
Wunstorf (red). E-Scooter werden als Fortbewegungsmittel in Wunstorf immer beliebter. Auf den Straßen der Stadt erobern sie sich zunehmend Raum, die Elektrokleinfahrzeuge sind überall zu sehen, die Benutzung steigt spürbar.
Die Kehrseite: Derzeit vergeht kaum eine Woche, in der die Wunstorfer Polizei nicht mindestens einen E-Scooterfahrer ohne gültiges Versicherungskennzeichen aus dem Verkehr zieht. Die Konsequenzen sind unangenehm – denn auch bei E-Scootern bedeutet Fahren ohne vorhandene Haftpflichtversicherung eine Straftat im Straßenverkehr.
Doch ein anderes Problem macht der Polizei derzeit ebenfalls Sorgen und beschäftigt auch die Stadtverwaltung: Die Unfallzahlen im Zusammenhang mit E-Scootern steigen. Es ist kein rein Wunstorfer Phänomen, sondern bundesweit zu beobachten: Die Unfallzahlen in diesem Bereich haben sich von 2024 auf 2025 fast verdoppelt.
Nach aktuellen Erkenntnissen zählen insbesondere die falsche Nutzung von Verkehrsflächen, das unerlaubte Befahren von Gehwegen, Alkoholeinfluss sowie das Mitnehmen eines „Beifahrers“ auf dem E-Scooter zu den häufigsten Unfallursachen. Viele Scooterfahrer wissen offenbar nicht, wo sie mit dem Roller fahren dürfen – oder sie ignorieren die Regeln.
E-Scooter sind Kraftfahrzeuge und unterliegen klaren gesetzlichen Regelungen: Sie dürfen grundsätzlich nur auf Radwegen oder der Fahrbahn genutzt werden. Gehwege sind – sofern nicht ausdrücklich freigegeben – tabu. Sie dürfen nur allein gefahren werden, das Mitnehmen von weiteren Personen ist verboten. E-Scooter dürfen ab 14 Jahren gefahren werden, einen Führerschein benötigt man nicht, aber es sind Vorschriften zu beachten, die oft strenger sind als beispielsweise bei Fahrrädern. Im Straßenverkehr darf nur mit dafür zugelassenen Scootern gefahren werden, zusätzlich braucht man immer eine Haftpflichtversicherung = ein Versicherungskennzeichen.
Polizei und Stadt Wunstorf appellieren eindringlich an alle Nutzerinnen und Nutzer, sich an die geltenden Vorschriften zu halten. Auch wenn keine Helmpflicht besteht, wird das Tragen eines Helms ausdrücklich empfohlen, um insbesondere Kopfverletzungen zu vermeiden. Darüber hinaus wird darauf hingewiesen, dass bereits geringe Mengen Alkohol das Unfallrisiko erheblich erhöhen können.
Was viele Scooterfahrer ebenfalls nicht wissen: Bereits ab 0,3 Promille Alkohol im Blut kann man in bestimmten Konstellationen in den Bereich des Strafrechts kommen. Auch gelten dieselben Grenzwerte wie für Autofahrer: Ab 0,5 Promille droht bereits mindestens ein Bußgeld von 500 Euro und ein Monat Fahrverbot. Für Fahranfänger in der Probezeit und Personen unter 21 Jahren gilt sogar: 0,0 Promille, auch auf dem E-Scooter.
Neben der Eigengefährdung stellt rücksichtsloses Verhalten im Straßenverkehr auch eine Gefahr für andere dar. Insbesondere Fußgänger werden durch unsachgemäßes Fahren oder dem Abstellen von E-Scootern an behindernden Stellen beeinträchtigt. Menschen mit Rollator, Rollstuhl oder Kinderwagen bekommen Probleme.
Das gemeinsame Ziel von Polizei und Stadt Wunstorf ist es, E-Scooter als sinnvolle Ergänzung im Verkehr zu etablieren. Voraussetzung dafür sind Rücksichtnahme, Verantwortungsbewusstsein und die konsequente Einhaltung der geltenden Regeln durch alle Verkehrsteilnehmer. Zur Verbesserung der Verkehrssicherheit kündigt die Polizei an, ihre Kontrollen fortzuführen und Regelverstöße konsequent zu ahnden.
Danke für die sehr gute Situationsbeschreibung! Das Fehlverhalten nimmt stetig zu, ohne Konsequenzen zu haben. Selbst ehemals in der Verkehrserziehung Tätige, sind frei von jedem Unrechtsbewusstsein entgegen der Fahrtrichtung auf Gehwegen unterwegs. Einige Radwege in Wunstorf sind allerdings auch nur von Suizid Willigen befahrbar. Die Medien suchende Verwaltung sollte sich mal während der Verkehrs Stoßzeiten einen Selbsttest gönnen.
Danke, genau dieser Punkt ist entscheidend: Man muss fragen, wodurch diese Situation überhaupt so geworden ist.
Natürlich liegt der einzelne Regelverstoß zunächst beim jeweiligen Fahrer. Aber wenn ein Verhalten über Jahre sichtbar falsch läuft und praktisch folgenlos bleibt, dann entsteht im Alltag irgendwann ein neuer „Normalzustand“. Dann wird aus einer klaren Regel eine bloße Empfehlung.
