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Große Skepsis wegen Wunstorfer Innenstadtumbau: Bürger fühlen sich nicht mitgenommen

15.08.2025 • Redaktion • 4 Min.Kommentare: 12

Am Donnerstagabend wurde neben der alten Fußgängerzone über die künftige neue Fußgängerzone diskutiert. Ohne Zwist sollte es ablaufen. Aber plötzlich war nicht nur die Innenstadt Thema, sondern auch der Barnekreisel, Barneplatz, Strandterrassenvorplatz und die frisch gefällten Bäume in der Nordstraße.

15.08.2025
Redaktion
4 Min.
Infoveranstaltung vor der Abtei | Fotos: Daniel Schneider

Wunstorf (red). Die Wunstorfer Fußgängerzone soll für die kommenden Jahrzehnte neu entstehen. Weil die Werbegemeinschaft Wunstorf, in der ein Großteil der Innenstadtakteure zusammengeschlossen ist und deren Interessen sie vertritt, auch nach der letzten offiziellen Bürgerbeteiligung zum anstehenden Architektenwettbewerb noch deutlichen Redebedarf sah, hatte sie kurzerhand selbst eine Infoveranstaltung organisiert.

Am Donnerstag verlegte man angesichts des Hochsommerwetters die Veranstaltung aus der Abtei vor die Abtei. Wer eine Bürgerbeteiligung 2.0 erwartet hatte, wie sie vor kurzem bereits im Rahmen des offiziellen Stadtentwicklungsverfahrens abgehalten wurde, wurde überrascht: Etwa viermal so viele Menschen wie bei der Veranstaltung im Mai waren gekommen. Der Abteihügel wirkte ein wenig, als wäre hier in altgermanischer Sitte auf einer Waldlichtung eine Art Ständeversammlung zusammengetreten.

Klartext statt Zwist

Werbegemeinschaftsvorsitzender Bernd Heidorn betonte zu Beginn gleich den Schulterschluss zwischen Händlern und Stadtverwaltung. Von „Zwist“, von dem alle drei Wunstorfer Medien berichtet hätten, könne keine Rede rein. Man arbeite zusammen. Aber es wurde Klartext gesprochen, auch Heidorn tat dies gegenüber Bürgermeister Carsten Piellusch (SPD): „Warum erst jetzt?“, fragte er den neben ihm stehenden Bürgermeister in Bezug auf die FAQ, die von der Stadt kurz vor dem Abteitreffen veröffentlicht wurden. Die SPD hat zudem die Einrichtung eines Arbeitskreises vorgeschlagen.

Bernd Heidorn eröffnet den Infoabend
Die Resonanz fällt groß aus

Trotz vieler Vorbereitungen, vieler Berichte und auch Beteiligungsformaten scheint offensichtlich der Eindruck entstanden zu sein, dass an den Bürgern vorbeigeplant wird. Das belegten die zahlreichen Wortbeiträge, die sich um die Fragen des Wie und Warums drehten. Viele Geschäftsinhaber, die bei der vorigen städtischen Runde noch geschwiegen hatten, meldeten sich öffentlich zu Wort.

Die Angst wurde noch einmal ganz deutlich, dass die Wunstorfer Innenstadt in Zukunft ähnlich aussehen könnte wie inzwischen der Barneplatz in der Kernstadt oder der Strandterrassenvorplatz in Steinhude: Eine graue Steinfläche, die sich gut für Veranstaltungen oder Marktstände eignet, aber damit ihren früheren Charakter eingebüßt hat. Das rote kontrastierende Pflaster und die typischen Mauern, Nischen und Absätze der Fußgängerzone gelten beispielsweise nach den Vorgaben im Wettbewerb als nicht mehr wünschenswert.

Pflaster soll bleiben

Vor allem am alten Pflaster wollen jedoch viele festhalten – aus historischen Gründen, aus Vertrautheit, aber auch für den Umweltschutz, und viele wollen am liebsten gar nichts ändern in der Fußgängerzone, wenn man sich umhört. Die Ansicht, dass die Bagger nur kommen, weil jetzt Fördergeld vorhanden ist, ist tiefsitzend.

