TOP NEWSStadtgespräch

Starke Polizeipräsenz in der Innenstadt

Mahnwache und Gegendemo stehen sich auf Marktplatz gegenüber

Dominierten bislang auf der Mahnwache auch bei Störungen eher die stillen, versöhnlichen Stimmen, war der Tonfall am Montagabend des 25. Januar merklich aggressiver. Eine Gegendemonstration der Antifaschistischen Aktion war direkt hinter der Mahnwache aufgelaufen. Die Polizei war mit mehreren Mannschaftswagen vor Ort.

Mahnwachen-Gegendemo in der Fußgängerzone
Mahnwachen-Gegendemonstration in Wunstorf | Foto: Daniel Schneider

Wunstorf (ds). Die Demonstrationsroute führte vom Bahnhof in die Innenstadt. Die ca. 50 Köpfe starke Gegendemonstration traf um fast genau 18 Uhr am Marktplatz ein, nachdem sie über die Nordstraße geleitet worden war. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich die knapp 100 Teilnehmer der „Mahnwache für die Grundrechte“ wie üblich schon vor der Stadtkirche versammelt, um zu den Glockenschlägen des Kirchturms zu beginnen.

Ende Dezember hatte das Ordnungsamt die erste Gegendemonstration noch im Rathausinnenhof enden lassen, was dazu geführt hatte, dass sich Mahnwachende und Gegendemonstranten letztlich vermischten. Diesmal wurden die beiden Versammlungen strikter auf Abstand gehalten, jedoch standen die Gegendemonstranten nun in Sicht- und Hörweite zu den Teilnehmern, getrennt nur durch einen von den Einsatzkräften gebildeten Korridor und einen Mannschaftswagen der Polizei. Die Gegendemonstranten positionierten sich auf Höhe des Säulenbrunnens mit Transparenten wie „Wunstorf schwurblifrei“ oder „Impfstoff für alle“. Solidarität wurde auf den Spruchbändern ausgedrückt. Angemeldet worden war die Versammlung unter der Bezeichnung „Gegendemo wegen Coronarelativierung und sozialdarwinistischem Bullshit“.

- Anzeige -
Motorradpolizisten
Motorradpolizisten begleiten die Gegendemonstration | Foto: Daniel Schneider
Gegendemonstrationszug 25. Januar
Die Demonstrationsroute führte über die Nordstraße | Foto: Daniel Schneider
Polizei vor Demonstrationstransparenten
Polizei sichert die Demonstrationen | Foto: Daniel Schneider
Mahnwache
Auch die Mahnwache wird durch Polizeikräfte flankiert | Foto: Daniel Schneider
Mahnwache
Teilnehmer der Mahnwache hören der Hauptrednerin zu | Foto: Daniel Schneider

    Solidarität reklamierten jedoch auch die Teilnehmer der Mahnwache für sich – was den Gegendemonstranten gegenüber deutlich artikuliert wurde: Man solle die Solidarität mit den Alten zeigen, die sich ihren Lebensabend sicher anders vorgestellt hätten, wenn sie ihre Enkel nicht mehr sehen dürften, und die strikte Coronamaßnahmen ablehnten. „Ich zahle in die Kranken- und Pflegeversicherung ein, und was macht ihr?“, hieß es zudem. Die Antifa setzte dem ein „Leerdenker!“ entgegen. Indirekt wurde auf der Mahnwache auch die örtliche Händlerschaft aufgerufen, sich anzuschließen: Niemand der Wunstorfer Gewerbetreibenden sei je erschienen und habe angekündigt, etwas gegen die Zwangsschließungen unternehmen zu wollen. Ersteres stimmte nicht: Zwei Wunstorfer Geschäftsleute standen zumindest am Anfang der Versammlung interessiert, aber kopfschüttelnd am Rande.

