Verteilzentrum bei Luthe

Kritik an Amazon-Plänen für einen Standort Wunstorf

Wunstorf könnte Amazon-Standort für Paketauslieferungen werden. Die Reaktionen auf diese Pläne sind gemischt.

Amazon-Pakete
Ein „unbe­geis­ter­tes“ Ama­zon-Paket (Sym­bol­bild)

Wunstorf (red). Der Online-Rie­se und Ver­sand­kon­zern Ama­zon plant, ein neu­es Ver­teil­zen­trum für sei­nen unter­neh­mens­ei­ge­nen Lie­fer­dienst zu errich­ten – in Wunstorf. Die Han­no­ver­sche All­ge­mei­ne Zeitung/Neue Pres­se hat­ten zuerst dar­über berich­tet. Aus der Stadt­ver­wal­tung wur­den die ent­spre­chen­den Plä­ne ges­tern gegen­über der Aue­post bestä­tigt. Der über­ra­schen­de neue poten­ti­el­le Mie­ter für das ehe­ma­li­ge Lidl-Ver­sand­la­ger an der Adolf-Oes­ter­held-Stra­ße ruft jedoch in Wunstorf gemisch­te Reak­tio­nen her­vor.

120-Kilometer-Lieferungen

Denn eine Ansied­lung von Ama­zon wür­de nicht nur vie­le neue Arbeits­plät­ze, Steu­er­ein­nah­men für die Stadt und eine Auf­wer­tung für den Unter­neh­mens­stand­ort Wunstorf bedeu­ten, es wäre vor allem auch mit höhe­rer Ver­kehrs­be­las­tung zu rech­nen. Denn bei einem Paket­ver­teil­zen­trum wäre mit ent­spre­chend viel Anlie­fer- und Ver­la­de­ver­kehr zu rech­nen. LKWs und Zustell­fahr­zeu­ge wür­den wohl im Schicht­be­trieb das Gelän­de anfah­ren. Von einem fast ver­fünf­fach­ten Fahr­zeug­auf­kom­men im Ver­gleich zum dama­li­gen Lidl-Lager ist die Rede, wohl an die tau­send LKWs und Trans­por­ter wür­den täg­lich das Ver­teil­zen­trum anfah­ren, denn das Lie­fer­ge­biet dürf­te groß aus­fal­len: Ama­zon gibt als „Reich­wei­te“ für sei­ne Ver­sand­zen­tren, auf die sich die Paket­aus­lie­fe­rer ein­stel­len müs­sen, bis zu 120 Kilo­me­ter an.

Pro und Contra

Wäh­rend man im Rat­haus den Ama­zon-Plä­nen grund­sätz­lich auf­ge­schlos­sen gegen­über­steht und in den sozi­a­schllen Netz­wer­ken der Tenor herrscht, dass man nicht einer­seits bei Ama­zon bestel­len und sich dann ande­rer­seits über den Lie­fer­ver­kehr beschwe­ren dür­fe, äußern ande­re schar­fe Kri­tik. Ob der Stand­ort Garb­sen nicht genug wäre, wird pos­tu­liert, und nicht nur auf Ver­kehrs­be­las­tun­gen ver­wie­sen, son­dern auch die Arbeits­be­din­gun­gen bei Ama­zon hin­ter­fragt.

Rüdi­ger Hergt, Rats­herr im Wunstor­fer Stadt­rat, wird noch deut­li­cher: in einem Leser­brief an die Aue­post sieht er schon Par­al­le­len zu Garb­sen, wo die Bür­ger qua­si vor voll­ende­te Tat­sa­chen gestellt wor­den sei­en. Wunstorf hät­te zudem gar nicht genü­gend ent­spre­chen­de Arbeits­kräf­te, so dass die Beleg­schaft für ein sol­ches Zen­trum auch noch von außer­halb käme und wie­der­um das den „Irr­sinn“ des stei­gen­den Ver­kehrs noch wei­ter ver­schär­fen wür­de.

Das alles, obwohl die Geneh­mi­gung für die Ansied­lung mit offen­bar nöti­gen Umbau­ten aus­steht, denn längst ist noch nicht in tro­cke­nen Tüchern, ob wirk­lich Wunstorf Ama­zon-Stand­ort und damit zu einem Bau­stein im der­zeit ste­tig wach­sen­den Ama­zon-Logis­tik­ge­flecht wird. Viel dürf­te vom nun vor­zu­le­gen­den Ver­kehrs­be­las­tungs­gut­ach­ten abhän­gen.


