
Die einen hoffen an diesem Sonntag, den 3. Advent, dass es pünktlich losgeht, weil sie am Straßenrand bereits auf den eintreffenden Umzug warten. Die anderen hoffen, dass sich die Abfahrt verzögert, weil sie als Teilnehmer wegen Terminschwierigkeiten den Startpunkt noch gar nicht erreicht haben.
Tatsächlich fahren auch kurz vor knapp noch geschmückte Fahrzeuge in Richtung Marktkaufparkplatz, dem Treffpunkt, wo bereits eine Stunde lang die dekorierten Wagen bestaunt und begutachtet werden konnten – und die Tour startet dennoch ziemlich pünktlich. Kurz nach 17 Uhr biegen die ersten Fahrzeuge der Parade an der Sölterkreuzung Richtung Stadtgraben ein. Über die Hochstraße geht es Richtung Luthe, wo der Umzug ebenfalls bereits von vielen erwartet wird. In Luthe wird eine große Schleife an der Dorfkirche vorbei gefahren, und dann geht es über die Adolf-Oesterheld-Straße quasi auf Luftlinie in Richtung Kolenfeld, wo die Tour endet.
Die Schafe, die auf der Wiese der begrünten Asbesthalde Luthe weiden, an der die Lichterroute ebenfalls vorbeiführt, scheinen Bauklötze zu staunen, als sich die bunte Parade über die Straße schiebt. LKWs sind die Tiere gewöhnt im Industriegebiet, aber so viele blinkende und bunte Autos, aus denen Weihnachtsmusik dröhnt, sieht man hier offenbar seltener.
Aber auch die Menschen sind fasziniert. Hunderte stehen allein in der Wunstorfer Innenstadt entlang der B441. Bereits auf der Auebrücke stehen rund 100 Menschen, die ihre Handys gezückt halten, filmen und staunen. Im Bereich Rathaus dasselbe Bild.
Die meisten der Zuschauer sind extra für die Parade gekommen und reihen sich entlang der Straßen auf, aber auch zufällig anwesende Passanten bleiben stehen und staunen. „Was soll denn das werden?“, fragt ein vorbeigehender Jugendlicher unbegeistert-skeptisch angesichts des Massenauflaufs auf der Auebrücke. Auch eine ältere Dame erkundigt sich, was hier denn stattfindet.
Viele wussten wirklich nicht, dass an diesem Tag eine Lichterfahrt durch die Stadt geplant war oder hörten erst kurzfristig davon. Der Termin war zwar öffentlich bekannt, kursierte auch in Social-Media-Gruppen und sprach sich in den Ortsteilen herum, aber es gab keine Pressemitteilung dazu. Andernfalls wäre die Zahl der Zuschauer an den Straßen wohl noch größer gewesen.
Die anwesenden Zuschauer bekommen eine kreative, großartige Parade zu sehen. Die Auepost zählt insgesamt 56 teilnehmende Fahrzeuge. Traktoren, Autos, Lastwagen, Quads, Oldtimer, Apes und Motorroller fahren mit. Und ein Fahrrad.
Lichterketten und beleuchtete Dekorationen schmücken die Gefährte. Manche sind mit mehreren hundert Lichtern übersät. Aus einem Fahrzeug winkt der Weihnachtsmann, ein anderes bläst Seifenblasenschaum wie Schnee über die Fahrbahnen. Auf Anhängern werden weitere Lichtinstallationen oder ganze Tannenbäume mitgezogen. „Wie schön“, „Großartig“, Toll“, sagen Zuschauer, die sich teils ebenfalls weihnachtlich dekoriert haben, am Straßenrand – und machen noch mehr Fotos und Filme.
Den meisten Spaß und die größte Freude scheinen die Paradenteilnehmer jedoch selbst zu haben. Es wird gewunken und gehupt – und die Fahrer hinter den Lenkrädern sind nicht selten selbst auch als Weihnachtsmänner gekleidet. In einem der Autos hat sich gar eine ganze Gesellschaft zu einer gemütlichen gemeinsamen Weihnachtsteeparty während der Fahrt eingerichtet. Abgesichert von Polizei und Feuerwehr, rollt die Lichterfahrt in gemächlichem Tempo durch die Stadt.
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