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Stadtverwaltung: Komplettumbau der Fußgängerzone ist die wirtschaftlichste Lösung

07.02.2026 • Redaktion • 3 Min.Kommentare: 7

Nicht die nachhaltigste, sondern die wirtschaftlichste Variante brächte für Wunstorf die meisten Vorteile bei der Innenstadtsanierung – das hat die Verwaltung jetzt im Bauausschuss vorgerechnet.

07.02.2026
Redaktion
3 Min.
Brunnenanlage in der Fußgängerzone Wunstorf | Foto: Schneider

Wunstorf (red). In der jüngsten Sitzung des Bauausschusses hat die Stadtverwaltung Wunstorf die möglichen Varianten zur Erneuerung der Kanalisation in der Fußgängerzone vorgestellt und die jeweils anfallenden Kosten verglichen. Dabei kam heraus: Die komplette Sanierung wäre nicht die günstigste und auch nicht die nachhaltigste, aber für Wunstorf die billigste und beste Lösung.

Zu Grunde gelegt wurde folgende Annahme: Die Fußgängerzone umfasst insgesamt rund 11.500 Quadratmeter. Im Zuge einer ausschließlichen Kanalerneuerung wären davon etwa 5.300 Quadratmeter unmittelbar betroffen und müssten anschließend oberflächlich instandgesetzt werden: neues Pflaster wäre an diesen Stellen dann nötig. Ob die restlichen 6.200 Quadratmeter der Fußgängerzone dann erhalten werden könnten, würde sich allerdings erst im Rahmen der detaillierten Bauplanung herausstellen. Sollten Versorgungs- oder Telekommunikationsunternehmen eigene Baumaßnahmen vornehmen, könnte ein noch größerer Bereich erneuert werden müssen.

Demnach kommen drei mögliche Wege in Frage, wie vorgegangen werden könnte:

Variante 1: Die kleinteilige Oberflächensanierung

Dabei würde das Pflaster für die Untergrundsanierung entfernt, aufgearbeitet und in den betroffenen Bereichen anschließend wieder wie zuvor verlegt werden. Das typische Muster aus der Mischung von 30 Prozent Sandsteinpflaster und 70 Prozent rotem Klinkerpflaster bliebe erhalten. Vorteil wäre die Nachhaltigkeit, also die Wiederverwendung des schon vorhandenen Materials – doch ein gravierender optischer Nachteil könnte entstehen: Die wiederaufbereiteten Steine würden danach anders aussehen als die weiterhin liegenden Exemplare – es könnte zu fleckenartigen Mustern im Belag kommen, das alte Pflaster im vergleich zum wiederverlegten sozusagen schmutzig wirken. Auch seien die Kosten für die Aufbereitung dann vergleichsweise hoch, so dass pro Quadratmeter 515 Euro aufliefen. Insgesamt würde dabei aber am wenigsten Steuergeld aufgewendet: Etwa 2,73 Millionen würde diese Lösung kosten. Allein schon wegen der späteren seltsamen Optik kommt diese Variante für die Verwaltung aber von vornherein nicht in Frage.

Variante 2: Komplette Wiederherstellung mit vorhandenem Material

Bei dieser Variante würde das komplette Pflaster entfernt, nicht nur an den Stellen, unter denen für die Kanalsanierung gearbeitet werden muss. Hinterher würde das so gewonnene Material ebenfalls aufbereitet und größtenteils wiederverwendet werden. Hierbei würde der Quadratmeter 377 Euro kosten, insgesamt liefen 4,22 Millionen Euro auf. Das bekannte Muster in der Fußgängerzone würde damit aber verschwinden, Steine würden durchgehend auf voller Straßenbreite verlegt werden. Auch hierbei bleibt die Wiederaufbereitung aber ein Kostentreiber.

Variante 3: Vollständige Neugestaltung

Dies ist die Variante, die auch dem Siegerentwurf im Architektenwettbewerb entspricht. Neue Steine würden in der Fußgängerzone verlegt, ganz neue Flächen hergestellt, das alte Material entsorgt. Der Mix aus rotem und grauem Stein sowie die wiederum abweichende Martkplatzgestaltung würde verschwinden und ein einheitliches Bild entstehen. Damit würde der Quadratmeter Fußgängerzone 350 Euro kosten, insgesamt wären es 4,02 Millionen Euro Steuergeld, die aufzuwenden sind. Wunstorf müsste in diesem Szenario jedoch aufgrund der Städtebauförderung nur 1,32 Millionen dazugeben, bekäme also zum halben Preis einer Teilsanierung quasi eine komplett neue Fußgängerzone hinzugeschenkt.

Die Stadtspitze, die Verwaltung und die SPD favorisieren deshalb klar Variante 3: „Die Oberflächensanierung im Rahmen der Innenstadtsanierung ist nicht nur die wirtschaftlichste Lösung, sie bringt auch die größten Verbesserungen mit sich. Bei den beiden anderen Varianten zahlen wir mehr und erhalten am Ende weniger. Verbesserungen etwa bei Barrierefreiheit oder Klimafolgenanpassung bleiben dort aus. Bauzeiten und Einschränkungen entstehen bei allen Varianten – am Ende sollte dann aber echter Fortschritt stehen und nicht lediglich der teure Erhalt des Bestehenden. Der Vergleich macht deutlich, dass die Erneuerung der Kanalisation im Rahmen der Innenstadtsanierung die einzig richtige Entscheidung sein kann“, so Bürgermeister Carsten Piellusch (SPD).

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Kommentare


  • Michael sagt:

    Liebe Auepost,

    könnten Sie das Thema bitte noch einmal in die aktuellen Diskussionen zur Innenstadt einordnen?

