
Wunstorf (ds). Im Wunstorfer Stadtrat gibt es normalerweise nur eine „Waffe“, und die nutzt auch nur der Vorsitzende: Die Rats-Glocke, um sich Gehör zu verschaffen.
Doch am gestrigen Mittwochabend auf der Stadtratssitzung lag auch ein Säbel auf dem Tisch – der Teil der Insignien des Kommandeurs des Städtischen Schützenfestes ist.
Diese wurden während der Sitzung von Leon Troschke (SPD) an Nils Thöldtau (CDU) weitergereicht – dem Adjutanten des vergangenen Jahres, der traditionsgemäß im Folgejahr dann selbst auf den Chefposten rückt und das Wunstorfer Schützenfest leitet und kommandiert. Denn die Ernennung des Schützenfestkommandeurs stand auf der Tagesordnung.
In der nüchternen Ratsvorlage liest sich das dann so: „Nils Thöldtau hat im vergangenen Jahr mit großem persönlichem Engagement und hoher Zuverlässigkeit den Kommandeur Leon Troschke unterstützt. Aufgrund seines Einsatzes soll Herr Thöldtau im Jahr 2026 Kommandeur des städtischen Schützenfestumzuges werden.“

Troschke lobte seinen bisherigen Adjutanten, der bis dato noch keine Wunstorfer Schützenfesterfahrung gehabt hatte, noch einmal und überreichte ihm dann formell den Kommandeurssäbel. „Er hat das Schützenfest nicht nur kennen gelernt, sondern auch lieben gelernt“, so Troschkes Worte.
Thöldtau habe bewiesen, dass er das Zeug dazu habe, Kommandeur zu sein. Mit einem Handschlag und der – einstimmigen – Abstimmung der Ratsmitglieder war die Sache besiegelt.

Thöldtau gab auch Lob zurück in Form eines anerkennenden Rückblicks: Auf ihn wartet nun die Aufgabe, wie Troschke im vergangenen Jahr das Fass mit nur einem Schlag anzustechen.
Doch die eigentliche Überraschung, die der Öffentlichkeit noch nicht bekannt war, stand noch aus: Die Bekanntgabe, wer denn in diesem Jahr aus den Reihen der Ratsmitglieder den Adjutantenposten übernehmen würde.
Thöldtau machte es kurz und bündig und rief Daniela Helbsing (SPD) zu sich. Die sah nicht nur der Adjutantenwürde – in Form des Adjutantenkoffers – entgegen, sondern sorgte sogleich für ein neues Kapitel in der Schützenfesthistorie. Statt sich vom neuen Kommandeur mit Handschlag gratulieren zu lassen, fiel sie ihm stattdessen direkt um den Hals.
Einen derart begeisterten Antritt eines Schützenfestadjutanten hatte es in der überlieferten Geschichte des Städtischen Schützenfestes bislang noch nicht gegeben. Auch keinen frischernannten Kommandeur, der vom neuen Adjutanten sofort geknuddelt wird.
Die übrigen Ratsmitglieder konnten sich – trotz der überaus ernsten Angelegenheit einer Adjutantenwahl – das Lächeln nicht verkneifen.
Wenn ansonsten alles in der Tradition bleibt, dann bedeutet das auch: Im Jahr 2027 wird Daniela Helbsing die Kommandeurin des Wunstorfer Schützenfestes sein.
Wenn sich doch die alten Traditionen auch auf die ach so „modernen‘ Methoden der Zeitgeistmalerei politischen Amtes innehabender Personen dieser Region beziehen würde.
Aber weit gefehlt. Tradition ist old school, das Althergebrachte und oft nützlich, wird weggewischt und unter dem Deckmantel der „Neuerung“ versucht aufzutischen.
Daniela Helbsing hat es verdient! Eine Schützenschwester aus einer Schützenfamilien!