Offe­ne (Zellen-)Türen bei der Wunstor­fer Poli­zei

Die Poli­zei hat­te zum Tag der offe­nen Tür ein­ge­la­den – und ganz Wunstorf schien tat­säch­lich gekom­men zu sein. Obwohl das Wet­ter nicht per­fekt mit­spiel­te, wur­den die Beam­ten von den vie­len Besu­chern gera­de­zu über­rannt. Kei­ner woll­te sich die Vor­füh­run­gen, Aktio­nen und Infor­ma­tio­nen auf dem Jahn­platz und auf dem Gelän­de des Kom­mis­sa­ri­ats ent­ge­hen las­sen.

Schriftzug und Dienstschild am Gebäude des Wunstorfer Kommissariats | Foto: Daniel Schneider
Schrift­zug und Dienst­schild am Gebäu­de des Wunstor­fer Kom­mis­sa­ri­ats | Foto: Dani­el Schnei­der

Auf dem Park­platz vor der Dienst­stel­le und auf dem gegen­über­lie­gen­den Jahn­platz war ordent­lich was los. Fotos der Kin­der auf dem Poli­zei­mo­tor­rad, Infos zur Ver­bre­chens­be­kämp­fung und -ver­hü­tung, Pro­be­tra­gen von Poli­zei­uni­for­men, Reak­ti­ons­tests und die Ver­an­schau­li­chung von Unfall­fol­gen gehör­ten etwa zum Pro­gramm.

Viele Besucher auch auf dem Jahnplatz gegenüber | Foto: Daniel Schneider
Vie­le Besu­cher auch auf dem Jahn­platz gegen­über | Foto: Dani­el Schnei­der
Demonstration einer Festnahme | Foto: Daniel Schneider
Demons­tra­ti­on einer Fest­nah­me | Foto: Dani­el Schnei­der

Die Big Band der Poli­zei Nie­der­sach­sen spiel­te – und Hun­de- und Pfer­de­staf­fel zeig­ten ihr Kön­nen eben­so wie die übri­gen Beam­ten, die etwa Fest­nah­me- und Abwehr­tech­ni­ken demons­trier­ten. Eine Fahr­zeug­pa­ra­de war am Ran­de des Fuß­ball­plat­zes auf­ge­baut.

Funk­tio­na­ler Neu­bau

Als beson­de­rer Anzie­hungs­punkt ent­pupp­te sich jedoch tat­säch­lich das neue Dienst­ge­bäu­de, anläss­lich des­sen Fer­tig­stel­lung und Bezugs der Tag der offe­nen Tür auch ver­an­stal­tet wur­de. Das neue Gebäu­de ersetzt das zuvor abge­ris­se­ne, bau­fäl­li­ge Vor­gän­ger­ge­bäu­de und ergänzt die alte, denk­mal­ge­schütz­te Poli­zei­dienst­stel­le, neben der es in direk­ter Nach­bar­schaft als moder­ner Neu­bau, aber optisch sich ein­fü­gend in die bis­he­ri­ge Bebau­ung errich­tet wur­de.

Das neue Dienstgebäude der Wunstorfer Polizei | Foto: Daniel Schneider
Das neue Dienst­ge­bäu­de der Wunstor­fer Poli­zei | Foto: Dani­el Schnei­der
Gebrauchte Schränke und IT-Technik, aber dafür deutlich wärmere Farben im Standard-Dienstzimmer | Foto: Daniel Schneider
Gebrauch­te Schrän­ke und IT-Tech­nik, aber dafür deut­lich wär­me­re Far­ben im Stan­dard-Dienst­zim­mer | Foto: Dani­el Schnei­der

Die neu­errich­te­te Poli­zei­dienst­stel­le ist ein moder­nes, neu­es und funk­tio­na­les Gebäu­de, die Ein­rich­tung ist jedoch teil­wei­se gebraucht. Doch auch wenn alles nun schick und frisch aus­sieht, auf­po­liert und glän­zend – es bleibt ein funk­tio­na­ler Zweck­bau mit viel Behör­den­charme. Sehr viel Bewe­gungs­frei­heit haben die Beam­ten auch dort nicht, die Gewahr­sams­zel­len wir­ken fast geräu­mi­ger als die Dienst­zim­mer, wenn auch deut­lich weni­ger gemüt­lich.

Aus­ge­buch­te Füh­run­gen

Die inter­es­sier­ten Besu­cher wur­den in Klein­grup­pen durch das neue Gebäu­de geführt. Bereits am frü­hen Nach­mit­tag bil­de­ten sich lan­ge Schlan­gen, die bis zum Abend auch nur gering­fü­gig klei­ner wur­den. Wer einen genaue­ren Blick ins Inne­re des neu­en Kom­mis­sa­ri­ats wer­fen woll­te, muss­te mit­un­ter lan­ge War­te­zei­ten in Kauf neh­men. Bis zu einer Stun­de stand man­cher vor dem Haus an.

