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Kolenfelder Bürgerinitiative fordert weiter Alternativen zum ICE-Trassenneubau

18.10.2023 • Redaktion • Aufrufe: 1769

Verhindern letztlich die alten Kali-Stollen tief unter Wunstorf, dass die geplante neue Schnellbahntrasse durch Kolenfeld verläuft? Die Bürgerinitiative im Ort kann hoffen – aber die Neubaupläne haben nach wie vor Priorität bei der Bahn.

18.10.2023
Redaktion
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Die BI Wir für Kolenfeld informiert über die möglichen Bahnpläne und sammelt Unterschriften“ | Foto: BI

Kolenfeld (red). Die Bürgerinitiative (BI) „Wir für Kolenfeld“ kämpft gegen den Neubau einer ICE-Schnellbahntrasse durch den Ort – zusätzlich zu Mittellandkanal und Autobahn A2 –, gibt und sammelt Informationen. Und sie schaut über den Tellerrand, was in den Nachbarkommunen zum Thema geschieht. Was die Bahn dort an Informationen gegeben hat, verheißt nichts Gutes – doch es besteht durchaus Grund zur Hoffnung, dass die Trasse, wenn sie wie angestrebt gebaut wird, am Ende nicht durch Kolenfeld führen wird.

Die Bahn informiert in Seelze und Bad Nenndorf

Wie die Deutsche Bahn in den vergangenen Tagen bei Veranstaltungen in Bad Nenndorf und Seelze über den aktuellen Stand des Bahnprojektes Hannover–Bielefeld informiert hat, haben die Kolenfelder genau verfolgt. Es standen dort die Themen Sanierung, Ausfädelungen, Trinkwasserbereiche und Bodensetzungen im Vordergrund. Die Generalsanierung zwischen Wunstorf und Minden soll 2030 stattfinden und 5 Monate dauern, die Strecke in dieser Zeit voll gesperrt. Neben einer Modernisierung von Gleisbett, Bahnhöfen und Stellwerken soll auch digitale Technik eingebaut werden. „Diese Technik ermöglicht nach Aussage der Bahn eine Kapazitätserhöhung bis zu 30 % und kann damit die Strecke sofort entlasten und mehr Verkehr auf die Schiene bringen. Außerdem bietet eine Vollsperrung die Möglichkeit, Vorarbeiten am Bestand durchzuführen und so später einen Bestandsausbau schneller umzusetzen“, merkte Michael Bitterlich von der BI an. Ausfädelungen seien nötig, wenn eine Umfahrung Wunstorfs erfolgen soll. Die Bahn präferiert Ausfädelungen beim Lohnder Meer oder direkt aus dem Cargowerk mit einer Brücke über den Stichkanal Hannover Linden. Andere Optionen schließe die Bahn nun aus verschiedenen Gründen aus. Mit dem Wegfall der Ausfädelung in Letter werde eine mögliche Neubautrasse zwangsläufig nahe der A2 verlaufen und diese wohl auch kreuzen müssen.

Wasserschutzgebiet und Bergwerksstollen

Die ausgeprägten Wasserschutzzonen vor allem südlich der Autobahn 2, beispielsweise im Forst Estloh, ergeben weitere Einschränkungen für die Trassenfindung. Zur endgültigen Klärung sind noch zusätzliche Schritte wie Erkundungsbohrungen nötig. Nachdem die Bürgerinitiativen mehrfach darauf hingewiesen haben, wurde nun auch das Thema möglicher Bodensetzungen durch die Schächte des Kaliwerkes Bokeloh aufgegriffen.

Die aktuelle Analyse der Bahn zeigt demnach zwei kritische Bereiche südwestlich von Kolenfeld, die sich von Wunstorf bis nahe an die A2 ziehen. Nach Aussage der Bahn handele es sich um „bahnkritische Senken“, die eine Durchfahrung mit Hochgeschwindigkeit nicht zulassen. Damit würde ein Trassenverlauf durch den Haster Wald stark eingeschränkt.

Bahn will Ausbau der Bestandsstrecke nicht berücksichtigen

Als unrealistisch scheint, wie schon in der Wunstorfer Lokalpolitik skizziert, die Ertüchtigung der Bestandsstrecke durch Wunstorf als Alternative. Denn diese hätte wohl nicht nur monate-, sondern jahrelange Störungen auf der Strecke zur Folge. Nicht nur die Strecke müsste in dicht besiedeltem Gebiet verbreitert, auch der Bahnhof Wunstorf erheblich umgebaut werden. Ein Verkehrskollaps im Straßen- und Bahnknotenpunkt würde drohen.

