Horst granteltKolumne

Horst Koschinsky spendet nicht in der Weihnachtszeit – und ist dieses Jahr vorbereitet

Kein Bock mehr auf Slalom in der Fußgängerzone

Horst Koschinsky spendet nicht

Vor allem jetzt in der Weihnachtszeit wird es wieder richtig schlimm. Es ist die Jahreszeit, in der man keinen Schritt tun kann, ohne dass einem eine Spendensammelbüchse unter die Nase gehalten wird. Oder mit Prospekten, von denen einen große, traurige Kinderaugen anblicken, im Gesicht herumgefuchtelt wird. Das ist natürlich kein Zufall. Traditionell zum Advent wird bei Spendensammlern auf die Tränendrüse gedrückt. Weil das Portemonnaie gerade jetzt besonders locker sitzt. Und das wird gnadenlos-perfide ausgenutzt, das Gewissen der Leute direkt in klingende Münze verwandelt. Man will ja kein Unmensch sein.

Dabei ist es im restlichen Jahr schon schlimm genug. Ich habe aufgehört zu zählen, wie vielen wohltätigen Organisationen ich in den letzten Monaten in der Fußgängerzone ausgewichen bin, die mein Geld zu Waisenkindern auf der ganzen Welt schicken wollten – und natürlich auch in die eigene Tasche stecken. Die Verwaltung der Organisation muss ja auch bezahlt werden. Und die Mitarbeiter, die bevorzugt Spenden-Abos verkaufen, müssen ja auch irgendwie leben. Wie viel Geld mehr könnte man wohl für den tatsächlichen Zweck aufbringen, wenn sich nur mal all die Kinderhilfsvereine zusammenschließen würden, die sich eigentlich nur in der Farbe voneinander unterscheiden? Und gibt es überhaupt so viele Waisenkinder in der Welt, wie Spendensammler jeden Tag in den Fußgängerzonen stehen?

Ich befolge nun, gewissermaßen zur Selbstverteidigung, eine 3-Phasen-Strategie. Erstens: Ich spende grundsätzlich nicht im Dezember. Da ist mein Jahresspendenbudget leider, leider schon erschöpft. Zweitens: Ich spende nur an Ehrenamtliche oder mit Sachspenden. Wenn ich helfe, dann will ich helfen und keine Spendensammler finanzieren. Drittens: Für die ganz harten Fälle habe ich mir selbst eine Spendenbüchse besorgt. Gibt’s für 8 Euro bei Amazon. Da habe ich ein Foto von mir mit einem traurigen Gesichtsausdruck draufgeklebt. Die Büchse hol ich dann raus, wenn jemand zu aufdringlich wird – und bitte um Spenden zugunsten notleidender Kolumnisten in Wunstorf.

Mit mildtätigen Grüßen
Horst Koschinsky

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Zuerst erschienen in Auepost 12/2019

6 Kommentare

  1. Bravo, und überhaupt nicht gegrantelt, sondern schlicht die Wahrheit geschrieben. Im Übrigen: Der Besitzer der Ur-Strassenspendenfirma und heutige Geschäftsführer des deutschen Ablegers davon (die Hilfsorganisations-Strassenkampagnen werden ja von “Sammelfirmen” durchgeführt, die sich damit “dumm und dämlich” verdienen) ist ein Nachfahre des obersten Kolonialherrn von Deutsch Ostafrika – kein Witz (ist mit Google recht schnell herausgefunden)! Bin ich eigentlich der einzige, der das EIN BISSCHEN “seltsam” findet, wenn man bedenkt, dass beispielsweise die Hilfsorganisation “Amnesty International”, die schon ausdrücklich Kampagnen gegen Rassismus gemacht hat, auf der Kundenliste dieser Werbefirma steht? Zumal der damalige Ultrarassist und Gewaltherrscher von seinem Nachfahren immernoch als Held angeschaut wird und dieser das sogar der Öffentlichkeit weis zu machen versucht?

    1. Naja… die “Wahrheit geschrieben”?? Ich persönlich glaube dass die “Wahrheit” noch sehr viel erschreckender ist. Man muss sich nur mal (Beispielhaft) die “Verflechtungen” des DRK zu den herrschenden Parteien und den öffentlich-rechtlichen Staatsmedien ansehen… Da bekommt der Begriff “Filz” gleich `ne ganz andere Bedeutung…

      1. Sie meinen z.B. die Präsidentin des DRK, die ja zuvor während langer Zeit als “Intima” von Merkel galt? Gut bemerkt. Gäbe es diese Verflechtungen nicht, würde es diesen Sammelnonsens über (kommerzielle) Drückerkolonnen sicher schon lange nicht mehr geben. Zu den Staatsmedien: Lassen in dieser Angelegenheit freilich auch zu wünschen übrig. Der NDR hat 2012 aber immerhin in einem Beitrag (“Miese Tricks: Mitgliederfang bei DRK & Co.”) festgehalten, dass es sich bei solchen Kampagen eigentlich um Betrug handelt.

  2. Moin ich gebe grundsätzlich nur etwas direkt an Wunstorfer Organisationen z.B. unser Tierheim etc. Oder Spende und kaufe bei plus etc. Auch in Wunstorf gibt es noch genug zu tun.

  3. Zum Thema “Spenden sammeln in der Kirche”
    Da soll man abdrücken, zB für neue Stühle und der Transport wenn eine Veranstaltung ist kostet ja schließlich auch was. Ich gehe einmal in der Woche zum Frühstück in die Dikonie, ich frage mich, kann ich da noch hingehen? ohne ein schlechtes Gewissen zu haben wenn ich nicht spende. Für das Frühstück zahle ich ja schließlich auch immer 5€. Andere zahlen gar nichts aber gut das stört mich
    nicht. Mich stört einfach das persönliche Anschreiben.
    Wenn ich spende, dann aus freien Stücken und meine Kirchensteuer ist ja auch noch da.

    1. Sie haben völlig recht. Kirchensteuer ist schon mehr als genug “Abgabeleistung”. Ich hoffe i.d.S., dass Sie ihr bezahltes Frühstück in der Diakonie in Zukunft ohne schlechtes Gewissen geniessen werden können. A propos: Die Kirchen haben ja bedauerlicherweise in der NS-Zeit zum Grossteil mit den Nazis kollaboriert. Noch viel mehr aber das DRK! Hitler installierte, nachdem er selbst zum DRK-Schirmherrn ernannt worden war, SS-Oberführer Ernst Robert Grawitz zum geschäftsführenden DRK-Präsidenten, der als Reichs- und oberster SS-Arzt unter anderem für die KZ-Menschenversuche verantwortlich war. Und leider hatte es auch im Nachkriegs-DRK noch etliche Ex-Nazis, wie z.B. DRK-Generalsekretär Walther Georg Hartmann und DRK-Vizepräsident Walter Bargatzky, der später, genauer gesagt ein Jahr, bevor das DRK 1968 ALS WELTWEIT ERSTE HILFSORGANISATION EINE KOOPERATION MIT EINER DIREKTDIALOG-SPENDENSAMMELFIRMA EINGEGANGEN IST, zum DRK-Präsidenten gewählt wurde…

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