Quartiergespräche

Die Werbegemeinschaft Wunstorf

„Die Aktionen würde es nicht mehr geben“

Zu Gast bei den Auepost-Quartiergesprächen: die Wunstorfer Werbegemeinschaft, vertreten durch den Vorsitzenden Michael Schaer und Vorstandsmitglied Marko Battermann.

Vorstand Werbegemeinschaft
Marko Battermann und Michael Schaer | Foto: Mirko Baschetti

Beim letzten Altstadtfest flatterten auf einmal Fahnen mit dem Konterfei von „Wunni Wunstorf“, dem alten Maskottchen der Werbegemeinschaft Wunstorf, an den Laternen in der Fußgängerzone. Es war das erste Mal seit längerer Zeit, dass die Werbegemeinschaft buchstäblich „Flagge zeigte“ und im Stadtbild sichtbar war. Gemeint ist damit wohlgemerkt nur die nach außen getragene Sichtbarkeit, denn präsent ist die Werbegemeinschaft eigentlich immer – das wissen nur viel zu wenige.

Sogar Marko Battermann, Inhaber des gleichnamigen Elektronikgeschäfts, war überrascht, als er im Vorstand aktiv wurde: „Was? Das machen alles wir?“, wäre seine erste Reaktion gewesen, nachdem er vom Tätigkeitsspektrum erfuhr. Tatsächlich übernimmt die Werbegemeinschaft in Wunstorf viele Aufgaben, die andernorts die Verwaltung oder sogar ein Citymanager übernimmt. Würde der Händlerverbund seine Tätigkeit von heute auf morgen einstellen, würden es die Wunstorfer schlagartig merken. Denn es fehlte dann nicht nur die Interessenvertretung derjenigen, die sich für die „schönste Innenstadt der Region“ starkmachen und diesen Slogan immer wieder neu mit Leben füllen. Es wären auch nahezu alle Veranstaltungen in der Fußgängerzone verschwunden.

Fast alle Veranstaltungen gehen auf ihr Konto

Die vielen Veranstaltungen, die Wunstorfs Innenstadt lebendig halten und immer wieder Anziehungspunkt für die Massen sind, entspringen dem Werk der Werbegemeinschaft: Weihnachtsmarkt, Herbstmarkt, Flohmärkte, verkaufsoffene Sonntage, Altstadtfest, Maibaumaufstellung, Maifest, Autoschau oder Streetfoodmarkt – das alles verantworten und stellen die Mitglieder selbst auf die Beine. Sechzehn Veranstaltungen gab es in diesem Jahr in der Innenstadt – 14 davon wurden von der Werbegemeinschaft organisiert. Den Weihnachtsmarkt gibt es zum Beispiel schon seit 1971 – so lange wie die Werbegemeinschaft selbst. Damals stand der noch nicht auf dem Marktplatz, sondern vor der Abtei.

Gewürdigt wird das Engagement der Geschäftsleute jedoch selten, viele nehmen die Veranstaltungen als selbstverständlich hin. Sauer aufgestoßen sei den Mitgliedern deshalb auch, dass die Auepost im Oktober eine ironische Momentaufnahme von einem leergefegten Herbstmarkt zeigte – den Gag habe man zwar verstanden, aber fand ihn trotzdem daneben, sagt Vorsitzender Michael Schaer. Denn es konterkariere die Bemühungen der Werbegemeinschaft, Wunstorf als beliebten Veranstaltungsort zu erhalten und auszubauen. Dass der Herbstmarkt nämlich ganz im Gegenteil rappelvoll gewesen sei und die beteiligten Aussteller hochzufrieden, war nämlich dabei völlig untergegangen. Wer nicht selbst vor Ort war, könnte daher einen falschen Eindruck bekommen.

„Es funktioniert nur, weil wir das selbst in der Hand haben.“

Die vielen Veranstaltungen bedeuten nicht nur Organisation und viel Verwaltungsaufwand, der damit einhergeht. Die Mitglieder der Werbegemeinschaft packen oft auch selbst mit an, z. B. beim Maibaumaufstellen. Die Weihnachtsbeleuchtung wurde ebenfalls durch die Werbegemeinschaft angeschafft. Aber der Aufwand lohne sich. „Was macht ihr mit eurer Innenstadt, warum ist bei euch so viel los?“, käme manchmal die Frage aus den umliegenden Städten, erzählt Marko Battermann. „Es funktioniert nur, weil wir das selbst in der Hand haben“, erklärt Michael Schaer. Zuletzt nun wurden 180 Tannenbäume gekauft und in der Innenstadt verteilt. Zweieinhalbtausend Euro und unentgeltliche Arbeitszeit wurden dafür investiert.

