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Horst grantelt: Führende Führerrolle für Idensen!

29.11.2023 • Horst Koschinsky • Aufrufe: 2047

In Idensen sollen die Kirchenführer künftig Kirchenbilderklärende heißen, weil der Führerbegriff negativ besetzt ist. Endlich führt mal jemand an dieses Problem heran, meint Horst Koschinsky im „Klartext für Wunstorf“.

29.11.2023
Horst Koschinsky
Aufrufe: 2047

Ich darf ja gar nicht öffentlich sagen, was mir zum Begriff „Kirchenbilderklärende“ alles einfällt. Irgendwas mit Kläranlage zählt da noch zum Netteren. Aber auf jeden Fall nichts, was irgendwie mit Kirchenführern zu tun hätte.

Der Freundeskreis Sigwardskirche will also künftig nicht mehr von Kirchenführern sprechen, weil der Begriff Führer negativ besetzt ist? Kann man so sehen. Aber dann müssen wir konsequent sein und auch den ganzen Rest ebenfalls ändern. Sonst bleibt am Ende der Eindruck, dass wir hier in Wunstorf ein Nest voller Verführter sind. Wir haben hier schließlich ein ganzes Team von Stadtführern. Und was ist mit der Führerscheinstelle? Skandal! Man muss sich im Bürgerbüro beim Reinkommen sogar rechts anstellen.

„Jetzt wird endlich mal aufgeräumt mit diesem Nazi-Jargon!“

In Idensen liegt nun die Widerstandszentrale. Während in Wunstorf problematische Namen beibehalten werden, übernimmt man in Idensen die Führungsrolle … die Führung … die Leitung … stellt sich an die Spitze zur Beseitigung von negativ besetzten Begriffen.

Stadtführer
Reiseführer
Lokführer
Gästeführer
Beschwerdeführer
Bergführer
Irreführer …

Jetzt wird endlich mal aufgeräumt mit diesem Nazi-Jargon. Bei einem solchen Thema kann man schließlich nicht die Kirche im Dorf lassen. Über Details wird sicherlich noch zu sprechen sein, aber

Stadtbilderklärende
Reiseerklärende
Waggonziehende
Gästezutextende
Beschwerdezuersterklärende
Alpenwegsuchende
und Irrsinnerklärende

klingt doch als Alternative zunächst einmal ganz vernünftig. Aber was ist mit den Wunstorfer Kirchenöffnern? Dürfen die noch so genannt werden oder diskriminiert das die Dosenöffnenden und sprechen wir deshalb in Zukunft von Kirchentürregelmäßigaufschließenden?

„Waggonziehende klingt doch zunächst einmal ganz vernünftig“

Was mir Sorgen bereitet, ist die praktische Umsetzung. Was macht man, wenn sich Ewiggestrige nicht an die neue Sprachordnung halten wollen? Ich stelle mir gerade die Touristengruppe vor, die sich nichtsahnend in Idensen erkundigt, wann die nächste Führung beginnt. Mit dem Kirchenbesuch ist dann erstmal Essig … dann wird wohl direkt die Polizei gerufen.

Mit führenden Grüßen
Horst Koschinsky

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Kommentare


  • Rolf Lueden sagt:

    Ich finde ja, dass man dem Irrsinn freien Lauf lassen sollte, weil er sich dann umso schneller selbst auffrisst.

  • Jörg Mecke sagt:

    Hallo Herr Koschinsky,
    es ist bemerkenswert, dass unser Aufruf, mehr Leute zu finden, um die Begeisterung für die romanische Sigwardskirche mit der steigenden Anzahl an Besuchenden zu teilen, so emotionalisiert wird. Wenn Sie sich in Ruhe unsere Veranstaltung angesehen hätten, würden Sie merken, dass im beschaulichen Idensen gar keine Widerstandszentrale sitzt, sondern Menschen, die auf ihre Wortwahl achten. Und das ist nicht schädlich.

    • Thomas Liebe sagt:

      Im Ernst, kein vorgezogener Aprilscherz?
      Soll ich bei meinem Führerschein auch das Wort „Führer“ schwärzen!
      Ich kann da nur den Kopf schütteln.

    • Wunni sagt:

      Was soll den diese achtsame Wortwahl bewirken, Hr. Mecke? Dass jedes deutsche Wort, was in den 12 Jahren Naziherrschaft verwendet wurde nicht mehr benutzt werden soll? Dann besteht die dt. Sprache bald nur noch aus solchen wie ihren merkwürdigen Worträtsel-Ausdrücken. Zusammen mit solchen Gender-Ausdrücken wie Bürger*innenmeister*invertreter*in wird die Sprache immmer unverständlicher. Oder ist das ihre Intention die dt. Sprache z.B. für Migranten immer schwerer erlernbar zu machen? Alles in allem trägt diese dubiose Verwendung der Sprache zur Spaltung der Gesellschaft bei… und wer sowas wissentlich betreibt, sollte imho kein Kirchen- oder sonstiges -amt bekleiden.

  • Uwe B. sagt:

    Für besonders bemerkenswerte Fehlleistungen im Umgang mit der deutschen Sprache verleiht der Verein Deutsche Sprache einmal im Jahr den Preis „Sprachpanscher des Jahres“. Man sollte die „Idenser*innen“ bei Prof. Krämer vorschlagen . . .

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