Carsten Piellusch trat dem vehement entgegen. Es sei keinesfalls so, dass jetzt nur umgestaltet werde, weil Geld gerade da sei, stellte der Bürgermeister heraus, die städtebaulichen Maßnahmen seien komplex und langfristig angelegt. Wie wichtig vor allem die Sanierung des Untergrundes – Stichwort Kanalisation – sei, wurde ebenfalls betont. Er zählte auch auf, was bisher bereits alles für die Innenstadtentwicklung getan und umgesetzt worden war.

Sandy Löbermann von der Wunstorfer Verwaltung erklärt Zusammenhänge

Piellusch empfahl den Händlern auch, sich zu vernetzen und die Expertise von Handelsverbänden in Anspruch zu nehmen, wie sich eine Innenstadtsanierung vom Handel meistern lasse – und wurde prompt missverstanden. Viele fassten es als Hinweis auf, dass sie sich noch nicht ausreichend mit dem Thema beschäftigt hätten. Das kam überhaupt nicht gut an. Der Bürgermeister stellte letztlich klar, dass er es so nicht gemeint habe, sondern auf Erfolgsbeispiele habe verweisen wollen.

Aus der Runde wiederum wurde den Architekten unterstellt, dass sie sich nicht genügend mit der Geschichte der Wunstorfer Fußgängerzone befassen würden. Frank Schlegelmilch, der für die begleitende Agentur BPW Stadtplanung teilnahm, bestärkte diesen Eindruck noch unabsichtlich, indem er auf einen zuvor geäußerten Wortbeitrag, der sich auf mittelalterliches Pflaster bezogen hatte, ausführte, in Wunstorf fehle der historische Zusammenhang. Dabei hatte er nur sagen wollen, dass der Rotklinker aus den 1980er Jahren im Fußgängerzonenpflaster noch kein erhaltenswertes Material sei.

Ende oder Anfang der Beteiligung?

Auch scheinbare Diskrepanz kam zur Sprache: Während im ersten verteilten „Infobrief“, der nun neu über die Altstadtsanierung informiert und am Abend verteilt wurde, stand, dass die Bürgerbeteiligung abgeschlossen sei, war gleichzeitig die Rede davon, dass es nun mit der Bürgerbeteiligung erst so richtig losgehe. Auch dies könnte als Symptom noch nicht ausreichender Kommunikation gelten: Abgeschlossen war die Bürgerbeteiligung in Hinblick auf den laufenden Architektenwettbewerb. Wenn dieser Ergebnisse gebracht hat, soll es weitergehen mit der Debatte.

Video: Eindrücke vom Infoabend

Jörn Knop, Vermieter in der Innenstadt und selbst Architekt, brachte offen zur Sprache, dass er nicht glaube, dass die beteiligten Architekturbüros schonend und behutsam an die Innenstadtsanierung herangehen würden – wenn doch bereits von notwendigen großen Eingriffen die Rede sei.

Fehlerkultur vermisst

Die Debatte wirkte stellenweise wie eine Generalabrechnung mit der derzeitigen Baupolitik in Wunstorf. Barneplatz, Barnekreisel und Strandterrassenvorplatz wurden immer wieder als Negativbeispiele genannt. Es gipfelte in dem Vorschlag, dass sich die Verantwortlichen auch einmal dafür entschuldigen sollten, wenn hässliche Plätze entstanden seien. Dann könne man auch mehr Vertrauen haben, dass es beim Innenstadtumbau nicht wieder schiefgehe.

Jörn Knop lässt sich nicht abspeisen und formuliert eine Frage dreimal um, um eine passende Antwort zu erhalten

Wirklich Licht ins Dunkel der Verfahren bringen konnte die gut anderthalbstündige Veranstaltung nicht. Dazu sind die Zusammenhänge in der Tat zu komplex. Ohne ein genaueres Studium ist das Procedere mit all seinen Facetten, mit Schlagwörtern zwischen ISEK, Vergabeverfahren, Preisgericht, Architektenwettbewerb oder Bürgerbeteiligung, kaum zu durchdringen. Miteinander in ein direktes Gespräch kommen, das hat jedoch funktioniert. Politik und Verwaltung haben noch einmal gespiegelt bekommen, wo die größten Bedenken bestehen und warum – und wo Informationen noch nicht angekommen sind.

