Aus für Steinhuder Gymnasium-Außenstelle

Die neue Hölty-Außenstelle am Luther Weg kommt

Das Aus für die alte Hölty-Gymnasium-Außenstelle ist besiegelt: Die Steinhuder Gymnasiasten kommen in die Kernstadt. Der Stadtrat einigte sich zwar auf ein Jahr Aufschub, doch ob dieser wirklich genehmigt wird, ist fraglich.

Abstimmung im Stadtrat | Foto: Daniel Schneider

Wunstorf (ds). Auf der Stadtratsitzung am Mittwochabend ging es hoch her. Der Tagesordungspunkt zur Schließung der Hölty-Gymnasium-Außenstelle in Steinhude und die Einrichtung einer neuen Außenstelle am Luther Weg beschäftigte den Stadtrat fast zwei Stunden lang – wenn man die Einwohnerfragestunde mit dazurechnet. Denn von den Besucherplätzen kamen zahlreiche Wortmeldungen zur anstehenden Abstimmung. Die Meinung der Zuhörerschaft war dabei ebenso gespalten wie die der Ratsmitglieder. Der Riss ging sogar durch die Mehrheitsgruppe.

Pro Kernstadt

Die CDU-Fraktion war für den ursprünglichen Antrag, über den die Ortsräte bereits abgestimmt hatten (Wunstorf dafür, Steinhude dagegen): die Nichtverlängerung der Außenstelle in Steinhude und den Umzug aller Schüler in die Kernstadt nach Schaffung einer neuen Außenstelle am Luther Weg. Man wollte damit Politikverdrossenheit vermeiden und den Mehrheitswillen respektieren, denn die Schulgremien selbst hatten sich zuvor für die Kernstadt-Lösung ausgesprochen.

„Wir müssen Gesamt-Wunstorf im Auge behalten“Heinz-Gerhard Kück

Es geht der CDU dabei vor allem um eine Stärkung des Gymnasiums für ganz Wunstorf. Ratsherr Nicolai Balzer (CDU) stellte den Umzug trotz persönlicher Bedenken als alternativlos dar, man habe gar keine andere Wahl, als für den Umzug und die Konzentration an einem Ort zu sein.

Pro Steinhude

Völlig entgegengesetzt dazu die Haltung der FDP: Ratsherr Thorben Rump, der sich zur Belustigung des ganzen Saals wieder einmal den Versprecher „Trump“ anhören durfte, stellte den Änderungsantrag vor, der vorsah, die Außenstelle in Steinhude zu erhalten und nicht eine Außenstelle zu schließen, nur um dafür eine andere neu zu errichten. Die AfD, die Grünen und Rüdiger Hergt (Die Linke) schlossen sich dieser Auffassung an. Anne Dalig machte für die Grünen jedoch klar, dass man sich den Plänen der SPD ebenfalls anschließen könne, wenn der Antrag pro Steinhude in der Abstimmung keine Mehrheit erhalten würde.

Thorben Rump wirbt für den Erhalt der Steinhuder Außenstelle | Foto: Daniel Schneider

Der Kompromiss

Damit verlief der Graben direkt durch die Mehrheitsgruppe, denn die SPD hatte bislang die sofortige Außenstelleneinrichtung am Luther Weg bei gleichzeitiger Schließung der Steinhuder Außenstelle favorisiert. Der mehrfach von Einwohnern geäußerten Vorhaltung, es ginge undemokratisch zu, hielt Kirsten Riedel (SPD) entgegen, dass die Entscheidungskompetenz beim Rat liege und man sich diese auch nicht nehmen lassen würde. Wegen des vehementen Widerstands aus Steinhude und dem Einspruch der eigenen Mehrheitsgruppenkollegen hatte die SPD nun jedoch einen neuen Entwurf vorgelegt, der einen Kompromiss ermöglichen sollte: die Schließung der Steinhuder Außenstelle erst zum Ende des Schuljahrs 2019/20 und nicht schon im kommenden Jahr. Erst 2020 soll die neue Außenstelle im Luther Weg dann für zunächst drei Jahre entstehen, bis genügend Räumlichkeiten an der Hauptstelle angebaut wurden. Das soll den Schülern und der Schule mehr Zeit für die Umstellung geben und den Steinhuder Gymnasiasten etwas entgegenkommen, die sich im Steinhuder Schulzentrum wohlfühlen. Außerdem würden damit die Realschüler, die noch bis 2020 am selben Standort unterrichtet werden, nicht alleingelassen.

Bürgermeister überrascht mit Zusatzantrag

Bürgermeister Eberhardt zweifelte die Repräsentativität der vorgelegten Stimmen an, nach welcher die Steinhuder Elternschaft zu 100 % für den Erhalt der Steinhuder Außenstelle gewesen sei. Außerdem skizzierte er noch einmal, welche Folgen drohen, wenn die Schulbehörde den Antrag der SPD auf Verlängerung um ein Jahr ablehnen würde und kein Plan B existiert.

„Das Chaos wäre vorprogrammiert (…) und wer ist dann wieder schuld? Der Bürgermeister!“Rolf-Axel Eberhardt

Daher ignorierte er den zuvor von Wilhelm Bredthauer (SPD) an ihn gerichteten Appell, auf eine Rückfallklausel zu verzichten, und stellte zusätzlich den Antrag zur Abstimmung, dass, falls die Schulbehörde einer Verlängerung in Steinhude nicht zustimmt, hilfsweise die Einrichtung am Luther Weg für 2019 beantragt werden kann.

Die Abstimmung

Der FDP-Vorschlag fand keine Mehrheit, nur 11 Ratsmitglieder stimmten für den Erhalt der Steinhuder Außenstelle, 23 dagegen (bei 3 Enthaltungen). Bei der folgenden Abstimmung zum Kompromissvorschlag der SPD votierten 20 Ratsmitglieder dafür, 12 dagegen. Der Ergänzungsvorschlag des Bürgermeisters wurde ebenfalls angenommen mit 20 zu 15 Stimmen.

Abstimmungsverhalten im Wunstorfer Stadtrat | Graphik: Auepost

Wieder zurück auf Start

Der Stadtrat hat sich somit für einen ein Jahr späteren Umzug der Steinhuder Gymnasiasten in die Hölty-Hauptstelle und die Einrichtung der Außenstelle am Luther Weg festgelegt. Ob der Plan aufgeht, ist jedoch ungewiss, denn das letzte Wort hat die Schulbehörde, die den nun beschlossenen Antrag stattgeben muss. In Anbetracht der Tatsache, dass von dieser Seite eine Verlängerung der Steinhuder Außenstelle sehr kritisch gesehen wurde, ist es nicht unwahrscheinlich, dass der Antrag abgelehnt wird. Die Außenstelle würde dann planmäßig zum kommenden Jahr auslaufen.

Durch die Ergänzungsklausel hat es die Schulbehörde nun einfach: Sie kann mit Hinweis auf ihren bisherigen eigenen Standpunkt den Kompromissvorschlag ablehnen und dem Wunsch des Rats nicht folgen. In diesem Fall bleibt alles beim Alten: Lehnt die Schulbehörde den Antrag auf Verschiebung der Auflösung bzw. die Verlängerung der Außenstelle Steinhude ab, käme die neue Außenstelle am Luther Weg dann schon zum kommenden Schuljahr.

- Anzeige -
Unterstütze die Auepost auf Steady

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.