SB-Scannerkassen in Wunstorf

Wenn der Kun­de zum Kas­sie­rer wird

Weni­ge tau­send gibt es bis­lang davon in Deutsch­land – und Wunstorf hat nun auch 4 davon: Selbst­scan­ner-Kas­sen im Ein­zel­han­del. Seit Ende August kann man nun auch bei „Ede­ka Kap­pe“ selbst zum Kas­sie­rer wer­den, wenn man sich nicht an einer tra­di­tio­nel­len Kas­sen­the­ke anstel­len möch­te.

SB-Scannerkassen
Die neu­en SB-Kas­sen im Wunstor­fer Ede­ka | Foto: Dani­el Schnei­der

Wunstorf (ds). Der Kern­stadt-Ede­ka gilt als inno­va­tiv: Der Fir­men­wa­gen ist ein Elek­tro­au­to in Ede­ka-Dekor, gera­de erst wur­de ein Park­platz­dach in Form einer Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge errich­tet – und nun führt er als Ers­ter in gro­ßem Stil SB-Kas­sen in einem Wunstor­fer Super­markt ein. Regi­ons­weit ist der Super­markt in sei­ner Kate­go­rie damit Vor­rei­ter. Sobald der regio­na­le Ver­bund, die Ede­ka Min­den, eine ent­spre­chen­de Haus­lö­sung anbot, wur­de nicht mehr gezö­gert. SB-Kas­sen hät­te Inha­ber Cord Kap­pe ansons­ten auch schon frü­her auf­ge­stellt.

Wer in der vor­letz­ten Woche beim Ede­ka in der Hin­den­burg­stra­ße ein­kau­fen ging, konn­te bereits an der Posi­ti­on der alten Kas­sen eine Ver­än­de­rung bemer­ken: Hat­ten die­se bis­lang alle­samt leicht schräg gestan­den, waren sie nun auf ein­mal recht­wink­lig aus­ge­rich­tet. Und eine Kas­se war ganz ver­schwun­den: links, an der Wand zum Obst/Ge­mü­se-Bereich, war eine kom­plet­te Kas­sen­zei­le abmon­tiert wor­den. Sie mach­te Platz für die neu­en Selbst­scan­ner­kas­sen, die dort nun in Betrieb genom­men wur­den.

SB-Kas­sie­ren

Ist es noch zeit­ge­mäß, durch den Super­markt zu het­zen, nur um am Ende eine gefühl­te Ewig­keit in der Kas­sen­schlan­ge zu war­ten, bis man end­lich bezah­len darf? Seit Jahr­zehn­ten ver­sucht der Ein­zel­han­del, das aktu­el­le Kon­zept der Kas­sen zu revo­lu­tio­nie­ren. Immer­hin ist es schon über 100 Jah­re alt. Seit die Selbst­be­die­nungs­ge­schäf­te nach und nach die Tan­te-Emma-Läden ersetz­ten, ist die Kas­se am Aus­gang des Ladens nicht mehr weg­zu­den­ken. Ein­kaufs­wa­gen kennt man seit den 50er Jah­ren, Scan­ner­kas­sen gibt es seit den 70er Jah­ren. Und selbst klei­ne Kas­sen­the­ken hat­ten irgend­wann alle ein Lauf­band. Doch am eigent­li­chen Prin­zip hat sich auch durch all die­se Modi­fi­ka­tio­nen nicht viel geän­dert: der Kun­de sam­melt im Laden sei­ne Ein­käu­fe zusam­men, räumt sie danach an der Kas­se wie­der aus, bezahlt, und räumt sie danach aber­mals zusam­men.

SB-Scannerkasse
Touch­screen der SB-Scan­ner­kas­se | Foto: Dani­el Schnei­der

Neue Kon­zep­te sol­len hier Abhil­fe schaf­fen. Ama­zon expe­ri­men­tiert in sei­nen High­tech-Läden mit voll­au­to­ma­ti­scher Erfas­sung der Ein­käu­fe durch Kame­ras und auto­ma­ti­scher Abbu­chung, sodass man gar kei­ne Kas­se mehr braucht, ande­re Sys­te­me drü­cken dem Kun­den einen Scan­ner in die Hand, mit dem er bereits wäh­rend des Ein­kaufs die Preis­schil­der scannt – und am Ende nur noch die EC-Kar­te zückt, ohne die Ware noch­mal aufs Kas­sen­band legen zu müs­sen. Doch einen Zeit­ge­winn hat das alles bis­her nicht wirk­lich gebracht, das „Anste­hen“ ver­la­gert sich nur auf ande­re Berei­che.

Was soll erreicht wer­den?

