
Wunstorf (red). Kurz vor dem geplanten Infotreffen der Werbegemeinschaft Wunstorf zum Thema Fußgängerzonen-Umbau sendet die SPD-Stadtratsfraktion neue Signale und schlägt die Einrichtung eines Arbeitskreises vor.
Angesichts der nahen Festlegung auf einen Architektenentwurf, der künftig das Bild von Wunstorfs Innenstadt bestimmen soll, war vor allem unter der Händlerschaft massive Kritik am Verfahren aufgekommen. Mangelnde Transparenz und zu wenig Beteiligung der direkt vom Innenstadtumbau Betroffenen war vorgebracht worden. Befürchtet wird, dass Baumaßnahmen infolge einer weitreichenden Fußgängerzonen-Umgestaltung die Geschäftswelt langfristig schädigen.
Dass über die Auswahl des konkreten Entwurfs letztlich im kleinen Kreis eine Jury entscheidet, in die die Werbegemeinschaft nur einen Vertreter entsenden kann, war deshalb ebenfalls kritisch aufgenommen worden.
Die SPD-Fraktion im Rat der Stadt Wunstorf schlägt nun vor, nach Abschluss des Architektenwettbewerbs zur Neugestaltung der Innenstadt einen dauerhaften Arbeitskreis einzurichten. Das neue Gremium soll „die weitere Ausführungsplanung aktiv begleiten, berechtigte Interessen bündeln und den Ablauf der Umsetzung mitsteuern“.
Der auszuwählende Architektenentwurf war ohnehin nicht als Endpunkt der kommenden Planungen vorgesehen gewesen. Anpassungen, die die weiteren Interessen von Stadt und Wirtschaft berücksichtigen, sind üblich. Noch nicht angedacht war jedoch die weitere Entscheidungsfindung in Form eines Arbeitskreises.
„Wir schlagen diesen Arbeitskreis vor, weil ein Projekt dieser Größenordnung nur dann erfolgreich umgesetzt werden kann, wenn Beteiligung und Transparenz von Anfang an gewährleistet sind und berechtigte Interessen gemeinsam abgestimmt werden“, erklärt Torben Klant, baupolitischer Sprecher der SPD-Fraktion.
An der Notwendigkeit der anstehenden Fußgängerzonenumgestaltung lässt die SPD aber keinen Zweifel aufkommen: „Die geplante Sanierung wird notwendig, um die Innenstadt zukunftsfähig zu machen, die Aufenthaltsqualität zu steigern und den öffentlichen Raum barrierefrei sowie klimafreundlich zu gestalten. Die bauliche Substanz ist erneuerungsbedürftig, und ohnehin anstehende Infrastrukturarbeiten machen eine umfassende Neugestaltung jetzt sinnvoll.“ Zuvor hatten sich ebenfalls Stimmen gemehrt, dass die Wunstorfer Fußgängerzone gar keine Neuausrichtung benötigen würde, sondern gut sei, so wie sie jetzt schon ist. Man solle die Wunstorfer Innenstadt nicht nur deswegen umbauen, nur weil jetzt gerade Fördergeld dafür da sei, hieß es beispielsweise.
Im Arbeitskreis könnten dann Vertreter aus Verwaltung, Planungsbüro, Politik, Einzelhandel, Eigentümerschaft und Bürgerschaft zusammenkommen, um bei konkreten Fragen zur Möblierung, Barrierefreiheit, Begrünung, Erreichbarkeit und Aufenthaltsqualität im Vorfeld Einfluss zu nehmen auf die finalen Entscheidungen. Ebenso könnten Bauphasen und die Anliegerkommunikation dort mit beraten werden.
Die Politik spielt den Ball damit zurück zur Innenstadtwirtschaft: Denn nicht nur die städtischen Gremien müssten dem Arbeitskreis zustimmen, sondern Voraussetzung wäre auch „das grundsätzliche Einverständnis wesentlicher Innenstadtakteure“, damit der Arbeitskreis geschaffen werden kann. Vonseiten der CDU-Fraktion im Rat gibt es bereits Unterstützung für diesen Vorschlag ihres Koalitionspartners: „Eine enge Begleitung der Innenstadtsanierung durch einen breit besetzten Arbeitskreis ist ein Gewinn für alle Beteiligten. So können wir sicherstellen, dass die Umsetzung reibungslos verläuft, gute Ideen aus der Stadtgesellschaft einfließen können und das Projekt von einer breiten Basis getragen wird“, betont CDU-Fraktionsvorsitzende Christiane Schweer.