Die Betrachtung der Bestandsstrecke lehne die Bahn ab, obwohl dies zu den Hauptforderungen der BI Kolenfeld gehöre. Deutlich sei auf den Veranstaltungen geworden, dass die Bahn sich weiter ausschließlich an der Vorgabe orientiere, die Fahrtzeit zwischen Bielefeld und Hannover um 17 Minuten zu reduzieren. Die BI Kolenfeld kritisiert insofern die Bahn, als dass darin keine Bürgerbeteiligung zu sehen sei. „Unter Dialog und Bürgerbeteiligung versteht die BI Kolenfeld etwas anderes!“, teilen die Kolenfelder mit.

Forderungen erneuert

Die Bürgerinitiative „Wir für Kolenfeld“ erneuert daher die Forderung nach einem ergebnisoffenen Dialog: Man unterstütze die Forderung der Bahn nach zwei zusätzlichen Gleisen zwischen Wunstorf und Minden, um die Voraussetzung zu schaffen, mehr Personen- und Güterverkehr auf die Schiene zu verlagern. „Wir fordern aber den Ausbau der Bestandsstrecke. Ein Neubau würde massive Eingriffe in die Natur, Landschaft und Landwirtschaft bedeuten und steht in keinem Verhältnis zu einer Fahrzeitersparnis von 2 bis 3 Minuten bei der Umfahrung von Wunstorf. Außerdem verbindet eine Hochgeschwindigkeitstrasse lediglich Großstädte miteinander und zielt damit auf Fernreisende ab. Im Schienennahverkehr gibt es allerdings zwanzigmal mehr Fahrgäste als im Fernverkehr. Wenn zum Erreichen der Klimaziele Verkehr von der Straße auf der Schiene verlagert werden soll, dann ist es sinnvoller, den Nah- und Regionalverkehr auszubauen“ so Jörg Nohl, Sprecher der BI.

Unterschriftensammlung gestartet

Um diesen Forderungen Nachdruck zu verleihen, hat die BI Kolenfeld eine entsprechende Unterschriftensammlung in Kolenfeld gestartet. „Es war eine tolle Erfahrung zu erleben, wie interessiert die Kolenfelder an dem Thema sind und wie stark die Unterstützung für die BI im Ort ist“, so BI-Mitglied Peter Krippner. Unterstützung sehen die Kolenfelder auf vielen politischen Ebenen: So hätten die beiden stärksten Landesgruppen der SPD-Fraktion im Bundestag, Niedersachsens/Bremens und Nordrhein-Westfalen mit großer Mehrheit ein Positionspapier verabschiedet, in dem für die Strecken Hamburg–Hannover und Bielefeld–Hannover der Ausbau der bestehenden Strecken eingefordert werde. Ebenso würden sich Politiker und Gemeinde- sowie Landkreisvertreter aus Ostwestfalen-Lippe und Schaumburg gegen einen Neubau aussprechen.

Eine genauere Festlegung auf mögliche Verläufe neuer Schienen ist unterdessen weiterhin nicht ersichtlich – die Vorstellung konkreter Trassenkorridore sei erneut verschoben worden und solle nun Ende 2023 oder Anfang 2024 erfolgen, teilte die BI mit.

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Kommentare


  • Ein Luther sagt:

    Am Ende findet sich leider auf jeder Strecke irgendein Mensch, der sich benachteiligt fühlt. Die Politik wird den Stillstand als Fortschritt verkaufen und der Verkehr in Norddeutschland wird weiterhin zusammenbrechen wenn auf einem von 2 Gleisen irgendetwas nicht so funktioniert, wie es geplant war. Die Unterschiede werden jedoch sein dass nach einer Verdichtung des Taktes -wenn es denn überhaupt möglich ist- die Anzahl der verspäteten Züge noch erhöht sein wird und mehrer 100 Millionen € in Planung investiert sein werden.

  • Wunni sagt:

    Ich wäre dafür, dass die BI Kolenfeld mal den Anliegern direkt an der Bestandsstrecke nach Minden erklärt, wie toll es ist, wenn für zwei weitere Gleise daneben ihre Häuser abgerissen oder die Gärten verkleinert werden müssen, damit die Gleise direkt neben ihren Häusern entlang geführt werden können.

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