Mehr Rücksicht auf Radfahrer

Ver­kehr­sär­ger­nis Bar­ne­tun­nel

Am Bar­ne­tun­nel ärgern sich Auto- wie Rad­fah­rer. Auto­fah­rer über den Stau, Rad­fah­rer über rück­sichts­lo­se Auto­fah­rer. Ein Schild soll nun wenigs­tens für die Rad­fah­rer Abhil­fe schaf­fen: Seit Anfang Febru­ar steht auf der Süd­sei­te der Unter­füh­rung ein neu­es „Ver­kehrs­schild“ – das den Wunstor­fer Auto­fah­rern nun noch ein­mal die Ver­kehrs­re­geln erklä­ren soll.

Die Unter­füh­rung in der Bar­n­e­st­ra­ße mit neu­em Hin­weis­schild | Foto: Dani­el Schnei­der

Wunstorf (ds). Der „Bar­ne­tun­nel“ zählt ver­kehrs­tech­nisch zu den unbe­lieb­tes­ten Ecken in Wunstorf. Zumin­dest, wenn man mit dem Auto aus der Bar­ne in Rich­tung Innen­stadt fährt. Denn hier herrscht „Vor­rang gewäh­ren“ gegen­über den in Rich­tung „Am Hasen­pfahl“ fah­ren­den Ver­kehrs­teil­neh­mern.

Die 2012 neu gebau­te Brü­cke an der Bahn­tras­se Hannover–Minden ist so eng, dass für Fahr­zeu­ge nur eine Fahr­spur zur Ver­fü­gung steht. Daher staut sich hier der Ver­kehr regel­mä­ßig, manch­mal bis zurück zum Bar­n­e­platz, wenn zu vie­le Autos stadt­ein­wärts fah­ren.

Rad­fah­rer wer­den igno­riert

Doch auch wer stadt­aus­wärts fährt, ärgert sich – jeden­falls, wenn er Rad­fah­rer ist. Denn dann wird er von den Auto­fah­rern oft ein­fach igno­riert. Denn auch Rad­fah­rer haben Vor­rang gegen­über den Auto­fah­rern auf der ande­ren Sei­te – das ist vie­len Auto­fah­rern in die­sen Momen­ten jedoch offen­bar nicht bewusst … oder sie neh­men es mit dem Sicher­heits­ab­stand nicht all­zu genau.

Obwohl sich ein bevor­rech­tig­ter Rad­fah­rer nähert, wird dann Gas gege­ben und in den Tun­nel ein­ge­fah­ren – manch­mal sogar, wenn ein Rad­fah­rer schon im Tun­nel ist. Bei nur weni­gen Zen­ti­me­tern Abstand wird die­ser dann an die Sei­te gedrängt. Denn selbst Auto und Fahr­rad pas­sen an der Eng­stel­le unter den Bahn­glei­sen nicht neben­ein­an­der, jeden­falls nicht, wenn Rad­fah­rer den nöti­gen Sicher­heits­ab­stand zum Bord­stein ein­hal­ten.

Rad­fah­rer, denen so die Vor­fahrt genom­men wird, geben meist nach und machen im Zwei­fel Platz – dass ein Auto wie­der rück­wärts fährt, ent­spricht nicht der Lebens­wirk­lich­keit. Eher las­sen sich die Rad­fah­rer zum Abstei­gen auf den Fuß­weg nöti­gen und quet­schen sich gefähr­lich an der Bord­stein­kan­te ent­lang.

