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Stadt traut Viongelände-Investor nicht mehr über den Weg – Neue Mitte will trotzdem bauen

14.05.2024 • Redaktion • Aufrufe: 1339

Die Stadtverwaltung fürchtet, dass auf dem ehemaligen Vion-Gelände mit den neuen Plänen des Eigentümers ein Ghetto entstehen könnte. Die Alternativpläne für verdichtete Bebauung mit Mehrfamilienhäusern neben dem Flüchtlingswohnheim werden abgelehnt. Eigentümer Neue Mitte will jedoch weiterhin bauen oder aber das Gelände anderen Investoren verkaufen – aber nicht unter Wert.

14.05.2024
Redaktion
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Industrieruine auf dem ehemaligen Vion-Gelände (Archiv) | Foto: Daniel Schneider

Wunstorf (red). Einen Tag vor der geplanten Informationsveranstaltung von Viongelände-Projektentwickler Neue Mitte bezieht die Stadtverwaltung Position. Am Dienstagmorgen erreichte eine entsprechende Pressemitteilung die örtlichen Redaktionen. Es ist nach der zurückliegenden Aufkündigung der Zusammenarbeit eine erneute harte Abfuhr mit überdeutlichen Worten in Richtung von Björn Hiss.

Ursprünglich sollte mit Hiss die Umsetzung eines prämierten städtebaulichen Konzepts gelingen – die Schaffung eines modernen Wohnquartieres. Dies hatte sich wegen unterschiedlicher Vorstellungen zur tatsächlichen Realisierbarkeit und geänderter Rahmenbedingungen zerschlagen.

In der vergangenen Woche hatten Bürgermeister Carsten Piellusch (SPD) und Björn Hiss noch einmal miteinander gesprochen, um die Alternativpläne von Hiss, nun Mehrfamilienhäuser im sozialen Wohnungsbau zu errichten, zu erörtern. Das Resultat gleicht offenem Streit.

Keinerlei Annäherung

Die Stadt wirft dem jetzigen Eigentümer des ehemaligen Industrieareals in der Kernstadt Wunstorf nun vor, sich um zentrale Punkte wie Lärmschutz nicht gekümmert zu haben und bezweifelt nach den „bisherigen Erfahrungen“, dass die Neue Mitte überhaupt bauen würde, wenn sogar wie gewünscht eine vollständige Neuplanung des Geländes vorgenommen würde.

Wunstorf hält an den ursprünglichen Plänen für ein großes Stadtquartier fest. „In dem Gespräch konnte keine Annäherung zwischen der Position der NMW und der Stadt erreicht werden. Die Stadt möchte weiterhin Wohnraum in Wunstorf schaffen und die städtebauliche Entwicklung des Vion-Areals vorantreiben. Trotz Verhandlungen über mehr als 2 Jahre, zahlreicher Zugeständnisse der Stadt und weiterer Kompromissbereitschaft lassen sich die weit auseinanderliegenden Positionen aber nicht harmonisieren“, heißt es seitens der Stadt. „Ein nahezu unterschriftsreifer städtebaulicher Vorvertrag ist von der NMW nicht unterzeichnet worden. Eine von ihr selbst vorgelegte Planungsvariante will sie nach ausführlicher Diskussion in einem eintägigen Workshop nicht umsetzen. Ihr Argument einer fehlenden Wirtschaftlichkeit hat sich im Nachhinein als nicht tragend erwiesen. Nunmehr nimmt sie gänzlich von einer Gesamtplanung des Areals Abstand und möchte nur in einem Teilbereich eine Bebauung vornehmen, die keiner der bislang vorliegenden Planungsvarianten entspricht.“

Wunstorf befürchtet Ghetto-Bildung, Veränderungssperre wird vorbereitet

Die Ankündigung, sozialen Wohnraum schaffen zu wollen, wird als „rhetorisch durchaus geschickt“ eingeordnet. Auf die Konzentration auf wenige eng stehende Wohngebäude anstatt einer verteilten Anordnung über das gesamte Areal will man sich aber nicht einlassen. Man befürchtet eine „Ghettoisierung“, zudem fehle ein Gesamtkonzept.

Der Verwaltungsausschuss hat am gestrigen Montag daher nun die Empfehlung an den Stadtrat ausgesprochen, die Bauvoranfrage über die Teilbebauung des Vion-Areals für ein Jahr zurückzustellen und die Verwaltung zu beauftragen, eine Veränderungssperre vorzubereiten. Im Kern wird damit an einer Gesamtentwicklung des Areals festgehalten, der Filetierung des Geländes eine Absage erteilt. Nun ist der Stadtrat am Zuge. Bei der Neuen Mitte ist man allerdings davon überzeugt, dass Abwarten nichts an der Lage ändern wird. Die alten Pläne für das Stadtquartier würden niemals finanzierungsfähig sein. Dies sei Wunschdenken und zementiere den Status quo lediglich für viele Jahre.

Neue Mitte wirft Stadt falsche Annahmen vor und will weiter bauen

Björn Hiss reagierte für die Neue Mitte am Vormittag ebenfalls mit einer Presseerklärung und korrigiert darin zurückliegende Aussagen der Stadt. Darin wird deutlich, dass bei Gesprächen zwischen anderen Investoren und der Stadt quasi vorausgesetzt worden sei, dass die Neue Mitte das Gelände zum Schnäppchenpreis verkaufen werde. Man werde aber nicht unter Wert verkaufen. Vielmehr wird darauf hingewiesen, dass auch neue Investoren auf eine Änderung der ursprünglichen Planungen drängen.

Für Hiss sind weiterhin signifikante, „völlig geänderte Rahmenbedingungen“ relevant. Das Festhalten an den alten Plänen sei unwirtschaftlich und nicht realisierbar. Ein echtes Entgegenkommen seitens der Stadt Wunstorf wäre es nur, wenn eine neue, auch realisierbare Planung ermöglicht würde.

Den impliziten Vorwurf, nur taktisch zu handeln und die neuen Pläne gar nicht wirklich umsetzen zu wollen, weist die Neue Mitte ebenfalls strikt zurück: Da die Stadt wolle, dass das Flüchtlingswohnheim am Luther Weg dauerhaft erhalten bleibe, seien viergeschossige Mehrfamilienhäuser in der Umgebung zulässig und genehmigungspflichtig. Die geplante Veränderungssperre wäre nur „Verhinderung von Bautätigkeit“ auf dem Areal. „Würde die Stadt hier konstruktiv mitwirken, könnten 80-90 Wohnungen mit günstigen Mieten innerhalb von anderthalb Jahren dort bereitgestellt werden. Wir fordern die Stadt daher auf, konstruktiv an diesem Bauvorhaben mitzuwirken und es möglich zu machen, statt auch hier nur zu verhindern.“

Stadt sagt Teilnahme ab, Neue Mitte lädt weiter ein

Am geplanten, von der Neuen Mitte ausgerichteten Dialog am Mittwochnachmittag im „Calenberger“ wird die Stadt nicht teilnehmen. „Es steht nicht zu erwarten, dass dabei Fortschritte erzielt werden können“, so die Stadtverwaltung. Hiss erneuert hingegen die Einladung: „Die Stadtverwaltung ist jederzeit weiterhin herzlich eingeladen, sich der Diskussion, auch mit den anwesenden Fachingenieuren, zu stellen und ihre Argumente vorzutragen.“

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