
Wunstorf (red). Vor zwei Jahren waren die Pläne aufgekommen, die Parkgebühren in Steinhude zu erhöhen, Anfang dieses Jahres hatte sie der Stadtrat beschlossen. Nun werden die damaligen Pläne umgesetzt, und zwar im Rahmen einer größeren Modernisierung der Parkscheinautomatentechnik in der Stadt.
Die Verwaltung lässt dazu 43 Parkscheinautomaten in Wunstorf und Steinhude technisch aufrüsten. Damit wird künftig an allen diesen Geräten kontaktloses Bezahlen möglich. Vertragspartner für das kontaktlose Bezahlen ist der Anbieter PayOne. Akzeptiert werden nach der Umrüstung Girocard, Mastercard, Maestro, Visa und V Pay. PIN‑Eingaben sind nicht vorgesehen. Die neuen Funktionen werden durch entsprechende Aufkleber gekennzeichnet.
Nur die Schrankenanlage in Steinhude bleibt unverändert, da sie bereits Kartenzahlung unterstützt. Die Umrüstung beginnt voraussichtlich ab dem 10. August und wird dann etwa eine Woche dauern. Die Maßnahme betrifft die Automaten der Firma Flowbird, die in Wunstorf häufig anzutreffen sind: Sie erhalten neue Module mit teils größeren Solarfeldern.
Hintergrund der Umrüstung ist, den Bargeldanteil weiter zu reduzieren, um langfristig Kosten für dessen Verwaltung und Handhabung zu sparen.
Schon seit rund 6 Jahren konnte bargeldlos über Smartphone-Park-Apps gezahlt werden, die zuvor einzige bargeldlose Option über Geldkarte war dafür 2024 abgeschafft worden. Seitdem war an diesen Parkscheinautomaten das Smartphone die einzige Möglichkeit, an den Automaten bargeldlos zu zahlen. Der Nachteil daran: Spontanes Parken ohne vorherige Einrichtung einer App mit Nutzerkonto war nicht möglich. Dann blieb nur die Zahlung mit Münzen, was viele auch weiterhin nutzten.
Gleichzeitig mit der Umrüstung ändern sich dann auch die Gebühren in Teilen von Steinhude. Statt für eine Stunde muss dann für eine halbe Stunde ein Euro bezahlt werden – eine Stunde Parken kostet 2 statt 1 Euro.
Betroffen sind vor allem die wassernahen großen Parkplätze und der Bereich an der Badeinsel. Noch teurer wird es dagegen direkt am Strandterrassenvorplatz – dort kostet die erste Stunde Parken dann direkt 3 Euro. Ausgenommen von der Erhöhung sind die Straßen Neuer Winkel, Graf‑Wilhelm‑Straße, An der Friedenseiche, Achternümme und Vor dem Tore – das sind die übrigen gebührenpflichtigen Parkplätze im Ortskern. Dort bleiben die bisherigen Gebühren bestehen, um die Kunden der Anlieger nicht weiter zu belasten.
Steinhuder Parkgebühren-Anpassung im Detail:
■ Meerstraße und Badeinsel: 2 € pro Stunde (befristet)
■ Strandterrassen: max. 3 Stunden; 1. Stunde 3 €, 2. + 3. Stunde je 2 €
■ Bruchdamm: bis 4 Stunden: 2 € pro Stunde, danach Tagesticket 10 €, 2 Tage 18 €, 3 Tage 26 €, bis 1 Woche 50 €
In der Kernstadt Wunstorf bleiben die Parkgebühren unverändert. Die letzte Gebührenanhebung dort hatte es vor 6 Jahren gegeben. In den übrigen Ortsteilen gibt es gar keine gebührenpflichtigen Parkplätze.
Dienst am Bürger funktioniert offenbar nach einem interessanten Prinzip:
Zunächst finanziert der Bürger mit seinen Steuern und Abgaben die öffentliche Infrastruktur. Dann modernisiert die Stadt damit ihre Parkscheinautomaten – unter anderem, um selbst Kosten bei der Bargeldhandhabung zu sparen. Und bei derselben Gelegenheit darf der Bürger anschließend fürs Parken vielerorts gleich das Doppelte bezahlen.
Man könnte das fast als kommunales Perpetuum mobile bezeichnen: Der Bürger liefert das Geld für die Maschine, mit deren Hilfe ihm anschließend noch effizienter weiteres Geld abgenommen werden kann. Besonders hübsch wird die Sache dadurch, dass die Modernisierung sogar Kosten sparen soll. Nur scheint dieser Spareffekt beimjenigen, der die ganze Veranstaltung finanziert, nicht anzukommen.
Doppelte Belastung statt doppeltem Nutzen – auch das kann man offenbar unter „Modernisierung“ verkaufen.