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AfD Wunstorf: Sind nicht zum Klima befragt worden

17.07.2026 • Redaktion • 2 Min.Kommentare: 10

Der AfD-Stadtverband Wunstorf wirft der Stiftskirchengemeinde Einmischung in die Politik vor – und empfiehlt der Kirche alternative Betätigungen.

17.07.2026
Redaktion
2 Min.
Künftig häufiger nötig? Pflanzen in der Wunstorfer Innenstadt werden bewässert (Archiv)

Wunstorf (red). Die groß angelegte Fragenaktion der Wunstorfer Stiftskirchengemeinde zum Thema Klimawandel an die Politik sorgt weiter für Wirbel. Nachdem sich zunächst die Freien Wähler beschwert hatten, für das Projekt nicht befragt worden zu sein, meldet sich nun auch der Stadtverband der AfD zu Wort und behauptet dasselbe.

„Entgegen der Aussage des Herrn Thomas Gleitz von der Wunstorfer Stiftskirchengemeinde stellen wir fest, dass weder der Vorstand der AfD Wunstorf noch die AfD-Fraktion im Wunstorfer Stadtrat eine entsprechende Anfrage erhalten hat“, teilte der Stadtverband am Donnerstagabend in einer Presseerklärung mit.

Stichwort Ideologie

Zum Thema gibt es jedoch eine Meinung: Der Klimawandel werde seit Jahren als Begründung für immer neue Vorschriften, Verbote und kostspielige Maßnahmen herangezogen. Während Bund und EU milliardenschwere Programme beschlössen, blieben die Kommunen auf den Kosten sitzen. Die Folge seien dann überlastete Verwaltungen und steigende Kosten für die Bürger. Kommunalpolitik müsse sich jedoch an den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen orientieren und nicht an ideologischen Vorgaben, heißt es von der AfD.

Anpassungen mit Augenmaß erwünscht

Statt teurer Prestigeprojekte, die den Alltag der Bürger zusätzlich belasteten, sollte die Stadt Wunstorf ihre begrenzten Mittel gezielt dort einsetzen, wo Maßnahmen sinnvoll und mit nachweisbarem Nutzen seien. Als Beispiele werden Hochwasserschutz, Grünflächenpflege und Sicherung kritischer Infrastruktur genannt. Kriterien seien dabei Wirtschaftlichkeit oder Versorgungssicherheit, unter Entscheidungsfreiheit der Kommunen ohne zentrale Vorgaben, die finanziell und bürokratisch überforderten. Die Menschen vor Ort wüssten selbst am besten, welche Maßnahmen notwendig seien.

Scharfe Worte an die Kirchengemeinde

Bei der Wunstorfer AfD sieht man die Kirchengemeinde nicht als einen Akteur, der sich an die Politik wendet und ihr Raum gibt, sondern selbst Politik macht – und unterstellt andere Motive als die Sorge um die Schöpfung: „Wenn die Wunstorfer Stiftskirchengemeinde dem Trugschluss erlegen ist, durch ihre Einmischung in die Politik und mit ihrem Aufspringen auf den derzeit populären ‚Klima-Zug‘ ihre sinkende Zustimmung in der Bevölkerung aufhalten zu können, so sei ihr der Irrglaube belassen. Durch die Ausgrenzung der AfD offenbart sie dabei allerdings ihre antidemokratische Haltung und disqualifiziert sich damit noch zusätzlich selbst als ernst zu nehmender Gesprächspartner auf dem ihr ohnehin nicht zustehenden Betätigungsfeld der Politik“, so der Stadtverband im Wortlaut.

Zwei alternative Tipps für gesellschaftspolitische Betätigung gibt die AfD Wunstorf der Gemeinde noch dazu, ohne konkreter zu werden: Dunkle Kapitel der Kirchen aufarbeiten und das Kirchenasyl abschaffen.

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Kommentare


  • Petra V.PAUL sagt:

    Nach einer aktuellen YouGov-Umfrage (wurde an anderer Stelle hier bereits erwähnt und ist nachprüfbar / abrufbar) würden jeweils 24 Prozent der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder die AfD wählen.

    Wenn die evangelische Kirche nun erklärt, dass die politischen Vertreter dieser Menschen mit dem kirchlichen Welt- und Menschenbild unvereinbar seien und in kirchlichen Räumen nicht einmal mehr sprechen dürften, sollten diese 24 Prozent vielleicht tatsächlich einmal ganz in Ruhe ihre Mitgliedschaft überprüfen.

