Erhöh­te Asbest­wer­te an der Ful­gu­rit-Hal­de

Zum zwei­ten Mal seit Beginn der Sanie­rungs­ar­bei­ten auf der ehe­ma­li­gen Ful­gu­rit-Asbest­hal­de in Wunstorf-Luthe wur­de eine stark erhöh­te Asbest­fa­ser­kon­zen­tra­ti­on in der Umge­bungs­luft fest­ge­stellt. Nach Aus­sa­ge der Regi­on Han­no­ver ist es dies­mal aus­ge­schlos­sen, dass die fest­ge­stell­ten Asbest­fa­sern von der Hal­de stam­men.

Asbesthalde Luthe während der Umschichtungsarbeiten | Foto: Daniel Schneider
Asbest­hal­de Luthe wäh­rend der Umschich­tungs­ar­bei­ten | Foto: Dani­el Schnei­der

Einen Grenz­wert für Asbest­fa­ser­kon­zen­tra­tio­nen in der Außen­luft gibt es nicht, nur Grenz­wer­te für Innen­räu­me und Arbeits­plät­ze. Daher wur­de für die Arbei­ten an der Asbest­hal­de Luthe selbst eine Linie gezo­gen, die sich an den Grenz­wer­ten für Räu­me ori­en­tiert: Mehr als 500 Fasern pro Kubik­me­ter Luft soll­ten bei der Sanie­rung nicht frei­ge­setzt wer­den. Das ent­spricht etwa dem 5-fachen der nor­ma­len Asbest­be­las­tung in der Atem­luft – und ist die Hälf­te des Wer­tes, bei dem man bei Gebäu­den eine sofor­ti­ge Asbest­sa­nie­rung emp­fiehlt. Bei 500 Fasern han­delt es sich also um einen Wert, bei dem man selbst in einer Woh­nung oder einem Schul­ge­bäu­de noch kei­nen aku­ten Alarm schla­gen wür­de.

Grenz­wert deut­lich über­schrit­ten

Die­ses Ziel in Form des selbst­ge­steck­ten Grenz­wer­tes wur­de nun zum zwei­ten Mal ver­fehlt – und mit über 850 Fasern ein Wert erreicht, bei dem man in Innen­räu­men all­mäh­lich ein ungu­tes Gefühl bekä­me. Jedoch ist der­zeit unklar, woher die gemes­se­nen Asbest­fa­sern stam­men – und ob die Asbest­hal­de über­haupt die Ursa­che für den gemes­se­nen erhöh­ten Wert ist.

Auf­fäl­lig erhöh­te Asbest­kon­zen­tra­ti­on

Bei der Mes­sung in der ver­gan­ge­nen Woche, am 13. Okto­ber, wur­de der bis­lang zweit­höchs­te Wert gemes­sen. Die Mes­sung ergab eine Hoch­rech­nung auf 855 Fasern pro Kubik­me­ter Luft. Gemes­sen wur­de die­ser Wert am Mess­punkt H5 in unmit­tel­ba­rer Nähe zur Hal­de, im Ein­fahrt­be­reich zur Adolf-Oes­ter­held-Stra­ße. Einen noch höhe­ren Wert gab es allein Mit­te Juli wäh­rend der Umschich­tungs­ar­bei­ten, als 873 Asbest­fa­sern pro Luft­ku­bik­me­ter gemes­sen wur­den.

Asbestbelastung im Oktober 2016 an der Fulgurit-Halde, Messpunkt H5 (Fasern pro Kubikmeter Luft)
Asbest­be­las­tung im Okto­ber 2016 an der Ful­gu­rit-Hal­de, Mess­punkt H5 (Fasern pro Kubik­me­ter Luft)

Doch letz­te Woche wur­de – anders als im Juli – kein asbest­hal­ti­ges Mate­ri­al bewegt. Den­noch waren 27 Asbest­fa­sern im Fil­ter vor­han­den, was, hoch­ge­rech­net auf den Kubik­me­ter Luft, 855 anzu­neh­men­de Fasern ergibt. Bei ungüns­tigs­ten Bedin­gun­gen könn­ten es sogar 1244 Fasern gewe­sen sein.

