Hal­lo­ween in Wunstorf

Wäh­rend vor allem in Ame­ri­ka der Tag vor Aller­hei­li­gen zu den Höhe­punk­ten des Herbs­tes zählt, ver­brei­tet sich der Gru­sel im guten alten Deutsch­land eben­falls unauf­hör­lich. Auch wenn die Zahl der Kin­der, die am Abend vor Aller­hei­li­gen umher­zie­hen, ste­tig zuzu­neh­men scheint, ist der Spuk auch in Wunstorf noch nicht wirk­lich eta­bliert.

halloweenkuerbis

Von Jahr zu Jahr schei­nen es mehr Kin­der zu wer­den, die am frü­hen Abend des 31. Okto­bers kos­tü­miert – und in der Regel in Beglei­tung eines Erwach­se­nen – durch die Häu­ser­rei­hen zie­hen, um sich in einer Mischung aus höf­li­cher Erpres­sung und reni­ten­ter Bet­te­lei Süßes zu ergat­tern.

Nicht­re­li­giö­ses Brauch­tum

Das ist nicht jeder­manns Sache, und vie­le leh­nen Hal­lo­ween als US-Import auch prin­zi­pi­ell ab oder fürch­ten die Ver­drän­gung hei­mi­scher Bräu­che wie das Mar­tins­sin­gen in Nie­der­sach­sen, das am 11. Novem­ber eben­falls einen Anlass für Kin­der bie­tet, sich an den Haus­tü­ren nach Nasche­rei­en zu erkun­di­gen.

Die Linie zwi­schen Hal­lo­ween-Befür­wor­tern und -Geg­nern ver­läuft dabei auch zwi­schen den Kon­fes­sio­nen. Wäh­rend Mar­tins­sin­gen vor allem auch in pro­tes­tan­ti­schen Gegen­den ver­brei­tet ist und den christ­li­chen Hin­ter­grund betont, wird Hal­lo­ween nicht mehr mit reli­giö­sen Moti­ven ver­bun­den, obwohl es sei­ne Wur­zeln im katho­li­schen Irland hat, jedoch auch dort schon mit heid­ni­schen Ele­men­ten durch­setzt war.

Wer in Deutsch­land Hal­lo­ween begeht, fei­ert damit im Grun­de eine inter­es­san­te Mischung aus heid­ni­schen Bräu­chen, katho­li­schem Fei­er­tag, ame­ri­ka­ni­scher Folk­lo­re und athe­is­ti­schem Scha­ber­nack.

Spaß für die Jün­ge­ren

Die Wunstor­fer in ihren Häu­sern und Woh­nun­gen, die womög­lich von den Mel­dun­gen über Ein­brü­che und gefähr­li­che Clowns sen­si­bi­li­siert sind, machen auch des­we­gen schon die Türen erst gar nicht auf und stel­len sich – iro­ni­scher­wei­se dem Anlass ange­mes­sen – tot.

Wenn jedoch geöff­net wird, dann machen in der Regel auch alle mit, beug­ten sich der Macht des Fak­ti­schen und tei­len brav ihre Süßig­kei­ten­vor­rä­te. Auch die Kin­der selbst sind nicht dumm und klin­geln nicht immer wahl­los, son­dern ger­ne auch gezielt bei den Fami­li­en ihrer Klas­sen­ka­me­ra­den, wo sie sich höhe­re Chan­cen auf öff­nen­de Türen aus­rech­nen. Gera­de dann, wenn die Klas­sen­ka­me­ra­den selbst Hal­lo­ween begin­gen – was jedoch dann lei­der nicht funk­tio­niert, wenn die Freun­de gera­de auch mit ihren Eltern unter­wegs sind. Die ganz Cle­ve­ren hän­gen sich ein­fach an eine ande­re Grup­pe von Gleich­alt­ri­gen dran, die bereits die Lage erfolg­reich gecheckt haben – und sah­nen die Süßig­kei­ten gleich mit ab.

Auch auf der Stra­ße blei­ben man­che Erwach­se­ne gespielt ehr­furchts­voll-erschro­cken ste­hen und gru­seln sich ange­mes­sen vor den klei­nen Mons­tern und Gespens­tern – oder freu­en sich grin­send über die teils krea­ti­ven Ver­klei­dun­gen der Kin­der. Die ganz Klei­nen, die an Mamas und Papas Hand unter­wegs waren, erle­ben dabei oft zum ers­ten Mal ein „ech­tes“ Gespenst – und drü­cken sich noch fes­ter an die Eltern.

Ohne Spruch kei­ne Süßig­kei­ten

Vom Klas­si­ker „Süßes, sonst gibt’s Sau­res“ über „Süßes raus, sonst spukt’s im Haus“ bis zu län­ge­ren Gedich­ten sind alle Spiel­ar­ten ver­tre­ten. Schon man­cher Acht­jäh­ri­ge treibt dabei den Kul­tur­im­pe­ria­lis­mus auf die Spit­ze, indem er stil­echt ins Eng­li­sche ver­fällt: „It’s Hal­lo­ween ton­ight!“

It’s Hal­lo­ween ton­ight!

Vor allem die älte­ren Kin­der sehen Hal­lo­ween auch als Sport: Wer schafft es in kür­zes­ter Zeit, so vie­le Häu­ser wie mög­lich abzu­klap­pern und am meis­ten Süßig­kei­ten in Beu­tel und Tüten zu hams­tern? 3er- bis 4er-Cli­quen waren die Norm, Ein­zel­tä­ter die Aus­nah­me. Den Alters­durch­schnitt bestim­men älte­re Grund­schü­ler, aber auch eini­ge jün­ge­re Kin­der sind gemein­sam mit ihren Eltern unter­wegs. Bei den Kos­tü­men domi­nie­ren Hexen- und Gespens­ter­ver­klei­dun­gen, sel­te­ner Gru­sel­mas­ken oder Vam­pi­re. Auch Schmin­ke wird ger­ne ver­wen­det.

Dabei ist der Spaß am Ver­klei­den kei­ne Fra­ge des Alters. Für älte­re Semes­ter ist Hal­lo­ween ein will­kom­me­ner Anlass, mal wie­der rich­tig Par­ty zu machen – eben­falls gern in krea­ti­ven Kos­tü­men, mit ordent­li­che Blut und Splat­ter. Hal­lo­ween­par­tys dür­fen inzwi­schen zum guten Ton auch in der Ver­eins­ar­beit gel­ten. Wenn dann auch noch Fei­er­tag ist, kommt es der Sache erst recht zupass.

Inter­es­sant am Ran­de: Auch bei den jun­gen Gespens­tern waren 2016 die viel­dis­ku­tier­ten „Horror­clowns“ wäh­rend Hal­lo­ween ein Gesprächs­the­ma. Bli­cken ließ sich jedoch kei­ner von ihnen.

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Andreas Balleier Fotografie

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