Equal Pay Day: SPD-Frauen verteilen Kekse

Männer bekommen kleinere Kekse

Heute ist Equal Pay Day, der auf die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen aufmerksam macht. Einige Frauen aus der Wunstorfer SPD beteiligten sich durch eine Aktion am Bahnhof.

Keksverteilung Equal Pay Day
Ger­da Mir­ko­vic, Mari­on Drey­er und Hei­ke Leit­ner ver­teil­ten Kek­se am Wunstor­fer Bahn­hof | Foto: Dani­el Schnei­der

Wunstorf (ds). Nach den Zah­len des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes ver­die­nen weib­li­che Berufs­tä­ti­ge 21 % weni­ger als männ­li­che. Rech­net man das auf das Jahr um, ver­die­nen Frau­en erst ab heu­te Geld, wäh­rend Män­ner schon ab dem 1. Janu­ar bezahlt wer­den. Um auf das­sel­be Jah­res­ge­halt wie Män­ner zu kom­men, müs­sen sie sogar knapp drei­ein­halb Mona­te mehr arbei­ten: der tat­säch­li­che und nicht nur der sym­bo­li­sche Equal Pay Day fie­le dann auf einem Tag Mit­te April. Iro­ni­scher­wei­se mar­kiert der heu­ti­ge Tag damit also in Wirk­lich­keit den „Une­qual Pay Day“.

Das Mot­to lau­tet: Glei­cher Lohn für glei­che Arbeit. Nur 100 % sind gerecht!“

Doch das sind Rechen­spie­le­rei­en, die am grund­sätz­li­chen The­ma vor­bei­ge­hen: Frau­en ver­die­nen im Ver­hält­nis weni­ger als Män­ner – und selbst wenn man Fak­to­ren, die sich nicht direkt ver­glei­chen las­sen, her­aus­rech­net, blei­ben immer noch 6–7 Pro­zent Unter­schied bei der Bezah­lung von Män­nern und Frau­en: ein Chef­arzt ver­dient sta­tis­tisch mehr als eine Chef­ärz­tin – bei glei­cher Arbeits­zeit, glei­cher Leis­tung, glei­cher Erfah­rung und glei­cher Qua­li­fi­ka­ti­on. Fast alle ande­ren euro­päi­schen Län­der sind da deut­lich wei­ter bei der geschlech­ter­ge­rech­ten Bezah­lung.

Aktion von SPD-Frauen

Als vor eini­gen Jah­ren als Reak­ti­on auf die­se Unge­rech­tig­keit der „Equal Pay Day“ auch in Deutsch­land began­gen wur­de, hat­te die SPD gleich mit­ge­macht – und auf dem Wunstor­fer Markt­platz Info-Ein­kaufs­ta­schen ver­teilt. In den Fol­ge­jah­ren pas­sier­te nichts, doch nun woll­te man wie­der ein­mal den Fokus auf das The­ma len­ken, es fehl­te nur die Idee zur Umset­zung. Bei Kaf­fee und Kek­sen hat­ten eini­ge der SPD-Frau­en dann den Ein­fall, den „Gen­der Pay Gap“ doch tat­säch­lich ein­fach mal anhand von Kek­sen zu sym­bo­li­sie­ren. Gesagt – getan, und so trotz­ten Ger­da Mir­ko­vic, Mari­on Drey­er und Hei­ke Leit­ner heu­te dem schmud­de­li­gen Wet­ter und brach­ten am Bahn­hof ab 15 Uhr die Infos unter die Leu­te. An den Fly­ern waren in Tee­fil­tern Kek­se befes­tigt – Frau­en beka­men einen gan­zen Keks, Män­ner als Aus­gleich für die sonst bes­se­re Bezah­lung einen um eine Ecke klei­ne­ren.

Abgebissener Keks
Ein „Män­ner­keks“ zum Equal Pay Day | Foto: Dani­el Schnei­der

Bloß nichts ändern!“

Die meis­ten Pas­san­tin­nen und Pas­san­ten woll­ten vom Equal Pay Day jedoch nichts wis­sen – oder sich kei­ne Kek­se schen­ken las­sen. 200 Exem­pla­re waren ein­ge­tü­tet wor­den, nur ein knap­pes Drit­tel davon konn­te inner­halb einer Stun­de ver­teilt wer­den. Vie­le wehr­ten von vorn­her­ein ab, lie­ßen sich erst recht nicht auf ein Gespräch ein. Wenn es aber zu einem klei­nen Gespräch kam, dann wur­de sehr aus­führ­lich dis­ku­tiert. Aller­dings nicht immer so, wie man ver­mu­ten wür­de. Eine älte­re Dame sag­te etwa, dass sie schließ­lich auch jah­re­lang für weni­ger Lohn gear­bei­tet hät­te – und dass die heu­ti­gen arbei­ten­den Frau­en das des­halb ruhig auch tun könn­ten.

INFO: Equal Pay Day
Der Equal Pay Day mar­kiert sym­bo­lisch den Tag, bis zu dem Frau­en umsonst arbei­ten. Er wird jähr­lich – je nach aktu­el­lem Fak­tor der unglei­chen Bezah­lung von Män­nern und Frau­en – an einem Tag im März began­gen und will für das Miss­ver­hält­nis sen­si­bi­li­sie­ren. Die Zah­len des Sta­tis­ti­schen Bun­des­amts zei­gen, dass die Lohn­lü­cke in Deutsch­land gemes­sen am Durch­schnitts­brut­to­stun­den­lohn im Vor­jahr 21 Pro­zent betrug – trotz Arti­kel 3 des Grund­ge­set­zes. Frau­en muss­ten also län­ger für das glei­che Gehalt arbei­ten, um auf das Gehalt der Män­ner zu kom­men: fast drei­ein­halb Mona­te mehr.

Die­je­ni­gen, die einen Keks annah­men, reagier­ten jedoch über­wie­gend zustim­mend auf die Akti­on. Und für die Kin­der einer Fami­lie – Mäd­chen und Jun­ge – wur­de natür­lich eine Aus­nah­me gemacht: Bei­de Kin­der erhiel­ten einen voll­stän­di­gen Keks. Doch auch hier tob­te bereits der Kampf der Geschlech­ter: Es kam fast zu Trä­nen, weil bei­de Kin­der ihren Keks zuerst aus­pa­cken woll­ten.

- Anzeige -
Werben auf auepost.de
6 Kommentare
  1. Lars Thielemann sagt

    Schö­ne Action Ger­da Mir­ko­vic. Toll gemacht.

  2. Friedlies Reschke PR sagt

    tol­le Akti­on! Seit 100 Jah­ren haben wir das Wahl­recht, seit (ich glau­be) 1974 dür­fen wir ohne einen Ehe­mann einen Arbeits­ver­trag unter­schrei­ben. Jetzt wird es mal Zeit für den nächs­ten Schritt!

  3. Basti g. sagt

    Echt toll Ger­da mir­co­vik so wel­che Aktio­nen müss­te es öfters geben

  4. Andrea Koch sagt
  5. Torben Klant sagt
  6. Grit Decker sagt

    Sol­che sicher­lich gut gemein­ten Aktio­nen mögen auf die bestehen­den Pro­ble­ma­ti­ken zwar hin­wei­sen, den drin­gend not­wen­di­gen Umden­kungs­pro­zess bei allen (!) ‑nicht nur bei Poli­ti­kern- und infol­ge derer die ech­te wirk­li­che Gleich­stel­lung von Frau­en auch im Erwerbs­le­ben bestimmt nicht! Dafür braucht es erheb­lich mehr.
    Lei­der.

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.