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Wiebke Osigus auf Sommertour beim Wunstorfer Bauverein

Der Wunstorfer Bauverein und das Barneviertel gehören zusammen – und so lud der Bauverein die Landtagsabgeordneten um Wiebke Osigus anlässlich deren Sommertour an die Ecke Barneplatz ein, um ins Gespräch über genossenschaftliche Tätigkeit und Quartiermanagement zu kommen.

Bauverein
Michael Nahrstedt (2. v. l.) informiert über das jüngste Bauprojekt | Foto: Daniel Schneider

Wunstorf (ds). Landtagsabgeordnete Wiebke Osigus ist mit ihren SPD-Kollegen auf Sommertour – und das führte sie am Mittwoch in ihren Wahlkreis nach Wunstorf. Beim Wunstorfer Bauverein informierte man sich über die Wohnungsbaugenossenschaft und kam mit dem Vorstand ins Gespräch – über genossenschaftliches Mieten, Zukunftsprojekte und das Barneviertel.

Einen schöneren Tag hätte man sich kaum aussuchen können, um einen genaueren Blick auf Barne und Bauverein zu werfen: Bei strahlendem Sommerwetter, gleißendem Sonnenlicht und fast schon Urlaubsatmosphäre. Zum Treffen in den Gemeinschaftsräumen des Bauvereins an der Barnestraße erschienen von eigentlich 11 Abgeordneten jedoch nur drei: Wiebke Osigus, Thordies Hanisch und Claudia Schüßler. Außerdem konnten Michael Nahrstedt und Kathrin Tietz vom Vorstand des Wunstorfer Bauvereins Ortsbürgermeister Silbermann und die Regionsabgeordnete Frauke Meyer-Grosu begrüßen. Trotz nicht allzu legerer Kleidung – nur der Reporter der Auepost war mit kurzen Hosen underdressed – kam niemand ins Schwitzen, was vor allem am ungezwungenen Auftreten von Michael Nahrstedt gelegen haben dürfte, der freiheraus erzählte und seinen Gästen in lockerer Runde einiges an Fakten und Einblicken zu Barne und Bauverein bot.

Der Bauverein

Der Bauverein ist eine feste Größe in Wunstorf: 1.400 Wohnungen hat man im Bestand. 2.600 Mitglieder gehören der Genossenschaft an. Dazu kommen noch Geschäftsbereiche wie Gartenpflege und Winterdienst. 50 Angestellte arbeiten beim Bauverein, viele davon in Teilzeitmodellen. Auch ausgebildet wird beim Bauverein: fünf Auszubildende erlernen hier gerade den Beruf des Immobilienkaufmanns.

Den angespannten Wohnungsmarkt merkt man auch beim Bauverein. Die Leerstandsquote betrage derzeit etwa 0,5 Prozent, alle Wohnungen seien praktisch vollständig vermietet. Der geringe Leerstand resultiere lediglich aus Modernisierungsmaßnahmen oder Renovierungen. Frei werdende Wohnungen könnten sofort neu vergeben werden, aber vor allem für Neubauwohnungen existieren Wartelisten. Seit den letzten drei Jahren merke man auch einen zunehmenden Druck aus Richtung Hannover in Sachen Wohnungssuche. Interessenten kommen aus allen Schichten und Altersgruppen.

Modell
Planungen für ein neues Areal in der Neustädter Straße | Foto: Daniel Schneider

Letztes Jahr sei man aber von einer stärkeren Fluktuation überrascht worden. Normalerweise betrage diese 8 Prozent, 2018 seien es aber 12 Prozent gewesen. Bei den Mieten liege man mit 5,31 Euro pro Quadratmeter deutlich unter den üblichen Vergleichsmieten. Mieterhöhungen erfolgten etwa alle drei Jahre, um gestiegene Handwerker- und Instandhaltungskosten aufzufangen.

