Die HAZ beer­digt die Lei­ne-Zei­tung

Wie­der ein­mal ver­liert Wunstorf ein Stück loka­ler Iden­ti­tät. Seit Anfang Dezem­ber gibt es in der Han­no­ver­schen All­ge­mei­nen (HAZ) kei­ne Lei­ne-Zei­tung mehr, der vor­mals noch als eigen­stän­di­ge Bei­la­ge erkenn­ba­re Regio­nal­teil ist nun nur noch eine gewöhn­li­che Rubrik. Das ver­spro­che­ne Mehr an loka­ler Bericht­erstat­tung ent­puppt sich dabei teil­wei­se als Mogel­pa­ckung.

Von Blau zu Rot: Die alte Leine-Zeitung (vorn) und der neue Regionalteil in der HAZ | Foto: Daniel Schneider
Von Blau zu Rot: Die alte Lei­ne-Zei­tung (vorn) und der neue Regio­nal­teil in der HAZ | Foto: Dani­el Schnei­der

Die Lei­ne-Zei­tung war schon lan­ge kei­ne eigen­stän­di­ge Zei­tung mehr, doch auch als Bei­la­ge in der HAZ war sie immer noch stark mit Wunstorf ver­knüpft. Auch wenn sich inhalt­lich kaum etwas ändert, ver­liert Wunstorf damit qua­si die letz­ten Spu­ren sei­ner Tra­di­ti­ons­ta­ges­zei­tung. Der Schrift­zug „Lei­ne-Zei­tung“ taucht als zusätz­li­cher Hin­weis nun nur noch klein neben der Sei­ten­zahl auf. Statt­des­sen setzt die HAZ nun noch stär­ker aufs Inter­net, indem auch auf Face­book gebün­delt Wunstorf-Nach­rich­ten gepos­tet wer­den.

Weni­ger Loka­les, mehr Loka­les

Wunstorf hat­te zuletzt in den 70er Jah­ren eine eige­ne Tages­zei­tung, die noch den Namen Wunstorf im Titel führ­te. Für die Aue­stadt blieb seit­dem nur noch die Lei­ne-Zei­tung, die zugleich ein­mal das tra­di­ti­ons­reichs­te Blatt in der Regi­on war. Bereits 1881 war sie gegrün­det wor­den. In ihren letz­ten Jah­ren erschien sie jedoch nur noch als Bei­la­ge der HAZ, als Hei­mat­zei­tung ver­mark­tet, und über­nahm in der HAZ die Funk­ti­on des Regio­nal­teils für den west­li­chen Han­no­ver­schen Speck­gür­tel.

wunstorferzeitung

Neben der Kom­bi Wunstorf/Neustadt gab es auch die Aus­ga­be Seelze/Garbsen. In ande­ren Him­mels­rich­tun­gen lagen der HAZ die „Lei­ne-Nach­rich­ten“ (z. B. Laat­zen), der „Deis­ter-Anzei­ger“ (Sprin­ge, Bad Mün­der), die „Nord­han­no­ver­sche“ (Lan­gen­ha­gen, Burg­we­del) oder die „Calen­ber­ger Zei­tung“ (Bar­sing­hau­sen, Wen­nigsen …) bei. Das ist nun Ver­gan­gen­heit, die ehe­ma­li­gen Zei­tun­gen in der Zei­tung wer­den nun wie die rest­li­chen Rubri­ken der HAZ gestal­tet, nur die Far­be der Rubrik unter­schei­det sich noch vom Mut­ter­blatt.

Lei­ne-Zei­tung im Grun­de wie­der ver­eint

Die ehe­ma­li­ge Auf­tei­lung der Lei­ne-Zei­tung in Wunstorf/Neustadt und Garbsen/Seelze wird somit auch wie­der zurück­ge­nom­men. Im Regio­nal­teil, der in Wunstorf der HAZ bei­liegt, sind neben Neu­stadt auch Nach­rich­ten aus Garb­sen und Seel­ze wie­der gleich­be­rech­tigt ver­tre­ten. Die Auf­ga­be der sicht­ba­ren Lei­ne-Zei­tung ermög­licht der HAZ somit, Loka­les aus der Regi­on fle­xi­bler zusam­men­zu­stel­len.

