25. Juli 1916: Rege­lung des Fleisch­ver­kaufs

wunstorfvor100jahren

Wir schrei­ben das Jahr 1916, mit­ten im Ers­ten Welt­krieg. Wunstorf ist eine klei­ne, land­wirt­schaft­lich gepräg­te Ort­schaft in der preu­ßi­schen Pro­vinz. Die Lebens­mit­tel­knapp­heit im Krieg macht sich bemerk­bar. Die Wunstor­fer Zei­tung schreibt am 25. Juli 1916 Fol­gen­des:

Rege­lung des Fleisch­ver­kaufs

Wie die But­ter, so soll auch von jetzt ab das Fleisch von dem uns vom Kom­mu­nal­ver­ban­de gelie­fer­ten Vieh nach Num­mern der Rei­hen­fol­ge nach abge­ge­ben wer­den. Zu die­sem Zweck wer­den die Num­mern der But­ter­lis­te zu Grun­de gelegt. Wer sich daher nicht zum Bezu­ge von But­ter gemel­det hat, aber auf Bezug von Fleisch Anspruch erhebt, hat sich sofort im Stadt­se­kre­ta­ri­at zu mel­den, da er sonst kein Fleisch bekom­men kann.

Die­je­ni­gen Num­mern, wel­che zum Bezu­ge von Fleisch berech­tigt sind, wer­den an einer bestimm­ten Stel­le in der Zei­tung sowie im Aus­hang­kas­ten des Rat­hau­ses ver­öf­fent­licht.

Die Inha­ber der ein­zel­nen Num­mern wer­den jedes­mal einem Schlach­ter zuge­teilt, damit die Drän­ge­rei ver­mie­den wird. Da uns nur sehr wenig Vieh zur Ver­fü­gung steht, kön­nen natür­lich nicht sämt­li­che Ein­woh­ner zu glei­cher Zeit ver­sorgt wer­den; dies lässt sich jedoch nicht ver­mei­den.

Für die aus­wärts woh­nen­den Bezugs­be­rech­tig­ten des Krei­ses Neu­stadt, sowie für die Anstal­ten, Gefan­ge­nen­sam­mel­stel­len usw. wird jedes­mal ein bestimm­ter Schlach­ter ernannt. Fleisch an aus­wärts woh­nen­de Per­so­nen und an Anstal­ten darf nur auf jedes­mal zu erneu­ern­de Beschei­ni­gung vom Rat­hau­se ver­ab­folgt wer­den. Der Bedarf der Anstal­ten ist zei­tig im Rat­hau­se anzu­mel­den.

Beim Kauf von Fleisch ist die Brot­kar­te vor­zu­le­gen. in wel­che der Ver­käu­fer einen Ver­merk zu machen hat. Ohne Brot- oder Mehl­kar­te wird nichts ver­ab­folgt.

Bis auf wei­te­res ent­fal­len auf eine ein­zel­ne Per­son mit selbst­stän­di­gem Haus­halt 12 Pfund, auf Haus­hal­tun­gen von 2–4 Per­so­nen 1 Pfund, von 5–6 Per­so­nen 1 12 Pfund und über 6 Per­so­nen 2 Pfund Fleisch. Eine ande­re Ein­tei­lung ist lei­der wegen der gerin­gen zur Ver­fü­gung ste­hen­den Men­gen und mit Rück­sicht auf die in Aus­sicht ste­hen­de Reichs­fleisch­kar­te nicht mög­lich.

Die Not­schlach­tun­gen wer­den hier­durch nicht berührt. Eben­falls blei­ben die sons­ti­gen Bestim­mun­gen, soweit sie hier­mit nicht im Wider­spruch ste­hen, bestehen.

Aus­wär­ti­ge Per­so­nen haben die Brot­kar­ten im Rat­hau­se vor­zu­le­gen.


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