Poli­zei lässt Warn­schil­der für Par­ken­de auf­stel­len

Die Wunstor­fer Poli­zei hat durch die Stadt Hin­weis­schil­der in der Lan­gen Stra­ße anbrin­gen las­sen, die vor Sach­be­schä­di­gun­gen an gepark­ten Autos war­nen und zum vor­sich­ti­gen Par­ken auf­for­dern. Frag­lich ist, ob das die Unfall­zah­len wird ein­däm­men kön­nen.

Seit eini­gen Tagen ste­hen Hin­weis­ta­feln wie die­se zwi­schen den Park­buch­ten in der Lan­gen Stra­ße | Foto: Dani­el Schnei­der

Wunstorf (ds). Seit ver­gan­ge­ner Woche ist die Aue­stadt um eine Kurio­si­tät rei­cher: Auf­fäl­li­ge blaue Ban­de­ro­len an Stra­ßen­la­ter­nen in der Lan­gen Stra­ße wei­sen Auto­fah­rer dar­auf hin, dort mög­lichst defen­siv zu par­ken. Der Grund für die Maß­nah­men sind die hohen Zah­len von Sach­be­schä­di­gun­gen und vie­len Fah­rer­fluch­ten in der Lan­gen Stra­ße. Denn die Lan­ge Stra­ße zählt an die­ser Stel­le zu den heim­li­chen Unfall­schwer­punk­ten in Wunstorf. Immer wie­der wer­den hier die Außen­spie­gel der par­ken­den Autos beim Vor­bei­fah­ren abra­siert – und oft bege­hen die Täter danach Fah­rer­flucht.

Nicht nur für die Besit­zer der beschä­dig­ten Autos bedeu­tet das Ärger, son­dern auch für die Poli­zei stän­dig neue Ermitt­lungs­ver­fah­ren, die auf­ge­nom­men wer­den müs­sen. Umge­rech­net min­des­tens ein­mal pro Woche ver­liert ein in der Lan­gen Stra­ße gepark­tes Auto den lin­ken Außen­spie­gel. Die Dun­kel­zif­fer dürf­te noch höher sein, da nicht alle Vor­fäl­le der Poli­zei gemel­det wer­den.

Info: Fah­rer­flucht
Wer sich nach einem Unfall dazu ent­schei­det, nicht eine ange­mes­se­ne Zeit zu war­ten und ggf. auch danach nichts sofort unter­nimmt, um sei­ne Per­so­na­li­en fest­stel­len zu las­sen, begeht Fah­rer­flucht (juris­tisch: uner­laub­tes Ent­fer­nen vom Unfall­ort) – eine Straf­tat, die von Poli­zei und Jus­tiz ent­spre­chend ver­folgt wer­den muss. Wer sich inner­halb von 24 Stun­den zu einem spä­te­ren Zeit­punkt z. B. beim Unfall­geg­ner oder der Poli­zei mel­det, besei­tigt nicht die Unfall­flucht, kann aber auf eine deut­lich gerin­ge­re Stra­fe oder sogar Straf­lo­sig­keit hof­fen. Bei Unfäl­len im flie­ßen­den Ver­kehr (wie dem Spie­gel­ab­fah­ren auf der Stra­ße) gilt dies aber nicht. Das rich­ti­ge Ver­hal­ten nach einem sol­chen Unfall ist hier, an der Unfall­stel­le auf den Geschä­dig­ten zu war­ten oder gleich die Poli­zei zu infor­mie­ren, dass ein ande­res Fahr­zeug beschä­digt wur­de.

Um dem Pro­blem Herr zu wer­den, wur­den nun die­se auf­fäl­li­gen Prä­ven­ti­ons­maß­nah­men ergrif­fen. An eini­gen Stra­ßen­la­ter­nen in der Lan­gen Stra­ße wur­den fest instal­lier­te Hin­weis­ban­de­ro­len ange­bracht. Mit wei­ßer Schrift auf blau­em Grund, sodass die Ver­wandt­schaft sowohl zu Park­platz- als auch Poli­zei­schil­dern gleich auf­fällt, ist dort zuguns­ten der opti­ma­len Les­bar­keit von der Stra­ßen­sei­te in dop­pel­ter Aus­füh­rung fol­gen­de Nach­richt um die Later­nen geschlun­gen:

Spie­gel sichern – in die­ser Stra­ße ist es ver­mehrt zu Ver­kehrs­un­fäl­len mit Unfall­flucht gekom­men. Gepark­ten Fahr­zeu­gen wur­de der Sei­ten­spie­gel oder die lin­ke Fahr­zeug­sei­te beschä­digt. Tipps Ihrer Poli­zei: Par­ken Sie inner­halb der Park­bucht soweit (sic!) rechts wie mög­lich. Klap­pen Sie die Sei­ten­spie­gel ein! Als Zeu­ge einer Unfall­flucht infor­mie­ren Sie sofort die Poli­zei!“

Über dem Text befin­det sich ein Sei­ten­spie­gel­pik­to­gramm mit Pfeil, der das Ein­klap­pen sym­bo­li­sie­ren soll. Denn obwohl im befahr­ba­ren Teil der Lan­gen Stra­ße Tem­po 30 ange­ord­net ist, Fahr­bahn­mar­kie­run­gen feh­len, die Fahr­bahn rela­tiv schmal ist und das Umfeld wegen der extra für par­ken­de Autos gekenn­zeich­ne­ten Flä­chen fast schon wie ein ver­kehrs­be­ru­hig­ter Bereich wirkt, schep­pert es hier immer wie­der.