Vie­le mög­li­che Grün­de

War­um Auto­fah­rer sich hier so oft ver­kehrs­wid­rig ver­hal­ten, dar­über darf spe­ku­liert wer­den. Wer­den Rad­fah­rer als nicht gleich­wer­ti­ge Ver­kehrs­teil­neh­mer ange­se­hen, für die man nicht war­ten muss? Wird ange­nom­men, die Beschil­de­rung gel­te nur für mehr­spu­ri­ge Fahr­zeu­ge? Wird die Geschwin­dig­keit der Rad­fah­rer falsch ein­ge­schätzt, so dass man als Auto­fah­rer denkt, man käme noch recht­zei­tig vor­bei, bevor das Fahr­rad den Tun­nel erreicht? Oder ach­ten Auto­fah­rer so gebannt auf den moto­ri­sier­ten Gegen­ver­kehr, um eine Gele­gen­heit zum Durch­fah­ren zu erha­schen, dass Rad­fah­rer völ­lig aus dem Blick gera­ten? Tra­gen Rad­fah­rer even­tu­ell auch Mit­schuld, wenn sie sich in der Däm­me­rung ohne Licht dem Tun­nel nähern?

Die Ver­kehrs­si­tua­ti­on am Bar­ne­tun­nel. Die Ver­kehrs­füh­rung birgt gleich meh­re­re Gefah­ren­stel­len für Rad­fah­rer | Gra­phik: Auepost

Rad­weg nur auf einer Sei­te

Viel­leicht ver­lei­tet auch die Tat­sa­che, dass Rad­fah­rer aus der eige­nen Rich­tung auf einem Rad­weg durch den Tun­nel gelei­tet wer­den (ohne selbst auf den Gegen­ver­kehr war­ten zu müs­sen), zu der Annah­me, auf der ande­ren Sei­te dürf­ten Fahr­rä­der auch auf dem Bür­ger­steig fah­ren und hät­ten gar kein Pro­blem mit ent­ge­gen­kom­men­den Autos.

Doch auf der Gegen­sei­te fehlt der Rad­weg, Rad­fah­rer müs­sen an die­ser Stel­le die Stra­ße benut­zen. Der Schutz­strei­fen endet eini­ge Meter vor dem Tun­nel, ohne dass ein Rad­weg anschließt. Aus Rich­tung Hasen­pfahl ist das aber nicht unbe­dingt erkenn­bar. Wer die Stel­le nicht kennt und nicht selbst Rad fährt, könn­te daher den­ken, dass Rad­fah­rer auch in der Gegen­rich­tung bevor­zugt behan­delt wer­den.

Ein neu­es Schild

Das vor­han­de­ne „Vor­rang gewähren“-Schild allein war in der Ver­gan­gen­heit jeden­falls wohl nicht aus­rei­chend, um die kom­ple­xe Ver­kehrs­si­tua­ti­on für alle begreif­lich zu machen. Einem Rad­fah­rer, dem man immer wie­der die Vor­fahrt nahm, reich­te es nun, er beschwer­te sich bei der Stadt­ver­wal­tung. Die Stadt arbei­te­te dar­auf­hin gemein­sam mit der Poli­zei eine Lösung aus – in Form des neu­en Hin­weis­schil­des, das die Auto­fah­rer noch ein­mal dar­an erin­nern soll, dass die Rad­fah­rer im Gegen­ver­kehr eben­falls Vor­rang haben.

Das Schild wur­de von Stadt­ver­wal­tung und Poli­zei gemein­sam ent­wor­fen | Foto: Dani­el Schnei­der

Von Gegen­ver­kehr spricht das Schild aller­dings nicht – so dass nun der ein oder ande­re Auto­fah­rer viel­leicht sogar den­ken könn­te, dass der Hin­weis für die Rad­fah­rer auf der eige­nen Stra­ßen­sei­te gilt, die näm­lich nach dem Tun­nel vom Rad­weg wie­der auf die Stra­ße geführt wer­den. Das jedoch wäre dann fata­ler­wei­se sogar ein dop­pel­tes Miss­ver­ständ­nis, denn beim Wie­der­auf­fah­ren auf die Stra­ße haben die Rad­fah­rer auf­zu­pas­sen, dass sie dem links hin­ter ihnen her­an­na­hen­den Auto­ver­kehr nicht zu nahe kom­men. Denn hin­ter der Unter­füh­rung wird der Rad­weg nicht fort­ge­setzt, ein Schild erklärt den Bür­ger­steig zum rei­nen Fuß­weg. Spä­tes­tens an die­ser Stel­le müs­sen Rad­fah­rer wie­der zurück auf die Stra­ße.

