Ralf Völkers radelt von Wunstorf nach Sydney

Nach Aus­tra­li­en – mit dem Fahr­rad

Auch wenn sie ihn nicht per­sön­lich ken­nen, sind vie­le Wunstor­fer viel­leicht sogar schon mit ihm mit­ge­fah­ren – denn Ralf Völ­kers ist Lini­en­bus­fah­rer. Doch den Bus lässt er nun für ein Jahr ste­hen – und fährt mit dem Fahr­rad ganz allein um die hal­be Welt.

Ralf Völkers
Ralf Völ­kers in Rei­se­kluft | Foto: Mir­ko Baschet­ti

Als wir Ralf Völ­kers das ers­te Mal im Som­mer 2017 in einem Wunstor­fer Café zum Gespräch tref­fen, steht sein Plan bereits unver­rück­bar fest. Im Früh­jahr 2018 will er sich auf­ma­chen, um mit dem Fahr­rad eini­ge Mona­te spä­ter die ande­re Sei­te des Glo­bus zu errei­chen. Es ist kei­ne fixe Idee, der Plan ist mona­te­lang gereift. Bei einer Fahr­rad­rei­se durch Polen mit Freun­den vor zwei Jah­ren kam der Gedan­ke erst­mals auf, war­um man es nicht ein­mal rich­tig weit schaf­fen soll­te mit dem Fahr­rad. Inspi­riert wur­de Völ­kers dabei von den Brü­dern Paul und Han­sen Hoep­ner, die unter der Über­schrift „Zwei nach Shang­hai“ mit dem Fahr­rad von Ber­lin nach Chi­na fuh­ren. Das weck­te Fern­weh und Lust auf Aben­teu­er. Schnell war Aus­tra­li­en als Ziel aus­ge­macht – und der Plan nahm Stück für Stück wei­te­re For­men an.

Nun, gute neun Mona­te spä­ter, sit­zen wir bei Völ­kers im Wohn­zim­mer und las­sen uns noch ein­mal erzäh­len, wie die Stim­mung ist, so weni­ge Tage vor dem Auf­bruch zu sei­ner gro­ßen Tour. Klar ist: er zieht das durch. Die Vor­be­rei­tun­gen sind natür­lich längst abge­schlos­sen. Das Bud­get für die Rei­se ist ange­spart, das Fahr­rad ist bis auf die letz­te Schrau­be aus­ge­stat­tet und ein­ge­fah­ren, die Aus­rüs­tung kom­plett. Die Fahr­rad­ta­schen ste­hen gepackt bereit. Ein Jahr unbe­zahl­ter Urlaub ist bewil­ligt, die Woh­nung für die Zeit der Abwe­sen­heit unter­ver­mie­tet.

Ich lass ein­fach mal das auf mich zukom­men“Ralf Völ­kers

Ralf Völ­kers geht recht unauf­ge­regt an die Sache her­an, wirkt wie mit allen Was­sern gewa­schen – mit­samt einer ordent­li­chen Por­ti­on Opti­mis­mus, ohne die man wohl gar nicht erst auf­bre­chen wür­de zu solch einer Tour. Doch er ist sich im Kla­ren, dass er sich etwas vor­ge­nom­men hat, von dem er nicht weiß, wie es sich genau ent­wi­ckeln wird, etwas, was er zum ers­ten Mal macht. Allein das ggf. wil­de Zel­ten unter­wegs wird ihn erst ein­mal Über­win­dung kos­ten, sagt er. Obwohl sich Völ­kers einer­seits akri­bisch vor­be­rei­tet hat, lässt er dabei alles auch ein­fach auf sich zukom­men. Ein biss­chen Ner­vo­si­tät schleicht sich aber doch ein, wenn er an den näher­rü­cken­den Abfahrt­ter­min denkt. Es wird kein klei­nes Aben­teu­er, so viel steht fest.

Der Mensch

Vie­le Kilo­me­ter legt Ralf Völ­kers, Jahr­gang 1963, auch dann zurück, wenn er kein Fahr­rad fährt. Denn im nor­ma­len Leben fährt er für Regio­bus im Lini­en­ver­kehr. Wenn er nicht gera­de sei­nem Job als Bus­fah­rer nach­geht, fühlt er sich auch im Sat­tel sei­ner Draht­esel wohl. Sein ers­tes Fahr­rad bekam er als 7-Jäh­ri­ger. Him­mel­blau war es, und leis­te­te auf dem Schul­weg wert­vol­le Diens­te. Doch Rad­fah­ren ist nur Fort­be­we­gungs­mög­lich­keit und Hob­by geblie­ben, wenn auch ein lei­den­schaft­li­ches. Völ­kers ist kein Rad­sport­ler. Aber er legt Wert auf Details. Da wird nicht irgend­ein Sat­tel gefah­ren, son­dern ein leder­ner Brooks. Der Vor­bau am Len­ker wird schon mal getauscht, auch wenn der alte auch nicht so schlecht war. Und eine Fahr­rad­ta­sche wird erneut bestellt, wenn sie bei der ers­ten Lie­fe­rung die fal­sche Far­be hat­te. In den Wunstor­fer Fahr­rad­ge­schäf­ten von Stein­hu­de bis zur Kern­stadt kennt man ihn gut.