    Denn offenbar sind ihre Kirchensteuerbeiträge weiterhin herzlich willkommen – ihre politische Überzeugung und die von ihnen gewählten Vertreter dagegen nicht.

    Man könnte den Betroffenen daher fast empfehlen, die Botschaft der Kirchenleitung ernst zu nehmen: Wer dort politisch nicht mehr als vollwertiger Gesprächspartner angesehen wird, muss sich vielleicht auch nicht länger finanziell an dieser Form der christlichen Nächstenliebe beteiligen.

    Die Austrittsformulare liegen beim Standesamt beziehungsweise Amtsgericht bereit. Vermutlich wird dort vor der Bearbeitung auch kein kirchliches Glaubens- und Gesinnungsbekenntnis verlangt.

  • Anonym sagt:

    Wenn eine Stiftskirchengemeinde vor einer Kommunalwahl die Klimaziele der Parteien abfragt, dabei aber Freie Wähler und AfD nicht einbezieht, ist das für mich keine ausgewogene Information, sondern politische Vorauswahl unter kirchlichem Etikett.

    Gerade darin erkenne ich dieselbe Doppelmoral wieder, die der Fall Jens Spahn sichtbar macht: Nach außen werden hohe moralische Maßstäbe verkündet – für andere. Sobald es um die eigene politische Blase oder das eigene Leben geht, gelten plötzlich ganz andere Regeln.

    Spahn begründete seine Ablehnung der Leihmutterschaft persönlich mit zwei Argumenten. Als Christ sprach er von einem „gemieteten Mutterbauch“ und davon, demütig akzeptieren zu müssen, nicht auf natürlichem Wege Vater werden zu können. Als Gesundheitsminister ließ er das Verbot außerdem mit dem Kindeswohl, der eindeutigen Mutterschaft und möglichen Problemen bei der Identitätsfindung des Kindes verteidigen.

    Noch im Februar 2026 bekräftigte die CDU auf ihrem Parteitag das Verbot auch der altruistischen Leihmutterschaft. Wenige Monate später wurde bekannt, dass Spahn und sein Ehemann ihren Kinderwunsch mithilfe einer Leihmutter in den USA verwirklicht hatten. Der genaue Beginn der Vorbereitungen ist öffentlich nicht bekannt. Der zeitliche Ablauf wirft jedoch die berechtigte Frage auf, ob das Verfahren zu diesem Zeitpunkt längst konkret lief.

    Besonders bitter ist das für viele ungewollt kinderlose Paare, die ebenfalls verzweifelt ein Kind möchten, aber keine sechsstellige Summe für ein Verfahren in den USA aufbringen können. Ihnen werden Verzicht, Demut und moralische Grenzen zugemutet. Wer genug Geld besitzt, kann den in Deutschland politisch versperrten Weg dagegen im Ausland nutzen.

    Und genau hier sehe ich die Parallele zur Stiftskirchengemeinde: Man spricht von Offenheit, Verantwortung und Demokratie, entscheidet aber selbst, welche Parteien überhaupt gehört werden sollen. Man erhebt moralische Ansprüche, wendet sie jedoch nicht auf alle gleichermaßen an.

    Ob bei Spahn oder bei einer politisierenden Kirche: Glaubwürdigkeit entsteht nicht durch moralische Belehrungen, sondern dadurch, dass für die eigene Seite dieselben Maßstäbe gelten wie für alle anderen.

  • Hans Bremermann sagt:

    Es ist ein frommer Wunsch der AfD, dass die Kirche sich von der Politik fernhält.
    Sie müsste wissen, dass es schon immer diese Verknüpfung gab.
    Bekannt ist das aphorismus-artige Zitat „Sprach der König zum Bischof: Halt‘ du sie dumm, ich halte sie arm.“ (Ursprung unbekannt, vermutlich 19. Jhdt.) – als Ausdruck einer für beide Seiten lukrativen Zusammenarbeit.
    Hierzu passt das gewählte Thema „Klima“ / Klimawandel.
    Ausgehend von falsch modellierten Prognosen wird ein potenzielles Endzeitszenario verbreitet und ständig wiederholt, bis der „menschengemachte Klimawandel“ eine schier untrennbare Wortkombination geworden ist. Die Brücke von biblischen zu pseudowissenschaftlchen Endzeiten baut sich von alleine und der Transport erfolgt mit Hilfe der öffentlich-rechtlichen Medien. Weil den Menschen immer mehr Gott abhanden kommt, schaffen sich die Kirchen einen Ersatz – die Klimareligion mit der Prophetin Greta Thunberg.
    Natürlich springen die Kirchen auf diesen Zug auf, denn wenn Gottes Bodenpersonal selbst nicht mehr die christlichen Werte vermitteln kann, dann verbreitet man Angst vor einem anderen Klima und mit der geschürten Angst („wir halten die Menschen dumm“) wird für einen modernen Ablasshandel geworben, den die Politik schon bereit hält: Emissionshandel, CO2-Steuer, Umverteilung der Gelder aus klimaschuldigen Industrienationen („wir halten sie arm“) zu tatsächlichen oder vermeintlichen Klimaopfer-Ländern.