Beglei­ten­de Kon­trol­len

Wie Stadt­spre­cher Alex­an­der Stock­um der Auepost mit­teil­te, wur­de nicht nur das Schild ent­wor­fen und auf­ge­stellt, son­dern außer­dem mit der Poli­zei ver­ein­bart, dass an der Stel­le regel­mä­ßig kon­trol­liert wird, ob die bestehen­de Vor­rang­re­ge­lung mit dem Auf­stel­len des Schil­des nun wirk­lich auch für Rad­fah­rer beach­tet wird.

Info: Vor­rang vor dem Gegen­ver­kehr
Die bei­den Ver­kehrs­zei­chen „Vor­rang des Gegen­ver­kehrs“ und „Vor­rang vor dem Gegen­ver­kehr“ wer­den an engen Stra­ßen­ab­schnit­ten auf­ge­stellt, wo sich mehr­spu­ri­ge Fahr­zeu­ge nicht gefahr­los begeg­nen kön­nen, typi­scher­wei­se an Eng­stel­len. Wel­che Rich­tung den Vor­rang erhält, hängt i. d. R. vom Ver­kehrs­auf­kom­men oder dem Stra­ßen­um­feld ab. Wer das run­de Schild sieht, hat bei Gegen­ver­kehr zu war­ten, bis die­ser am eige­nen Fahr­zeug vor­bei­ge­fah­ren ist. Die Nicht­be­ach­tung der Vor­rang­re­gel ist eine Ord­nungs­wid­rig­keit und wird mil­de geahn­det: 5 Euro kos­tet das Nicht­be­ach­ten. Wird dabei z. B. ein Rad­fah­rer gefähr­det, sind es 10 Euro. Einen Punk­te­ein­trag gibt es nicht. Zum Ver­gleich: Wer ein übli­ches Vor­fahrt-gewäh­ren-Schild miss­ach­tet und dabei einen Vor­fahrts­be­rech­tig­ten gefähr­det, zahlt 100 Euro und erhält einen Punkt in Flens­burg.

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18 Kommentare
  1. Eberhard Engelhaupt
    Eberhard Engelhaupt meint

    Nein hilft nicht

  2. Jan Krage
    Jan Krage meint

    Die Stel­le ist eh der Hit…Schildbürgerstreich.…die Unter­füh­rung ist mei­ne Nr. 1 danach folgt die Ampel­kreu­zung direkt dahin­ter bei Net­to gefolgt von der Kreu­zung beim Kiosk. Wunstor­fer Ver­kehrs­stra­te­gen waren da am Werk…

  3. Frank Struckmann
    Frank Struckmann meint

    Der klei­ne Spi.……

  4. Jeannie Seegers
    Jeannie Seegers meint

    Eine der schlimms­ten Stel­len in Wunstorf… egal ob Rad­fah­rer oder als Auto­fah­rer, man kann sich dort dumm und dus­se­lig ste­hen. Statt zwei­spu­rig und viel­leicht sogar ein Krei­sel, Wunstorf baut ja so ger­ne, nein es könn­te ja auch ein­fach sein…

  5. Michael Ungermann
    Michael Ungermann meint

    Schild wird in die­ser ich bezo­ge­nen Gesell­schaft nicht hel­fen. Die Vor­fahrt wird ja nicht nur Rad­fah­rern genom­men

  6. Mike Aha
    Mike Aha meint

    Genau so ist es, man hät­te alles so schön machen kön­nen…

  7. Birgitt Schlegel
    Birgitt Schlegel meint

    Sehr trau­rig das man nicht die Ver­kehrs­re­geln kennt!