Größenvergleich: Durch die Umstellung vom nordischen (unten) aufs rheinische (oben) Format ist etwas weniger Platz fürs rein Regionale aus Wunstorf | Foto: Daniel Schneider
Grö­ßen­ver­gleich: Durch die Umstel­lung vom nor­di­schen (unten) aufs rhei­ni­sche (oben) For­mat ist etwas weni­ger Platz fürs rein Regio­na­le aus Wunstorf | Foto: Dani­el Schnei­der

Die neue Regio­nal­bei­la­ge ist fol­ge­rich­tig umfang­rei­cher gewor­den, statt 3 gefal­te­ten Halb­bö­gen sind es nun 3 vol­le Bögen, womit sich der Umfang ver­dop­pelt hat. Mehr Platz für Wunstorf gibt es aller­dings kaum, auch wenn Wunstorf nun nicht mehr nur an zwei­ter Stel­le hin­ter Neu­stadt auf­taucht, wie es bis­lang in der Lei­ne-Zei­tung der Fall war.

Denn obwohl die neue Dar­stel­lung von der Han­no­ver­schen All­ge­mei­nen als Ver­bes­se­rung prä­sen­tiert wird, bedeu­tet es im Ergeb­nis eher weni­ger Flä­che für die Lokal­be­richt­erstat­tung aus Wunstorf. Denn der Umfang als sol­cher für den rei­nen Wunstor­fer Bereich ist gleich geblie­ben, die Flä­che durch die For­mat­än­de­rung jedoch geschrumpft. Sport- und Ter­min­teil wur­den hin­ge­gen für alle vier Orte zusam­men­ge­zo­gen, wodurch sie unüber­sicht­li­cher wer­den.

Auch auf Face­book

Statt­des­sen wird etwas mehr auf Soci­al Media gesetzt – auch Wunstorf bekam wie die ande­ren Gemein­den der Regi­on nun eine eige­ne HAZ-Face­book­sei­te, auf der die Arti­kel im Wesent­li­chen noch ein­mal nach Städ­ten sor­tiert ver­linkt wer­den und auch kom­men­tiert wer­den kön­nen. Kom­men­ta­re auf haz.de selbst lässt die Zei­tung aber wei­ter­hin nicht zu.

Neue Dru­cke­rei, neu­es For­mat

Doch nicht nur der Regio­nal­teil hat sich geän­dert, auch die gesam­te HAZ zeigt sich im neu­en Gewand. Das hat mit einer geän­der­ten Her­stel­lung zu tun. HAZ-Mut­ter Madsack schließt die eige­ne Dru­cke­rei in Han­no­ver-Kir­ch­ro­de und lässt die Zei­tung nun in Roden­berg beim Druck­haus Opper­mann dru­cken.

Damit ein­her geht auch die For­ma­tum­stel­lung. Spiel­te die HAZ bis­her mit dem soge­nann­ten nor­di­schen For­mat in der Liga der ganz Gro­ßen wie FAZ und Süd­deut­sche, so kommt sie nun etwas kom­pak­ter im rhei­ni­schen For­mat daher. Ent­spre­chend kom­pak­ter fällt nun auch der Regio­nal­teil aus.


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2 Kommentare
  1. Thorben Rump meint

    Selbst wenn es mehr Platz wäre – bei einem kon­ti­nu­ier­li­chem Abbau von Redak­teu­ren und damit lei­der auch von Qua­li­tät ist das lei­der ein Schuss in den Ofen…

  2. Johannes Grobelny meint

    Mehr Platz ist gleich­zu­set­zen mit mehr Annon­cen und Adver­ti­sing. Scha­de!
    Die ört­li­che Bericht­erstat­tung in der Viel­falt kommt viel zu kurz.

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