestrigen Freitag besonders geehrt: Uwe Heidorn, langjähriger Ortsbrandmeister, der im Dezember mit Erreichen der Altersgrenze von 67 Jahren aus dem aktiven Dienst der Feuerwehr ausgeschieden war. Im vergangenen Monat war er an der Feuerwache bereits standesgemäß in den Ruhestand verabschiedet worden – die Kameraden hatten ihn mit einer historischen Kübelspritze von zu Hause abgeholt.
Das sollte jedoch noch nicht alles gewesen sein. Als besondere Anerkennung wurde Heidorn auf Beschluss des Stadtrates am gestrigen Freitag während der Jahreshauptversammlung der Ortsfeuerwehr zum Ehrenortsbrandmeister ernannt. Bürgermeister Carsten Piellusch überreichte die Urkunde. Heidorn war seit 1989 stellvertretender Ortsbrandmeister und zwischen 2001 und 2013 Ortsbrandmeister der Schwerpunktfeuerwehr gewesen. Der Ehrentitel wird nur verliehen bei mindestens 30-jähriger Mitgliedschaft und mindestens 12-jähriger Amtszeit als Ortsbrandmeister.

Uwe Heidorn hielt im Anschluss eine ganz besondere Dankesrede, in der er die Stationen seiner Feuerwehrkarriere einflocht. Es wurde ein kompakter und doch allumfassender Rückblick auf ein halbes Jahrhundert Wunstorfer Feuerwehrgeschichte.
Heidorn, der die Feuerwehr als seine zweite Heimat bezeichnete, war 1969 in die Jugendfeuerwehr der damals noch Stadtfeuerwehr Wunstorf eingetreten, drei Jahre zuvor war gerade die neue Feuerwache an der Barnestraße 1 gebaut worden. Wie er als Kind mit Freunden noch an die Holztore der alten Feuerwache am Alten Markt Fußbälle geschossen hatte – und dass die Anwohner davon nicht so begeistert waren –, davon wusste Heidorn ebenfalls zu berichten.
Auch die Großbrände der zurückliegenden Jahrzehnte in Wunstorf hat Heidorn alle miterlebt. Beim Brand der Otto-Hahn-Schule 1985, einer der größten Brände in Wunstorf in neuerer Zeit, brannte das Schulhaus komplett nieder. Übertroffen wurde dies noch vom Einsatz im Jahre 2006: Den Vion-Brand schilderte Heidorn plastisch aus Sicht des Feuerwehrmannes: Zunächst war die Feuerwehr nur zu einem PKW-Brand alarmiert worden, dann habe es geheißen, es brennt ein Palettenstapel. Als die Feuerwehrwagen über die Hochstraße fuhren, hätte es dann schon eine Durchzündung in der Produktionsstraße des Tiefkühlkostwerkes gegeben. „So etwas habe ich noch nicht gesehen“, berichtet Heidorn von seinen damaligen Eindrücken. Eine 30-Meter-Feuerwalze habe sich über das Gelände gezogen. Sogar die Berufsfeuerwehr aus Hannover wurde zur Unterstützung gerufen. Die Ruine steht bis heute.

Auch viele Verkehrsunfälle in der Stadt, auf den Landstraßen und auf der Autobahn hat Heidorn in seiner aktiven Zeit miterlebt. 1981 habe es auch auf dem Wunstorfer Bahnhof einen Unfall gegeben: Nach dem Zusammenstoß zweier Züge kam es auch hier zur Personenrettung – ein Passagier war auf der Zugtoilette eingeschlossen.
Die Zeiten hätten sich auch brandtechnisch geändert, resümierte Heidorn: Es gab Zeiten, da konnte man die Uhr nach dem nächsten erwarteten Feuer stellen: Freitagabends habe es in den 1970er Jahren regelmäßig gegen 23 Uhr bei „Holz-Bock“ gebrannt, dem Lagerplatz der Firma Bock, der damals auf dem Gelände des heutigen Medicums gestanden hatte. Auch habe er in seiner Feuerwehrlaufbahn schon in jedem Ortsteil einmal eine Scheune gelöscht. „Früher ist so ’ne Scheune öfter abgebrannt“ – die Bauweisen und Materialien hätten sich geändert. Auch Moorbrände, zu denen die Feuerwehr früher noch sehr oft gerufen wurde, gebe es heute so nicht mehr.
Dass er als jüngerer Feuerwehrmann einmal den falschen Hahn aufdrehte und das Löschfahrzeug ohne Wasser in den nächsten Einsatz fuhr, ist längst verziehen und hat die Ernennung zum Ehrenortsbrandmeister natürlich nicht verhindert. Dafür war das schwere Fahrzeug damals wie ein Pfeil über die Straße zu dem Garagenbrand nach Luthe geschossen. Mit breitem Lächeln schaute Heidorn zurück auf die alten Erfahrungen und ließ die versammelte Feuerwehr teilhaben.

Ernster wurde Heidorn, als er davon berichtete, wie er bei einem der vielen Einsätze knapp mit dem Leben davongekommen war: Bei Betreten eines Brandobjekts war plötzlich ein rauschendes Geräusch aufgefallen – in dem brennenden Haus war im Obergeschoss Feuer gelegt worden, und im Erdgeschoss war der manipulierte Gashahn voll aufgedreht. Später stellte sich heraus, dass über zwei Etagen auch noch mit Benzin gefüllte Mülltonnen platziert worden waren.
Unter Heidorn hat es auch manche Neuerung bei der Wunstorfer Wehr gegeben: Die Kennzeichnung der Helme mit den Buchstaben der Ortswehren war eingeführt worden, um die Erkennbarkeit im Einsatz untereinander zu erleichtern. In Wunstorf trägt man seitdem WUN auf den Helmen, in Klein Heidorn z. B. KLH.

Auch die Partnerschaften zu den Feuerwehren Wolmirstedt und Flers war begründet worden. Für die Erhöhung der Eigensicherung der Feuerwehrleute setzte sich Heidorn ebenso ein, als der „Beklebungsausschuss“ entstand: Feuerwehrfahrzeuge in Wunstorf sind seitdem auffälliger mit reflektierender Folie gekennzeichnet. Nicht zuletzt entstand der Förderverein, über den die Wunstorfer ihre Feuerwehr unterstützen können, auch ohne selbst Feuerwehrmitglied zu werden.

Nun kann es Heidorn feuerwehrtechnisch etwas ruhiger angehen – doch er bleibt der Feuerwehr verbunden. Anlässlich der Ehrung gab es noch ein besonderes Geschenk: seine letzte Einsatzleiterweste, nun versehen mit dem neuen Ehrentitel.
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