Leserbrief

Na das ist ja mal was, end­lich kommt die gro­ße Welt nach Luthe. An die­ser Stel­le ein Lager mit einem Fahr­zeug­ver­kehr von 900 Fahr­zeu­gen ein­zu­rich­ten ist schon ein ziem­li­cher Irr­sinn. Und wie wol­len die­se 900 Fahr­zeu­ge an- und abfah­ren? Über die Adolf-Oes­ter­held Stra­ße Rich­tung Luthe oder Rich­tung Kolen­feld, und das Gan­ze noch bevor z. B. der Kreis­ver­kehr an der Anbin­dung Adolf-Oes­ter­held-Stra­ße in die Kolen­fel­der Stra­ße fer­tig ist? Oder macht man das schnel­ler als den Kreis­ver­kehr bei Lidl, par­don, Ama­zon vor der Tür? Und Rich­tung Luthe auf die B 441? Ist ja auch ver­flucht eng, aber das macht ja Ama­zon nichts, da wird halt das gebaut, was sein muss. Und das ist natür­lich eine Auf­wer­tung für Wunstorf – mein Gott, Ama­zon, das ist ja toll!

Rüdiger Hergt
Rüdi­ger Hergt | Foto: pri­vat
Die Luther und vie­le Wunstor­fer wer­den es jedoch anders sehen. In Luthe hat man vor lan­ger Zeit mit dem Hoch­re­gal­la­ger­tief­kühl­haus zu tun gehabt, was heu­te – kaum genutzt – lang­sam vor sich hin gam­melt. Man hat seit Jahr­zehn­ten mit der Asbest­hal­de nicht gewusst, was zu tun ist, man erwar­tet das tri­glo­ba­le Logis­tik­zen­trum, die Nord­um­ge­hung und, und, und. Aber Ama­zon ist jetzt die Spit­ze auf dem Eis­berg. Nicht nur Steu­ern zahlt Ama­zon kaum, bei den Arbeit­neh­mern sind die befris­te­ten Arbeits­ver­trä­ge ein Dau­er­pro­blem. Und der Ver­kehr, den Ama­zon mit sich bringt, ist irr­sin­nig. Die 300 Arbeits­plät­ze, die geschaf­fen wer­den, kön­nen auch kaum aus Wunstorf kom­men – es gibt hier nur weni­ge min­der­qua­li­fi­zier­te Lager­ar­bei­ter, und der Ver­kehr die­ser Arbei­ten­den kommt ja noch zu den Ama­zon-Fahr­zeu­gen dazu. In 2–3 Schich­ten vie­le, vie­le PKW. In Garb­sen lief das Ama­zon-Lager ver­dammt schnell an, das Rat­haus spiel­te mit, das konn­te man an der kurz vor Eröff­nung ange­setz­ten Bür­ger­infor­ma­ti­on sehen. An die­sem Abend kam so viel Unmut von den Bür­gern gegen das Lager, aber es war zu spät, die Poli­tik hat­te schon alles ein­ge­fä­delt. Läuft Wunstorf ähn­lich? Eine Stim­me im Rat ist ziem­lich sicher dage­gen: Mei­ne! Es sei denn, Ama­zon kommt noch mit einem Wahn­sinns­an­ge­bot vor­bei!

Rüdi­ger Hergt, Wunstorf
Rats­herr in Wunstorf (frak­ti­ons­los)
Regi­ons­ab­ge­ord­ne­ter der Regi­on Han­no­ver (frak­ti­ons­los)

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13 Kommentare
  1. Grit Decker sagt

    Das Eine, das man will; Das Ande­re, das man muss“:
    Mein ers­ter Gedan­ke als ich die­sen Arti­kel gele­sen habe.

    Was ich so wirk­lich davon hal­te:
    Mmmh ‑da muss ich noch ‚in mich gehen’; heißt viel Denk­ar­beit für mich.
    Es spie­len der­art vie­le Fak­to­ren und Aspek­te mit hin­ein, dass zumin­dest ich mir da noch (!) kei­ne ein­deu­ti­ge Mei­nung zu bil­den ver­mag.

    Eine kla­re Über­zeu­gung habe ich hin­ge­gen durch­aus:
    näm­lich die, dass VOR einer end­gül­ti­gen Ent­schei­dung für die Ansied­lung von Ama­zon wir ‑die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger; ins­be­son­de­re die Anwoh­ner- ZWIN­GEND gehört wer­den müs­sen.

  2. Nina Göntgen sagt

    Bei­des. Wunstorf kol­la­biert jetzt schon am Ver­kehr.
    Ein neu­er Arbeit­ge­ber, der 300 Jobs in der Regi­on schafft, soll­te es aber wert sein. Im Grun­de müs­sen sich Stadt und Land um die wei­te­re Infra­struk­tur küm­mern.

