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Grün statt Hausbau: Anlieger von Freibad und Jahnplatz wollen den Anfängen wehren

15.04.2024 • Achim Süß • Aufrufe: 1549

30 Anlieger des Jahnplatzes und der ehemaligen Badeanstalt haben sich zusammengefunden und machen Front gegen die mögliche Bebauung der Flächen an der Ecke Barne- und Amtsstraße. Sie verlangen, den Platz als Spiel-, Freizeit- und Erholungsmöglichkeit und als Teil eines innerstädtischen Grünzuges, der „grünen Lunge“, zu erhalten. Das soll auch für das Freibadgrundstück gelten. Ob aus der losen Gruppe eine Bürgerinitiative wird, entscheidet sich in Kürze. Motto der Anwohner: „Wehret den Anfängen!“

15.04.2024
Achim Süß
Aufrufe: 1549
Der Jahnplatz im Sommer in vollem Grün (Archiv) | Foto: Daniel Schneider

Wunstorf (as). „Wir treten an mit der Forderung: keine Bebauung!“ Barbara Mietusch und Dieter Lange lassen im Gespräch mit der Auepost keinen Zweifel an ihrer Zielrichtung und ihrer Entschlossenheit. Die beiden Anwohner der Amtsstraße sprechen von einer „Solidargemeinschaft“, die sich gebildet habe, um die „grüne Lunge“ zu erhalten. „Das Gebiet wird von den Wunstorfern gern zu Spaziergängen und zur Naherholung genutzt. Insbesondere der Sportplatz ist für alle Kinder der Umgebung eine große Attraktion zum Fußballspielen und zur Freizeitgestaltung“, schreiben sie in einer öffentlichen Stellungnahme. Eine „ähnlich familienfreundliche Freizeitmöglichkeit“ gebe es im Zentrum der Kernstadt nicht.

Bürgerinitiative in Vorbereitung

„Da ist immer was los“, beschreibt Mietusch die Situation auf dem Jahnplatz. Kinder und Jugendliche spielten dort Fußball, Familien kämen dorthin, um auszuspannen, und auf den angrenzenden Wegen seien ständig Spaziergänger unterwegs. Sie und ihre Nachbarn, aber auch Bürger aus der weiteren Umgebung, seien der Ansicht, dieses „Filetstück“ müsse als Freifläche erhalten bleiben. Während die Gruppe bisher nur über Mund-zu-Mund-Propaganda gewachsen sei, werde nun eine Unterschriftensammlung in der Kernstadt vorbereitet. „Angesichts der Bedeutung des Geländes für ganz Wunstorf hat sich die Gruppe nun entschlossen, an die Öffentlichkeit zu treten, damit alle interessierten Bürger diese Initiative im Rahmen einer Bürgerinitiative unterstützen und mitgestalten können“, sagt Lange.

Der Protest soll langfristig angelegt werden. Lange: „Das ist kein Sprint.“ Die nächsten Schritte sind ein weiteres Treffen und die Formulierung eines Positionspapiers, das die Motive der Anlieger erläutern soll. Lange und Mietusch arbeiten verantwortlich in der Gruppe mit, betrachten sich aber nicht als deren Sprecher, allenfalls als so etwas wie Koordinatoren.

Auch in ihrer ersten Erklärung liefert die Gruppe Gründe für das Engagement. Wörtlich heißt es: „Mit dem Klimagutachten der Stadt Wunstorf zum Bereich des ehemaligen Freibades und des Jahnplatzes kommt nun wieder Bewegung in die Diskussion zur Bebauung dieses Geländes. Zur Erinnerung: Bereits im Jahre 2015 hat die Stadt Wunstorf eine Bürgerbeteiligungsveranstaltung unter großen Kosten und Aufwand zu diesem Thema ausgerichtet. Rund 150 Teilnehmer nahmen an dieser Veranstaltung am 14.3.2015 teil und freuten sich, dass sie in den Entscheidungsprozess der Stadt zu Nutzung des Jahnplatzes und des Freibadgeländes eingebunden wurden. In rund 20 Kleingruppen wurden Vorschläge für die Nutzung von den Bürgern eifrig erarbeitet und im Plenum vorgestellt. Die Ergebnisse sahen alle eine moderate Bebauung und die parkähnliche Nutzung als Naherholungsgebiet vor. Alle anwesenden Bürger waren sich darin einig, dass kein Parkplatz und keine verdichtete Bebauung erwünscht ist. Dann verschwanden die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung für sieben Jahre in der Schublade.“

Jahnplatz und altes Freibadgelände aus der Vogelperspektive (Archiv) | Foto: Deppe/Dombrowski

Die Kritiker erklären weiter: Nach dem aktuellen Koalitionsvertrag, den SPD und CDU im Rat der Stadt geschlossen haben, solle das alte Freibadgelände sowie der Jahnplatz als attraktiver Naherholungsbereich mit moderater Randbebauung entwickelt werden. Dazu habe es 2023 einen Ortstermin gegeben, um das Thema wieder aufzugreifen. Die Anlieger gehen auf das Klimagutachten ein, das die Auswirkungen neuer Baukörper auf Klima und Windströmungen untersucht hat und seit ein paar Wochen vorliegt. Darin werden Rechenmodelle für behutsame und massive Bebauung miteinander verglichen. Quintessenz: Selbst große Bauten schaden nicht.

Bürgerbefragung für die Katz?

