Das Wunstor­fer Alt­pa­pier-Cha­os

Wer noch blaue Säcke hat, darf sich glück­lich schät­zen. Alle ande­ren müs­sen nun sehen, wo sie mit ihrem Alt­pa­pier blei­ben. Wir haben bei Aha nach­ge­fragt, was man tun kann – und wie das zurück­ge­zo­ge­ne Schlag­wort „Sei kein Sack­ge­sicht“ eigent­lich gemeint war.

Ich-durf­te-nicht-mit-Auf­kle­ber auf einem Papp­kar­ton | Foto: Dani­el Schnei­der

Wunstorf (ds). Aha möch­te, dass die haus­ei­ge­ne Alt­pa­pier­ton­ne schnell Ver­brei­tung fin­det. Schließ­lich sind die neu­en Müll­wa­gen dafür aus­ge­legt und das Ein­sam­meln von papier­ge­füll­ten Plas­tik­sä­cken ist öko­lo­gi­scher Unsinn und beschert dem Per­so­nal unnö­ti­ge Ein­sam­me­lei. Loses Alt­pa­pier wird jedoch außer aus Kulanz in weni­gen Fäl­len seit Ende Okto­ber auch nicht mehr mit­ge­nom­men.

Auch am heu­ti­gen Diens­tag waren daher wie­der an vie­len Stel­len in Wunstorf zurück­ge­las­se­ne Kar­tons zu bewun­dern – wo sich die neue Pra­xis von Aha noch nicht her­um­ge­spro­chen hat­te oder wo die Leu­te hoff­ten, dass leid­lich gro­ße Kar­tons viel­leicht doch wie­der mit­ge­nom­men wür­den.

Inzwi­schen All­tag: Ver­wais­te Kar­tons am Stra­ßen­rand | Foto: Dani­el Schnei­der

Ent­spre­chend fährt Aha nun eine Kam­pa­gne zuguns­ten der Alt­pa­pier­ton­ne – und hat­te sich damit gleich erneut Unmut zuge­zo­gen, denn als Schlag­wort für die sozia­len Medi­en hat­te man dazu „sei kein Sack­ge­sicht“ gewählt.

Wit­zig oder belei­di­gend?

Der pro­vo­kan­te Hash­tag „#SeiK­ein­Sack­ge­sicht“ hat­te in der Tat pro­vo­ziert und auch pola­ri­siert: vie­le Tüten­nut­zer sahen sich per­sön­lich belei­digt, ande­re fan­den den Claim ein­fach nur wit­zig. Der öffent­li­che und poli­ti­sche Druck wur­de jedoch offen­bar so groß, dass Aha nun die Reiß­lei­ne zog, den Hash­tag inner­halb der Kam­pa­gne nicht mehr ver­wen­den will und sich bei sei­nen Kun­den ent­schul­dig­te. Die bereits gedruck­ten Fly­er wer­den ver­nich­tet und für 1.000 Euro 10.000 neue Fly­er gedruckt. Im Inter­net wird der Slo­gan nicht mehr ver­wen­det, und ein Müll­wa­gen, der mit dem Kam­pa­gnen­mo­tiv beklebt wor­den war, wur­de an der betref­fen­den Stel­le ein­fach über­klebt. Die Kam­pa­gne wird ansons­ten – ohne betref­fen­den Hash­tag – unver­än­dert fort­ge­führt.

Kam­pa­gne von Aha, noch mit dem umstrit­te­nen Schlag­wort | Screen­shot: Aue­post

Wie der Hash­tag nun aber eigent­lich genau gemeint war, ob damit auf die Zweck­ent­frem­dung der Wert­stoff­sä­cke ange­spielt wer­den soll­te – oder nur Ton­nen­nut­zer kei­ne Sack­ge­sich­ter sei­en -, beant­wor­te­te Aha auf Nach­fra­ge der Aue­post nicht ein­deu­tig. Man habe „ledig­lich für einen ver­ant­wor­tungs­vol­len Umgang mit dem blau­en Alt­pa­pier­sack sen­si­bi­li­sie­ren wol­len“, war zu erfah­ren.

Wo gibt es noch blaue Säcke?

Doch unge­ach­tet der Kam­pa­gne haben Noch-Tüten­nut­zer nun ein Pro­blem: Nach­dem die blau­en Tüten – und auch die gel­ben – regel­recht gehams­tert wur­den, nach­dem die Plä­ne bekannt wur­den, dass für die Säcke bald eine Schutz­ge­bühr ver­langt wird, sind Alt­pa­pier-Wert­stoff­sä­cke nun Man­gel­wa­re.

Im Ein­zel­han­del sind sie nur noch mit Glück zu bekom­men, manch­mal gibt es sie noch auf Nach­fra­ge. Wenn noch Rol­len an den Han­del nach­ge­lie­fert wer­den, dann aller­dings nur noch weni­ge. Erst ab dem 1. Janu­ar 2018 sol­len sie – dann kos­ten­pflich­tig – wie­der aus­rei­chend in den Geschäf­ten vor­han­den sein, ver­spricht Aha. Das Hams­tern geht unter­des­sen wei­ter: In den Geschäf­ten wird unge­niert auch mal an der Kas­se gefragt, ob man noch „10 Rol­len“ bekom­men kön­ne.

Als Alter­na­ti­ve nennt Aha die Wert­stoff­in­seln und Wert­stoff­hö­fe, auf denen Alt­pa­pier, Pap­pe und Kar­to­na­gen abge­ge­ben wer­den kön­nen. Die kos­ten­lo­sen blau­en Säcke wür­den noch – solan­ge der Vor­rat reicht – im Ein­zel­han­del und auf den Wert­stoff­hö­fen erhält­lich sein, sag­te Aha-Spre­cher Ste­fan Alt­mey­er gegen­über der Aue­post.

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1 Kommentar
  1. Kuschelsani meint

    Lei­der ist es so,dass vie­le Bewoh­ner vom Bau­ver­ein wei­ter­hin gezwun­gen wer­den, ein „Sack­ge­sicht“ zu blei­ben, da die erst was ver­än­dern wollen,wenn es kei­ne Sack­ab­fuhr mehr gibt ;-c
    Alle älte­ren Leu­te sind die Leid­tra­gen­den oder die Umwelt weil es ein­fach in Wäl­dern ent­sorgt wird.

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