Europawahlkarten-Panne in Wunstorf

Postzusteller hatte „Blackout“

Die Panne mit den in Wunstorf fehlerhaften Kartenzustellungen zur Europawahl, von der mehrere Straßenzüge betroffen waren, ist auf einen banalen Grund zurückzuführen: Der Zusteller irrte sich weitreichend.

Briefkasten Citipost
Citipost-Briefkasten in Wunstorf (Symbolbild) | Foto: Mirko Baschetti

Wunstorf (red). Wieso schafft es ein Postdienstleister nicht, Wahlbenachrichtigungskarten in die richtigen Briefkästen zu stecken – und das gleich straßenweise? Das fragten sich seit gestern viele, die die Berichte über die fehlerhaft zugestellten gelben Kärtchen lasen.

Zusteller übersah Art der Sendung

Die Auepost fragte beim Dienstleister nach, was genau schiefgelaufen war. Nina Rasche, stellvertretende Vertriebsleiterin bei der Citipost GmbH, erklärte die Panne mit einem Irrtum eines Zustellers und sprach von „menschlichem Versagen“: Der Mitarbeiter habe demnach schlicht übersehen, dass es sich bei den gelben Wahlbenachrichtigungskarten um persönlich adressierte Sendungen handelte. Er hielt die Karten offenbar für Werbezettel oder sonstige „Postwurfsendungen“ an alle Haushalte. So wurde der „gelbe Stapel“ also einfach wahllos in die Briefkästen verteilt. Als der Fehler auffiel, war es zu spät – und die Karten schon eingeworfen. Wirklich erklären kann man sich das Malheur bei der Citipost nicht, denn die Mitarbeiter würden zweimal jährlich entsprechend geschult – und man arbeite in diesem Bereich seit langem gut mit der Stadt Wunstorf zusammen.

Wahlbenachrichtungskarte
Der Zusteller übersah, dass die Karten persönlich adressiert waren | Foto: Daniel Schneider

Zahl der Betroffenen weiter unklar

Der anhaltende Irrtum des Zustellers erklärt also, warum die Bewohner der betroffenen Straßenzüge zwar eine Karte im Briefkasten hatten, aber in der Regel die von den Nachbarn in der näheren Umgebung. Eine genaue Zahl der betroffenen Haushalte bzw. Personen konnte die Citipost nicht nennen, die Stadtverwaltung sprach gestern von bis zu 872 Betroffenen. Mit der Neuordnung von Wahllokalen hatte der Fehler also nichts zu tun – dies kommt als Auswirkung für die Betroffenen nun lediglich erschwerend hinzu, dass sie am Tag der Europawahl womöglich beim falschen Wahllokal auftauchen.

Damit genau das nicht passiert, schreibt die Stadt derzeit die möglicherweise Betroffenen erneut an – die erneute Zustellung dieser Benachrichtigungen übernimmt die Citipost auf eigene Kosten.

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8 Kommentare
  1. Jan Krage meint

    Vielleicht mal dei der deutschen Post fragen…

  2. Grit Decker meint

    Wir Menschen machen ALLE Fehler -und wer sich von diesem Fakt freisprechen will, der hat mit Sicherheit ein ziemlich ernstes Problem.

    Doch hier will ich nicht mit meiner Ansicht hinter’m Berg halten, dass der den Schlamassel verbockte Mitarbeiter mächtig „neben der Spur“ gewesen sein muss:
    Gut erkennbare Wahlbenachrichtigungskarten in knallgelber Farbe gehalten, mit Werbe-Wurfsendungen zu verwechseln, grenzt nach meinem persönlichen Dafürhalten schlicht an Dummheit, zumindest aber an Unfähigkeit.

    Ich weiß: durchaus harte Worte.
    Doch weil ich mich nicht im Stande sehen kann, die schönmalende Erklärung von #Nina Rasche nachzuvollziehen, will mir eine freundlichere Sichtweise zu dem -Entschuldigung- schnarchnasigen Zusteller nicht einfallen.