Neuauftakt 2020

Dabei soll es 2020, nach den Querelen um die alten Citygutscheine, erst wieder so richtig losgehen. Die Werbegemeinschaft will im kommenden Jahr viel Neues anpacken, nachdem man die letzten drei Jahre die Altlasten abgearbeitet und eine gute Bilanz erwirtschaftet habe, sagt Schaer. Man dürfe sich freuen, dass es in eine sehr gute Zukunft ginge.

Zunächst muss aber noch ein neuer Vorsitzender gefunden werden, denn Schaer tritt nicht wieder an. „35 Jahre Engagement sind nun genug“, sagt er. Sein Nachfolger müsse idealerweise jemand sein, der nicht nur Lust, sondern auch die Zeit habe, sich als Vorsitzender zu engagieren. Der Vorsitz mache nämlich viel Spaß, aber noch mehr Spaß, wenn man sich auch richtig darum kümmern könne.

Die Alternative, die Veranstaltungen von Externen ausrichten zu lassen, könne sich niemand wünschen, sagt Schaer. Einmal, vor vielen Jahren, habe man das Altstadtfest an eine Brauerei gegeben – und hatte dann die halbe Innenstadt nicht nur mit Ankündigungen, sondern auch mit Bierwerbung vollgepflastert. Vor allem aber waren die Kosten explodiert.

Imagewerbung für die Stadt

Dass auch die Nichtmitglieder von den Bemühungen der Werbegemeinschaft profitieren, ist diesen selbst nicht immer klar: Da würde schon mal darüber gemeckert, dass bei der Autoschau tatsächlich Autos vor den eigenen Schaufenstern stehen würden – und der Anziehungseffekt, der die Massen in die Innenstadt zieht, ausgeklammert. Man könne natürlich auch nicht jedes Geschäft an die Hand nehmen, aber man sorge für gute Rahmenbedingungen, sagt Schaer.

Das zieht unterm Strich immer mehr Mitglieder an, sogar aus dem Umland machten immer mehr mit. Knapp 70 Mitglieder habe die Wunstorfer Kaufmannsgilde derzeit, und auch mittelbar erhält sie nun Zuspruch: Kürzlich habe man auch die Nichtmitglieder gebeten, sich an den Kosten für die jüngsten Veranstaltungen zu beteiligen – und die Resonanz war gut. Sogar die Filialgeschäfte, die sich normalerweise sehr zurückhalten, hätten die eher als symbolischen Preis zu verstehenden 40 Euro bezahlt. Bei einigen Einzelhändlern hatte es zwar auch für Unmut gesorgt, da der Brief unglücklich formuliert war, doch die meisten der Angeschriebenen nutzten die Geste, der Werbegemeinschaft Anerkennung zu zollen. Die reguläre Mitgliedschaft in der Werbegemeinschaft kostet übrigens gar nicht so viel mehr. Früher war der Beitrag an die Geschäftsfläche gekoppelt, heute geht es nach Mitarbeiterzahl. „Einzelkämpfer“ können daher schon ab 25 Euro im Monat dabei sein, mitarbeiterstärkere Läden zahlen bis zu 200 Euro.

Neustart für die Citygutscheine

Die Händlervereinigung tut so viel für das Image der Stadt, dass der Begriff „Werbegemeinschaft“ im Grunde viel zu kurz greift. Einen Namenswechsel, der stärker den Einsatz für alle Wunstorfer transportieren würde, erwägt man aber nicht. Die Traditionslinie wolle man nicht brechen.

Ganz neu wird aber das Gutscheinsystem sein, das man 2020 endlich wieder einführen will. Die Kunden wollen nämlich gerne etwas Persönlicheres verschenken, das lokalen Bezug hat und nicht nur anonyme Amazongutscheine. Für die Mitglieder gebe es zudem im neuen Jahr ein besonderes „Bonbon“, als Dank für die oft jahrzehntelange Treue auch in schwierigeren Jahren. Mehr will Schaer aber noch nicht verraten.

Dieser Bericht erschien zuerst in Auepost 12/2019

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Auepost Redaktion

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