Den Service für die Genossenschaftsmitglieder sieht man beim Bauverein ganz vorne: Es müsse schon etwas mehr sein, wenn man beim Bauverein wohnt, als in einer anderen Mietwohnung, skizzierte es Nahrstedt. Als nicht gewinnorientiert arbeitende Genossenschaft kann der Bauverein auch einmal Projekte umsetzen, die man bei anderen Vermietern nicht findet. So experimentiert der Bauverein gerade stellenweise mit Blühwiesen, um z. B. Bienen ebenfalls eine Heimat zu bieten.

Die Barne

Doch Wohnen in der Barne war nicht immer so begehrt wie derzeit. Noch vor 20 Jahren galt der Wunstorfer Stadtteil als Problemviertel, nachdem Ende der 80er Jahre eine Abwärtsspirale eingesetzt hatte. Florierender Drogenhandel, weitere kriminelle Auswüchse und eine Trinkerszene am Barneplatz beschädigten den Ruf der Barne nachhaltig. “Uaah, die Barne”, wäre zu diesen Zeiten eine typisch abwertende Reaktion auf ein Mietangebot gewesen, berichtete Nahrstedt. Der schlechte Ruf wurde auch für den Bauverein zum Problem, denn das Viertel drohte zu kippen: Neue Mieter waren für die Bauverein-Wohnungen in der Barne kaum noch zu gewinnen, und vor allem die Straße, die den Namen des Viertels trägt, wollte niemand mehr als Adresse haben.

Barnstraße
In der Barnestraße befinden sich viele Mehrfamilienhäuser des Wunstorfer Bauvereins | Foto: Daniel Schneider

Dass dem heute längst nicht mehr so ist, ist zu einem nicht kleinen Teil auch das Verdienst des Bauvereins. Hand in Hand arbeitete man damals mit der “Taskforce” zur Wiederherstellung eines sicheren Lebensumfelds im Süden Wunstorfs zusammen. Gezielt ging man letztendlich auch mit mietrechtlichen Mitteln gegen unerwünschtes Verhalten in der Nachbarschaft vor. Mit niedrigeren Mieten habe man anschließend entstehendem Leerstand entgegengewirkt, außerdem kaufte man ein “Problemhaus” auf, an dessen Stelle ein Neubau gesetzt wurde.

Mit Erfolg: Die Mieterstruktur im Viertel änderte sich, Problempunkte verschwanden. Schon seit langem ist die Barne wieder ein ganz normales Viertel, das zu den begehrteren Wohnlagen im Stadtgebiet zählt. Das konnte Claudia Schüßler nur bestätigen: der Eindruck sei heute ein ganz anderer, wenn man ins Viertel fahre, sagte die Landtagsabgeordnete für Barsinghausen, Gehrden und Seelze.

Lieber mit örtlichen Handwerkern

Der Vorstand des Bauvereins machte abschließend noch auf zwei Probleme aufmerksam: Politische Einflussnahme auf den Wohnungsmarkt, wie sie derzeit etwa in der Berliner Landespolitik stattfinde, treffe nicht nur die großen Vermietergesellschaften, sondern auch die kleinen Genossenschaften. Als Thordies Hanisch sich nach der Inanspruchnahme von Fördermöglichkeiten für Bauprojekte erkundigte, erklärte Nahrstedt, dass man dies nicht tue, da diese stets eine öffentliche Ausschreibung verlangten. Beim Bauverein will man jedoch mit regionalen und kleinen Handwerksbetrieben zusammenarbeiten – z. B. wegen guter Erreichbarkeit vor Ort, zuverlässiger Auftragsausführung und dadurch letztlich auch geringeren Kosten.

Auch berichtet wurde natürlich von neuen Projekten, wie etwa dem Quartier, das demnächst in der Nordstadt neu entstehen soll. Neben Mehrparteienhäusern werden dort auch mehrere Micro-Doppelhäuser, Doppelhaushälften mit maximal 88 Quadratmeter Wohnfläche, gebaut. Auch die Bauvereinverwaltung soll bald dorthin ziehen.

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