    Gegenseitige Nazi-Vorwürfe

    Mahnwachen-Initiatorin und Hauptrednerin Sabina Kowalewski schien zunächst Mühe zu haben, die Sprechchöre der Gegendemonstranten – die vor allem zu Beginn der Mahnwache deren Redner zu stören versuchten – zu übertönen, verschaffte sich jedoch mit energischen Worten Gehör. „Macht euch Gedanken um den kleinen Nazi in euch, den ihr anderen anzuhängen versucht“, rief sie etwa der Antifa entgegen. Eine Teilnehmerin aus den Reihen der Gegendemonstranten antwortete direkt: Man habe den Mahnwachenteilnehmern nie vorgeworfen, Nazis zu sein, das sei deren Interpretation, schrie sie ins eigene Mikrofon. Dann wurde wieder antifaschistische Musik gespielt. Die Kritik am unsolidarischen Verhalten der Antifa brachte deren Teilnehmer in Rage – hatten sich diese doch die Solidarität buchstäblich auf die Transparente geschrieben. Auch der „Rat“ der Mahnwache an die Antifa, Eltern und Großeltern zu fragen, was in der Pandemie schieflaufe, kam dort nicht gut an. Beinahe zu eskalieren schien die Situation, als eine Rednerin gegen Ende der einstündigen Mahnwache „Ich bin auch Antifaschistin“ sagte. Der Hauptredner der Gegendemonstration reagierte gereizt: „Dann demonstriert, aber tut es nicht zusammen mit Leuten von der AfD“, schallte es in Richtung der Stadtkirche.

    Mahnwache vor dem Rathaus
    Teilnehmer der Mahnwache am 25. Januar 2021 | Foto: Daniel Schneider
    Demonstration Marktplatz
    Durch starke Polizeipräsenz wurde ein Korridor zwischen den beiden Demonstrationen auf dem Marktplatz gebildet | Foto: Daniel Schneider
    Gegendemonstrationszug 25. Januar
    Demonstrationszug der Antifa zieht durch die Nordstraße zum Marktplatz | Foto: Daniel Schneider

      Aus den Reihen der Mahnwache wurde der Antifa wiederum vorgehalten, Angst zu verbreiten, man selbst habe jedoch noch nie jemanden bedroht. Angeblich war mit der Zerstörung eines Handys gedroht worden, und jemand aus der Szene hätte behauptet, dass man sich als Corona-Infizierter zuletzt unter die Mahnwachenteilnehmer gemischt habe.

      Kritiker kapert das Mahnwachen-Mikrofon

      An gegenseitigen Provokationen wurde nicht gespart, der Tonfall verschärfte sich spürbar zwischen den Beteiligten. Die Aussagen der Mahnwache-Redner wurde teils von den Gegendemonstranten direkt aufgegriffen und beantwortet, so dass sich quer über die Fußgängerzone quasi wieder eine Art Diskussion entspann. Mehrmals richteten Sprecher der Mahnwache das Wort auch direkt an „die Kumpels da hinten“. Geradezu surreal mutete es in diesem Kontext an, dass auf beiden Seiten Friedensflaggen zu sehen waren. „Gemeinsam sind wir stärker“, sagte eine Rednerin der Antifa, dasselbe war gegenüber bei der Mahnwache zu vernehmen. Ein Redner der Mahnwache sprach die unterschiedlichen Wahrnehmungen direkt an: Man sei überzeugt, mit gesundem Menschenverstand zu handeln – was bei den Gegendemonstranten aber genauso der Fall sei.

      Unabhängig davon versuchten sich beide Versammlungen mit ihren Lautsprecheranlagen gegenseitig zu übertönen, auch mit Musik. Das „offene Mikrofon“ wurde der Mahnwache allerdings dabei wie bereits vor zwei Wochen zum Verhängnis, als jemand von außerhalb der Gruppe das Wort ergriff und seinen Unmut über die regelmäßig stattfindenden Mahnwachen in Wunstorf zum Ausdruck brachte. Die Mahnwachenden buhten ihn aus.

      3e46bcd4d6184a9a885c41532474545b

      Eindrücke von der Mahnwache/Gegendemo:

      Volksbank Nienburg

      6 Kommentare

      1. Das muss mal einer verstehen : Eine Truppe hatte sich am zob versammelt und dann in der Gruppe ohne mindestabstand in die Stadt gelaufen und die Polizei hat die nicht eingehaltenen coronamaßnahmen geduldet!

        1. “…und die Polizei hat die nicht eingehaltenen coronamaßnahmen geduldet!” => Selbstverständlich wird das geduldet! Ist politisch so gewollt! Und die Polizei ist nun mal politisch weisungsgebunden.