    Spätestens nach den schmallippigen Eingeständnissen des Weltklimarates, dass die Modellierung der stets vorgebeteten Klimaprognose lediglich eine Extremvariante darstellt, denken einige Staaten um – sofern sie sich überhaupt an den „Klimazielen“ beteiligt haben.
    Nur die EU, insbesondere Deutschland, möchte weiter machen wie bisher.
    Das kann auch gelingen, solange es noch zu viele Klimareligioten gibt.
    „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ (Immanuel Kant)

  • Heinz-Dieter Badke sagt:

    Tja, dann bin ich ja mal auf die Veranstaltung der Stiftskirchengemeinde mit den Parteien ( die AfD bleibt wohl ausgeschlossen) am 21. August gespannt.
    Die werde ich mir nicht entgehen lassen.

  • Roland sagt:

    Wir von der ÖPDDAKVJP wurden auch nicht befragt und empfinden es im politischen demokratischen Diskurs äußerst befremdlich, dass wir von niemandem wahrgenommen werden.

  • Ralf sagt:

    Die Kirche hat anscheinend keine anderen Probleme.

  • Basti g. sagt:

    Die Kirche hat sich da neutral zu verhalten also ich trete da jetzt aus

  • Thomas Gleitz sagt:

    Die AFD Wunstorf ist am 25.1.25 wie die anderen im Rat vertretenen Parteien über die auf der Homepage der Stadt angegebene Mailadresse ansgeschrieben und am 23.2. noch einmal erinnert worden. Absender war wie bei allen Parteien der Region nicht die Kirchengemeinde sondern das Bündnis Hannover for Future, dem wir als lokaler Partner angehören.

    • Petravonpaul@gmail.com sagt:

      Selbst wenn es tatsächlich so gewesen sein sollte und sie der afd die Fragen per Mail gesendet haben und die Mail nicht angekommen ist : Fakt ist, dass sie die afd von der Podiums Diskussion von vorne herein ausgeschlossen haben. Das ist Demokratiefeindlich. Sie vergrätzen damit rund ein viertel ihrer Gemeinde. Was soll das? Man kann nur jedem empfehlen aus diesem Verein aufzutreten.

    • Joachim Begerow sagt:

      Der letzte Satz Ihrer Klarstellung ist ebenso verwirrend wie widersprüchlich: Gehört die Stiftskirchengemeinde dem Bündnis „Hannover for future“ an? – Dann wäre sie Mitglied. (Bloßer) Partner wäre sie jedoch dann (wie in einer parteipolitschen Koalition), wenn sie – o h n e Mitgliedschaft in der Vereinigung – lediglich „autonom“ mit dem Bündnis kooperiert. Da die Homepage des Bündnisses „Hannover for future“ etliche Mitgliedsorganisationen ausweist, zu denen die Stiftskirchengemeinde nicht zählt (es sei denn mittelbar über „Christians for future“), gehe ich davon aus, dass die Gemeinde „lediglich“ als Partner mit dem Bündnis kooperiert. Diese Vermutung als zutreffend unterstellt, sei die Frage erlaubt, aufgrund welcher Legitimation das Bündnis hier als Absender des Fragenkataloges und somit auch als dessen Urheber fungieren kann (und darf). (Zugegeben) spekulativ: Das Bündnis hat diesen Fragenkatalog für diverse mit ihr partnerschaftlich verbundene Kirchengemeinden erstellt, die diesen dann einfach „1:1“ übernommen haben… Seriöse individuelle Gemeindearbeit wäre dies meines Erachtens jedenfalls bereits im Ansatz nicht (ohne jegliche Bewertung der inhaltlichen Ausrichtung)!

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