
Luthe (as). Der Mann hat ein anspruchsvolles, anstrengendes Amt, und das ist nicht vergnügungssteuerpflichtig. Gerade hat der Chef des Auswärtigen Amtes dem russischen Staatschef Putin die Zähne gezeigt und das Russlandhaus in Berlin geschlossen, am Vormittag hat er sich mit seinen Amtskollegen aus Paris und Warschau getroffen. Anlass: Das nach der thüringischen Kulturstadt benannte Weimarer Dreieck, ein Konsultationsbündnis, wird 35 Jahre alt.
Jetzt findet Deutschlands oberster Diplomat Zeit für einen Besuch auf dem Hof der Familie Stille am Luther See, wo sich die Wunstorfer CDU versammelt hat. Anders als wegen der Weltlage befürchtet, kommt Wadephul nicht zu spät oder gar nicht, sondern viel früher als erwartet. So bleibt Zeit für einen Rundgang und Blicke auf die idyllische Landschaft an der Wasserfläche.
Der Außenminister – immer noch im tadellosen mittelblauen Dienstanzug – zeigt sich bemerkenswert entspannt. Beim Gang durch die wartende Menge, beim Händedruck mit Wildfremden, beim Gespräch mit einer politisch engagierten Lehrerin, die sich um afghanische Menschen sorgt und bei den obligatorischen Erinnerungsbildern: „Wir machen alles!“, ermuntert er die Fotografen. Locker, nahbar und völlig frei von den Allüren vieler Politprofis.
Bei allem bleibt noch Zeit, ein paar Schritte zur Seite zu treten, um sich vertraulich mit einem „lieben Freund“ auszutauschen: Der Bundestagsabgeordnete Hendrik Hoppenstedt ist gekommen – Unterstützung für Martin Pavel ist angesagt. Der 41-jährige CDU-Chef soll Bürgermeister werden.

Das ist offenbar auch Wadephuls Anliegen. Mit warmen Worten lobt er den Einsatz der Familie Stille, der Luther CDU bei diesem Wahlkampftermin und den „lieben Martin“, den er bald als Rathauschef sehen möchte. Aber der Mann aus Berlin hat noch weitere Botschaften.
Immer wieder von starkem Beifall unterbrochen, erklärt er seine Ostpolitik, seine „Außenpolitik ohne erhobenen Zeigefinger“, warnt vor der AfD und verlangt von Deutschland einen „Mentalitätswandel“: „Einfach mal wieder Dinge machen“ – ohne Vorschriftendschungel und Paragrafengewirr. Eine knappe Stunde spricht er völlig frei, betont sachlich. Seine Sätze sind einfach, klar und ohne jede Polemik.

Der 63-jährige Husumer – promovierter Jurist, ehemaliger Landtagsabgeordneter und Generalsekretär der CDU in Kiel – hat viele Ämter ausgefüllt. Er hat sich offensichtlich Natürlichkeit und Authentizität bewahrt. Dabei hätte er Veranlassung, Stolz zu zeigen: Wadephul ist seit 60 Jahren der erste Außenminister der CDU. Gerhard Schröder aus dem Adenauer-Kabinett war 1961 bis 1966 ein früher Vorgänger.
Nur ein einziges Mal passiert Wadephul in Luthe in Stilles Scheune ein Lapsus: Er schildert seine Stippvisite am See, wo er Luther Angler getroffen hat, preist ihre Aktivitäten, die „Otter“ zu schützen. „Biber“ souffliert Hoppenstedt lächelnd aus der ersten Reihe: „Biber!“
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