Eigentlich wäre genau das die Aufgabe einer dauerhaften, niedrigschwelligen Kontrolle gewesen: nicht gleich drakonisch, sondern regelmäßig präsent sein, ansprechen, aufklären, Fehlverhalten früh stoppen. Eine Fußstreife oder Zivilstreife in der Fußgängerzone, die Radfahrer und E-Scooter-Fahrer direkt anhält und auf die Regeln hinweist, hätte vermutlich schon viel bewirkt.
Stattdessen lässt man solche Dinge oft erst zum Wildwuchs werden. Und wenn der Wildwuchs groß genug ist, wirkt plötzlich auch härteres Durchgreifen plausibel. Das ist der eigentliche Fehler: Nicht erst dann handeln, wenn man den großen Rasenmäher braucht. Man hätte viel früher mit sanftem, aber dauerhaftem Druck arbeiten müssen.
Kontrollen sind deshalb richtig – aber nur, wenn sie dauerhaft und sichtbar stattfinden. Eine kurze Schwerpunktaktion nach einem Artikel ändert nichts. Sonst gilt weiter: Wer dreist genug ist, kommt durch.
Wie schon einmal beschrieben es wird den ganzen Tag über in Bahnhofsnähe Industriestr und Hindenburgstr wie verrückt gefahren zu zweit, auf dem Bürgersteig usw. Und bis jetzt hat noch keiner reagiert und diese jungen Fahrer mal belehrt
Moin,
Endlich soll etwas passieren. Ich sehe so oft Kinder und Jugendliche unter 14 oder zu zweit mit e-Scootern fahren.
Neulich fuhr ein Vater mit seinem Kleinkind auf einem Scooter ohne Helm bei beiden. Besonders das man ein Kraftfahrzeug ohne Fahrerlaubnis bewegen darf birgt seine Risiken die nicht erkannt werden.
MfG
Noch besser:
Junge Dame auf E-Scooter. Steigt am Barnekreisel ca. 5 Meter vom Zebrastreifen entfernt auf den Scooter, telefoniert dabei mit dem Handy, fährt dann telefonierend einhändig zum Zebrastreifen und erzwingt sich vor einem schon dicht am Zebrastreifen herannahenden PKW die Überfahrt über den Zebrastreifen, stürzt fast und regt sich dann über den PKW-Fahrer auf.
Wäre es hier zur Kollision gekommen wäre ich gespannt, wer bestraft würde …
Das Problem beschränkt sich nicht auf E-Scooter. In Wunstorf hat sich leider allgemein eingebürgert, dass Gehwege von E-Scootern, E-Bikes und auch erwachsenen Radfahrern wie eine zweite Fahrbahn genutzt werden. Hinweise darauf, dass es sich um einen Fußweg handelt, werden oft nur mit einem ignoranten „ja, ja“ quittiert – und dann wird weitergefahren.
Teilweise geht es aber noch weiter: Man erlebt inzwischen auch, dass sich Radfahrer und E-Scooter-Fahrer auf dem Gehweg den Weg regelrecht freiklingeln wollen, als hätten Fußgänger dort auszuweichen. Das ist besonders dreist, weil sie auf dieser Fläche in der Regel gar nicht fahren dürften. Natürlich betrifft das nicht jeden, aber es kommt auffällig häufig vor.
E-Scooter fallen inzwischen besonders auf, weil sie häufiger werden und offenbar oft wie Spielzeuge oder „elektrische Gehhilfen“ behandelt werden. Tatsächlich sind es aber Fahrzeuge mit klaren Regeln. Besonders problematisch ist, dass es nicht nur um einzelne Verstöße geht: Man sieht Fahrten auf dem Gehweg, auf der falschen Seite, zu zweit auf einem Roller – teils sogar mit Kind vorne und Erwachsenem hinten.
Die eigentliche Ursache liegt aber nicht nur bei den einzelnen Regelverstößen, sondern bei der jahrelang fehlenden spürbaren Kontrolle. Eine Regel, die ständig gebrochen wird und praktisch folgenlos bleibt, wird im Alltag irgendwann nicht mehr als verbindlich wahrgenommen. Genau dieser Eindruck hat sich hier durchgesetzt: Radfahrer fahren durch Fußgängerbereiche, E-Scooter fahren über Gehwege, man klingelt sich den Weg frei – und meistens passiert nichts. Dann siegt am Ende schlicht die Frechheit.
Wenn diese Regeln im Alltag weder beachtet noch spürbar kontrolliert werden, entsteht genau der Zustand, den man inzwischen vielerorts beobachten kann: Es gibt zwar Vorschriften, aber praktisch keine Folgen.
Deshalb ist die angekündigte konsequente Kontrolle richtig – allerdings bitte nicht nur bei E-Scootern, sondern bei allen, die Gehwege rechtswidrig als Fahrfläche benutzen.
Deshalb ist die angekündigte konsequente Kontrolle richtig – allerdings bitte nicht nur bei E-Scootern, sondern bei allen, die Gehwege rechtswidrig als Fahrfläche benutzen.