
Demnig ist ein Frühaufsteher. Auch in Wunstorf ist der 77-Jährige als Erster mit seinem Handwerkszeug vor Ort. Die Männer vom Baubetriebshof haben die Stelle an der Südstraße markiert, wo die ersten Stolpersteine zu platzieren sind, die in Wunstorf verlegt werden. Es ist Vorsicht geboten: Die Südstraße ist morgens voller Fahrzeuge, und der Bürgersteig vor den Häusern im südlichen Teil nahe der früheren Post ist schmal.
Auch auf dem Bürgersteig wird es eng. Es sind viele Fußgänger unterwegs, und der Kreis derjenigen, die bei dieser historischen Stunde dabei sein wollen, ist groß. Einige Mitglieder des Arbeitskreises Erinnerungskultur sind gekommen, auch Birgit Mares, Ratsfrau der Grünen und stellvertretende Bürgermeisterin, Ortsbürgermeister Thomas Silbermann, ein früherer Nachbar ebenfalls.

Später kommt der Hauseigentümer aus Nummer 32 hinzu und verfolgt die Zeremonie wortlos, aber freundlich. Andreas Varnholt, der den Arbeitskreis leitet, erinnert an die Menschen, die dort gelebt haben: Bernhard, Else, Hans-Joachim und Klaus Kreuzer. Er verschweigt nicht, wie alt Klaus war, als er in Auschwitz ermordet wurde: 13 Jahre.

Gunter Demnig ist ein zügiger Handwerker. Die Metallplatten für die Kreuzers sind schnell eingebaut. Demnig räumt die Utensilien zusammen und stellt sich zu den Anderen. Stadtarchivar Klaus Fesche hat einen Beutel voller Broschüren dabei, die er an alle verteilt. Es ist das kleine Booklet mit dem Titel „Ihre Namen bleiben“, das der Arbeitskreis zur Verlegung der ersten Stolpersteine in der Stadt herausgegeben hat. Demnig blättert die druckfrische Information durch und findet lobende Worte für die Aufmachung.
Dies ist ein Teil der mehrteiligen Auepost-Stolperstein-Dokumentation. Sie existiert auch gedruckt als Auepost Extrablatt Nr 2.
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