
Wunstorf (red). Gerade einen schicken Gebrauchtwagen gekauft, noch schnell zum Schnellrestaurant – und schon ist es zum Unfall gekommen. Der Besitzer blieb trotz Dashcam-Aufzeichnung letztlich auf einem Großteils des Schadens sitzen und erhebt nun gravierende Vorwürfe: Er hält es für wahrscheinlich, dass Unfallgegner, Zeugen und sogar die Polizei unter einer Decke gesteckt haben.
Denn aus einem kleinen Unfall wurde eine „Riesen-Geschichte“, wie „Sascha“ es kommentiert. Nicht irgendein Sascha, sondern der Betreiber des in der Dashcam-Szene bekannten Youtube-Kanals „Eure Videos – Fahrnünftig“.
Die Dashcam-Sendung ist eine der besten, wenn nicht gar die beste ihrer Art. Sie ist das Resultat eines Trends und technischer Entwicklung: Heutzutage zeigen viele Kanäle Zusammenschnitte aus dem Straßenverkehr, die von Fahrzeugkameras im Fahralltag aufgezeichnet wurden. Dokumentierte Unfälle, Zusammenstöße, merkwürdige Situationen, Geisterfahrer oder „lebensmüde“ Verkehrsteilnehmer werden zusammengeschnitten und kommentiert.
Als sich vor rund 10 Jahren die Dashcams stark zu verbreiten begannen, Autofahrer während der Fahrt permanent Kameras mitlaufen ließen, um im Ernstfall eine Aufzeichnung des Geschehens zu haben, fiel dabei schnell so viel Material an, dass daraus regelmäßige Sendungen zusammengestellt werden konnten. Ein neues Genre entstand – der Dashcamkanal.
Manche Kanäle sind analysierend, manche belehrend, manche sarkastisch. Die Besprechungen von Fehlverhalten, Unfällen und gefährlichen Situation im Straßenverkehr sind so informativ und unterhaltsam, dass sich darum viele Abonnenten scharen. Allein „Eure Videos“ hat rund eine halbe Million regelmäßige Zuschauer und sticht heraus: Dem Kanalbetreiber gelingt es scheinbar spielend, ein verbalisiertes Kopfschütteln zu erzeugen. Mit Wortwitz und Charme wird das Gezeigte oft ironisch kommentiert und mit Expertenwissen unterfüttert. Denn „Sascha“ ist ehemaliger Berufskraftfahrer. Ursprünglich zeigte „Fahrnünftig“ sogar nur die eigenen Mitschnitte von LKW-Fahrten, bevor die eingesendeten Dashcam-Videos der Zuschauer zum Überholen ansetzten.
Ein Teil der Schau ist nun auch „Jan-Luca“ mit seinem Wunstorfer Unfall geworden. Auch er wollte sich absichern für den Fall, dass er einmal in einen Unfall gerät – oder um von einer kuriosen Situation ein Straßenvideo an einen Youtube-Kanal einsenden zu können. In Folge 548 der Reihe ist das Ergebnis nun ab Minute 10:24 zu sehen.

Der eigentliche Unfall liegt dabei schon über ein Jahr zurück. Den gebrauchten Audi, so schildert Jan-Luca selbst, habe er nur zweieinhalb Stunden vor dem Unfall gekauft gehabt. Auf dem Heimweg wollte er in Wunstorf noch schnell zu McDonald’s – und in der Einfahrt zum Parkplatz in der engen Kurve geschah es dann: Es kam zur Berührung mit einem anderen Audi.
Es war für Jan-Luca nur der Auftakt für viel Stress und Ärger: Rund 3.000 Euro Schaden inklusive Gutachterkosten liefen auf, vor allem infolge einer gebrochenen Stoßstangenhalterung. Aber die Versicherung des Unfallgegners mauerte: Sie ließ den Unfall im Beisein eines Gutachters nachstellen, und nach mehrmaligem Hin und Her seien schließlich 700 Euro gezahlt worden.
Da sich Unfallgegner und die unfallaufnehmenden Polizisten zu kennen schienen, sich Zeugen erst zur Verfügung stellten und später nicht mehr meldeten, schließt Jan-Luca sogar einen geplanten Versicherungsbetrug nicht aus. 2.300 Euro Schaden blieben für ihn selbst auch über ein Jahr nach dem Unfall.
Jan-Lucas Fazit: „Das Ding ist, ich fühlte mich zu sicher. Auch durch die Dashcam.“ Seine Erkenntnis: Nach einem Unfall mehr eigene Fotos machen, die auch die gesamte Unfallsituation und nicht nur eine Perspektive zeigen.
Ja nun – Audi gegen Audi – passt. Selbige fahren ohnehin permanent geistesgestört.
Aber davon abgesehen, ist es meiner Meinung nach ein ziemliches Brett, der Wunstorfer Polizei gemeinsame Sache mit einem Unfallgegner vorzuwerfen. Also wenn ich das als Journalist in einer solchen Postille wie der Auepost schreibe, dann sollte ich schon belastbare Beweise für diese Textpassge haben oder es komplett anders formulieren. Anstelle der Polizei würde ich diesen Texter sofort anzeigen wegen Verleumdung und Jan-Luca ohnehin – es sei denn, es ist wirklich was an der Sache dran…
„Da sich Unfallgegner und die unfallaufnehmenden Polizisten zu kennen schienen, sich Zeugen erst zur Verfügung stellten und später nicht mehr meldeten, schließt Jan-Luca sogar einen geplanten Versicherungsbetrug nicht aus. 2.300 Euro Schaden blieben für ihn selbst auch über ein Jahr nach dem Unfall.“
Na sicher ist das ein dickes Brett. Aber genau deswegen wird doch wahrscheinlich darüber berichtet. Doch nicht wegen dem kleine Parkplatzrempler. Was soll dann eine Anzeige bringen? Zensur? Willkommen in Deutschland 2026.
Das ist keine Verleumdung. Im Gegenteil: Genau genommen hat Jan-Luca mit seinem veröffentlichten Brief in dem YouTube Kanal bereits eine Anzeige gestellt: Die Polizei müsste nun ermitteln, ob was dran ist an dem Verdacht. Aber doch nicht gegen Jan-Luca. Jedenfalls wenn der wirklich glaubt, irgendwie übervorteilt worden zu sein. Was für ein Käse.
Die Beweispflicht eines zu widerlegenden vermeintlichen Tatbestandes ist lückenlos zu erbringen, gleich welcher Kategorie. Zivilrechtlich wie auch im Strafrecht. Mit Fakes hat das nichts mehr zu tun, ebensowenig mit dem „Sich Verlassen“ auf nur ein Mittel dazu.