Nach Australien - mit dem Fahrrad
Das All­tags­rad: damit geht es nur zur Arbeit in Wunstorf | Foto: Mir­ko Baschet­ti

Die orga­ni­sa­to­ri­schen Vor­aus­set­zun­gen, um eine sol­che Tour über­haupt in Angriff neh­men zu kön­nen, stim­men zudem bei Völ­kers: Er ist recht unge­bun­den, und eine län­ge­re Beur­lau­bung, nach der er pro­blem­los wie­der zurück­kann in den Beruf, war bei sei­nem Arbeit­ge­ber kein Pro­blem.

Und wenn ich nur bis Wien kom­me, dann ist das trotz­dem wei­ter, als je jemand mit dem Rad aus Wunstorf war“Ralf Völ­kers

War­um er die Tour allein macht, wol­len wir wis­sen, und stel­len uns das durch­aus schwie­rig vor, ganz allein auf sich gestellt durch die hal­be Welt zu fah­ren. Prin­zi­pi­ell hät­te Völ­kers nichts gegen Beglei­tung ein­zu­wen­den gehabt, doch mona­te­lang mit jemand ande­rem das Zelt und den Rad­weg zu tei­len, das stellt er sich auch nicht unkom­pli­ziert vor. Außer­dem hät­te es orga­ni­sa­to­risch gar nicht geklappt. Wo fin­det man mal eben einen geeig­ne­ten poten­ti­el­len Rad­part­ner, des­sen Arbeit­ge­ber dann auch noch so fle­xi­bel ist? Also geht es allein auf gro­ße Fahrt. Die abso­lu­te Frei­heit, aus eige­ner Kraft etwas zu errei­chen, das reizt ihn.

Einen gewis­sen Grund­op­ti­mis­mus brauchst du schon“Ralf Völ­kers

Einen Trai­nings­plan zur Vor­be­rei­tung gab es nicht, aber ganz ohne Kon­di­ti­on geht es selbst­ver­ständ­lich nicht auf die 16.000 Kilo­me­ter Luft­li­nie. Völ­kers hat sich in den letz­ten Mona­ten mit dem Fah­ren von grö­ße­ren und klei­ne­ren Rad­tou­ren suk­zes­si­ve vor­be­rei­tet.

Das Fahr­rad

Im Stadt­ver­kehr, im All­tag, fährt Völ­kers eine „alte Möh­re“, ein sta­bi­les Hol­land­rad mit viel Charme, das vor sei­nem Haus in der Kern­stadt parkt. Doch für eine Tour über drei Kon­ti­nen­te braucht man natür­lich etwas noch deut­lich Robus­te­res, was sowohl die Belas­tung einer so lan­gen Fahrt aus­hält als auch gute Fahr­ei­gen­schaf­ten auf­weist. Es ist ein Kom­pro­miss aus Sta­bi­li­tät und Fahr­kom­fort: ein spe­zi­el­les Rei­se­rad, ein soge­nann­tes Ran­don­neur, das auf wei­te Fahr­ten mit Gepäck aus­ge­legt ist. Völ­kers hat es gebraucht gekauft, sonst wäre es unbe­zahl­bar gewe­sen.

Nach Aus­tra­li­en – mit dem Fahr­rad
Das Rei­se­rad. Es soll im Dezem­ber auf der ande­ren Sei­te der Welt ste­hen | Foto: pri­vat

Auf den ers­ten Blick sieht es wie ein nor­ma­les Fahr­rad, ein gewöhn­li­ches Trek­kin­grad aus, ist aber kei­nes. Das Rei­se­rad der Mar­ke „Idworx“ hat eine spe­zi­el­le Rah­men­geo­me­trie und ver­trägt dadurch eine hohe Zula­dung, ohne beim Fah­ren insta­bil zu wer­den oder Beschä­di­gun­gen zu pro­vo­zie­ren. Diver­se Gepäck­trä­ger ermög­li­chen die Auf­nah­me vie­ler Fahr­rad­ta­schen. Der Naben­dy­na­mo lie­fert nicht nur Strom für das Fahr­rad­licht, son­dern auch für eine USB-Lade­buch­se, mit der sich z. B. das Han­dy wäh­rend der Fahrt auf­la­den lässt. Eine war­tungs­ar­me Naben­schal­tung mit 14 Gän­gen sorgt dafür, dass die Ket­te geschont wird.