Einen schnel­le­ren Ein­kauf will auch der Wunstor­fer Ede­ka mit den neu­en SB-Kas­sen nicht pri­mär errei­chen, es geht eher um eine bes­se­re Bewäl­ti­gung der Kun­den­strö­me, ver­rät Inha­ber Cord Kap­pe der Aue­post im Gespräch. Die neu­en Selbst­scan­ner­kas­sen sol­len ent­zer­rend wir­ken. Denn zu Stoß­zei­ten wer­den die Schlan­gen an den Kas­sen trotz Voll­be­set­zung mit­un­ter lang. Wei­chen Kun­den, die nur weni­ge Arti­kel zu bezah­len haben, nun auf die SB-Kas­sen aus, ver­rin­gert sich zunächst die Kas­sen­schlan­ge an den tra­di­tio­nel­len Kas­sen, wodurch es zumin­dest für die alt­mo­disch Bezah­len­den schon ein­mal schnel­ler vor­an­geht.

Ob die SB-Kas­sen-Kun­den schnel­ler durch die Kas­sen­zo­ne kom­men, hängt dann jedoch davon ab, wie vie­le Arti­kel sie tat­säch­lich kau­fen, wel­che Bezah­lungs­art sie wäh­len und wie rou­ti­niert sie mit dem Gerät umge­hen. Kap­pe hat dabei gera­de auch die jun­ge Kli­en­tel aus dem gegen­über­lie­gen­den Höl­ty-Gym­na­si­um im Blick.

Sind nicht für jeden was“Inha­ber Cord Kap­pe über die Not­wen­dig­keit, trotz neu­er Tech­nik den Stel­len­wert der tra­di­tio­nel­len Kas­sen bei­zu­be­hal­ten

Und einen Platz­vor­teil bringt das Gan­ze: An die Stel­le der ent­fal­le­nen 6. Kas­se sind gleich 4 neue SB-Kas­sen gerückt, sodass es also dort statt zuvor sechs nun ins­ge­samt neun Kas­sen gibt. Per­so­nal­ein­spa­run­gen soll es wegen der SB-Scan­ner­kas­sen nicht geben. Auf klas­si­sche Kas­sen wird man nicht ver­zich­ten, die neu­en Kas­sen­plät­ze zum Sel­ber­ab­fer­ti­gen sind als rei­ne Ergän­zung gedacht. Letzt­lich geht es also um die Umsatz­stei­ge­rung, bei dem der Zeit­ge­winn der Kund­schaft nur ein mit­tel­ba­rer Fak­tor ist.

Wie es funk­tio­niert

Das Bar­geld wird auch an den SB-Kas­sen kei­nes­wegs abge­schafft. Bezahlt wer­den kann nicht nur mit Kar­te, son­dern auch mit Schei­nen und Mün­zen. Die SB-Kas­sen neh­men das Bar­geld an und geben es auch als Rück­geld direkt wie­der aus, sowohl Schei­ne als auch Mün­zen – jedes Ter­mi­nal hat einen in sich geschlos­se­nen Bar­geld­kreis­lauf. im unte­ren Bereich mit­tig gibt es dafür meh­re­re Ein- und Aus­ga­be­schäch­te.

SB-Scannerkasse
Die rech­te Abla­ge­flä­che kon­trol­liert, ob das Gewicht mit dem der gescann­ten Arti­kel über­ein­stimmt | Foto: Dani­el Schnei­der

Das Herz­stück ist jedoch der Scan­ner­be­reich: Hier zieht der Kun­de den Strich­code ein­fach durch den roten Laser, genau wie eine Kas­sen­kraft auch. Einen Hand­scan­ner gibt es nicht. Ist kein Strich­code vor­han­den, etwa bei Back­wa­ren oder Obst/Gemüse, fun­giert der Scan­be­reich auch als Waa­ge – auf dem Touch­screen muss das pas­sen­de Pro­dukt dann aus­ge­wählt wer­den. Gescannt wird von links nach rechts – nach dem Scan­nen ist die Ware in den rech­ten Metall­korb zu legen. Der ist in Wirk­lich­keit eine wei­te­re Waa­ge – und kon­trol­liert, ob die Arti­kel auch wirk­lich alle gescannt wur­den. Das Sys­tem kennt das Gewicht aller Waren und blo­ckiert den Kas­sen­vor­gang, wenn das erwar­te­te Ergeb­nis abweicht.