Regi­on ist rat­los

Was den nun erhöh­ten Asbest­wert ver­ur­sacht hat, bleibt unter­des­sen rät­sel­haft. Klaus Abel­mann, Pres­se­spre­cher der Regi­on Han­no­ver, erklär­te auf Nach­fra­ge der Wunstor­fer Auepost, dass die Regi­on der­zeit kei­ne Erklä­rung dafür hat, wie der erhöh­te Wert zustan­de kam. Nach der Ursa­che wird wei­ter­hin gesucht.

Die Asbest­hal­de selbst kön­ne jedoch nicht die Ursa­che sein: dass hier noch Fasern frei­ge­setzt wer­den, sei aus­ge­schlos­sen, da alle asbest­hal­ti­gen Bestand­tei­le bereits voll­stän­dig abge­deckt sind. Auch wenn Kunst­stoff­ab­dicht­bah­nen, Was­ser­ab­fluss-Mat­ten und die Begrü­nung noch nicht voll­stän­dig ver­legt sei­en, befän­de sich über dem Asbest längst die abde­cken­de Sand-/Erd­schicht.

Ver­mut­lich exter­ne Ursa­che

Merk­wür­dig an der erhöh­ten Mes­sung ist auch, dass bei erhöh­ten Asbest­wer­ten in der Ver­gan­gen­heit stets auch die Wer­te ande­rer Fasern (z. B. Gips­fa­sern) erhöht waren. Am 13. Okto­ber stieg aber nur die Asbest­fa­ser­kon­zen­tra­ti­on an.

Info: Gefähr­li­che Asbest­fa­sern
U. a. wegen sei­ner aus­ge­zeich­ne­ten Hit­ze­be­stän­dig­keit wur­de Asbest im letz­ten Jahr­hun­dert als Bestand­teil in vie­len Bau­ma­te­ria­li­en ver­wen­det. Obwohl die Gefähr­lich­keit des Stof­fes schon lan­ge bekannt ist (von Erkran­kun­gen wuss­te man schon um 1900, als krebs­er­re­gend gilt Asbest seit 1970), wur­de Asbest in Deutsch­land erst 1993 kom­plett ver­bo­ten, in der EU ist Ver­wen­dung und Her­stel­lung seit 2005 nicht mehr erlaubt. Die beson­de­re Gefähr­lich­keit ent­steht durch kleins­te Fasern, die sich auch aus ver­ar­bei­te­tem Asbest lösen und als Staub in die Luft gelan­gen. Wenn die­se Fasern eine bestimm­te Form und Grö­ße haben, set­zen sie sich in der Lun­ge fest und lösen schwe­re Lun­gen­er­kran­kun­gen und Tumo­re aus.

Die Regi­on Han­no­ver ver­mu­tet daher momen­tan, dass das Asbest von angren­zen­den Flä­chen stammt oder die Mes­sung durch Kon­ta­mi­nie­rung der Mess­tech­nik vor, wäh­rend oder nach dem Mess­zeit­raum, z. B. auf dem Weg ins Labor, ver­fälscht wur­de. Als Ursa­che käme allen­falls die Rei­ni­gung einer Bau­ma­schi­ne infra­ge, die am frag­li­chen Tag im Schwarz­be­reich abge­wa­schen wur­de. Hier­bei könn­ten Asbest­fa­sern durch Was­ser­tröpf­chen in die unmit­tel­ba­re Umge­bung trans­por­tiert wor­den sein.

Kei­ne beson­de­ren Maß­nah­men geplant

Wur­de in den ver­gan­ge­nen Mona­ten bei der­ar­ti­gen Auf­fäl­lig­kei­ten mit zusätz­li­chen Mes­sun­gen reagiert, ist dies nun nicht mehr der Fall – im Gegen­teil, die Mess­sta­tio­nen wer­den Ende Okto­ber abge­baut, da kein Asbest mehr bewegt wird und die gesam­te Hal­de zum Weiß­be­reich dekla­riert wur­de, in wel­chem kein Kon­takt mit asbest­hal­ti­gem Mate­ri­al mehr statt­fin­det. Auch eine Sper­rung der angren­zen­den Stra­ße als Sofort­maß­nah­me, so wie es Mit­te Juli bei den ver­gleich­bar hohen Wer­ten mit dem Weg an der Bahn­stre­cke der Fall war, fand daher nicht statt.