Die potenzielle Bürgerinitiative kritisiert nun, dass der Gutachter „eine bis zu 4-geschossige Bauweise mit zwei großen Gebäuden auf dem Jahnplatz und 3 Gebäuden auf dem Freibadgelände“ vorsehe. Wie so etwas aussehen könne, so Mietusch und Lange, sei „eindrucksvoll an der Wassermühle zu besichtigen“. Das sei „eindeutig eine verdichtete Bebauung, die von den Bürgern niemals gewünscht wurde“. Die Gruppe fragt: „Wieso führt man eine teure Bürgerbefragung seitens der Stadt durch und ignoriert dann die Bürgerwünsche?“

Die Anlieger befürchten, dass die Rechenmodelle des Gutachters schon die Richtung vorgeben, die die Stadt bei der Planung einschlagen wolle. Dem widerspricht Alexander Stockum, der Sprecher der Stadtverwaltung: Noch sei keine Entscheidung gefallen, auch keine Richtungsentscheidung. Die Untersuchung der Auswirkungen einer massiven Bebauung sei nicht mehr und nicht weniger als eine Modellrechnung.

Nägel mit Köpfen hat zu diesem Thema vor wenigen Tagen überraschend ein Zweckbündnis aus CDU, Grünen und FDP gemacht: Der Jahnplatz soll als Grünzone erhalten bleiben und nicht bebaut werden. Das benachbarte Freibadgelände soll „moderat“ bebaut werden. Den entsprechenden Antrag haben Vertreter der drei Gruppierungen an Bürgermeister Carsten Piellusch und Ortsbürgermeister Thomas Silbermann (beide SPD) gerichtet. Vorausgegangen sind mehrere Treffen zwischen Anwohnern und Kommunalpolitikern aus der Kernstadt. Lange und Mietusch betonen aber, die Anliegergruppe werde sich nicht politisch vereinnahmen lassen.

Kontakt zur Bürgerinitiative: bi-freibad-jahnplatz@gmx.de
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Kommentare


  • Brigitte sagt:

    Ich wage sehr zu bezweifeln, dass das Freibadgelände von den Wunstorfern gern zu Spaziergängen und zur Naherholung genutzt wird. Wie man an den Luftaufnahmen sieht, ist dieses gar nicht möglich. Da gibt es sicher schönere Möglichkeiten in Wunstorf. Ich schließe mich der Meinung an, dass der Jahnplatz unbebaut bleiben soll, damit die Kinder und Jugendlichen Platz zum Spielen haben. Das Freibadgelände ist aber durchaus bebaubar. Wir wollen immer mehr Menschen bei uns aufnehmen, diese müssen allerdings auch irgendwo wohnen. Es gilt hier anscheinend das Motto ’nur nicht vor meiner Haustür‘.

  • Wunni sagt:

    Hätte mich auch gewundert, wenn die Anwohner sagen würden: „klaro baut doch endlich große Wohnblöcke auf unsere Nachbarwiese in der Kernstatt – statt die Stadtränder und Ortsteile immer weiter zu zersiedeln“.

  • G. Taro sagt:

    Was den Satelliten von W’torf mit bürgerschaftlichem Engagement und politischer Unterstützung gelang, daran scheitert die angeblich „Schönste Innenstadt der Region“: Luthe hat sein NaturErlebnisBad, Bokeloh sein beheiztes Freibad und Steinhude seine Badeinsel. Orte, an denen Kinder, Jugendliche und die ältere Generation an heißen Sommertagen für wenig Geld Natur, Luft und Wasser genießen können.

    Und die Kernstadt? Fehlanzeige! Dabei bestünde die Möglichkeit, auf dem Gelände des einstigen Freibades, wieder eine Bade-/Schwimmmöglichkeit für die Bürger unserer Stadt neu zu schaffen. Nicht überdimensioniert, ohne Parkplätze (als Teil eines Fahrradwegekonzeptes) und zu familienfreundlichen Preisen. Allein, den Parteien und der Stadtverwaltung fehlt es nach m.A. an Mut (oder intellektuellen Vermögen) kreativ und zukunftsorientiert zu denken. Die Geschichte des Freibades W’torfs, von der Flussbadestelle in der alten Südaue, über das „alte“ Freibad von 1933, in eine neue, an ökologischen Möglichkeit ausgerichtete Zukunft fortzuschreiben, das wäre eine bürgerfreundliche Politik. Statt der „Schönsten Innenstadt der Region“, eine „Lebenswerte Stadt in der Region“.

    • Wunni sagt:

      Die Kernstadt hat doch schon genau solch eine Bade-/Schwimmmmöglichkeit – und nennt sich „Wunstorf Elements“. Diese ist hoch defizitär und es sollen Millionensummen dort investiert werden – und außerdem finden sich da schon kaum mehr Bademeister, die diesen unterbezahlten und zunehmend konfliktbeladenen Job machen wollen.

  • Papabär sagt:

    Trau keiner Studie, die Du nicht selbst in Auftrag gegeben hast!

    Ja, das eigentliche Freibadgelände wird derzeit nicht von Spaziergängen genutzt, wie auch, es ist gesperrt und eine Mondlandschaft.
    Aber es ist deutlich erkennbar, wie viele Spaziergänger und Radfahrer aus oder in Richtung Stadt den alten Schützenplatz vor dem Freibad passieren.
    Ich freue mich auch jedes Mal,wenn ich die Boule Spieler dort sehe.
    Das wollen wir für einige !!relativ wenige!! Wohneinheiten zerstören?
    Lasst uns bitte nicht ein zweites Mal so einen Fehler wie auf dem Langhorst-Gelände machen!

    Dieser Grüngürtel ist wichtig für die Lebensqualität im Wunstorf!

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