Flagge zeigen für Wunstorf

Überall in Wunstorf kann man es entdecken: Das Wappen der Stadt. Vor manchen Geschäften flattert es als Flagge, am Rathaus weht es bei besonderen Anlässen an der rechten Fahnenstange – und auch am Bahnhofsgebäude ist es an der Fassade angebracht. Doch woher kommen Löwe, Burg und die Farben Blau und Gelb?

Das Wunstorfer Wappen ab 1957
Das Wunstorfer Wappen seit 1957

Wunstorf hat ein sehr elegantes, herrschaftlich wirkendes Wappen. Das wird durch die dargestellte Burg und den Löwen gleichermaßen erreicht. Aber wieso ausgerechnet Burg und Löwe für Wunstorf? Wie kam Wunstorf eigentlich zu diesem Hoheitszeichen? Warum in den Farben Weiß, Blau und Gelb? Und wieso ausgerechnet eine Burg mit verschiedenartigen Türmchen?

Das Wappen – und damit auch die Flagge – basieren auf einem uralten Siegel, das im Jahre 1311 erstmals auftauchte. Das „Sigillum Burgensium in Wunstorpe“ („Siegel der Burg zu Wunstorf“) stellt die Basis des heute verwendeten Wappens dar – und wurde bis 1957 als Hoheitszeichen der Stadt genutzt.

Historisches Siegel der Stadt Wunstorf | Bild: Stadtarchiv Wunstorf

Die Burg ist dabei ein gestalterischer Kunstgriff, denn sie vereint gleich drei verschiedene Gebäude. Das Gebäude dient als Ankerpunkt für die beiden Türme, die einmal die Stadtkirche und einmal die Stiftskirche symbolisieren. Somit ließen sich die damals wesentlichen topographischen Merkmale Wunstorfs in nur einem Gebäude darstellen. Der über der Burg thronende Löwe mit Grafenkrone steht dabei für die Grafen von Roden-Wunstorf, die im Hochmittelalter über Wunstorf herrschten. Das Tor in der Burg dürfte den Eingang zur Stadt symbolisieren und steht womöglich für ein damals tatsächlich vorhandenes Stadtportal wie z. B. das Westertor. Eine echte Burg (wie z. B. die Wunstorfer Spreensburg, die nur knapp 100 Jahre existierte und Anfang des 14. Jahrhunderts aufgegeben wurde), dürfte angesichts der symbolhaften Gestaltung weniger Pate gestanden haben.

Der schreitende Löwe selbst kommt im eigenen Wappen der Grafen von Roden-Wunstorf übrigens gar nicht vor, durch die Grafenkrone kann er dem Adelsgeschlecht jedoch problemlos zugeordnet werden. In der heutigen Flagge von Hannover und auch in der Flagge der Region Hannover taucht ein Löwe in ähnlicher Form ebenfalls auf, der Wunstorfer Löwe ist zudem im Wappen von Linden-Limmer zu sehen. Auch flaggentechnisch bestehen daher Enge Bande von Wunstorf mit der Landeshauptstadt. Ein schreitender Löwe wird ebenfalls im Wappen von Blumenau dargestellt.

Niedersachsenflagge und Wunstorfer Wappen wurden vom selben Heraldiker geschaffen

Das Wunstorfer und das niedersächsische Wappen stammen von ein und demselben Heraldiker
Das Wunstorfer und das niedersächsische Wappen stammen von ein und demselben Heraldiker

Das heutige Wappen ist dabei noch gar nicht so alt, es stammt aus dem Jahre 1957, orientiert sich jedoch sehr stark an der historischen Vorlage. Nur in Details wurde es heraldisch weiterentwickelt – und eingefärbt. Kreiert wurde es von Werner Schwippert und Gustav Völker. Letzterer war derjenige Heraldiker, der auch das Pferd auf der heutigen niedersächsischen Landesflagge gestaltete. Auch die Wappen von Bokeloh, Klein Heidorn und Luthe wurde von Völker entworfen.

Die Herkunft der Symbolik geht also auf das Jahr 1311 zurück, welche bis 1957 auch das Siegel der Stadt Wunstorf war. Erst in jenem Jahr wurde das heutige Wappen anhand der historischen Vorlage gestaltet. Bei der Gebietsreform 1974 wurde das bis dahin allein von der heutigen Kernstadt verwendete Wappen für das nun neue Gesamt-Wunstorf übernommen, sodass die Burg auf blauem Grund, z. B. an Festtagen, auch in den Ortsteilen von Steinhude bis Kolenfeld zu sehen ist, die ihre alten, eigenen Wappen aus Zeiten der Eigenständigkeit parallel weiternutzen.

In Steinhude weht statt der Wunstorfer meist die alte Ortsflagge, die in Weiß-Rot-Blau und mit Fisch maritimer wirkt als die Wunstorfer Burg. | Bild: Daniel Schneider
In Steinhude weht statt der Wunstorfer meist die alte Ortsflagge, die in Weiß-Rot-Blau und mit Fisch maritimer wirkt als die Wunstorfer Burg. | Bild: Daniel Schneider

Aber wie kamen die Farben zustande?