Auf­fäl­lig­kei­ten auch im Sep­tem­ber

Was den hohen Asbest­wert ver­ur­sacht hat, bleibt der­zeit also im Dun­keln. Der Blick auf die Wer­te der letz­ten Wochen zeig­te über­dies kei­ne gra­vie­ren­den Auf­fäl­lig­kei­ten, obwohl es auch im Sep­tem­ber ver­ein­zelt zu höhe­ren Mess­ergeb­nis­sen kam. Die­se erreich­ten jedoch alle­samt nicht den in der ver­gan­ge­nen Woche fest­ge­stell­ten Wert und blie­ben auch unter­halb des Grenz­wer­tes. Am 15 Sep­tem­ber wur­den unmit­tel­bar an der Hal­de (Mess­punkt H4) 273 Asbest­fa­sern pro Kubik­me­ter Luft fest­ge­stellt, am 27. Sep­tem­ber 382 Asbest­fa­sern (Mess­punkt H3).

Asbestbelastung im September 2016 bei der Fulgurit-Halde, Messpunkte H4 und H3/U2 (Fasern pro Kubikmeter Luft)
Asbest­be­las­tung im Sep­tem­ber 2016 bei der Ful­gu­rit-Hal­de, Mess­punk­te H4 und H3/U2 (Fasern pro Kubik­me­ter Luft)

Aller­dings wur­de Ende Sep­tem­ber erst­mals auch ein erhöh­ter Mess­wert im wei­te­ren Umkreis um die Hal­de errech­net. Am 27. 9. wur­den am Mess­punkt U2, der in der Rot­dorn­stra­ße in bewohn­tem Gebiet im Süden Luthes auf­ge­stellt ist, 260 Asbest­fa­sern gemes­sen (in der Gra­phik grün dar­ge­stellt). Die­ser Mess­punkt steht von der Hal­de aus gese­hen dort, wohin sta­tis­tisch betra­chet am häu­figs­ten der Wind weht (von Süd­wes­ten nach Nord­os­ten). Somit kam es an die­sem Tag sowohl unmit­tel­bar an der Asbest­hal­de als auch im Süden von Luthe zu Asbest­fa­ser­wer­ten, die über dem sonst übli­chen Niveau lagen.

Kon­se­quen­zen für die wei­te­re Sanie­rung

Für den wei­te­ren Ver­lauf der Arbei­ten haben die Mes­sun­gen – in Bezug auf die Hal­de selbst – kei­ne Bedeu­tung mehr. Bis Jah­res­en­de sol­len die Arbei­ten abge­schlos­sen sein, bis dahin müs­sen noch die rest­li­che abdich­ten­de Pla­ne ver­legt, Grün auf­ge­tra­gen und wei­te­re Ablauf­mat­ten instal­liert wer­den. Dies kann inzwi­schen ohne beson­de­re Schutz­klei­dung gesche­hen, denn der wesent­li­che Teil der Sanie­rung ist inzwi­schen fer­tig­ge­stellt. Soll­ten wider Erwar­ten jedoch noch­mals der­art erhöh­te Asbest­fa­ser­wer­te gemes­sen wer­den, müss­te jedoch ggf. zumin­dest noch ein­mal über den Arbeits­schutz für die auf der Hal­de Täti­gen nach­ge­dacht wer­den.