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Kommentare


  • Basti g. sagt:

    Am besten erstmal so lassen und nur kleine Veränderungen vornehmen! Erstmal straßen instandsetzen

  • Fred sagt:

    Lasst es doch, es gibt so viel zu sanieren, die meisten Radwege sind scheiße und voller zu hoher gullideckel. Das müssten die Fahrradfahrenden politiker eigentlich merkenvermutlich will niemand einen barneplatz 2.0 oder Steinhude 2.0, auch keine kiosk und händylädeninnenstadt wie barsinghausen usw.

    Tut doch im bezug auf die Innenstadt einfach mal nichts

  • Ulrich Hindelmeyer sagt:

    Warum bleibt es nicht so wie es derzeit ist? Reparaturen natürlich ausgenommen.Es scheint so als ob einige Personen nur Geld ausgeben wollen, ohne hinreichende Begründung.

  • TBM sagt:

    Und bei dem geplanten Kahlschlag der prägenden Elemente werden die Bäume sicherlich gleich mit abgeholzt? Oder???

  • Anke sagt:

    Was man bei der Debatte nicht vergessen sollte:
    Herr Knop hat einen Vorschlag für ein Parkdeck auf dem Parkplatz Nordwall auf den Tisch gelegt, bei dem alle Bäume im Innenbereich des Parkplatzes, also zwischen den einzelnen Parkbereichen gefällt werden müssten.

    • Jörn Knop sagt:

      Liebe Anke, da sie mich direkt benennen, antworte ich gerne auf ihren Kommentar. Ihre Behauptung, mein Vorschlag für das Parkdeck Nordwall würde die Fällung aller Bäume auch dem jetzigen Parkplatz erfordern, ist falsch. Richtig ist das Gegenteil. Der Vorschlag sieht vor, das kein Baum gefällt werden muss. Davon kann sich jeder überzeugen. Die Planung ist auf der Seite der Werbegemeinschaft einsehbar. Hier der Link: https://www.werbegemeinschaft-wunstorf.de/entwurf-parkdeck/ . Wenn dies Ihr Wunsch ist, kann ich Ihnen den Entwurf auch gerne erläutern. Dafür wäre es hilfreich wenn Sie sich hier mit Klarnamen zu erkennen geben. Das erleichtert eine freundliche und sachliche Kommunikation.

  • Andreas sagt:

    Ich bin zwar nicht unbedingt dafür, die Fußgängerzone grundlegend zu sanieren, aber zu berücksichtigen ist, dass für die Kanalsanierung das Pflaster ohnehin großflächig geöffnet werden muss.

    Und von einigen Läden in der Innenstadt würde ich mir einen echten Servicegedanken wünschen. Da haben manche inhabergeführte Läden noch die Haltung „Vorsicht, Kunde droht mit Auftrag.“

    • Sabine sagt:

      Dem kann ich leider nur zustimmen.

      Manche der aktuell agierenden Akteure haben leider noch den Servicegedanken aus der Zeit, als die Fußgängerzone vor mehr als 40 Jahren entstand. Sie sollten sich vor Augen halten: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.

  • Wilfried Helbsing sagt:

    Fakt ist, das die Versorgungsleitungen in der Fußgängerzone saniert werden müssen. Fakt ist aber auch, wenn nur ein Streifen aufgenommen wird die Wiederherstellung nie wieder hundertprozentig wird und somit Flickwerk ist. Siehe Leitungsverlegung in Bürgersteigen, bzw. Straßen. Ich plädiere dafür, die Fußgängerzone komplett, unter Verwendung der noch verwendungsfähigen Materialien, zu sanieren.
    Das wichtigste jedoch ist, das die Verwaltung dafür sorgt, das die Sanierung ein Jahrhundertbaustelle wird.
    Siehe Barne, Nordstraße.

