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Stadtrat stimmt für Vorlage Eberhardts

Alle wünschen sich Alternativlösung für Laugentransport

Der Stadtrat hat sich Bürgermeister Eberhardts Vorlage zum Laugen-Transportweg für Sigmundshall angeschlossen. Gefordert wird eine alternative und ergänzende Pipelinelösung neben dem Schienenweg.

Werk Sigmundshall
Umstritten, und doch konsensfähig: der Transport nach Sigmundshall | Foto: Daniel Schneider

Wunstorf (ds). Der Stadtrat kam am Mittwochabend in der Otto-Hahn-Schule erstmals unter Corona-Bedingungen zusammen – mit 1,5 Meter Abstand zwischen den Stühlen der Ratsmitglieder. Kaum minder brisant war einer der letzten Tagesordnungspunkte: die Vorlage von Bürgermeister Rolf-Axel Eberhardt zur alternativen Pipelinelösung und Ertüchtigung der Kleinbahnstrecke zwecks Abwassertransport zum aufgegebenen Bergwerk Sigmundshall. Sie wurde unter Beisein der Vertreter der Kali und Salz AG (K + S) sowie der Osthannoverschen Eisenbahnen (OHE), die als Zuhörer anwesend waren, ausgiebig besprochen. An der Vorlage als solcher hatten die Ratsleute wenig einzuwenden, die schließlich von allen Fraktionen beschlossen wurde.

Sitzungschild
Hinweis zur Stadtratssitzung | Foto: Daniel Schneider
Die Fraktionen übten jedoch einmal mehr, einmal weniger Kritik an K + S. Christiane Schweer (CDU) lobte zwar, dass der Betreiber immer ansprechbar sei, bemängelte jedoch, dass man ihm Infos „aus der Nase ziehen“ müsse. Martin Ehlerding (SPD), Anne Dalig (Grüne) und Kurt Rehkopf (FDP) wurden noch deutlicher: Informationen kämen nur als Salamitaktik, erst wenn der Druck steige, würden Informationen herausgegeben und Zugeständnisse gemacht – dabei wäre Transparenz gerade auch im Interesse von Kali und Salz, damit Rückhalt für die Pläne in der Bevölkerung erreicht würde. Auch die Politik habe die Wunstorfer noch nicht erreicht, was die vielen geäußerten Bedenken zeigen würden, sagte Ehlerding. Er widersprach zudem entschieden Schweer, die die Vorteile gesehen hatte, wenn Wunstorf durch die Transporte quasi im Beigang moderne Bahnübergänge erhielte: „Das ist nicht positiv, was da kommt.“

Drohendes Verkehrschaos

Rehkopf skizzierte das drohende Verkehrschaos: 40 Jahre sei es her, da habe es noch die Schranken in der Hindenburgstraße gegeben, und die Lastwagen hätten sich manchmal bis zum Stadttheater zurückgestaut – obwohl das Verkehrsaufkommen damals halb so groß wie heute sei und der Bahnübergang nicht einmal zentral in der Stadt gelegen habe. Nach Ehlerdings Kenntnis ist der im Raum stehende Termin zum 1. Juni 2021, zu dem spätestens mit den Transporten begonnen werden muss, nicht behördlich vorgegeben, sondern den Planungen von K + S geschuldet. Die Transporte dürften daher erst beginnen, wenn die Sicherheit auf der gesamten Bahnstrecke gewährleistet sei, forderte er.

„Das ist nicht positiv, was da kommt.“Martin Ehlerding

Die Fraktionen waren auf Klarstellung bedacht, dass es um konstruktive Zusammenarbeit zum Wohle der Stadt geht – vor allem Dalig, die überdies als Anwohnerin von den Bahntransporten über die Sölterkreuzung direkt betroffen ist, verwehrte sich gegen die Eindrücke, ihre Partei würde der Vorlage nicht zustimmen können. Das Ziel sei dasselbe, nur der Weg dorthin wäre für die Grünen ein anderer gewesen. Grüne und FDP hatten ein Gutachten und Einwohnerinfoveranstaltungen verlangt. Die Transporte „fahren teilweise durch die gute Stube“, sagte Dalig.

Wunstorf tritt geschlossen auf

Nach Informationen der Auepost war die Entwicklung in Sachen Bahntransporte für die Mehrheitsgruppe aus SPD, Grünen und FDP angesichts unterschiedlicher Auffassungen über das richtige Vorgehen zur Belastungsprobe geworden. In der Ratssitzung wurde davon nichts offenkundig, es wurde Geschlossenheit demonstriert. Letztlich stimmten alle Fraktionen für die Vorlage des Verwaltungschefs, teils auch unter dem Hinweis, dass sie ohnehin nur informativen Charakter habe.

Gegenüber den Landesbehörden spricht Wunstorf nun jedoch mit einer Stimme. Der Bürgermeister hatte zuvor noch einmal die Zusammenhänge dargelegt und um Zustimmung geworben. „Aus Umweltgesichtspunkten ist es gut, dass wir das Wasser hier hinbekommen“, sagte Eberhardt. Salzlauge sei eine nachvollziehbarere Lösung als Grundwasser zur Verfüllung eines ehemaligen Salzstockes, dem Boden würde kein Grundwasser entzogen – und auch die niedersächsischen Flüsse wie die Weser würden profitieren, wenn Abwasser nicht mehr in die Werra eingeleitet werden müsste, sondern nach Bokeloh käme. Der kritische Punkt bliebe die Verkehrsbelastung. Daher sei alternativ zum Bahntransport eine Pipelinelösung zu realisieren. Sein Konzept fasste Eberhardt in vier Punkten zusammen: Optimierung der Kreuzung, kein Pfeifen der Loks, eine die Bahnstrecke entlastende Pipeline und eine Entlastung der Werra – und damit auch der Weser.

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3 Kommentare

  1. Wie ich auf Anfrage bei gut unterrichteten Kreisen (REGION HANNOVER) gestern mitgeteilt bekommen habe ENTSCHEIDET K&S über das Verfahren
    Politik und Bürgermeister können zwar dicke Hose machen, aber das war es auch.

  2. Mich würde ja mal interessieren ob die FA. K+S ihre Gewerbesteuer in Kassel oder in Wunstorf zahlt ! Dieses Theater mit umweltbelastung , mehr Strassenverkehr ,Lärmbelästigung usw. Müsste doch auch mal was gutes für die Region haben natürlich hätten wir viele Arbeitsplätze aber dazu auch die ganzen nebenfaktoren irgendwann ist auch mal gut

  3. Ich währe dafür den Salzstock in Bokeloh erst zu befühlen wenn die seit 1958 geplante Umeitungsstrecke von Luthe/Liethe Wunstorf/Kleinheidorn in Richtung Bokeloh fertiggestellt ist dann fällt die Sölterkreuzung weg. Aber das werde ich wohl mehr mit fast 65 Jahren nicht mehr erleben.
    Dann ist auch unser liebgeschätzte Herr Eberhardt kein Bürgermeister mehr, wird auch Zeit.

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