      2. Auch mich mistet es inzwischen mächtig an, dass ich in der Wahrnehmung meiner Grundrechte seit vielen Monaten durch die Coronavirus-Pandemie-bedingten Einschränkungen massiv gehindert bin.

        Doch die Alternativen dazu dürften inzwischen wirklich jedem klar geworden sein.
        Ich weiß:
        arg naiver und zweckoptimisrischer Gedanke.

        Doch derart naiv, um mir nicht bewusst zu sein, dass nicht zuletzt durch die Mutanten des Coronavirus diese Einschränkungen u.U. weitere Monate unseren Alltag bestimmen werden, bin ich dann doch nicht.

        Gefallen? Mit Sicherheit Nein!
        Doch mir immer noch erträglicher als einen der mir nahestehenden Menschen am oder mit dem Coronavirus sterben sehen zu müssen.

        Und da kommt dann der Zorn auf diejenigen unter uns, die meinen- nicht ausschließlich bei dieser so genannten “Mahnwache”- ihre teils kruden Ansichten in die Weltgeschichte hinaus posaunen und meiner unmaßgeblichen Meinung nach die vielen Toten und deren Angehörigen und Freunde, die um sie trauern, verhöhnen.

        Die Ärztinnen/Ärzten und Pflegefachkräften der Intensivstationen in den Krankenhäusern, die sich rund um die Uhr über alle Belastungsgrenzen hinweg, ihren Ar*** aufreißen, um Menschenlebem retten zu können- auch das der Verweigerern sämtlicher Regeln; das von irgendwelchen höchst obskuren Theorien Hörigen-, die sich mächtig verk***eiert vorkommen ob derart abstrusen Äusserungen so vieler Gegner*innen von so ziemlich allen Maßnahmen zur Reduzierung der Fallzahlen.

        Ob die denn tatsächlich zweckdienlich sind, ist wieder ein anderes Thema.

        Demokratie lebt auch von Vielfalt und unterschiedlichsten Positionen, die vertreten werden können und sollen. Punkt.

        Bei so manchem jedoch “schwillt mir der Kamm”…

      3. Die gute Auepost scheint selbst Schwurbler und Aluhüte zu beschäftigen. Ebenso ist dieser Bericht sehr sehr einseitig und falsch. Ich schaue mir mit gutem Anstand diese Gestalten an und :

        Da laufen komischer Weise die meisten Menschen ohne MNS rum. Die Anzahl der Schwurbler, die aus Gesundheitlichen gründen keine Maske tragen ist verdammt hoch!!! Es wird sich gedrückt und umarmt und alle Maßnahmen ignoriert. Darunter Lehrer, die Ansichten zum besten geben, bei dem man doch mal nachdenken sollte ob so jemand noch mit Kindern arbeiten dürfen sollen.
        Man steht auf dem Platz der Kirche und posaunt irgendwas von „ sche*** auf die Kirche“ durch die Gegend. Unglaublich. Und noch schlimmer ist diese Schwurbel-Gerechte Berichtserstattung der Auepost. Aber das liegt wohl an gewissen Personen die dort diese Artikel schreiben. Die Antifa , von der ich kein Fan bin, hat sich mehr und konsequent an die Maßnahmen gehalten als die Alu-Schwurbel-Reichsbürger-Fraktion.

        1. Hallo Deus, wenn Sie etwas für falsch halten oder einseitig, dann benennen/korrigieren Sie es gerne …

          Ich konnte natürlich nicht hinter jedem Polizisten gleichzeitig stehen, aber nach meiner Beobachtung waren sowohl nicht eingehaltene Abstände als auch fehlende Masken am vergangenen Montag auf keiner der beiden Versammlungen ein größeres Problem. Die Beamten sprachen sogar mehrmals Personengruppen an, die nur beobachtend abseits des Geschehens standen und sich zu nahe gekommen waren, und erinnerten an die Abstandsregel.

          Mit groben Verallgemeinerungen kann ich persönlich jedoch wenig anfangen, daher auch nur schlecht etwas dazu sagen.

      Schreibe einen Kommentar

      Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

      Verwandte Artikel