Emp­feh­lun­gen der Poli­zei an den Stra­ßen­la­ter­nen | Foto: Dani­el Schnei­der

Wei­ter­hin viel Ver­kehr

Das mag an dem rela­tiv hohen Ver­kehrs­auf­kom­men lie­gen, denn obwohl 30er-Zone, gibt es hier wei­ter­hin viel Durch­gangs­ver­kehr. Mit ihrem ursprüng­li­chen Erschei­nungs­bild hat die Lan­ge Stra­ße eigent­lich nicht mehr viel gemein­sam. Einst Bun­des­stra­ße auch mit viel Fern­ver­kehr, ist seit dem Umbau der Innen­stadt zur Fuß­gän­ger­zo­ne in den 80er Jah­ren nur noch ein Teil­stück für den Auto­ver­kehr befahr­bar. Doch auch die­ser Abschnitt sieht heu­te anders aus. Die Fahr­bahn wur­de schma­ler, der Geh­weg­be­reich brei­ter – und die hohen Bord­stei­ne ver­schwan­den. Geparkt wer­den kann nur noch in durch grau­es Pflas­ter mar­kier­ten Park­buch­ten, die längs zur Fahr­bahn ver­lau­fen. Sein heu­ti­ges Erschei­nungs­bild hat der west­li­che Teil der Lan­gen Stra­ße seit 2011.

Die Autos wer­den brei­ter

Trotz­dem ist auch die­ses Teil­stück eine wich­ti­ge Ver­bin­dung geblie­ben, denn sonst wäre die Bar­n­e­st­ra­ße eine Sack­gas­se und die Bar­ne mit Sport­zen­trum, die Süd­stadt mit Feu­er­wehr, Poli­zei oder Park­platz Am Alten Markt aus Rich­tung Wes­ten nur über Umwe­ge erreich­bar. Auf Stadt­plä­nen und Kar­ten ist das ent­spre­chen­de Teil­stück der Lan­gen Stra­ße als Haupt­ver­kehrs­stra­ße aus­ge­wie­sen – ein Bild, das zwar dem Ver­kehrs­auf­kom­men ent­spricht, mit dem Bild in der Rea­li­tät aber kaum noch über­ein­stimmt.

Die Park­buch­ten an der Lan­gen Stra­ße sind nicht beson­ders breit und gren­zen direkt an die Fahr­bahn | Foto: Dani­el Schnei­der

Für eine der­art schma­le Stra­ße herrscht jeden­falls rela­tiv viel Ver­kehr, der sich ent­spre­chend oft sehr nahe kommt und ein­an­der aus­wei­chen muss. Für die Aus­weich­ma­nö­ver wird dann oft der Rand­stein benutzt, neben wel­chem jedoch direkt ohne gro­ßen Sicher­heits­ab­stand die par­ken­den Fahr­zeu­ge ste­hen. Die Höchst­ge­schwin­dig­keit von 30 km/h kann kaum gefah­ren wer­den. Pro­blem­för­dernd ist dabei auch, dass die Autos in den letz­ten Jah­ren immer brei­ter wur­den. Für zwei sich begeg­nen­de SUVs ist die Lan­ge Stra­ße schon brenz­lig. Kommt gar noch ein LKW dazu, bleibt oft kein Spiel­raum mehr. Ver­schär­fend kommt hin­zu, dass die Fahr­bahn im ers­ten Drit­tel einen leich­ten Knick macht und danach noch­mals schma­ler wird, was die Ver­kehrs­si­tua­ti­on noch unüber­sicht­li­cher und schlecht ein­schätz­bar macht.

Schmal sind auch die Park­plät­ze

Mit den Hin­weis­schil­dern samt Emp­feh­lun­gen ver­sucht die Poli­zei nun gleich zwei Pro­ble­me auf ein­mal zu lösen: Das Abfah­ren der Außen­spie­gel ein­zu­däm­men und die Anzei­gen­be­reit­schaft von Zeu­gen zu stei­gern. Die Auf­klä­rungs­quo­te bei Fah­rer­fluch­ten in Wunstorf liegt bei etwa 50 %. Doch die Tipps füh­ren teil­wei­se ins Lee­re: Die Park­flä­chen in der Lan­gen Stra­ße sind eben­falls nicht son­der­lich breit, sodass gro­ße Wagen gar nicht wei­ter rechts par­ken kön­nen, ohne mit den Rädern uner­laub­ter­wei­se auf den Geh­weg zu gera­ten. Par­ken brei­te Wagen hin­ge­gen vor­schrifts­mä­ßig, ragen womög­lich selbst ein­ge­klapp­te Außen­spie­gel noch in den Stra­ßen­raum hin­ein bzw. bie­ten Angriffs­flä­che für gegen­sei­ti­ge Spie­gel­be­rüh­rung.

Wo der alte Golf noch viel Spiel­raum hat, bleibt für den moder­nen Sko­da nicht mehr all­zu viel übrig | Foto: Dani­el Schnei­der

Momen­tan schei­nen die Hin­wei­se jedoch noch gar nicht beach­tet zu wer­den – oder nicht den Nerv der auf Bequem­lich­keit bedach­ten Auto­fah­rer zu tref­fen. Fast alle Autos par­ken der­zeit wei­ter­hin mit nicht-ein­ge­klapp­ten Spie­geln in der Lan­gen Stra­ße.

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