    • Jörn Knop sagt:

      Sehr geehrter Herr Helbsing, zur Wahrheit gehört auch, dass zwar behauptete wird, dass die Versorgungsleitungen marode seien, dass aber trotz mehrfacher Nachfrage und Bitte der Werbegemeinschaft keine Unterlagen zur Untersuchung vorgelegt wurden. Woher wollen Sie so genau wissen, in welchem Zustand die Leitungen sind und welche Maßnahmen konkret notwendig sind. Liegt Ihnen das Untersuchungsergebnis vor?

  • Jörn Knop sagt:

    Aufgrund des vorhandenen Materials (Pflasterklinker und Sandsteinpflaster) ist ein partielles Aufnehmen und Wiederherstellen des Belages unproblematisch möglich. Das wurde an diversen Stellen bereits bewiesen. Mit Reparaturen z.B. an einem Asphaltbelag auf Straßen, die ein „Flickwerk“ erzeugen, ist dies nicht vergleichbar. Allerdings ruft der vorhandene Belag nach Pflege und Instandsetzung. Dies wurde in letzter Zeit offensichtlich vernachlässigt.

  • Christine sagt:

    Vor kurzer Zeit warb Wunstorf noch mit der,schönsten Innenstadt der Region“. Wo ist sie geblieben? Ich glaube die Geschäftsleute würden sich über eine Baustellenpause freuen. Ich bin wegen der ständigen Staus und Baustellen auch selten in der Innenstadt gewesen. Erstmal die Umgehungsstraße…ü ist doch schon genug Projekt.Wann ist die Fertigstellung geplant???
    Parkplätze für mobilitätseingeschränkte Personen gibt es auch zu wenig und einige Oldies schaffen den Weg vom Aldiparkplatz zum Optiker nicht.
    Die Baumfällungen finde ich bedenklich. Sie werden durch Bämchen mit wenig Wurzeln, leider auch mit wenig Blättern und kühlendem Schatten ersetzt. Der Schatten eines Baumes sorgt für weniger Erwärmung von zugepflasterten Flächen. Die Stadt Köln hat große Bäume in relativ engen Straßen sehr mutig gepflanzt. Man kann es dadurch bei großer Hitze gut aushalten.
    Hier leben grade die Vollversiegelten Flächen auf. Diese grauen Steinwüsten haben nichts mit einem schönen Stadtbild zu tun. Da ist ein Schottergarten eine grüne Oase dagegen.
    Der Barneplatz hat eine Gestaltung, die wenig einladend ist. Der Spielplatz ist in freundliche Nähe zur Straße gerutscht, die Abrenzung zur Straße durch die gleiche Pflasterfarbe kaum sichtbar. Die vorher existierenden Parkplätze waren mit den höheren Beeten und waren gut begrünt, wurden durch Kurzparker gut genutzt und nicht dauerbelegt. Ein Anreiz zum Besuch der Läden.
    Allein eine viel befahrene Straße enger zu machen ist keine Verkehrsberuhigung. Die Parkplätze für die Miethäuser in der fortlaufenden Barnestraße sind zu wenig. Die Öffis fahren so unzuverlässig, dass ein Arbeitsweg häufig unmöglich wird. Der Trend zum 3. Auto ist leider oft durch die Arbeitswege begründet und um Kinder und Familie überhaupt unter einen Hut zu bekommen. Mit dem Lastenrad geht eben nicht alles.
    Bei Planungen von Straßen im Stadtgebiet geht vieles sicherlich auf dem Computer.In zu eng angeodnete in Parkplätze kann man nur schwer einparken, weil inzwischen viele größere Autos unterwegs sind. Die Idee die Lange Str. In einigen Bereichen zu verengen hat auch keine Verkehrsberuhigung, sondern abgefahrene Seitenspiegel gebracht.

    Wenn es Fragen zur Fertigstellung von Baustellen in Wunstorf geht, fragt man inzwischen.. in welchem Jahr???
    Ich freue mich auf die anstehende Hallenbadöffnung im September und für den Rest wünsche ich ein etwas entspannteres Angehen an die Projekte. Frag die Wunstorfer mal was sie wirklich wollen! Alle gleichzeitig anzugehen überlastet wieder nur die Sudetenstraße und keiner weiß warum ;-) Munter bleiben und mehr Mut zum 2. Baum

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