Wir sind die Anlei­tung“

Eine Anlei­tung zur Bedie­nung der SB-Kas­sen gibt es nicht, aber selbst­er­klä­rend ist das Sys­tem auch nicht, wenn man es zum ers­ten Mal benutzt. „Wir sind die Anlei­tung“, lacht Cord Kap­pe und wuselt bereits wei­ter zu einem Kun­den, der zum ers­ten Mal die SB-Kas­se aus­pro­biert und im Ablauf ste­cken­ge­blie­ben ist. Die Erfah­rung machen eini­ge, die die SB-Kas­sen in die­sen Tagen zum ers­ten Mal nut­zen. Wo muss ich drü­cken? War­um geht es nicht wei­ter? Wo fin­de ich die­se Salats­or­te in der Über­sicht? Wo ist das Wech­sel­geld? Kap­pe und sei­ne Mit­ar­bei­ter sind zur Stel­le und hel­fen not­falls mit dem Gene­ral­schlüs­sel nach, wenn es nötig ist.

Und einen Schubs in die rich­ti­ge Rich­tung braucht man manch­mal selbst für schein­bar banals­te Din­ge. Beim Selbst­ver­such ver­ges­sen auch wir ein­mal, nach dem manu­el­len Ein­ge­ben der Bröt­chen­an­zahl den „Weiter“-Button zu drü­cken, obwohl er groß genug auf­leuch­tet. Etwas, was man beim Scan­nen von Strich­codes zuvor natür­lich nicht machen muss­te. Auch die Dar­stel­lung auf dem Bild­schirm ist manch­mal nicht per­fekt: Auf der Tas­te zur Bröt­chen­aus­wahl bekommt man wg. Platz­man­gel z. B. statt „Bröt­chen“ nur „röt­chen“ zu lesen.

SB-Scannerkasse mit Geldschein
Bank­no­ten­ein­zug­fach der SB-Scan­ner­kas­se | Foto: Dani­el Schnei­der

Auf das Wech­sel­geld muss man beson­ders ach­ten, denn Schei­ne und Mün­zen wer­den in unter­schied­li­chen Fächern zurück­ge­ge­ben. Wech­sel­geld in Papier wird etwa unter dem Ein­zugs­schacht aus­ge­ge­ben – und von die­sem in der Drauf­sicht leicht ver­deckt.

Zeit­er­spar­nis: optio­nal

Zeit der Kun­den und auch Arbeits­zeit spart das alles auf die­se Wei­se noch nicht ein, im Gegen­teil. Bis der rich­ti­ge Knopf gefun­den ist, bis das Geld in die rich­ti­gen Fächer gelegt ist und das Rest­geld danach aus ande­ren Fächern wie­der ein­ge­sam­melt wur­de, ver­geht eini­ge Zeit – zusätz­lich zum Scan­nen, das man ja auch noch über­neh­men muss. Und wo frü­her ein Kas­sie­rer oder eine Kas­sie­re­rin kas­sier­te, ste­hen zumin­dest aktu­ell manch­mal bis zu 3 Mit­ar­bei­ter, die die SB-Kas­sen erklä­ren und beauf­sich­ti­gen.

Die SB-Kas­sen bie­ten jedoch vor allem den psy­cho­lo­gi­schen Vor­teil, dass eher eine Kas­se frei ist und man sich nicht anstel­len muss in der War­te­schlan­ge. Einen Geschwin­dig­keits­vor­teil erreicht man nur beim Scan­nen weni­ger Arti­kel, die man kon­takt­los mit NFC-Chip-Kar­te bezahlt – oder eben die ande­ren Kas­sen­schlan­gen sehr lang sind und man beim Scan­nen und ggf. der Waren­ka­te­go­ri­sie­rung eben­so rou­ti­niert vor­geht wie eine Kas­sen­kraft. Für gro­ße Ein­käu­fe eig­nen sich die SB-Kas­sen sowie­so nicht, da nur eine begrenz­te Anzahl von Arti­keln auf der Kon­troll­waa­ge Platz fin­det.

Berüh­rungs­ängs­te schei­nen die Wunstor­fer Ede­ka-Kun­den jeden­falls nicht zu haben. Klei­ne Schlan­gen bil­den sich zeit­wei­se nun sogar bereits vor den SB-Kas­sen, und allein in der ers­ten Woche pro­bier­ten um die 500 Kun­den die neue Mög­lich­keit des Bezah­lens aus, obwohl die dafür vor­ge­se­he­ne flan­kie­ren­de Deko­ra­ti­on noch nicht ein­mal ange­bracht war. Ob das nur die ers­te Neu­gier war oder die Kund­schaft sich auch dau­er­haft zum Sel­ber­scan­nen ent­schließt, muss sich erst noch zei­gen – doch Cord Kap­pe ist zuver­sicht­lich. Blei­ben wer­den die neu­en Kas­sen auf jeden Fall.

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25 Kommentare
  1. Gerda Mirkovic meint

    Schlimm es wird wie­der die Men­schen tref­fen, die dort arbei­ten.

