Niedriger Wasserstand am Steinhuder Meer

Schlauch­boo­te dro­hen in „See­not“ zu gera­ten

Das Stein­hu­der Meer führt in die­sen Tagen deut­lich weni­ger Was­ser als üblich. Ins­be­son­de­re Schlauch­boo­te kön­nen dadurch Pro­ble­me bekom­men, wenn sie die offi­zi­el­len Kanu-Ein­satz­stel­len zum „In-See-Ste­chen“ nut­zen.

Der Strand auf der Bade­in­sel hat sich aus­ge­dehnt, das Was­ser zieht sich zurück | Foto: Dani­el Schnei­der

Stein­hu­de (ds). Der Was­ser­stand des Stein­hu­der Mee­res ist infol­ge des hei­ßen Som­mers, der des­we­gen schon wie­der als „Jahr­hun­dert­som­mer“ aus­ge­ru­fen wird, nicht so hoch wie üblich. Das anhal­tend hei­ße Wet­ter trock­net den See zwar nicht aus, doch der Was­ser­stand sinkt deut­lich.

INFO: Woher kommt das Was­ser im Stein­hu­der Meer?
Der Was­ser­spie­gel im Stein­hu­der Meer ist nor­ma­ler­wei­se recht kon­stant: Der Groß­teil der Was­ser­men­ge (über 60 %) stammt aus dem Grund­was­ser, dazu kommt ein Zufluss von Was­ser vor allem aus den Reh­bur­ger Ber­gen über den „Winz­la­rer Grenz­gra­ben“ sowie durch Nie­der­schlä­ge. Dem gegen­über steht der Abfluss über den „Stein­hu­der Meer­bach“ Rich­tung Weser, dazu kommt Ver­duns­tung. Ver­duns­ten­des Was­ser wird allein durch Nie­der­schlä­ge wie­der aus­ge­gli­chen. Bei aus­blei­ben­den Regen­fäl­len und gerin­ge­rem Was­ser­zu­fluss infol­ge Tro­cken­heit kann der Grund­was­ser­zu­fluss dies jedoch nicht kom­pen­sie­ren.

Um einen knap­pen hal­ben Meter ist das Stein­hu­der Meer inzwi­schen abge­sun­ken, die Was­ser­tie­fe, die nor­ma­ler­wei­se bei durch­schnitt­lich 1,35 Meter liegt, beträgt im Mit­tel daher nun unter einem Meter.

Watt­wan­dern“ am Stein­hu­der Meer

Sicht­bar wird der Was­ser­rück­gang aber vor allem am Ufer: Wo sonst das Was­ser steht, hat es sich zurück­ge­zo­gen und sonst was­ser­be­deck­te Stel­len frei­ge­legt. Wo man auf Ste­gen sonst die Bei­ne ins Was­ser bau­meln lasen kann, hän­gen sie der­zeit in der Luft. Auch auf der Bade­in­sel ist der Was­ser­schwund ein­deu­tig zu sehen: Der Strand hat sich ver­grö­ßert, die Was­ser­li­nie ist zurück­ge­wi­chen. Wo das Was­ser sonst direkt an fei­nen Sand grenzt, haben Sand­bur­gen­bau­er nun idea­le Bedin­gun­gen im feuch­te­ren Unter­grund. Es ergibt sich bald der Ein­druck, als gäbe es auch hier Ebbe und Flut. So man­cher unkt bereits, dass man im Stein­hu­der Meer bald Watt­wan­de­run­gen unter­neh­men kön­ne.

Fahrgastschiff Steinhude
Auch Pas­sa­gier­schif­fe müs­sen sich den Bedin­gun­gen anpas­sen | Foto: Dani­el Schnei­der

Was Bade­in­sel­be­su­cher jedoch weni­ger stört, wird bei der Schiff­fahrt und den Boots­be­sit­zern zuneh­mend zum Pro­blem. Bei einer durch­schnitt­li­chen Was­ser­tie­fe von nur noch knapp einem Meter kön­nen die gro­ßen Fahr­gast­schif­fe nicht mehr voll besetzt fah­ren, Segel­boo­te haben mit Untie­fen zu kämp­fen. Wer mit Außen­bor­der fährt, bekommt in Ufer­nä­he eben­falls Pro­ble­me. Die Antriebs­schrau­ben bekom­men in dem nur noch weni­ge Zen­ti­me­ter tie­fen Was­ser Boden­kon­takt und kön­nen im schlam­mi­gen Unter­grund Scha­den neh­men.