Die heraldische Beschreibung des Wunstorfer Wappens lautet: „In Blau eine silberne Burg mit geöffneten, goldenen Tortüren und zwei (…) Türmen (…). Zwischen den Türmen (…) ein schreitender, gekrönter, rotbezungter, goldener Löwe (…).“

Warum Gustav Völker diese Farbgebung gewählt hat, können wir nicht mehr in Erfahrung bringen, er starb 1974. Aus romantisierender Laiensicht würde man Blau vielleicht mit Wasser in Verbindung bringen, ein Hinweis auf die Flüsse in der Auenstadt Wunstorf und den größten Binnensee Niedersachsens – das Steinhuder Meer (das damals, zur Zeit der Entstehung des Wappens, jedoch noch gar nicht zu Wunstorf gehörte, mit dem man sich aber auch früher schon gern schmückte). Gelb (heraldisch: Gold) ist oft die Farbe von Ähren, die mit der Landwirtschaft in Verbindung gebracht werden, wie es z. B. auch im Wappen von Kolenfeld der Fall ist.

Doch in der Heraldik haben Farben grundsätzlich keine generelle Bedeutung, sie dienen in erster Linie der guten Unterscheidbarkeit. Das Blau des Wappens kann daher auch einem anderen Wappen oder gar dem persönlichen Geschmack des Graphikers entsprungen sein.

Wappendeutung

Naheliegender ist, dass typische Muster der Heraldik ebenso ausschlaggebend waren. Zumindest für das Weiß (heraldisch: Silber) und das Gelb (heraldisch: Gold). Silber ist eine häufig vorkommende Tinktur für Burgendarstellungen. Die „Hamburg“ auf der roten Hamburger Flagge dürfte die bekannteste in Deutschland sein. Aber auch die Burg der Stadtflagge von Hannover ist in Silber gehalten.

Farblich falsch wiedergegebenes Wunstorfer Wappen am Bahnhofsgebäude | Bild: Daniel Schneider

Der Löwe in Gold ist ebenfalls ein typisches Muster, ebenso wie die farblich abgesetzten Tore einer Burg. Hier das korrespondierende Metall Gold wieder aufzugreifen, ist daher nur logisch. Die rote Zunge des Löwen dürfte auch selbsterklärend sein – ausgerechnet diese stellt streng genommen aber einen heraldischen Fehler dar, denn Rot und Blau sollten eigentlich nicht aufeinandertreffen.

Vom Wappen zur Flagge

Die Flagge Wunstorfs besteht aus zwei horizontalen Streifen in Gold und Blau – mit dem Wappen in der Mitte. Hier stellt sich nun die Frage, warum die Streifen ausgerechnet Blau und Gold zeigen (und damit wie die Hauptfarben Wunstorfs wirken) – und nicht etwa auch Rot oder Silber. Die Aue, das Steinhuder Meer und die Rapsfelder werden nicht der Grund sein, wie wir weiter oben gesehen haben, aber sie lassen sich nichtsdestoweniger natürlich herrlich damit assoziieren.

Die Antwort ist einfach, wenn man sich die Wunstorfer Flagge aus etwas Entfernung betrachtet. Die Verwendung von zwei Farben (die die Farben des Wappens aufgreifen) ist ebenfalls eine typische Anordnung, um Wappen zu flankieren. In der Heraldik dürfen sich Metalle (also die Farben Gelb und Weiß) aber nicht berühren, sondern müssen direkt an andere Farben angrenzen. Gold-Silber als Streifen wäre also nicht möglich gewesen. Blau musste also auf jeden Fall mit rein. Silber-Blau wäre daher noch möglich gewesen, doch da Silber bereits den Großteil des Wappens ausmacht, wären Gold und Blau schlicht die logische Wahl für die Farben Wunstorfs. Auf diese Weise bilden Gold, Silber und Blau eine ausgewogene Erscheinung auf der Flagge.

Wehende Wunstorfer Flagge vor dem Rathaus | Bild: Daniel Schneider
Wehende Wunstorfer Flagge vor dem Rathaus | Bild: Daniel Schneider

Die Farben Blau und Gelb/Gold für Wunstorf verdanken wir letztlich also den Schöpfern des Stadtwappens aus dem Jahr 1957.

Die Satzungen der Stadt Wunstorf verbieten den privaten Gebrauch der Flagge übrigens nicht, d. h., jeder Wunstorfer kann sie sich als Fähnchen an Balkon oder in den Garten hängen.

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2 Kommentare
  1. […] sich im Mittelalter ebenfalls „Wunstorf“ (unser Wunstorf wurde im Mittelalter dagegen z. B. „Wunstorpe“ […]

  2. […] der Heral­di­ker Gus­tav Völ­ker das Wunstor­fer Wap­pen maß­geb­lich schuf, dien­te als Grund­la­ge ein altes Sie­gel, das …. Weiß (heral­disch: Sil­ber) und Blau wur­den im neu­en Wap­pen die bestim­men­den […]

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