  3. Christian Albrecht meint

    Wenn man seine Austräger so bezahlt, wie die Citipost es tut, bekommt man entsprechend qualifiziertes Personal das dann der Bezahlung entsprechen motiviert arbeiten.
    Mich wundert das Ganze nicht wirklich. Was mich wundert ist eher, warum gerade Organe der öffentlichen Hand dieses Lohndumping durch Aufträge noch unterstützt. Das finde ich den eigentlichen Skandal

  4. Gisela Feuer meint

    Ich hatte die Benachrichtigung auch erst für Werbezettel gehalten und habe es erst später bemerkt, dass es die Wahlbenachrichtigung ist.

  5. Basti g. meint

    Die wahlbenachrichtigungen sehen doch immer gleich aus wie kann man die nicht erkennen ? Steht ja auch groß drauf was es ist glaube kaum das ein postbote Analphabet ist !

  6. Grit Decker meint

    Sie -werte Frau Feuer- haben es wenigstens bemerkt!
    Mit Sicherheit wäre dem Zusteller sein Irrtum VOR dem Verteilen auch aufgefallen:
    hätte er denn auf die Sendung gesehen. *unverstehend guck*.

    Wobei ich # Christian A. zustimmen möchte:
    Die Bedingungen, unter denen die Zustellenden arbeiten müssen, sind schlicht ’ne Katastrophe!
    Wobei diese Tatsache nicht ausschließlich bei Citipost gegeben ist:
    Nein: bei ALLEN Unternehmen, die in der Branche ihre Mitarbeitenden zu inakzeptablen Bedingungen malochen/knüppeln/rackern lassen.

    Auch in meinen Augen ist es verwerflich, dass Derartiges von der öffentlichen Hand -also seitens des Staates- auch durch/über die Vergabe von Aufträgen unterstützt wird. *ärgerlich aufschrei*

    Ein treffliches Beispiel dafür, dass auch in unserem Land einiges mächtig schief läuft.
    Für mich persönlich zwar kein Anlass (auch im Hinblick auf die anstehende Europa-Wahl), einer Partei meine Stimme zu geben, die zumindest für mich keine wirkliche Alternative darstellt.

    Doch erstaunen tut’s mich nicht, dass Angesichts der Gegebenheiten viele, sehr viele Wähler populistische Parteien wählen… *knurr und groll*

  7. Bernd-Michael Rosenbusch meint

    Es war einmal
    Es gab in Deutschland eine Zeit, da waren hoheitliche Aufgaben, wie Post, Bahn etc. in staatlicher Hand. Es lief zwar auch nicht immer alles glatt, aber es funktionierte im Großen und Ganzen. Man kann nicht immer alles aus Kostengründen privatisieren. Was man dann bekommt, sehen wir ja jeden Tag. Die Ctitipost ist dafür bekannt, dass sie zwar preiswert, aber eben doch langsamer ist als die ehemalige Bundespost. Wer seine Mitarbeiter nicht anständig bezahlt, muss sich nicht wundern, wenn diese ihre Täigkeit nur als Job ansehen und ohne Fachwissen und ohne FReude bei der Arbeit sind.Wir müssen mit dem Privatsierungswahn aufhören.

  8. Grit Decker meint

    Ich möchte #M.-B. Rosenbusch in weiten Teilen zustimmen:
    Mit Sicherheit ist es nicht gänzlich falsch, Etliches in private Hände zu geben, ABER:
    in Vielem haben sich die alten Zeiten, die im Übrigen nicht (!) wirklich besser waren, dann doch bewähren können.

    Beispiel die Post:
    In das Zeitalter der Postkutschen möchte ich nicht zurück, doch die Zustellung der Briefe, Päckchen und Pakete waren in staatlicher Hand dann doch verlässlicher.
    Klar: bis dato geht auch bei der Post eine Menge zu Lasten uns Bürgerinnen und Bürgern daneben, doch mehr Verlass als auf die Citipost, dem DPD und anderen in privater Hand befindlichen Unternehmen ist alleweil;
    mal so meine ganz persönliche Ansicht…

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