  3. Achim Kiske sagt

    Naja es wird bestimmt nicht bes­ser wenn die Stadt alle ver­grault auf­grund des Ver­kehrs. Ist doch super das sich ein so gro­ßes Unter­neh­men für wunstorf ent­schei­det.

  4. Susanne Reuter sagt

    Was ist bes­ser? Leer­stand und Ver­fall der Gebäu­de in einem Gewer­be­ge­biet mit bes­ten Ver­kehrs­an­bin­dun­gen oder ein neu­es Unter­neh­men, das die Räum­lich­kei­ten nutzt und zudem noch neue Arbeits­plät­ze schafft?

  5. Uwe Kampe sagt

    Wenn jemand wirk­lich Ahnung vom zukünf­ti­gen ver­mehr­ten Zulie­fe­rer ver­kehr im Gewer­be­ge­biet hat und tat­säch­li­che umsetz­ba­re Vor­schlä­ge hat, dann her mir Ama­zon und 300 Arbeits­plät­zen. Im Moment ken­ne ich nie­man­den, der das ein­schät­zen und umset­zen kann.

  6. Steve Rochlitzer sagt

    Die Ein­wän­de bzgl. des zusätz­li­chen Ver­kehrs­auf­kom­mens sind auf­grund der loka­len Gege­ben­hei­ten in #Wunstorf voll­kom­men berech­tigt.

  7. Grit Decker sagt

    Wenn ich die letz­ten State­ments zum Arti­kel lese, die ja ganz unter­schied­li­che Sicht­wei­sen wider­spie­geln, so füh­le ich mich schon irgend­wie in mei­ner Ansicht bestä­tigt, nach der doch sehr vie­le und vor allem unter­schied­li­che Aspek­te zu berück­sich­ti­gen sind.

    Von daher ist es für mich in Ord­nung, dass ich mir Zeit für eine kla­re Mei­nungs­bil­dung gebe ‑geben muss.

  8. Anja Wohllebe sagt

    Dann soll­te par­al­lel aber auch mal über bezahl­ba­ren Wohn­raum, spe­zi­ell für Fami­li­en, nach­ge­dacht wer­den.

    1. Grit Decker sagt

      Das sowie­so!
      Und bit­te auch über bezahl­ba­ren Wohn­raum für (Ein­zel-) Per­so­nen mit Han­di­caps.

      Nicht allei­ne nach­den­ken, son­dern end­lich ‑wie satt­sam bekun­det- auch han­deln!
      Für ALLE, die nach bezahl­ba­ren Woh­nun­gen suchen.
      *grrr*

  9. Basti g. sagt

    Das tief­kühl­la­ger gam­melt vor sich hin Wer sowas schreibt hat kei­ne Ahnung

  10. Bastian Schneider sagt

    Die­ser Indus­trie­ge­biet­be­reich ist spe­zi­ell auf Logis­tik aus­ge­rich­tet. Der Stand­ort wur­de wegen sei­ner Anbin­dung gewählt, mit Lie­fer­ver­kehr war zu rech­nen. Wem das damals bei der Ver­ga­be und beim Bau der Hal­len nicht klar war, hät­te nicht abstim­men dür­fen. Die Haupt­last des Lie­fer­ver­kehrs wird sich haupt­säch­lich auf die Stre­cke zwi­schen A2 und Gewer­be­ge­biet beschrän­ken, da muss man nicht über den beschei­de­nen Ver­kehrs­fluss in der Innen­stadt nölen. 900 zu erwar­ten­de Fahr­zeu­ge klingt erst mal viel, aber über den Tag ver­teilt ist es gering, sehr gering. Das sind gera­de mal 37 Fahr­zeu­ge in einer Stun­de – 10 KFZ inner­halb von 15 Minu­ten, die bin­nen weni­ger Sekun­den vor­bei­fah­ren. Wo Ama­zon das Per­so­nal her­be­kommt, ist Ange­le­gen­heit von Ama­zon und nicht der Stadt. Wür­de die Stadt zügig für Wohn­raum und bebau­ba­re Flä­chen sor­gen, wäre es eine Chan­ce zum Ansie­deln. Logis­tik und Auto­ma­ti­sie­rung sind die Zukunft. Wenn Wunstorf es nicht macht, freut sich eine ande­re Stadt über die Gewer­be­steu­er und gestei­ger­te Kauf­kraft der Ein­woh­ner. Natür­lich kann man die Augen ver­schlie­ßen und hof­fen, dass die Zukunft einen Bogen um einen macht. Wird sie aber nicht. Seht es als Mög­lich­keit, nicht den Anschluß zu ver­lie­ren. Was wird die Ent­wick­lung noch mit sich brin­gen? Ama­zon wird mit­tel- bis lang­fris­tig alle Lie­fe­run­gen selbst zustel­len wol­len. Sobald Ama­zon in der Regi­on star­tet, wird dies Fol­gen für DHL, Her­mes, DPD und Co. haben. Zwangs­läu­fig wird Per­so­nal abge­baut, in Tei­len bei Ama­zon wie­der auf­ge­baut.