Die Besucher lauschen interessiert den Ausführungen der Beamten | Foto: Daniel Schneider
Die Besu­cher lau­schen inter­es­siert den Aus­füh­run­gen der Beam­ten | Foto: Dani­el Schnei­der
Fingerabdrücke werden genommen | Foto: Daniel Schneider
Fin­ger­ab­drü­cke wer­den genom­men | Foto: Dani­el Schnei­der

Wer es geschafft hat­te, wur­de von Poli­zis­ten, die gedul­dig alle Fra­gen beant­wor­te­ten, umfas­send unter­rich­tet. Die ver­be­am­te­ten Besu­cher­füh­rer plau­der­ten aus dem Näh­käst­chen, erklär­ten ihre Ein­satz­werk­zeu­ge und die Funk­tio­nen der Räum­lich­kei­ten. Neben den gewöhn­li­chen Dienst­räu­men, den typi­schen „Schreibräu­men“ zum Ver­fas­sen von Pro­to­kol­len und Berich­ten, ging die Tour auch in den Raum, in dem Ver­däch­ti­ge erken­nungs­dienst­lich behan­delt wer­den, wo das tech­ni­sche Equip­ment genau­er vor­ge­stellt wur­de. Auch die Besu­cher wur­den ver­schmitzt gefragt, ob sie mal frei­wil­lig ihre Fin­ger­ab­drü­cke abge­ben möch­ten – natür­lich nur zu Demons­tra­ti­ons­zwe­cken.

Tag der offe­nen Zel­len­tür

Die Mög­lich­keit, ein­mal als nicht direkt davon Betrof­fe­ner eine Gewahr­sams­zel­le von innen zu sehen, bot sich nur an die­sem Tag: Das neue Gebäu­de ver­fügt über einen Zel­len­trakt mit drei Gewahr­sams­zel­len, in der in Gewahr­sam genom­me­ne Per­so­nen oder vor­läu­fig fest­ge­nom­me­ne Ver­däch­ti­ge vor­über­ge­hend bis maxi­mal zum nächs­ten Tag fest­ge­hal­ten wer­den kön­nen.

Git­ter­stä­be gibt es hier kei­ne mehr, es herrscht eine kli­nisch-ste­ri­le Atmo­sphä­re in schmutz­ver­zei­hen­den Far­ben. Die Zel­len sind spar­ta­nisch aus­ge­stat­tet, gemau­er­te Prit­sche, Matrat­ze und Decken – mehr befin­det sich nicht dar­in. Die mas­si­ven Zel­len­tü­ren haben Sicht­fens­ter, die sich von außen zuschie­ben las­sen. Wer beson­ders böse guck­te, durf­te auch ein­mal pro­be­lie­gen und sich auf der Prit­sche foto­gra­fie­ren las­sen.

Wenig Privatsphäre für Verhaftete | Foto: Daniel Schneider
Wenig Pri­vat­sphä­re für Ver­haf­te­te | Foto: Dani­el Schnei­der
Gewahrsamszelle mit Pritsche, Matratze, Decke. | Foto: Daniel Schneider
Gewahr­sams­zel­le mit Prit­sche, Matrat­ze, Decke. | Foto: Dani­el Schnei­der

Bezah­len müs­sen die In-Gewahr­sam-Genom­me­nen ihren Auf­ent­halt in den Zel­len übri­gens selbst: die „Preis­lis­te“ hing jedoch nur anläss­lich des Tags der offe­nen Tür an der Wand. Bis zu 50 Euro kos­tet der unfrei­wil­li­ge Auf­ent­halt mit Ver­pfle­gung, wer gar den „Shut­tle­ser­vice“ des Strei­fen­wa­gens nutzt oder die Zel­le nicht in ange­mes­sem sau­be­rem Zustand hin­ter­lässt, knapp das Drei­fa­che.

Geschafft

Auch um poten­ti­el­len Nach­wuchs wur­de gewor­ben – Abitur oder Fach­hoch­schul­rei­fe muss man jedoch mit­brin­gen und drei Jah­re Stu­di­um an der Poli­zei­hoch­schu­le ein­pla­nen, bevor man sei­ne Kar­rie­re bei der Poli­zei star­ten kann.

Die Ver­an­stal­tung ende­te offi­zi­ell um 17 Uhr, doch die Beam­ten, die ohne­hin schon vie­le Über­stun­den vor sich her­schie­ben, blie­ben auch am Tag der offe­nen Tür län­ger „im Ein­satz“: bevor nicht der letz­te Füh­rungs­wil­li­ge durch die neue Wache beglei­tet war, wur­de die Tür nicht abge­schlos­sen. Gegen 18 Uhr dann waren auch die letz­ten Besu­cher „abge­führt“.

Gefühlt 500 Füh­run­gen“

Bis dahin hat­ten die Poli­zis­ten längst auf­ge­hört, die Besu­cher­run­den zu zäh­len, die sie mit ihren Gäs­ten im Gebäu­de gedreht hat­ten. „Gefühlt 500“, sag­te etwa einer der Beam­ten. Nach dem Tru­bel kann nun wie­der etwas Ruhe und der nor­ma­le Poli­zei­all­tag ein­keh­ren in den Gebäu­den in der Amts­stra­ße. Ganz so offen wer­den die Räu­me ab sofort nun wie­der nicht mehr ste­hen – die Wunstor­fer Beam­ten aber wei­ter­hin stets ein offe­nes Ohr für die Sor­gen und Fra­gen der Bür­ger haben.


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Andreas Balleier Fotografie

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