Gefahr für Boo­te

Bei Schlauch­boo­ten droht sogar Was­ser­ein­bruch: Denn auch an den Ein­satz­stel­len für Kanus, an denen auch oft Schlauch­boo­te zu Was­ser gelas­sen wer­den, ist das Was­ser eben­falls zurück­ge­gan­gen. Dadurch gren­zen die Ste­ge nicht mehr unmit­tel­bar an die Was­ser­li­nie, statt­des­sen ist der Boden in Ste­g­nä­he nur noch Zen­ti­me­ter hoch mit Was­ser bedeckt. Neben den Ste­gen und direkt unter der Was­ser­ober­flä­che befin­den sich spit­ze Stei­ne, Kie­sel und manch­mal auch Glas­scher­ben, die die dün­nen PVC-Böden der Boo­te auf­rei­ßen kön­nen. Das Klar­ma­chen eines Schlauch­boo­tes wird daher aktu­ell zum Glücks­spiel. Spä­tes­tens wenn Pas­sa­gie­re von Ste­gen zustei­gen, ris­kiert man Beschä­di­gun­gen in Ufer­nä­he.

INFO: Not­fäl­le auf dem Stein­hu­der Meer
Das Stein­hu­der Meer gilt als harm­lo­ses Gewäs­ser und ist mit durch­schnitt­lich 1,35 Metern nicht beson­ders tief. Stel­len­wei­se erreicht es aller­dings bis zu 3 Meter Tie­fe. Doch allein die Dimen­sio­nen des Gewäs­sers machen es tückisch: Über­quert man es, ist man je nach Posi­ti­on schon mal deut­lich über 2 Kilo­me­ter von Ufern ent­fernt. Ken­tern­de Boo­te kön­nen daher unver­se­hens zum Not­fall wer­den. Obwohl Schwimm­wes­ten oder ande­re Ret­tungs­mit­tel nicht vor­ge­schrie­ben sind, soll­te auf sie nicht ver­zich­tet wer­den. Auch Not­si­gnal­mit­tel sind kei­ne Vor­schrift, das Mit­füh­ren min­des­tens eines Han­dys jedoch sinn­voll: Bei Not­fäl­len auf dem Gewäs­ser ist die 112 zu wäh­len. Die Was­ser­ret­tung von DLRG oder Feu­er­wehr sind am Stein­hu­der Meer im Ein­satz.

Tückisch ist, wenn auf die­se Wei­se ent­ste­hen­de Lecks dann nicht sofort bemerkt wer­den, son­dern erst mit­ten auf dem Stein­hu­der Meer – z. B. weil der Boden von innen aus­ge­legt ist oder die boots­ei­ge­ne Strö­mungs­wir­kung Löcher im Rumpf zunächst wie von selbst ver­schließt. Wird die Fahrt dann unter­bro­chen, kann plötz­lich uner­war­tet viel Was­ser ein­drin­gen.

Fast einen hal­ben Meter weni­ger: Das Was­ser reicht nor­ma­ler­wei­se fast bis zur Steg­un­ter­kan­te | Foto: Dani­el Schnei­der
Das Was­ser bedeckt kaum noch den Grund in Ste­g­nä­he | Foto: Dani­el Schnei­der

Spa­zier­gän­ger am Ufer konn­ten in den letz­ten Tagen daher bereits beob­ach­ten, wie ein Schlauch­boot sei­ne Tour wegen plötz­li­chen Was­ser­ein­bruchs abbrach und die Insas­sen Was­ser aus dem Boot zu schöp­fen began­nen. Not­fäl­le tra­ten in die­sem Zusam­men­hang jedoch bis­lang nicht ein, auch das leck­ge­schla­ge­ne Schlauch­boot schaff­te es aus eige­ner Kraft wie­der recht­zei­tig zurück an Land.

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1 Kommentar
  1. Dennis Kntrt meint

    Die bade­in­sel macht nur Platz für noch mehr Gäs­te.…

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