Der Ein­druck eines gewöhn­li­chen Fahr­rads ver­stärkt sich noch, weil Völ­kers einen neu­en Len­ker anbau­en ließ. Der vor­her vor­han­de­ne Renn­rad­len­ker bot zwar viel mehr Griff­po­si­tio­nen, hat­te aber kei­ne ergo­no­mi­sche Hand­auf­la­ge und ver­hin­der­te das opti­ma­le Anbrin­gen einer Len­ker­ta­sche. Der neue Len­ker hat nun Ergo-Griff­stü­cke samt Hörn­chen. Gefah­ren wird mit Klick-Peda­len: spe­zi­el­le Fahr­rad­schu­he las­sen sich in die Peda­len ein­klin­ken, wodurch durch­ge­hend gleich­mä­ßig getre­ten wer­den kann, der soge­nann­te „run­de Tritt“ schont Kräf­te und Gelen­ke.

Die Aus­rüs­tung

Beim Pro­be­pa­cken merk­te Völ­kers, dass alles viel zu viel ist, um auf dem Fahr­rad mit­ge­nom­men zu wer­den. Daher wird nur das Aller­nö­tigs­te ein­ge­packt. Nur ein paar weni­ge Ersatz­tei­le wie z. B. Schläu­che kom­men mit – geht etwas Grö­ße­res kaputt, muss unter­wegs eine Werk­statt gefun­den wer­den. Mit dabei sind auch ein Zelt und die Iso­mat­te. In der Rei­se­apo­the­ke befin­den sich neben dem Übli­chen auch Mit­tel gegen Durch­fall und Übel­keit sowie Anti­bio­ti­ka. Einen MP3-Play­er mit Musik und ein Radio sind eben­falls ein­ge­packt. Bewaff­net ist Völ­kers auch – mit Pfef­fer­spray gegen streu­nen­de Tie­re.

Nach Aus­tra­li­en – mit dem Fahr­rad
Das Rei­se­ge­päck, wenn es nicht in den Taschen ver­staut ist | Foto: pri­vat

Navi­giert wird nicht mit Kar­ten, son­dern elek­tro­nisch auf dem Smart­pho­ne. Aller­dings mit Off­line-Kar­ten ohne GPS, denn die GPS-Funk­ti­on ist ein wah­rer Strom­fres­ser. Da nützt auch die Lade­funk­ti­on vom Naben­dy­na­mo nicht viel. Das Smart­pho­ne darf also bes­ser nicht kaputt­ge­hen oder aus­fal­len, Ersatz dafür ist nicht dabei. Das Gepäck wird in vier Fahr­rad­ta­schen an den Lowri­der-Gepäck­trä­gern trans­por­tiert, auf dem nor­ma­len Gepäck­trä­ger und am Len­ker.

Auch extra Tou­ren­klei­dung hat sich Völ­kers besorgt, dar­un­ter azur­blaue Ober­tei­le, die den Hash­tag zu sei­ner Tour, „ralfs­rad­weg“, auf­ge­druckt haben.

Die Rou­te

Einer­seits über­lässt Völ­kers nichts dem Zufall, ande­rer­seits ist der Zufall fest ein­ge­plant: Denn einen exak­ten Rei­se­plan mit zeit­lich abge­stimm­ten Etap­pen gibt es nicht. Die Rou­te ist nur vage vor­ge­zeich­net. War­um es über­haupt Rich­tung Aus­tra­li­en geht und nicht etwa in eine ande­re Him­mels­rich­tung, ist jedoch schnell beant­wor­tet: Die ers­te Über­le­gung war, bloß nicht mit dem Rad bereits über die Alpen zu star­ten, aber auch nicht gleich wie­der an einer Küs­te anzu­kom­men.

Nicht über die Alpen!“Ralf Völ­kers

Also war die Rich­tungs­wahl gen Osten natür­lich, und hier soll zunächst ab Mag­de­burg dem Elbe­rad­weg, einem Fern­wan­der­weg für Rad­fah­rer, gefolgt wer­den. Der führt nach Prag – und ver­bin­det man die Linie von Wunstorf nach Prag wei­ter, kommt man grob irgend­wann in Aus­tra­li­en an. So ein­fach kann das sein mit der Ziel­fin­dung. Zwei Flü­ge sind zudem fest ein­ge­plant, nicht nur, um den Was­ser­mas­sen aus­zu­wei­chen, son­dern weil es eben auch Län­der gibt, die man nicht unbe­dingt mit dem Fahr­rad durch­que­ren soll­te. Auch wird nicht immer der direk­te Weg genom­men, son­dern Schlen­ker gefah­ren. Baku in Aser­bai­dschan z. B. will Völ­kers auf jeden Fall ansteu­ern.