    Nach meinem Verständnis werden hier drei unterschiedliche Punkte miteinander vermischt:
    1. die unaufschiebbare Sanierung der Kanalisation einschließlich der Verlegung neuer Leitungen, u. a. für Fernwärme,
    2. die im Artikel beschriebene Sanierung der Oberfläche sowie der Abbau von Barrieren,
    3. die Neugestaltung der Fußgängerzone.

    Verstehe ich richtig, dass sich die im Artikel genannten Kosten ausschließlich auf Punkt 2 (Oberflächensanierung) beziehen?

    Wie hoch sind die Kosten für die übrigen Punkte?

  • Basti g. sagt:

    Bitte keine Schulden aufnehmen in dieser Zeit ! Keiner weiss wie es weitergeht mit der Wirtschaft

    • FK sagt:

      Ich glaube es ist falsch Schulden im Generellen zu verteufeln! Ich bin ein großer Befürworter von Generationengerechtigkeit aber das heißt nicht, dass man gar keine Schulden machen kann. Es gibt auch gute Schulden, die sich refinanzieren. Ein gutes Beispiel dafür ist städtischer Wohnungsbau. Dass dieser aktuell nicht vorangetrieben wird weiß ich wohl aber das kann sich nach der Wahl mit den neuen Mehrheitsverhältnissen ändern

  • Wunstorfer sagt:

    Wenn Sie jetzt ein älteres Auto haben, beispielsweise einen alten Diesel, der hier und da ein paar Macken und Dellen hat, mit denen man sich über die Zeit arrangiert hat, ihnen vielleicht sogar Namen gegeben hat.
    Und nun ist dieses Auto aufgrund des Alters und der Abnutzung kaputt und muss repariert werden, weil es sonst nicht durch den TÜV kommt.
    Würden Sie dann mehr Geld in die Reparatur eines alten Autos stecken, mit den bekannten Defiziten in Komfort, Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und Umwelt, als Sie für ein Neuwagen ausgeben müssten, zumal es derzeit ja auch eine Förderung dafür gibt?

    Diese Entscheidung ist gerade zu treffen, nur in einem viel größeren Maßstab.
    Mögen die Entscheider weise handeln, zumal es unser aller Geld ist.

    • Anonym sagt:

      „Würden Sie dann mehr Geld in die Reparatur eines alten Autos stecken, mit den bekannten Defiziten in Komfort, Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und Umwelt, als Sie für ein Neuwagen ausgeben müssten, zumal es derzeit ja auch eine Förderung dafür gibt?“

      Was für eine wirtschaftlich komplett unsinnige Aussage von jemandem, der offensichtlich gar nichts begriffen hat.

      Durchschnittlicher Preis eines Mittelklasse-Neuwagens 2025: 44.560 €
      Dem stellen wir nun die durchschnittlichen Wartungs- und Reparaturkosten pro Jahr eines 10-, 20- und 30 jährigen Mittelklasse-Wagens gegenüber:

      10 Jahre alt: etwa 600–1.000 €/Jahr (Inspektionen, Verschleißteile, erste größere Sachen wie Fahrwerk, Auspuff, Bremsen)

      20 Jahre alt: etwa 1.000–1.800 €/Jahr (häufigere Reparaturen, teurere Teile wie Kupplung, Fahrwerk, Rostarbeiten; stark vom Modellzustand abhängig)

      30 Jahre alt (Young-/Oldtimer im Alltagsbetrieb): etwa 1.500–2.500 €/Jahr, bei Liebhaber-/Oldtimerhaltung auch deutlich mehr möglich

      Was heißt das konkret?

      Für den Preis eines Mittelklasse-Neuwagens (44.560 €) kann ich einen 10 Jahre alten Mittelklasse-Wagen noch knapp 45 (!) Jahre betreiben.

      Für den Preis eines Mittelklasse-Neuwagens (44.560 €) kann ich einen 20 Jahre alten Mittelklasse-Wagen noch knapp 28 Jahre betreiben.

      Für den Preis eines Mittelklasse-Neuwagens (44.560 €) kann ich einen 30 Jahre alten Mittelklasse-Wagen noch knapp 18 Jahre betreiben.

      Dazu kommt, dass wegen der weiteren Nutzung des älteren Fahrzeuges kein neues gebaut werden muss und daher die vielbeschworene CO2-Bilanz eines alten Fahrzeuges IMMER besser ist, als das eines neuen Fahrzeuges.

      Und dass es derzeit gerade eine Förderung gibt, ist ein ganz dummes Argument. Förderung ist IMMER ein politisch-ideologischer Irrweg, welcher dem Steuerzahler teuer zu stehen kommt.

      Der Markt und der Kunde entscheidet. Immer dann, wenn etwas der Förderung bedarf, zeigt das nur, dass das Angebot nicht stimmt. Das ist schon IMMER so gewesen und es ist auch immer schief gegangen, denn das führt geradewegs in die sozialistische Planwirtschaft.

  • Birgit sagt:

    Lieber Anonym, ich frage mich ohnehin seit langem, mit welchen Summen hier jongliert wird. Und ich frage mich auch, wer die dicken Brummer neuerer Bauart zu bezahlen weiß, die so viel kosten, wie manch ein Mensch noch nicht einmal im Jahr verdient. Daher schätze ich Ihre Antwort bezugnehmend auf Inhalt des vorangegangenen Artikels. Wer zahlt die Zeche wo und warum?

    • Anonym sagt:

      Ideologie führt IMMER in die Pleite. Siehe DDR und siehe die aktuellen Entwicklungen deutscher Autobauer und der deutschen Politik hinsichtlich ihres Klima-Wahns.

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