  2. Michael Lau meint

    Hab das bei Fami­la Nien­burg aus­pro­biert.
    Wenn das Auf­sichts­per­so­nal bloß nicht so genervt wäre wenn der SB Kun­de Feh­ler macht

  3. Andreas Michael Mankus meint

    …und irgend­wann wird der Döner den Men­schen erset­zen 😉

  4. Christian Richter meint

    Nicht nut­zen, dann ver­schwin­det das auch wie­der .

  5. Marcel Möller meint

    Das ist super, weil man sonst immer so lan­ge war­ten muss

  6. Vera Krüger meint

    Also fäl­len wie­der Arbeits­plät­ze weg denkt da kei­ner dran

    1. Vera Krüger meint

      Schon mal bei Fami­la geguckt da steht eine und die geht hin wenn sie merkt die kom­men nicht wei­ter

    2. Vera Krüger meint

      Schon mal bei Fami­la geguckt da steht eine und die geht hin wenn sie merkt die kom­men nicht wei­ter

  7. Stefan Gold meint

    Am Sams­tag direkt aus­pro­biert. Ergeb­nis : 8 x Six­pack, nach 6 Six­pack war es der Waa­ge zu schwer. Net­tes Per­so­nal war zur Stel­le und muss­te ein­grei­fen. Dann erst­mal bezah­len. Alters­ab­fra­ge da es sich um Bier­misch­ge­trän­ke han­del­te. War mit dem Auto unter­wegs, konn­te die Kas­se aber nicht wis­sen. Also hat mir wie­der das net­te Per­so­nal gehol­fen. So kamen wir zu einem klei­nen Gespräch. Den Rest gescannt, bezahlt und nein noch nicht fer­tig. Alters­ab­fra­ge mit Hil­fe vom Per­so­nal. Fazit : Es wur­den aus einem Ein­kauf zwei Rech­nun­gen. Und ohne die Hil­fe des Per­so­nals wäre ich wohl ohne Geträn­ke nach Hau­se gefah­ren. Für den klei­nen Ein­kauf sicher gut, soll­te der Ein­kaufs­wa­gen voll sein, dann emp­feh­le ich die nor­ma­le Kas­se.

  8. Ronny Weickert meint

    Rich­tig dumm hal­te davon nix mehr arbeits­los und somit mehr Hartz IV

  9. Michael Ungermann meint

    Ich geh lie­ber zur klas­si­schen Kas­se. Man kennt sich und quatscht neben­bei. Genau das mensch­li­che macht Kap­pe aus

  10. Jutta Sobotta meint

    Ich geh lie­ber zur klas­si­schen Kas­se es ist per­sön­li­cher

  11. Biggi Selli meint

    ich will Men­schen AN DER kAS­SE

  12. Christian-Alexander Gebken meint

    Ich find es gut, weil so die Schü­ler mit ihren 1 € Beträ­gen von der Kas­se weg sind und man sel­ber schnel­ler durch ist.

  13. Stephan Große meint

    Kas­se, das Leben ist schon unmensch­lich genug. Aber wenn es um Pro­fit geht, wird dann ver­mut­lich der ein oder ande­re Mit­ar­bei­ter ent­las­sen, oder nicht mehr ersetzt.…weiter so. Maschi­nen kön­nen aber kei­ne Lebens­mit­tel kau­fen.

  14. Michael Behling meint

    Ich habe es heu­te getes­tet, alles super geklappt.

  15. Mike Aha meint

    Ich wer­de sowas auch wei­ter­hin boy­kot­tie­ren, hal­te nichts von ver­steck­tem Per­so­nal­ab­bau! Der Ein­zi­ge der wirk­lich etwas davon hat ist der Markt­lei­ter, oder evtl. die Ket­te.

  16. Björn Weikopf meint

    hat­te mir es mal ne zeit ange­se­hen. fast jede kas­se muss­te wäh­rend des scan­nens neu­ge­star­tet wer­den und der kun­de an eine ande­re, bis die­se auch neu­ge­star­tet wer­den muss­te

  17. Nils Flaßhoff meint

    Habe es auch schon getes­tet: Mit etwas Übung eine super Sache. Gera­de wenn man nur wenig ein­kauft.

  18. Wolfgang Ahl meint

    Ger­da Indus­trie 4.0

  19. Martina Schroden meint

    Nicht gut, so fal­len auch die Kassierer/innen irgend­wann weg

  20. Stefan Gold meint

    Ihr wollt doch kein war­mes Bier trin­ken oder?

  21. Andrea Ehrke Grupe meint

    Ich gehe lie­ber zum Ver­käu­fer. Wen die Kas­sen voll sind und ich kei­ne Zeit und nur Klei­nig­kei­ten dann nut­ze ich das auch mal

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