Nach dem Ende des Elbe­rad­wegs in Tsche­chi­en geht es über Wien wei­ter auf dem Donau­rad­weg über Ungarn nach Rumä­ni­en bis zum Schwar­zen Meer. Dann durch die Tür­kei, durch Geor­gi­en, nach Aser­bai­dschan. Von dort geht es in den Iran. In Tehe­ran soll­te nach der ursprüng­li­chen Pla­nung dann erst ein­mal Schluss sein, mit dem Flug­zeug woll­te Völ­kers wei­ter in Rich­tung Thai­land, nach Bang­kok.

Doch nichts ist in Stein gemei­ßelt, er will sich alle Optio­nen offen­hal­ten. Viel­leicht käme auch ein Flug von Dubai in den Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­ten oder von Katar in Fra­ge. Auch Visa hat Völ­kers nicht im Gepäck, sie müs­sen für Län­der wie Thai­land oder Iran jeweils vor Ort besorgt wer­den. Von Bang­kok aus soll die Stre­cke dann wei­ter über Malay­sia nach Indo­ne­si­en füh­ren. Von Bali geht dann der zwei­te Flug nach Aus­tra­li­en. Spä­tes­tens am 31. Dezem­ber soll Syd­ney erreicht sein, denn Völ­kers will sich das Feu­er­werk an der Har­bour Bridge anse­hen.

Wann fährt man schon mal wie­der nach Baku?“Ralf Völ­kers

Auch die Zeit danach ist nur grob geplant. Um nicht ein­fach in den deut­schen Win­ter zurück­zu­flie­gen, geht es danach viel­leicht noch nach Neu­see­land zum Wei­ter­ra­deln – bis maxi­mal zum 20. Mai 2019, wenn der Aben­teu­er­ur­laub endet und der ers­te Arbeits­tag wie­der anfängt.

Die Aue­post wird Ralf Völ­kers Weg ein­mal um die hal­be Welt beglei­ten. Wir berich­ten in nächs­ter Zeit wei­ter über sei­ne Etap­pen. Er selbst infor­miert unter dem Schlag­wort „ralfs­rad­weg“ auf You­tube und Face­book.

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16 Kommentare
  1. Naumanns Yvi meint

    Loui­se Fie­n­e­mann

  2. Astrid Dralle meint

    Gute Fahrt …

  3. Gabriele Bund meint

    Oh welch ein Abenteuer.…..lass uns bit­te dran teil­ha­ben

  4. Maik Rauke meint

    Gute Fahrt und immer genug Luft im rei­fen komm gesund wie­der dann aber bestimmt mit Flug­zeug. Hut ab

  5. Andreas Michael Mankus meint

    Vol­ker, bist´n fei­ner Kerl. Ich hof­fe, das Du Dein Ziel erreichst. Gute Fahrt.

  6. Helga Langer meint

    Gute Rei­se. Hut ab.

  7. Marion Raudszus meint

    gute Fahrt…gib auf Dich acht und komm heil wie­der.
    bin schon gespannt auf die Foto s.…lg

  8. Raul Hernandez Reina meint

    Andre­as Rhein

  9. Almut Wohnlich meint

    Super Gute Rei­se und viel Glück

  10. Tekin Gunaydin meint

    Wün­sche dir alles gute komm gut hin auch wie­der heil zurück

  11. Samir Amiri meint

    Respekt!! Viel Spaß und Erfolg bei der Rad Tour möge Gott dir bei­ste­hen und das du hei­le ankommst und zurück kommst .

  12. Mara Habeck meint

    Respekt!! Alles Gute für dich ✊✊

  13. […] Nach Aus­tra­li­en – mit dem Fahr­rad […]

  14. […] Nach Aus­tra­li­en – mit dem Fahr­rad […]

  15. […] einen Monat ist es nun her, dass Ralf Völ­kers von Wunstorf auf­ge­bro­chen ist, um die Welt mit dem Fahr­rad zu berei­sen. Er ist glück­lich, inzwi­schen in Ser­bi­en ange­kom­men zu […]

  16. […] leicht: Diver­se Läden schi­cken Völ­kers ein­fach weg, bis er jeman­den fin­det, der sich an sein Ran­don­neur her­an­traut. Die Fahr­rad­werk­statt gehört einem Schwei­zer, und sie bringt Völ­kers […]

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