  8. Mike Aha
    Mike Aha meint

    Man könn­te aller­dings auch den gan­zen Ver­kehr von der Bar­n­e­st­ra­ße ver­dam­men. Wenn ich mich recht erin­ne­re war das sei­ner­zeit eh nur für Anlie­ger, ab Ein­fahrt Kolen­fel­der Straße/ Am Hasen­pfahl. Zur Zeit hat man ja eher das Gefühl, das die Bar­n­e­st­ra­ße die Wunstor­fer Haupt­stra­ße ist. Wei­ter­hin wird hier gerast wie nichts Gutes, gera­de mor­gens. Also wenn die Stadt mal ein wenig Klein­geld braucht, ein­fach einen Blit­zer zwi­schen „Am Hasen­pfahl” und der Brü­cke instal­lie­ren. Garan­tier­te Ein­nah­men, da dort ja nun mal 30er Zone ist.

  9. Thomas Riedel
    Thomas Riedel meint

    genau mei­ne Mei­nung, an statt es ein­mal rich­tig zuma­chen, wird nun mit Schil­dern und Poli­zei ver­sucht was zu ret­ten. Ich sage nur Bom­ben über Wunstorf

  10. Biggi Selli
    Biggi Selli meint

    Aller­dings! – Mit Unver­nunft viel Geld ver­pul­vert und ein gefähr­li­ches Nadel­öhr geschaf­fen. Viel­leicht woll­te man die Bar­ne ver­ste­cken?

  11. May Ver
    May Ver meint

    In der Bar­n­e­st­ra­ße gel­ten anschei­nend sowie­so kei­ne Regeln. Rasen alle wie die Irren da lang, gera­de abends wenn die Stra­ße schön leer ist. Wenn ein Spie­gel abge­fah­ren wird, schön Fah­rer­flucht bege­hen. Und als Rad­fah­rer wird man nir­gends durch­ge­las­sen. Selbst als Fuß­gän­ger hat man Schwie­rig­kei­ten. Am Zebra­strei­fen hält nur jeder 5. an. Die­se Stra­ße ist die schlimms­te aller Zei­ten!

    1. May Ver
      May Ver meint

      Sehr vor­bild­lich 🙂

  12. Michael Ungermann
    Michael Ungermann meint

    Jepp sowas hab ich auch schon mehr­fach erlebt, oder ich muss­te den Rück­wärts­gang ein­le­gen. Beim Zwei­rad wur­de ich auch schon abge­drängt

  13. Marc Schaper
    Marc Schaper meint

    Für die Anwoh­ner wäre es auch bes­ser gewe­sen, wenn man zwei­spu­rig gebaut hät­te. Aber man woll­te kei­ne Aus­weich­stre­cke zur Kolen­fel­der Str. Der Schuß ging wie erwar­tet nach hin­ten los, wenn man bedenkt, dass sich die Auto­schlan­ge teil­wei­se bis zur Johan­nes­kir­che zurück staut.…

  14. Marc Schaper
    Marc Schaper meint

    Für die Anwoh­ner wäre es auch bes­ser gewe­sen, wenn man zwei­spu­rig gebaut hät­te. Aber man woll­te kei­ne Aus­weich­stre­cke zur Kolen­fel­der Str. Der Schuß ging wie erwar­tet nach hin­ten los, wenn man bedenkt, dass sich die Auto­schlan­ge teil­wei­se bis zur Johan­nes­kir­che zurück staut.…

  15. SSE
    SSE meint

    Hat Hr. Stock­um auch noch ein­mal beant­wor­tet, war­um d. Neu­bau dort u. in der Lan­gen Str. so gestal­tet wurd… https://t.co/n22XThRbml

  16. Herbert Haase
    Herbert Haase meint

    Hät­te man den Tun­nel beim Neu­bau ver­nünf­tig gemacht dann gäbe es das Pro­blem nicht.

  17. […] Ver­kehr­sär­ger­nis Bar­ne­tun­nel […]

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