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1 Kommentar
  1. Karl Ranseier meint

    Ich kann über die Ver­lo­gen­heit und gespiel­te „Unwis­sen­heit” unse­rer (gra­de älte­ren) Lokal­po­li­ti­ker immer nur den Kopf schüt­teln! Zum Glück woh­ne ich nicht (mehr) in Luthe oder der direk­ten Umge­bung!
    Wenn ich mal an der Sanie­rungs­hal­de vor­bei­fah­re, das pas­siert öfters, wun­de­re ich mich immer wie­der um die Unbe­darft­heit der dort arbei­ten­den Men­schen und muß gleich­zei­tig an die ver­ant­wor­tungs­lo­sen und doch gleich­zei­tig ver­ant­wort­li­chen Ent­schei­dungs­trä­ger der Stadt Wunstorf und der Regi­on Han­no­ver den­ken, die in ihrer (wirk­li­chen oder vor­sätz­lich gespiel­ten?) Unwis­sen­heit die Bevöl­ke­rung eine über meh­re­re Mona­te andau­ern­de Gefahr (je nach WInd­rich­tung) aus­set­zen. ALLES, was dort an (oft­mals über Wochen) an grau­em Mate­ri­al offen zu sehen war, ist rei­ner Asbest­schlamm, der in den ver­gan­ge­nen tro­cke­nen Mona­ten durch die Bau­ma­schi­nen breit­ge­fah­ren, bzw. durch Bewe­gung auf­ge­wühlt und über den Wind teil­wei­se mas­siv ver­teilt wur­de. Noch schlim­mer: teil­wei­se wur­de die­se graue Mas­se auf­ge­la­den, woan­ders zwi­schen­ge­la­gert um dann wie­der ein­ge­baut zu wer­den. Die Arbei­ter bewe­gen sich ohne PAS in den Berei­chen evtl. ohne zu wis­sen, in wel­cher Expo­si­ti­on sie sich befin­den???
    Die Bevöl­ke­rung wird durch angeb­li­che Asbest­fa­sern­mes­sung der Umge­bungs­luft in Sicher­heit gewo­gen. Doch: Wer kon­trol­liert die­se Mes­sun­gen?
    Was mich dabei nur immer wie­der wun­dert: wo sind dabei unse­re ach so immer öko­lo­gisch ambi­tio­nier­ten Mit­bür­ger, war­um neh­men sie all die „Fak­ten” um die Hal­de so kri­tik­los hin??
    Gut, es han­delt sich dabei eher um jun­ge Men­schen, die um die Geschich­te der Ful­gu­rit nicht so viel wis­sen (oder nicht wis­sen wol­len??).…
    Was wäre, wenn sie denn wüss­ten, daß in den 60er, 70er, bis teil­wei­se in die 80er Jah­re hin­ein, die Bau­ern der Umge­bung an gewis­sen Sams­ta­gen mit ihren Tre­ckern und zwei Anhän­gern dahin­ter an den „Bruch­ta­gen” auf dem Gelän­de der Ful­gu­rit für schma­les Geld den Bruch der Albe­st­well­plat­ten­pro­duk­ti­on auf­ge­la­den bekom­men haben und ihn auf den Wegen der Feld­mark in der Umge­bung ver­teilt haben!!?? Asbest­ze­ment war (und ist) ein äußerst sta­bi­ler und fes­ter Werk­stoff, der breit­ge­fah­ren den Wegen eine (bis heu­te) nach­hal­ti­ge Fes­tig­keit ver­leiht! Bekannt ist es in der Bau­ern­schaft bis heu­te sicher­lich, nur war­um dringt das nicht an die Öffent­lich­keit?? Ist es die Angst vor der erfor­der­li­chen Sanie­rung zig Kilo­me­ter Feld­we­ge in unse­rer Umge­bung, die dann ähn­lich dilet­tan­tisch, aber extrem teu­er (wie bei der Hal­de) durch­ge­führt wer­den müss­te????
    Hat schon ein­mal einer der Ver­ant­wort­li­chen einen Spa­ten in die Hand genom­men und ihn 15cm in einen der Luther Feld­we­ge gerammt??? Bestimmt nicht. Und wenn, dann bekä­me er ihn dort auch gar nicht so tief hin­ein, denn: Asbest­ze­ment ist ein äußerst sta­bi­ler und fes­ter Werk­stoff.….….….….…

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