Der Arbeitskreis hätte dabei ein historisches Vorbild. Als die Wunstorfer Fußgängerzone Ende der 1970er Jahre geplant wurde, waren die entscheidenden Weichen vom damaligen Arbeitskreis Fußgängerzone gestellt worden. Unter Einbeziehung von Experten hatten Politik und Wirtschaft gemeinsam überlegt, wie die Innenstadt Wunstorfs in eine attraktive Fußgängerzone verwandelt werden kann, wie sie am Ende genau aussehen soll. Das Ergebnis ist noch heute zu sehen – und hat Wunstorfs Innenstadt den Ruf der „schönsten Innenstadt der Region“ beschert.
Was sind „ohnehin anstehende Infrastrukturmassnahmen“ und auf welcher Grundlage wird oder wurde das entschieden?
Und wenn man nicht mehr weiterweis
bildet man einen Arbeitskreis
Arbeitskreis könnten dann Vertreter aus „(…)Verwaltung, Planungsbüro, Politik, Einzelhandel, Eigentümerschaft und Bürgerschaft zusammenkommen, um bei konkreten Fragen zur Möblierung, Barrierefreiheit, Begrünung, Erreichbarkeit und Aufenthaltsqualität im Vorfeld Einfluss zu nehmen auf die finalen Entscheidungen.“
Man betrachte die Zusammensetzung.
Erkennbar ist schon jetzt, wer das Sagen haben wird, mit anderen Worten, es bleibt alles beim (A)alten.
Wäre es nicht eine Chance zu freiem Mitspracherecht aller der Bürger, die entgegenstehende Vorstellungen vertreten, gleich dem Paritätsprinzip?
Oder ist es die eingleisig anmutende Vorstellung Derjenigen, die durch ihren Schwerpunkt gemäß Sitzverteilung gekonnt Entscheidungsfreiheit bewusst beschneiden?
Die Frage ist, warum nicht unabhängige Gremien geschaffen werden, auch Vertreter von Naturschutz und Umwelt einschließend und nicht nur Marketingstrategen und Architektenplaisir?
Denn letztendlich bestimmt Neubau und Veränderung allem, dem (potentiellen) Käufer bislang Vertrauten das Kaufverhalten der Bürger.
Es gilt, genau hinzusehen. Natürlich ein Arbeitskreis mal wieder. Heutzutage eine Simulation von Bürgernähe und nicht vergleichbar mit den eher pragmatischen Arbeitskreisen der 1970er Jahre.
Mal sehen, wer sich im Arbeitskreis wiederfindet. Auch danach wird sich die Qualität des Arbeitskreises zeigen und das Ergebnis der Maßnahmen in eher realistsch/pragmatisch oder weiter ideologisch durchtränkt auswirken. Ich hoffe auf keinen Effekt im Sinne des verbrannten Mottos ‚wir schaffen das‘.
Eigentlich hatte ich auf eine öffentliche „Anhörung“ gehofft, eine Art Kommunikationsaustausch zwischen Interessierten und Interessenten einer schönen grünen Stadt Wunstorf, durchkämmt mit hilfreichen Ideen und nicht verwaesserten Sprüchen. Aber wenn eine parteigebundene, durch sie imitierte Veranstaltung geboten wird, ist es für mich nicht schlüssig, inwieweit die Belange neutraler Art vorgebracht werden können, ohne dass als Paradox die indirekt ohnehin vorherrschende Meinung der Parteigenossen Vorrang besitzt.
Da mittlerweile wohl auch die Kritik und das ausgesprochene Missempfinden gegen allzu spektakuläre Veränderungen gleichweder Art in den Köpfen der Verantwortlichen angekommen zu sein scheint, kann sich eigentlich keiner mehr der Unkenntnis freimachen und anhand seiner trials den Irrtum zu spät erkennen.
Der Arbeitskreis als Versuch, Rechtfertigung oder Alibi, falls wieder etwas schiefgeht, das ist hier die Frage.
Bedauerlich, wenn das Vertrauen in derartige Dinge schon verlorengegangen ist.
,Die bauliche Substanz ist erneuerungsbedürftig.“
Bezugnehmend nicht auf Gebäude zu focussieren, wohl eher auf das Konstrukt der Erneuerungen letzter Zeit, siehe Barne.
In der Tat.Es werden ohnehin anstehende Strukturmassnahmen als eine der üblichen Worthüsen erwähnt. Siehe Text Auepostartikel, hinterfragt auch bereits durch Jörg Knop. Meine Neugier ist geweckt.Es wäre angebracht, diese Maßnahmen nun mal doch im Sinne der beschworen Transparenz näher zu benennen.
Bisher keine spezifische Resonanz. Das nennt man Transparenz. Ich habe da so meine Vermutung.
Das ist aber sehr großzügig von der SPD und ihrem baupolitischen Sprecher, dass ein Arbeitskreis dann die Möblierung und andere Nebensächlichkeiten mit entscheidenden darf. Das Große Ganze muss man natürlich den besonders qualifizierten Personen zur Entscheidung überlassen werden. Darüber bitte nicht mehr diskutieren. Das könnte die Demokratie gefährden.