
Es gibt inzwischen traditionell einen Ort im Wunstorfer Stadtgebiet, der sich zu Halloween in eine Art Bermuda-Dreieck des Grauens verwandelt. Es sind drei Grundstücke im Süden der Kernstadt, die gewissermaßen die inoffizielle Gruselmeile der Stadt markieren: Verbindet man die Adressen Barnestraße Nr. 30, In der Kleinen Südheide Nr. 10 und In der Kleinen Südheide Nr. 21 auf dem Stadtplan, dann erhält man eine Landkarte der Wunstorfer Halloween-Hochburg. Auch anderswo wird kreativ und aufwändig Halloween begangen, doch in diesem Bereich der Stadt konzentrieren sich am 31. Oktober gleich mehrere Spukhäuser in dichter Nachbarschaft.
Flugzeuge und Boote sind in diesem Gebiet bislang noch nicht auf unerklärliche Weise verschwunden, doch das Gefühl von Sicherheit haben vor allem einige der jüngeren Besucher am Halloweenabend dann doch verloren. Zu gespenstisch, zu unerwartet und zu erschreckend war der Grusel für manche Kinder, die es wirklich mit der Angst zu tun bekamen. Denn es gab dort nicht nur Süßigkeiten abzustauben, sondern manchen Grusel auszuhalten.
Für den überwiegenden Teil waren die unabhängig voneinander und privat organisierten Installationen irgendwo zwischen Open-Air-Geisterbahn und Live-Gruselkabinett jedoch ein riesiges Vergnügen, das sich zu einer Show verband, die den Rahmen des bisher Bekannten nochmals sprengte. Statt klingelnden Kindern einfach Süßigkeiten zuzustecken, wird der moderne Brauch mit Kreativität aufwändig zelebriert und zu einem Erlebnis für Jung und Alt weitergesponnen.
Gegen 17 Uhr, bei Einbruch der Dämmerung, begann das Schauererlebnis. Das Eckhaus an der Barnestraße zur In der Kleinen Südheide war wieder zu einer Mischung aus Blutbank, Crime Scene und Hexenzentrale geworden. Unter dem Familienwagen schien eine Leiche zu liegen, in der Haustür stand Gevatter Tod und im Vorgarten bot die Hexe im Fackelschein Naschereien aus dem großen Kessel und „Schneckensaft“ an – mit Kiwi-Stachelbeer-Note.







Auch die schon aus dem Vorjahr bekannte Blutbank stand wieder bereit: „Schwester Lilly“ bewachte mit stoisch-leerem Blick die Vorräte. Wenn dann auch noch Freddy Krueger um die Ecke kam, dann brauchte man wirklich starke Nerven. Passanten entging unterdessen nicht der nebenan abgesperrte Tatort: „Da liegt ein Toter drunter“, merkte jemand an.
Ein paar Schritte weiter schon stand dann die nächste Schauermeile aufgebaut: Diesmal war das Haus In der Kleinen Südheide 10 nicht nur dekoriert, sondern aufwändig mit Bauzäunen abgeschirmt. Das an der Fassade groß angebrachte Foto, das die Auepost im Vorjahr von den Bewohnern gemacht hatte, verriet jedoch bereits von Weitem, mit wem man es hier zu tun hatte.
Wer einen Blick in die Freilicht-Geisterbahn riskieren wollte, musste sich nun direkt durch einen Friedhofs-Haupteingang wagen. Hier wartete diesmal nicht nur eine elektronische Hexe, sondern auch ein elektrischer Stuhl. Wer sich traute, konnte den Buzzer drücken – und den Stuhl damit „unter Strom“ setzen.











Auch an dieser Station wurden Süßigkeitensucher nicht enttäuscht – aber es wurde ihnen auch nicht gerade einfach gemacht. Wer an die entsprechende Schale heranwollte, musste sich bei der „Menschen-Metzgerei“ anstellen. Die Bedienung war schweinisch, hantierte mit dem Fleischerbeil und verfolgte bisweilen die Kundschaft bis auf die Straße.



Viele kleine Sensenmänner und Hexen bevölkerten den Gruseljahrmarkt rund ums Haus, wobei die Besucher nicht nur aus der Nachbarschaft kamen.
Das hatte vor allem auch mit dem Gruselgarten zu tun, der inzwischen über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt ist und entsprechendes Publikum anzieht. Geöffnet hatten Niko Riggers und Jan Anderle ihre Halloween-Schau bereits einen Tag zuvor. Schon am 30. Oktober konnte man sich dort gruseln. Das taten nicht Wenige, der Gruselgarten wurde geradezu überrannt. Messbar wurde dies an der Summe der Einnahmen vom „Grusel-Grill“, dessen Erlös wie in jedem Jahr gespendet wird. „Wir hatten gestern schon den Spendenbetrag vom Vorjahr übertroffen“, berichteten die beiden Halloween-Fans im Gespräch mit der Auepost.


Um nicht mit den anderen Halloweengärten verwechselt zu werden, hatte man diesmal sogar Wegweiser und Schilder auf die Straße gestellt. Doch das wäre wohl nicht nötig gewesen – auch am 31. Oktober standen die Menschen um 17 Uhr zur offiziellen Eröffnung schon Schlange vor der Gartentür.


Die Neugierigen kamen von überallher. Eine Besucherin berichtete der Auepost, dass sie in der Zeitung auf die Veranstaltung aufmerksam geworden sei und nun extra dafür nach Wunstorf gekommen wäre.
Wer den Gruselgarten früher schon besucht hatte, konnte eine gewisse Kontinuität bemerken – am Galgen baumelte diesmal jedoch keine Braut im Hochzeitskleid, sondern der Bräutigam.



Neues Element in diesem Jahr unter anderem: Eine Wahrsagerin, die live im Gartenschuppen beriet. Nicht jedoch anhand ihrer Glaskugel oder durch Kartenlegen, sondern mit dem Knochenorakel. Das war durchaus kein unseriöser Hokuspokus, sondern fußte auf fundierter Ausbildung: Im wahren Leben sei sie Beratungslehrerin an einer Schule, berichtete die Halloween-Hellseherin der Auepost schmunzelnd.



Doch am meisten Angst machte auch im Gruselgarten den jungen Besuchern auch hier wieder die Figur des Freddy Krueger – der erst für eine Puppe gehalten wurde, aber dann „lebendig“ wurde.
Eine Menschen-Metzgerei.
Fragt sich, wer hier kränker ist:
„Die Gastgeber oder die Eltern, die mit ihren Kindern die Gärten besuchen?“
So oder so sagt es was über eine Gesellschaft aus.