    1. Basti g. sagt

      Sehe da auch kein Pro­blem wenn man die ampel­steue­rung Rich­tung Auto­bahn ändert wird das lau­fen

  11. Grit Decker sagt

    In einem Punkt möch­te ich #Bas­ti­an Schnei­der zustim­men: auch die Stadt Wunstorf darf sich der Zukunft mit ihren Mög­lich­kei­ten und Chan­cen nicht ver­wei­gern.

    Auch, dass sich das mit einer mög­li­chen Ansied­lung Ama­zons erge­ben­de erhöh­te Ver­kehrs­auf­kom­men im Schwer­punkt auf die Stadt­rand­la­ge kon­zen­trie­ren wird, sehe ich genau­so.
    Doch soll­te die Anbin­dung der Adolf-Oes­ter­held-Stra­ße bit­te erst ein­mal erfolgt sein.
    Und das wird mit Sicher­heit dau­ern ‑sehr lan­ge dau­ern.

    Denn ‑mit Ver­laub- die Nord­um­ge­hung ist seit Jahr­zehn­ten geplant und seit etli­chen Jah­ren beschlos­sen. Auch wenn ich Ver­ständ­nis für mit dem Bau­vor­ha­ben zusam­men­hän­gen­den Ver­zö­ge­run­gen habe:
    ich lebe mitt­ler­wei­le 30 Jah­re in Wunstorf, habe also das exor­bi­tant zuneh­men­de Ver­kehrs­auf­kom­men mit­be­kom­men, so dass es mich inzwi­schen rich­tig ‚gal­lig macht, dass in der Sache der Nord­um­ge­hung nichts ‚geba­cken’ wird.

    Die Stadt Wunstorf wür­de sich bei der Ansied­lung von Ama­zon finanziell/wirtschaftlich gese­hen ein gan­zes Stück weit „gesund sto­ßen“ kön­nen.
    Das ist nun­mal ein Fakt.
    Soll­ten die erheb­li­chen Mehr­ein­nah­men zumin­dest zum Teil uns Wunstor­fern zu Gute kom­men, bei­spiels­wei­se in Form des Baus der drin­gendst not­wen­di­gen bezahl­ba­ren Woh­nun­gen (sie­he oben), wäre ich dem gar nicht mal abge­neigt.
    Ob die­ses aber geschieht? Dar­an habe ich mehr als (berech­tig­te!) Zwei­fel.

    Die ver­mut­lich fest­ste­hen­de Ansied­lung von Ama­zon birgt reich­lich Zünd­stoff für wei­ter­hin „hei­ße“ Dis­kus­sio­nen.

    Wie ich bereits sag­te: für mich per­sön­lich ist es unglaub­lich schwie­rig, mir zum jet­zi­gen Zeit­punkt eine kla­re Mei­nung zu bil­den, dafür weiß ich noch schlicht­weg zu wenig.
    Okay: zu den Arbeits­be­din­gun­gen des Groß­kon­zerns wie zu des­sen Ver­trä­gen mit den Händ­lern, die über Ama­zon ihre Pro­duk­te ‚auf den Markt wer­fen’, habe ich zwar durch­aus die eine und ande­re Infor­ma­ti­on, doch zur deut­li­chen Posi­tio­nie­rung reicht mir das nicht.

    So wür­de ich es sehr begrü­ßen, soll­ten die an dem Gesche­hen inter­es­sier­ten Bür­ge­rin­nen und Bür­ger sei­tens der Stadt im Rah­men einer Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung über die Pla­nun­gen und den Stand der Din­ge zu ‚Wis­sen­den’ wer­den.
    Ich bin nicht der­art naiv, um mir nicht dar­über im Kla­ren zu sein, dass sich die Stadt dort nicht bes­tens ‚ver­kau­fen’ wird.
    Da kann ich ihr kei­nen Vor­wurf draus machen: das ist das bei Allen übli­che Pro­ce­de­re.
    Da liegt’s an jedem selbst, sich auch ander­wei­tig schlau zu machen, auch wenn das mit Sicher­heit recht zeit­in­ten­siv ist.

    Nach mei­ner Ansicht braucht’s viel­fäl­ti­ge Infor­ma­tio­nen, um sich Kennt­nis­se zu Situa­tio­nen und Gege­ben­hei­ten aller Arten zu erwer­ben, um sich dann deut­lich posi­tio­nie­ren zu kön­nen.

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